Sometimes it’s OK to steal patients‘ wallets

8. Dezember 2015

I have this great idea, you see, and I think I’m going to submit it to Scientific American for publishing, because I suspect it will be just what their readers are expecting of a magazine with a longstanding history of award-winning coverage of advances in science and technology and their impacts on society.

I am about to explain why it’s sometimes okay to steal sick people’s wallets. Groundbreaking, isn’t it? Well, prepare to be impressed:

Ms. V was in her late 20s, and she was chronically ill, shivering and very frightended when she was admitted. Writhing in pain, she was clutching her mother’s hand. She was diagnosed with numerous infections in her liver and lungs.

One morning after rounds, I happened to glance over at Ms. V’s room and saw a woman walk in and inconspicuously put V’s wallet into her own rucksack. The visitor was a thief who had come to steal from the hospital’s patients. To distract them, she usually talked to them for a while, very pleasantly, and conveyed to them a feeling of friendship and care. After her visit, Ms. V told me that the other woman’s visits helped her stand the suffering her disease caused her. She felt comforted and refreshed by the thief’s friendly words and easy humour, she said.

Now, make no mistake: I have to admit that stealing patients‘ wallets doesn’t have proven benefits and is widely considered a criminal or even despiccable act in the medical and scientific communities. In other words, perhaps stealing from people isn’t in itself beneficial, but rather the sense of companionship and support stemming from spending time with a sympathetic person.

Interestingly, some patients continue to welcome the thief although they realise her true intention. Ms. I, for example, was a patient of mine who suffered from severe pain as a result of advanced breast cancer. When I asked her why she enjoyed talking to the criminal, she shrugged, saying she enjoyed the company and found that chatting with her provided a refreshing period of rest.

Of course, stealing patients‘ wallets has its drawbacks, like the financial cost, which may be borne by the patient, an insurance company, or the hospital, depending on the circumstance. Also, it’s certainly dangerous for a patient to decide to have her wallet stolen at the expense of treatments with proven medical benefits. Luckily, having her wallet stolen didn’t stop Ms. V or Ms. I from undergoing life-saving medical tratment and didn’t prevent this treatment from working.

When I learned later on that Ms. V had died, the news hit me hard, and thinking back to her treatment in our hospital, I hoped that among all her misery, we had managed to ease her suffering through our therapies – criminal or not.

So? What do you think? Great stuff, right? What? You think this kind of nonsense might not be quite up to Scientific American’s standards?

Well, think again.


Restebloggen (96)

4. August 2013
  1. Vor Kurzem erst entdeckt (Danke keoni!): Ze Frank
  2. Es macht mich total rasend, dass sich gerade „nen“ als Kurzform für „ein“ und teilweise auch „eine“ durchsetzt. „Ich hol mir nen Eis.“ Brrrr. Naja. In ein paar Jahren fällt es uns wahrscheinlich nicht mal mehr auf.
  3. Das Thema The Last of Us lässt mich einfach nicht los, wie ihr seht. Aber Nils und Dennis haben hier wirklich ein enorm sympathisches Let’s Play hingelegt. Ich muss einerseits schon zugeben, dass ich zum letzten Drittel hin – also so nach 12 oder 14 Stunden – tatsächlich anfing, sowas wie Interesse für die Handlung zu entwickeln, aber insgesamt bin ich nach diesen Videos sowas von endlos heilfroh, dass ich nicht versucht habe, den Mist selbst durchzuspielen. Das hätte mir echt gar keinen Spaß gemacht. Gar keinen.
  4. Anatol Stefanowitsch schreibt was, das ich auch schon öfter gedacht, aber nie aufgeschrieben habe, und nun war er halt früher dran, deswegen zitiere ich ihn, statt mir eigene Worte zu suchen: „Statt zu sagen, „X ist schön“, sollten wir sagen, „Dass du/er/sie/es X (b)ist, macht mich gerade froh.““ Fand ich damals auch schon, als Christina Aguileras „Beautiful“ dauernd im Radio lief. Ja, ich mache mir Gedanken über die Texte von Popsongs. Überrascht euch nicht im Ernst, oder?
    Ich glaube auch, dass eine derartige Formulierung auch gut als Test für Leute taugt, wenn sie sich fragen, ob es angebracht ist, physische Attribute eines anderen Menschen zu erwähnen. Wenn man in Artikeln / Lobesreden / sonstigen Texten über Frauen nicht einfach nur „gutaussend“ oder sowas sagen würde, sondern tatsächlich ausformulieren „Die Form ihres Körpers bereitet mir Freude“, dann sollte das zumindest in meiner zugegebenermaßen manchmal etwas naiven Fantasie ungemein zu der Erkenntnis beitragen, dass sowas in einem nachrichtlichen Artikel über jemandes berufliche Tätigkeit wenig zu suchen hat.
  5. Es ist lange her, dass ich „On ‚helping‘ that is anything but‚ zur gelegentlichen Verarbeitung zurückgelegt habe, aber soweit ich weiß, besteht das Problem noch unverändert, deswegen ist er trotzdem noch empfehlenswert: Have the courage to REFUSE chemo and you will have a better chance of living to 100. Wie ich mich über sowas aufregen kann. Kürzlich wartete ich irgendwo und schlug ein herumliegendes Heft zu einer „Gesundheitsmesse“ auf, dessen Inhalt ausschließlich aus Kristallen und Magneten und Heilpraktikern und Akupunktur und Ohrkerzen zu bestehen schien. Ich hätte das Ding zerreißen können. Stattdessen hab ich es nur in den Papierkorb gelegt.
  6. Wenn ich schon mal dabei bin, meine Altbestände aufzuarbeiten: Hier gibts kreative Werbung für Insektenspray.
  7. Und hier aus der beliebten Kategorie ironisch gemeinter Amazon-Rezensionen: Bic for her!
    Someone has answered my gentle prayers and FINALLY designed a pen that I can use all month long!

