Breaking: Ärmere Hälfte der Weltbevölkerung wäre weniger arm, wenn sie reicher wäre.

24. Januar 2015

Berlin. Eine vom Bundesentwicklungshilfeministerium auf Grundlage der jüngsten SZ-Enthüllungen zum Hunger in der Welt in Auftrag gegebene Eilstudie hat offenbar die These des von der SZ interviewten Professors für Philosophie und Internationale Angelegenheiten (Ja-woll!) Thomas Pogge bestätigt, dass der Wohlstand der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung sich um bis zu 60% steigern ließe, indem ihr Einkommen um 60% angehoben wird.

Die verblüffende Erkenntnis, so ein Sprecher des Ministeriums, könnte nicht nur die Entwicklungshilfepolitik der Bundesrepublik und anderer Staaten revolutionieren. Darüber hinaus sind bereits bahnbrechende Anwendungen auch in völlig anderen Bereichen im Gespräch. So soll das kalifornische Unternehmen Apple streng geheime Forschungsarbeiten in Auftrag gegeben haben, um zu prüfen, ob sich die Displaygröße eines iPads steigern ließe, wenn es mit einem größeren Display ausgestattet wird, während der Verlag der Süddeutschen Zeitung ein Gemeinschaftsprojekt mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH in Angriff nehmen will, um herauszufinden, ob die Tendenz stetig sinkender Abonnementzahlen durch eine Steigerung der Abonnements um 60% gestoppt werden könnte.

Überschaubare Relevanz hat zu diesem Thema den Professor für Wirtschaftswissenschaften William Easterley um eine Stellungnahme gebeten, wartet aber derzeit noch auf eine Antwort. Offenbar fehlt Easterly aktuell die Zeit, die zahllosen eingehenden Anfragen zu bearbeiten. Subtilen Andeutungen seines Sprechers zufolge arbeitet Easterley allerdings bereits an einer eleganten und überraschend einfachen Lösung für dieses Problem.

 


Fuck the poor

4. März 2010

Irgendwo in Afrika liegt ein Kind im Dreck und weint,
Es ist hungrig, es ist krank, es ist traurig, und mir scheint,
Dass dieses Kind nicht mein Problem ist, es ist da draußen, ich hier drin,
Weil das Kind in Afrika ist und weil ich in Deutschland bin.

Hätt’ ich die XBox nicht gekauft, die vor meinem Fernseher steht,
Hätt’ von dem Geld ein Afrikaner vielleicht ein ganzes Jahr gelebt.
Das Geld für meinen neuen Laptop wäre wohl genug
Für zwei, drei Ochsen, einen Brunnen, oder einen neuen Pflug.

Und wenn ich ehrlich bin, die XBox – ich benutze sie fast nie,
Aber irgendwann demnächst kauf ich vielleicht Bad Company,
Obwohl ich weiß, dass von dem Geld… Sicher habt ihr’s schon kapiert.
Am Ende ist’s mir halt egal, ob das schwarze Kind krepiert.

Pfeif auf Haiti, pfeif auf Chile,
Pfeif auf die Armen Afrikas,
Und gegen meine Schuldgefühle
Spende ich vielleicht mal was.

Nicht zu viel, weil ich das meiste von meinem Geld doch selber brauche,
Wobei ‚brauchen‘ nicht ganz stimmt, wenn ich’s am Ende nur verrauche,
Doch die Schachtel Zigaretten bedeutet mir nun mal sehr viel,
Sehr viel mehr, der Wahrheit halber, als das kranke Kind am Nil.

Und der Cocktail, den ich trinke, kostet mehr als Medizin
Für einen Monat für ein krankes kleines Kind in Äthiopien.
Doch ohne Cocktail wär mein Abend furchtbar einsam, es ist wahr,
Denn wenn ich keinen Cocktail trinke, wirft man mich bald aus der Bar.

Darum wein‘ ich ganz erschüttert um das arme Kind im Dreck,
Doch erst später, denn zuerst mal muss hier dieser Cocktail weg.
Wenn du jetzt sagst, ich bin ein Scheusal, und dass du das ganz anders siehst,
Muss ich dich ganz ernsthaft fragen, wie du dieses Blog hier liest.

Pfeif auf Haiti, pfeif auf Chile,
Pfeif auf die Armen Afrikas
Und gegen meine Schuldgefühle
Spende ich vielleicht mal was.