Versuch einer Pauschalisierung

25. Februar 2011

Man kann Anti-Atheisten [sic] nach meiner Erfahrung ziemlich sauber in zwei Kategorien einteilen:

  1. Theisten. Über die schreibe ich regelmäßig, deswegen spare ich mir hier nähere Ausführungen
  2. Militante Agnostiker. Den Begriff „militant“ missbrauche ich hier natürlich schamlos in derselben Form, in der er auch gegenüber Atheisten regelmäßig missbraucht wird. Und den Begriff „Agnostiker“ finde ich eigentlich auch gar nicht so richtig passend. Trotzdem nenne ich sie mal so, um gleich am Anfang einen kleinen Seitenhieb gegen ihre verquere Terminologie auszuteilen. Ich Fuchs, ich.

Militante Agnostiker erkennt man daran, dass sie sich gerne in herablassendem und anmaßendem Tonfall darüber ereifern, dass Atheisten sich immer so herablassend und anmaßend über Theisten ereifern. Sie weisen in der Regel sehr plakativ darauf hin, dass sie keinen Sinn darin sehen, plakativ darauf hinzuweisen, wie sie zu Gott stehen. Es ist ihnen äußerst wichtig, zu betonen, dass ihnen das ganze Thema völlig egal ist. Sie prügeln gerne undifferenziert auf beide Parteien der Debatte ein, weil sie es inakzeptabel finden, dass die beiden Seiten so undifferenziert aufeinander einprügeln. Dabei haben sie meistens eine leichte Vorliebe für die theistische Seite, zum Beispiel, weil die nicht so aggressiv argumentieren, oder weil sie immerhin für etwas Positives eintreten, während die Atheisten ja immer nur dagegen sind.

Und jetzt überrascht es euch vielleicht nicht mehr, wenn ich sage, dass ich ganz persönlich militante Agnostiker erst einmal für viel weniger sympathisch halte als Theisten. In gewisser Weise ist das ein bisschen merkwürdig, weil die Ansichten der Theisten sicherlich größeren unmittelbaren Schaden anrichten. Militante Agnostiker fordern keine Beschneidungen, sie haben nichts gegen Homosexualität, und sie versuchen nicht, unseren Kindern einzureden, die Welt wäre erst vor sechs- bis zehntausend Jahren von einem unsichtbaren Zauberer geschaffen worden.

Aber aus verschiedenen Gründen respektiere ich sie dennoch eher weniger als Gläubige.

Erstens stört mich ihre moralische Selbstüberhöhung. Sie tun so, als bewohnten sie die Goldene Mitte. Sie stehen zwischen den Fronten und verstehen gar nicht, warum die anderen sich streiten, statt einfach nur tolerant zu sein und sich gegenseitig zu akzeptieren. Das finde ich unanständig, weil sie dabei zweitens implizieren, es wäre intolerant, öffentlich seine Meinung zu sagen. Sie tun so, als wäre es irgendwie verwerflich, jemandem zu sagen, dass man seine Meinung für falsch hält und ihm zu erklären, warum man sie ablehnt. Sie spiegeln voller Stolz vor, keine Meinung zu haben, und tadeln von ihrem hohen Ross aus andere, die sich für das einsetzen, was sie für richtig halten. Und damit richten sie drittens meines Erachtens auch echten Schaden an, denn sie obstruieren  den öffentlichen Wettstreit der Ideen, und den halte ich für eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Errungenschaft unserer freiheitlichen Gesellschaft.

Oder wie seht ihr das?