Welche Leistung nochmal?

20. September 2012

Ich bin ja gar nicht so sicher, wie ich zur Verantwortung von Medien stehe. Stefan Niggemeier schreibt ja hin und wieder mal, dass Berichte über Suizide tendenziell unverantwortlich sind, weil danach die Suizidzahlen steigen. Ich finde, damit geht er eher zu weit, schon weil ich nicht mal davon überzeugt bin, dass ein Suizid immer eine schlechte Entscheidung ist. Ich bin zwar selbst dagegen, aber ich bin auch vehement gegen Stieg Larsson und muss trotzdem damit leben, dass manche Leute seine Bücher toll finden. Aber hier soll es weder um Suizid gehen, noch um Stieg Larsson, sondern um die Verantwortung von Medien.

Zurück zum Thema also: Medien haben in meinen Augen zunächst mal nur die Verantwortung, die jeder Mensch und jedes Unternehmen hat: die für sich selbst. Wenn eine Zeitung nur Blödsinn schreibt und von ihren Lesern trotzdem gerne gekauft wird, ist das für mich nicht grundsätzlich ein Problem. Das sollte euch nicht wundern, denn ich sitze schließlich im Glashaus, auch wenn ich für mein Blog kein Geld nehme, was allerdings nur daran liegt, dass ich ziemlich sicher bin, dass das nicht funktionieren würde, und überhaupt tut das nichts zur Sache, denn es geht ja hier nicht um mein Blog.

Zurück zum Thema also: Jeder Mensch hat in meinen Augen aber auch eine gewisse Verantwortung dafür, wie seine Handlungen seine Mitmenschen betreffen, und das schließt zum Beispiel auch eine Verantwortung ein dafür, was andere Menschen tun, weil sie von ihm belogen wurden. Jeder Mensch. Auch ohne die Medien zu einer vierten Gewalt oder in sonstigen olympische Regionen zu überhöhen, sehe ich sie in der Verantwortung, ihre Kunden nicht zu belügen, so wie ich von jedem Menschen erwarte, dass er seine Mitmenschen nicht durch falsche Informationen zu falschem Handeln verleitet.

Verschärft wird diese Verantwortung noch dadurch, dass unsere großen Medienunternehmen selbst wenig Hemmung zeigen, sich in einer Sonderrolle zu präsentieren und voller Stolz immer wieder darüber zu berichten, wie unverzichtbar sie für unsere Gesellschaft sind und welche elementare Funktion sie nicht nur für unsere Demokratie erfüllen. Auf genau dieser Hemmungslosigkeit basiert ja auch die Forderung nach diesem unsäglichen Leistungsschutzrecht, das derzeit den Anschein erweckt, tatsächlich auf uns zuzukommen, was in meinen Augen zumindest ganz gut belegt, wie schlecht die Medienunternehmen ihre selbst erklärte Aufgabe erfüllen, die Menschen zu mündigen Demokraten heranzubilden. Aber hier soll es weder um das Leistungsschutzrecht noch um die Demokratie an sich gehen.

Zurück zum Thema also: Die Medien tragen in meinen Augen damit eine Verantwortung, die über die allgemeine Wahrheitspflicht eines jeden Menschen hinausgeht, weil sie sich selbst freiwillig diese Verantwortung zugemessen haben und auf Basis dieser angeeigneten Verantwortung unverschämte Forderungen stellen. Und insofern halte ich es für doppelt gerechtfertigt, Medien nicht nur vorzuwerfen, die Öffentlichkeit zu belügen und ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, sondern auch Menschenleben zu gefährden, wenn sie solchen Blödsinn schreiben, wie es zum Beispiel die FAZ (die sich, auch wenn es darum hier nicht gehen will, natürlich auch für ein Leistungsschutzrecht eingesetzt hat, weil Presseverlage ja eine unverzichtbare Filterfunktion und Rechereche und Qualität und blahfasel) kürzlich getan hat, unter dem Titel:

Die Wunderheilerin – Nur die Hand auflegen und beten

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München-Nachtrag

30. März 2010

Zwei liebenswerte kleine Details haben wir euch noch von unserem München-Ausflug mitgebracht. Sie passten in den gestrigen Reisebericht nirgends richtig hinein, aber ganz vorenthalten wollte ich sie euch trotzdem nicht.

Das erste Mitbringsel ist ein Werbeschild einer Arztpraxis, die erfrischend ehrlich mit der angebotenen „ganzheitlichen Heilkunde“ umgeht. Wenn alle das so transparent machen würden, hätte ich kein Problem mehr mit diesen Leuten:

[Der Pfeil ist natürlich von mir, damit ihr den entscheidenden Hinweis leichter findet.]

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