Viel zu langes Restebloggen (73)

10. September 2011
  1. Nur noch mal für’s Protokoll: An Wahlen teilzunehmen, ist völlig in Ordnung, und Nichtwählen aus Protest ist ziemlich idiotisch, aber lasse sich niemand einreden, er wäre moralisch irgendwie verpflichtet, seine Stimme bei der morgigen Wahl abzugeben. Insbesondere denen unter meinen Lesern, die gar nicht in Niedersachsen wohnen, kann ich sogar nur emphatisch abraten. Aber das ist wieder was anderes. Jedenfalls wird die Behauptung, jede nicht abgegebene Stimme sei eine für die Extremisten, durch ständige Wiederholung auch nicht wahrer, sondern nur lästiger.
  2. Kürzlich erzählte mir Herr S, den ich eigentlich nicht mal näher kenne, eine ganz fürchterliche Geschichte, mit der er so dermaßen viel von meinem Mitgefühl hat, dass ich fast hier öffentlich dazu aufrufen würde, seine Produkte zu kaufen und ihn nach Kräften zu unterstützen, aber ich vermute, dass es ihm ohnehin lieber ist, wenn ich ihn nicht namentlich nenne. Er betrieb ein schwunghaftes kleines Geschäft mit einem Partner zusammen, und alle Beteiligten waren zufrieden, bis sein Partner die Freuden von Amway entdeckte. Die Zufriedenheit der Beteiligten ging rapide zurück, als zunächst Lieferanten und dann Kunden sich an Herrn S wandten und ihn fragten, was sein Partner sich wohl dabei dachte, bei Besprechungen plötzlich seinen Musterkoffer auszupacken, um zu versuchen, ihnen Bügeleisen und Zahncreme anzudrehen, und sie zu überzeugen, auch gleich ihre Freunde und Bekannten davon zu überzeugen, dass nur Amway-Bügeleisen und Zahncremde gute Bügeleisen und Zahncreme sind. Als dann schließlich eine Mitarbeiterin tränenüberströmt vor S erschien, weil sein Partner ihr unter Ausnutzung seiner Arbeitgeberposition einen Haufen Zeug aufgeschwatzt hatte, den sie gar nicht brauchte, und auch sie aufgefordert hatte, noch weitere Kunden für besagtes Zeug zu finden, wusste er, dass es an der Zeit war, ihm seinen Gesellschafsanteil abzukaufen, koste es, was es wolle.
    Ein Albtraum, wenn vorher völlig normale Leute plötzlich anfangen, mit solcher Leidenschaft an ihrem eigenen Untergang zu arbeiten. Man darf gar nicht drüber nachdenken.
  3. Falls jemandem noch nicht aufgefallen ist, dass ich ein heulender Stefanowitsch-Fanboy bin, verlinke ich jetzt gefühlt zum fünften Mal in Folge einen Beitrag von ihm:
    Die Japaner haben kein Wort für Tsunami.
    Hochwasser ist ein Begriff der deutschen Sprache und heißt verharmlosend „hohes Wasser“. Im Land der Dichter und Denker gibt es kein Wort für die mörderische Wucht eines reißenden Flusses, der über seine Ufer getreten ist, überhaupt kaum Begriffe für Katastrophen. Die Mentalität verlangt, auch das Brutale der Natur zu verharmlosen.
  4. Donny verrät, was hot ist, und was not. Mir gefällt besonders ihr letzter Hot-Vorschlag:
    Falsche iPhone-Autokorrekturen in den alltäglichen Sprachgebrauch integrieren. Es ist schon erreichung, dass man seinen Kriegsteilnehmer verstehen sollte. Kinzig wird’s, wenn man Langend Provinz aus der Skihütte mitbringen soll. Manchmal Mussolini dann ein bisschen darüber nachdenken, was für eine Ehepaar von der Akut da gemeint war.
  5. Nachdem ich die schiere Menge an Programmierfehlern, Halbgarem und Bedienerunfreundlichkeit nicht länger ertragen wollte und unser IT-Experte mich ermutigt hatte, es doch mal zu versuchen, habe ich in der letzten Woche schließlich mein HTC HD2 mit einem Magloader geflasht und zunächst Windows Mobile 7 draufgespielt. Nach kurzer Zeit erkannte ich, dass wir keine Freunde werden und flashte Android. Es war Liebe auf den ersten Blick, und sollte jemand von euch sich noch mit Windows Mobile 6.5 rumquälen, solltet ihr es mir unbedingt gleichtun. Es ist eine Offenbarung. Aber wahrscheinlich war ich ohnehin der letzte 6.5-Nutzer auf der ganzen Welt. Mr. Gates, Sie können dann das Licht ausmachen.
  6. Über die wundervolle GameOne-Kategorie „Eine Stunde mit“ habe ich das nicht so besonders hochwertig aber sehr kreativ produzierte Spiel „Deadly Premonition“ kennengelernt. Von dem eigenartigen Charme des Spiels anscheinend ähnlich bezaubert wie ich, entschieden Wolf und Chris, eine neue Kategorie einzuführen: „Knallhart durchgenommen„. Wie der Name schon sagt, spielen die beiden „Deadly Premonition“ also von Anfang bis Ende durch, und wir dürfen zusehen.

