Gelbe Bevormundung ist doch irgendwie viel schöner als rote, oder?

25. September 2010

Anuntio vobis gaudium magnum, unserer Regierung ist erneut ein großer Wurf gelungen, ach, was rede ich: Der große Wurf!

Das Abkassieren bei Telefon-Warteschleifen hat bald ein Ende: „Warteschleifen dürfen bei teuren Service- und Mehrwertdienste- Rufnummern künftig nur eingesetzt werden, wenn der Angerufene die Kosten der Warteschleife trägt“, sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).

Auch der Facebook-Arm der FDP brüstet sich mit dem Verbot des „Geschäftsmodells Warteschleife“:

Die Koalition setzt nun in einem weiteren zentralen verbraucherpolitischen Thema eine liberale Position um.

[…]

Eine telefonische Warteschleife war und ist keine Serviceleistung für Verbraucher. Liberale Politik konnte daher erneut die Rechte der Verbraucher stärker [sic].

Und mir ist so schlecht, dass mir fast die Worte fehlen. Sicher, das ist kein besonders wichtiges Thema, und insbesondere diejenigen unter euch, die die FDP sowieso nicht leiden können, verstehen wahrscheinlich gar nicht, warum ich mich aufrege. Ich will aber versuchen, es euch kurz zu erklären:

Es handelt sich hier um einen weiteren von vielen kleinen Einschnitten in individuelle Freiheit unter dem Vorwand, Verbraucher vor sich selbst schützen zu müssen.

Wenn ich irgendwo anrufe, dann kann ich mich vorher darüber informieren, was es kostet. Und wenn ich damit nicht einverstanden bin, oder die Warteschleife mir zu lang ist, dann kann ich es lassen. Oder ich kann woanders anrufen. Wo ist da die Notwendigkeit für ein Einschreiten des Gesetzgebers? Natürlich ist es auf den ersten Blick bequemer, wenn ich darüber einfach nicht mehr nachdenken muss und darauf vertrauen kann, dass der Staat das schon alles in meinem Sinne regelt. Aber für mich gehört es eben zu einem mündigen Bürger, dass er seine Angelegenheiten selber regelt, dass er Verantwortung übernimmt für sein Leben, und dass er sich bei seinen Entscheidungen verdammt noch mal nicht das Nachdenken erspart und darauf vertraut, dass der Staat das schon alles geregelt hat. Meine eigenen Interessen kennt niemand so gut wie ich selbst.

Nach wie vor einer der gruseligsten Sätze, die ich kenne: „Wir sind von der Regierung, und wir sind hier, um Ihnen zu helfen.“

Diese neue Vorschrift schränkt unsere Vertrags- und Entscheidungsfreiheit ein, und unser gelber Koalitionspartner hält es nicht einmal für nötig, das in irgendeiner Weise zu rechtfertigen oder auch nur zu erwähnen. Nicht nur das, er hat sogar noch die unfassbare Chuzpe, diese Gängelei als „liberale Politik“ zu feiern. Und das finde ich so widerlich, dass ich deshalb echt gerne aus diesem Verein austreten würde. Leider geht das aber nicht, weil ich gar nicht drin bin. Alles Mist.