Projekt 52 (28-34)

3. Oktober 2013

Es ist Feiertag, und weil ich nicht so der Typ fürs Feiern bin, nutze ich den stattdessen, um meine Projekt-52-Teilnahme zu komplettieren. Ich lade deshalb die wenigen Leser, die das interessiert, hinter den Trennstrich ein, und bitte die anderen um etwas Geduld.

Na logo. Lebt Frank Zander eigentlich noch? Ich habe ihn ja mal persönlich kennengelernt. War profund gruselig.

Den Rest des Beitrags lesen »


Another long and meandering post brought to you by „What’s the harm?“

12. Juni 2012

Ich habe vor langer Zeit angefangen, diesen Beitrag zu schreiben, und ihn dann verworfen, weil er mir zu konfus und – vor allem – zu missverständlich schien. Aber jetzt war hier so lange Pause, und ich habe so wenig Zeit, und an aktuellen Themen fehlt es auch gerade ein bisschen, da dachte ich, eigentlich könnte ich ihn ja doch veröffentlichen, und wer ihn missverstehen will, soll das eben tun, und wer sich an der Konfusion stört, der darf das auch gerne, und wer aber das Thema interessant findet und Ideen dazu beisteuern will, der kann mir helfen, ein bisschen weniger konfus zu werden. (Und das nächste Kapitel Bright Outlook kommt auch schon noch. Sobald ich wieder zum Schreiben komme.) Bitte schön:

Den Rest des Beitrags lesen »


Wild wucherndes Gedankenkonvolut über Skeptizismus, Aberglauben und Diskussionen und Zeug

21. April 2012

Habt ihr gerade ein bisschen Zeit? Schön, dann überlegt euch was Schönes, was ihr damit anfangen könnt. Habt ihr gerade ziemlich viel Zeit und seid wirklich verzweifelt auf der Suche nach einer Beschäftigung? Dann hab ich eventuell was für euch. Hinter dem Endloseswirresgelaberwarnungstrennstrich.

Den Rest des Beitrags lesen »


Verbrechen und Strafe, oder wohl doch eher nicht

17. September 2011

Heute bashen wir mal einen anderen dummen Aberglauben als das Christentum: Keoni und ich haben gestern beim Einkaufen an der Supermarktkasse einen Flyer von einer Feinstoffpraxis gefunden, und weil wir beide nicht so genau wussten, was das überhaupt ist, haben wir ihn mitgenommen.

Wenn man ihn mal aufklappt, dann kommt der Blödsinn schnell, und er kommt dicke.

„Über den physischen Körper hinaus haben wir Feinstoffkörper, die wie dieser Schmerzen empfinden oder in Unordnung geraten können, wenn man mit ihnen unachtsam umgeht. Die Auswirkungen können feinstoffliche Schmerzempfindungen sein, wie Ängste, Verzweiflung, Traurigkeit, Trennungsschmerzen oder Antriebslosigkeit. Feinstoffliche Ordnung in unseren Feinstoffkörpern ermöglicht uns Gefühle wie Lebensfreude, Lebenskraft, Zuversicht und Dankbarkeit und die Entwicklung einer individuellen, strahlenden Persönlichkeit.“

„Eine individuelle Persönlichkeit!“ Höre ich euch rufen. „Toll! Das wollte ich schon immer mal haben. Wie komme ich da ran?“ Ihr werdet euch schon gedacht haben, dass die Antwort sehr einfach ist:

„In der Feinstoffberatung bekommen Sie Unterstützung bei feinstofflichen Schmerzempfindungen wie zum Beispiel Trennungsschmerzen von Menschen oder Orten, Partnerschaftsproblemen, Liebeskummer, […] Traurigkeit [und so weiter]

Für ein Anliegen sollten in der Regel 3 Termine eingeplant werden.“

Der Flyer enthält leider keine Preise, aber er informiert uns auch noch darüber, was in den 3 Beratungstermin nach der Göthertschen Methode passiert:

„Im 1. Beratungstermin sprechen wir über Ihr Anliegen, Sie erleben unter Anleitung das Spüren ihrer [sic] eigenen Feinstoffkörper und ich unterstütze den Voraussetzungsprozess.

Im 2. Beratungstermin findet der feinstoffliche Ordnungsprozess statt.