    (Unnötig ausführliche Erklärung für die unnötig kritischen Leser: Das Video ist von YouTube, weil bei GameOne aufgrund der FSK die Videos nur zwischen 220:00 Uhr und 06:00 Uhr zu sehen sind und einige auch nicht funktionieren und ich nicht weiß, wie ich deren Videos hier einbinden könnte. Am Anfang erscheint das „Eine Stunde mit“-Intro, weil es bei den ersten paar Videos eben die andere Kategorie noch nicht gab, und Wolf taucht nur mal kurz auf, weil er erst beim zweiten richtig einsteigt. Es ist keine ganze Stunde, weil… Ach, das will doch eh keiner wissen.)
    Wer Twin Peaks mochte, sollte Deadly Premonition genauso lieben wie ich.
    Da die Steuerung des Spiels aus der Hölle ist (Wenn ich für jedes Mal, das Chris oder Wolf das in den Videos sagen, einen Cent bekommen würde, hätte ich bestimmt schon zwei oder drei Euro.), entgeht euch nichts, wenn ihr euch nur die Videos anseht, aber falls ihr die Entwickler unterstützen und in Zukunft mehr und bessere derartige Spiele wollt, oder falls ihr einfach lieber selbst spielt, dann kauft doch. Ist billig. Echt. Also los. Bestellen. Jetzt. Ich hab auch eins, obwohl ich’s nicht spiele. Isch schwör.

Und wenn mir von denen dann wieder jeder fünf Euro schickt…

28. September 2010

Schon seit einigen Monaten fällt mir auf einem Parkplatz in der Nähe immer wieder dieses Auto auf:

Ich habe ja glücklicherweise schon ein geniales Zweiteinkommen, deswegen habe ich mich lange Zeit gar nicht darum gekümmert, aber das nagende Gefühl, dass hinter dieser diesem verlockenden Aufkleber eine potentiell unterhaltsame Nepperei steckt, ließ mich nicht los. Vielleicht war es die neckische Inhaltslosigkeit des Köders; vielleicht der Begriff „genial“, der leise impliziert, dass man hier mühelos reich wird; vielleicht auch einfach nur dieser suspekte Name „Fa. Schäfer“. Leute, die vor ihren Namen ein „Fa.“ setzen, als würde das irgendetwas aussagen, lösen bei mir auch meistens sowas wie belustigtes Mitgefühl aus.

Ich nahm mir deshalb vor, mir die Sache gelegentlich mal näher anzusehen und vielleicht sogar die Telefonnummer anzurufen. Vielleicht kennt ihr mich schon gut genug, um euch vorstellen zu können, dass es einige Zeit beim Vorsatz blieb. Das änderte sich schlagartig diese Woche, als mir auffiel, dass mein Idol Russell Glasser vom Team der „Atheist Experience“ seit über 14 Jahren sporadisch sein Beef mit genau diesem Laden austrägt. Das war dann für mich der Stein des Anstoßes, endlich zur Tat zu schreiten. Und dies sind die Ergebnisse meiner todesmutigen Recherche:

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