Der 3. Beratungstermin ist für den Anpassungsprozess – nach Veränderung darf sich im Feinstofflichen wie im Physischen eine Anpassung vollziehen.“

Ich weiß, dass ich schon zweimal geschrieben habe, dass Verträge über übernatürliche… sagen wir in Ermangelung eines besseren Begriffs mal: Leistungen legal und wirksam sein sollten, aber das hier ist doch nun wirklich ein Paradebeispiel für die Fälle, in denen meine Argumentation nicht anwendbar ist. Ich würde nach meinem begrenzten strafrechtlichen Verständnis sogar die Behauptung wagen, dass zumindest nach diesem Flyer zu urteilen jedes einzelne Tatbestandsmerkmal des Betrugs erfüllt sein dürfte:

  • Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen: Check, wenn man davon ausgeht, dass die feinstoffliche Beratung nicht entgegen den Angaben auf der Homepage gratis erfolgt.
  • Erregung eines Irrtums durch Vorspiegelung falscher Tatsachen: Eindeutig Check, denn (so traurig es auch ist, dass man das in dieser Zeit überhaupt noch schreiben muss) wir haben keinen verf%&$§§$$“! Feinstoffkörper, was auch immer das überhaupt sein soll.
  • Und der Versuch ist auch schon strafbar, es muss also niemand tatsächlich bezahlen, damit solche Menschen ihre gerechte Strafe erhalten.

Eigentlich könnte man also direkt Anzeige erstatten und sich auf bis zu zehn Jahre Freiheits- oder Geldstrafe freuen, aber ich fürchte, dass die Sache noch mindestens einen Haken hat: den Vorsatz. Ich will mich jedes Urteils darüber enthalten, ob die Person, die für diesen Flyer verantwortlich ist, den Stuss tatsächlich glaubt, aber wir können wohl unterstellen, dass sie es zumindest standhaft behaupten würde. Und wie ich unsere Gesellschaft kenne, hätte sie sehr gute Chancen, damit zumindest den strafrechtlichen Konsequenzen zu entgehen.

Für mich klänge das zwar ungefähr so glaubwürdig wie die Behauptung eines Autodiebes, er wäre versehentlich in den Wagen gefallen, hätte sich dann im Sicherheitsgurt verfangen und bei seinem Befreiungsversuch versehentlich Zündung, Kupplung, Gangschaltung und Gaspedal betätigt, aber… naja, es gibt ja andererseits offenbar auch wirklich Leute, die glauben, die Römer hätten vor ungefähr 2000 Jahren einen unschuldigen Mann kreuzigen müssen, um der Menschheit Vergebung dafür zu verschaffen, dass noch ein paar Tausend Jahre zuvor die ersten beiden Menschen sich von einer sprechenden Schlange mit Beinen dazu haben überreden lassen, das falsche Obst zu essen.

(Ja, ich weiß, ich wollte heute kein Christenbashing. Aber was soll ich sagen? Ich hab mich da einfach nicht im Griff.)


Was draufsteht, und was drinsteckt

1. April 2011

Während „Atheist“ so ein Etikett ist, das viele Leute aus Harmoniebedürfnis vermeiden, obwohl es eigentlich auf sie passen würde, ist „Skeptiker“ ein Etikett, mit dem sich so ziemlich jeder identifizieren würde, in der Regel auf diejenigen, auf die es nun wirklich gar nicht passt. Und „Christ“ ist ein Etikett, mit dem man meiner Erfahrung nach wenig bis gar nichts anfangen kann, weil die Bandbreite hier von eigentlich total vernünftigen Leuten reicht, die sich einfach nur gerne vorstellen, dass nach dem Tod noch was kommt, bis hin zu denen, die jeden Tag darum beten, dass das Jüngste Gericht doch bald kommen möge, und die genau wissen, dass die Erde nur 6219 Jahre, vier Monate und elf Tage alt ist.

Deshalb macht Matt Dillahunty es auch ganz richtig mit seiner mantrahft wiederholten Frage: „Was glaubst du, und warum?“, denn die Antwort darauf ist endlos viel aufschlussreicher als ein Etikett wie „Skeptiker“, „Atheist“, „Hindu“, oder was immer einem gerade so einfällt.

Worauf ich damit hinauswill: Heute mal nicht auf Religionsbashing, das mache ich ja oft genug. Heute geht es mir darum, dass auch Atheisten und selbst ernannte Skeptiker manchmal genauso religiös und vernagelt sein können wie Christen, Muslime oder Scientologen. Nicht selten wird „Skeptizismus“ als Vorwand verwendet, um alles, was nicht ins eigene Weltbild passt, abzulehnen und alle Belege, die dafür sprechen, nicht zur Kenntnis zu nehmen, während man die von Medien und Politik gelieferte Wahrheit unkritisch akzeptiert, ohne zu hinterfragen, wie plausibel sie ist und warum man sie überhaupt glauben sollte.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Vielzahl von Menschen, die davon überzeugt ist, dass Astronauten auf dem Mond waren. Warum? Weil sie es eben so gelernt haben, und weil es überall so steht.

Aber wie überzeugend ist die Annahme eigentlich, wenn man all die Indoktrination mal weglässt, der wir diesbezüglich von Kindheit an ausgesetzt waren? Wenn wir die Annahme einfach mal ganz objektiv nur auf Basis der Beleg begutachten?

Die erste Mondlandung soll am 21. Juli 1969 stattgefunden haben. So haben wir es alle gelernt. Und kaum jemand denkt mal darüber nach, was das bedeutet. 1969! Das war, bevor es Sicherheitsgurte in Autos gab. Von Airbags hat damals noch niemand geträumt. Computer waren einfamilienhausgroße Maschinen, die Lochkarten verarbeiteten und Mobiltelefone oder das Internet wären sogar in einem SF-Roman ziemlich unglaubhaft gewesen.

Und jetzt schauen wir doch zum Vergleich mal, was es heute für einen Aufwand bedeutet, eine Sonde zum Mars zu schicken, trotz unserer heutigen Technologie. (über 40 Jahre später! In Worten: Vierzig Jahre!) Und das obwohl Mars eine viel höhere Gravitation hat und obwohl man natürlich mit einer unbemannten Sonde viel weniger vorsichtig sein muss als mit einem Raumschiff, das nicht nur Menschen transportiert, sondern außerdem nach der Landung noch einmal starten und dann zur Erde zurückkehren soll(!). Dass das damals möglich gewesen sein soll, erfordert also echt gute, überzeugende, zwingende Belege. Und nun wollen wir sehen, was wir haben:

Ein paar Bilder und Funksprüche und Videos. Und was für welche?

Bilder, auf denen keine Sterne zu sehen sind, und auf denen die Schatten zufällig genau so fallen, als würden sie von Studioscheinwerfern ausgeleuchtet. (Achtet mal drauf. Wenn die Sonne die einzige Lichtquelle wäre, müssten alle Schatten parallel sein. Sind sie aber nicht. Außerdem sind die Schatten hell genug, dass man Objekte darin noch erkennen kann. Auch das kann im Sonnenlicht ohne Atmosphäre nicht sein.) Bilder, auf denen die Landefähre auf einer ebenen Mondoberfläche steht – und wo ist der Krater, den sie bei der Landung verursacht hat?

Videos, die angeblich an verschiedenen Orten auf dem Mond aufgenommen wurden, aber genau denselben Hintergrund zeigen. Videos, die zeigen, wie das Landemodul wieder vom Mond abhebt, ohne Flammen aus dem Raketentriebwerk!

Und trotzdem wird man ausgelacht, wenn man bezweifelt, dass die Mondlandung stattgefunden hätte. Wird man verspottet, weil ja schließlich jeder weiß, dass „wir“ auf dem Mond waren.

Aber woher eigentlich? Woher wissen wir das, und warum glauben wir es? Eine Frage, die sich ein echter Skeptiker stellen sollte.

Aber es ist eben nicht jeder ein Skeptiker, der sich selbst so nennt.


Mehr, als ihr jemals über Epistemologie wissen wolltet

14. Januar 2011

Ich habe hier schon des Öfteren meine skeptische Weltsicht als Grundlage dafür genannt, dass ich manche Dinge glaube, und andere nicht. Aber soweit ich mich erinnern kann, habe ich noch nie wirklich erklärt, was die Grundlagen dieser Weltsicht sind. Das hatte teilweise auch damit zu tun, dass ich das Thema für ein bisschen ermüdend hielt, und außerdem dachte, es wäre eigentlich klar.

In letzter Zeit habe ich aber so viel mit Leuten diskutiert, die sich offensichtlich nie ernsthaft Gedanken über ihre Epistemologie, also ihre Erkenntnistheorie gemacht haben, und die anscheinend auch wirklich keine Vorstellung davon haben, was sinnvolle Wege zur Wahrheit sind, und was nicht. Und noch schlimmer: Ich habe mit Leuten diskutiert, die sich offensichtlich gewaltig viel Gedanken darum gemacht und sich dabei in Höhen des Unfugs hineingeschraubt haben, dass einem sogar von unten schon schwindlig wird. Viel zu oft hört man Argumente wie: „Gott kann weder bewiesen noch widerlegt werden, deswegen sind Atheisten genauso Gläubige wie Theisten!“ oder „Wissenschaft kann keine Antworten auf die letzten, entscheidenden Fragen geben, dafür brauchen wir Religion!“

Deshalb habe ich mich nun endlich einmal zu dem Versuch durchgerungen, einen Blogbeitrag über meine Epistemologie zu verfassen. Die meisten von euch werden das Thema wahrscheinlich furchtbar langweilig finden und sich wundern, dass ich für so was auch nur eine Minute meiner Zeit aufwende. Und die anderen, die jetzt jubeln und rufen: „Na endlich, ich befürchtete schon, das kommt nie!“, die dürfen sich nachher eine virtuelle Umarmung abholen und sich meine Brüder und Schwestern im Geiste nennen.

Ihr seid natürlich trotzdem alle herzlich eingeladen, mir zu folgen, aber sagt bitte nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Den Rest des Beitrags lesen »


Violett und Ginger bekommen ein Paket

9. Dezember 2010

Violett und Ginger sind Schwestern und teilen sich eine Wohnung. Ihre Beziehung (nicht ungewöhnlich bei Geschwistern) ist oft nicht einfach, und sie überlegen manchmal, ob sie sich nicht jede eine eigene Wohnung suchen sollen. Das tut hier aber nichts zur Sache.

Vor Kurzem bekamen Violett und Ginger ein Paket, obwohl sie nichts bestellt hatten.

Es klingelte an der Tür, und der Postbote drückte der freudestrahlenden Ginger ein Paket in die Hand, ungefähr so groß wie ein Laib Brot.

Ginger jubelte, und sie rief Violett zu sich, zeigte ihr begeistert das Paket und sagte:

„Schau, Violett, sieh dir das an, ich habe ein Kätzchen bekommen.“

Violetts Lächeln fror ein bisschen ein. Sie stockte und runzelte ihre Stirn, während sie das kleine blaue Paket betrachtete.

„Wie jetzt?“ fragte sie, „Da ist ein Kätzchen drin?“

„Ja! Ist das nicht toll?“

Violett blickte von Ginger zu dem Paket, und wieder zurück. Sie stemmte ihre Hände in die Hüfte, und wiederholte den Vorgang. „Du hast ein Kätzchen bestellt?“

„Nein!“ antwortete Ginger, „Und ich habe trotzdem eins bekommen! Ist das nicht fantastisch?“

„Ginger“, sagte Violett, „Woher weißt du, dass da eine Katze drin  ist?“

„Wie meinst du das?“ fragte Ginger, „Woher ich das weiß? Ist es nicht offensichtlich?“

„Nein, ich fürchte, das ist gar nicht offensichtlich“, widersprach Violett. „Das Ding ist doch ziemlich klein für eine Katze. Außerdem kann man Kätzchen nicht in Paketen verschicken, das macht doch niemand.“

„Ach nein? Und woher willst du bitte schön wissen, dass da kein Kätzchen drin ist, hm? Bist du allwissend, oder was? Du hältst dich für den klügsten Menschen auf der Welt, was?“

„Naja… Nein“, antwortete Violett, ein bisschen verwirrt. „Überhaupt nicht.“

„Kannst du beweisen, dass kein Kätzchen in meinem Paket ist, hm? Hm? Hast du etwa gesehen, was drin ist? Dann sag’s mir doch! Na los, sag mir, was hier in dem Paket ist!“

Violett machte einen Schritt zurück und begann, sich nach Fluchtwegen umzusehen. „Ginger, ich weiß nicht, was in dem Paket ist. Ich…“

„Aha!“ rief Ginger triumphierend, „Du hast also keine Ahnung, was? Aber trotzdem bist du so arrogant, so zu tun, als könntest du beweisen, dass kein Kätzchen drin ist!“

„Nein, das habe ich doch gar nicht gesagt. Es ist nur so… Ich verstehe nicht, wie du auf die Idee kommst, dass ein Kätzchen in diesem Paket stecken könnte!“

„Du bist so gemein!“ rief Ginger, „Ich möchte so gerne ein Kätzchen, aber du gönnst es mir nicht! Was hast du bloß gegen Katzen, hm? Hat dir als Kind mal eine Katze weh getan, und seitdem hasst du sie?“

Violett griff sich an die Stirn und begann, ihre Schläfen zu massieren. „Ginger“, sagte sie, „Ich habe nichts gegen Katzen. Und ich bin auch nicht gemein. Ich…“

„Niemand weiß, was in dem Paket drin ist, also kannst du auch nicht sagen, dass es kein Kätzchen ist!“ unterbrach Ginger sie.

„Ja, aber…“ Violett fehlten für einen Moment die Worte. „Aber, Ginger, bloß weil wir nicht wissen, was drin ist, können wir doch nicht einfach davon ausgehen, dass es ein Kätzchen ist. Schau doch nur mal dieses winzige Paket an! Es ist völlig unvernünftig zu glauben, da könnte eine Katze drin stecken!“

„Wen nennst du hier unvernünftig, du dumme Kuh? Warum musst du immer gleich so beleidigend werden, hm? Du bist genauso unvernünftig wie ich, du glaubst doch schließlich auch, dass da kein Kätzchen drin ist! Dabei ist es so offensichtlich! Ich meine, warum sollte mir denn wohl jemand ein Paket schicken, wenn er nicht will, dass ich ein Kätzchen kriege?“

„Das Paket ist an mich adress-“ begann Violett, unterbrach sich aber rechtzeitig, als sie ihren Fehler erkannte. Sie nahm einen tiefen Atemzug, tat wieder einen Schritt auf ihre Mitbewohnerin zu und versuchte sich an einem freundlichen Lächeln. Sie sagte: „Was hältst du davon, wenn wir einfach nachsehen, hm? Wie wäre das?“

Ginger  blies sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, stülpte ihre Lippen ein bisschen vor und zögerte kurz, bevor sie schließlich mit einem Schulterzucken antwortete: „Na gut.“

Die beiden gingen gemeinsam zum Esstisch. Ginger stellte das Paket darauf ab, holte eine Schere und öffnete das Paket.

Violett stieß ein erleichtertes Seufzen aus. „Siehst du“, sagte sie, „Es ist mein neuer MP3-Player. Keine Katze.“

„Quatsch!“ rief Ginger, „Du bist so engstirnig und dogmatisch! Woher willst du wissen, dass da kein Kätzchen ist?“

Violett öffnete und schloss ihren Mund ein paar Mal, ohne etwas zu sagen, bevor sie schließlich doch Worte fand: „Äh, bä- däh… Ginger, siehst du denn nicht, dass da nichts drin ist außer dem MP3-Player?“

„Nein“, antwortete Ginger, „Wie sollte ich das sehen? Ich meine, bloß weil wir kein Kätzchen sehen, heißt das doch noch lange nicht, dass da keins ist.“

Violett starrte Ginger mit glasigen Augen und zitternden Händen an, unfähig, etwas zu erwidern.

„Es ist eben ein transzendentes Kätzchen!“ rief Ginger.

Und Violett nickte langsam, seufzte, und wandte sich ab, während sie wieder begann, langsam und methodisch ihre Schläfen zu massieren. „Klar“, antwortete sie, ohne ganz sicher zu sein, ob sie mit Ginger sprach, oder mit sich selbst. „Ein transzendentes Kätzchen. Dass ich das nicht erkannt habe. Entschuldige bitte, Ginger. Ich weiß auch nicht, was manchmal über mich kommt. Manchmal bin ich eben ein ziemliches Ekel, was?“

„Ja“, antwortete Ginger, „Das kannst du aber laut sagen.“

Violett und Ginger sind Schwestern und teilen sich eine Wohnung. Ihre Beziehung (nicht ungewöhnlich bei Geschwistern) ist oft nicht einfach, und sie überlegen manchmal, ob sie sich nicht jede eine eigene Wohnung suchen sollen. Das tut hier aber nichts zur Sache.