Anne Frankly, I did Nazi that coming (2)

25. November 2011

Die Serien häufen sich in letzter Zeit. Weiß auch nicht, wie das kommt. Aber dies hier finde ich einfach zu gut, um es nicht zu dokumentieren. Vielleicht dient es ja der einen oder anderen Leserin zur Erheiterung.

Drüben bei Jesus.de erschien ein Post zum Thema „Organspende“, und das ist ein Steckenpferd von mir. Vielleicht hat es damit zu tun, dass mein Vater jahrelang vergeblich auf eine Leber wartete, aber ich glaube eher, dass ich mich auch sonst genausogut über die Dummdreistigkeit von Leuten aufregen könnte, die im Ernst und frei von jedem Selbstzweifel verlangen, man möge sie moralisch nicht unter Druck setzen und dürfe sie nicht zwingen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob sie gerne wollen, dass ihre Organe nach ihrem Tod nutzlos verwesen, oder ob sie zur Rettung von Menschenleben eingesetzt werden können.

Ich habe zu dem Thema ja eine durchaus extreme Auffassung, und gestern Abend war mir aus verschiedenen Gründen sowieso nach Krawall, deswegen fuhr ich die übliche Argumentation auf: Ein (Gehirn)Toter ist keine Person mehr, deswegen hat er auch keine Rechte mehr, deswegen kann man ihm Organe entnehmen, ob er das nun zu Lebzeiten gut fand oder nicht. Ich bekam natürlich die üblichen Gegenargumente zu lesen: Der Gehirntod sei kein gutes Kriterium für den Tod des Menschen, Organhandel, die Organspendelobby, Totenruhe, Recht auf körperliche Unversehrtheit, Medizin ist sowieso des Teufels, blahfasel.

Das war zu erwarten.

Aber völlig überraschend kam für mich eine Linie, der nicht nur einer, sondern sogar mindestens zwei der (meines Wissens) christlichen Diskussionsteilnehmer folgten: Es wurde bestritten, dass es überhaupt einen sinnvollen Unterschied zwischen Personen und Sachen gebe.

Ich weiß nicht, ob ihr euch meine Fassungslosigkeit ob dieses Dialoges vorstellen könnt:

„Wenn man schon so anfängt, dann ist man nicht weit davon, auch Lebende ihre Rechte verwirken zu lassen. Je gieriger andere auf das sind, was man zu bieten hat, desto schneller geht sowas. Da sage ich: Wehret den Anfängen!“

Slippery Slope. Nicht nur beim Thema Organspende eine immer wieder beliebte Argumentation, über die man gar nicht genug spotten kann. Ich antwortete also:

Äh… Genau.
Wenn eine Bratpfanne keine Rechte hat, dann ist der logische nächste Schritt der Holocaust.

In der sicheren Erwartung, dass mein(e) Gesprächspartner(in) sich über den Nazivergleich entrüsten würde oder mich ermahnen, doch ernst zu bleiben. Aber weit gefehlt:

Dummerweise lief das damals wirklich genau so. Erst waren es Geschäfte, Friedhöfe und Synagogen, dann wurden die Menschen selbst vernichtet.

Wow. Und auch Diceman kam schnell zu seinem Kernpunkt, dass es doch überhaupt keinen Sinn ergäbe, einem Menschen mehr Rechte zuzubilligen als einem Gehstock:

Menschen können nichts, was andere Objekte nicht auch können und da die Natur unnötigen hohen Aufwand scheut (Ockhams Razor) wäre es unlogisch, ihnen herausragende Eigenschaften anzudichten.

Nun weiß ich nicht, ob das Trolle sind, oder ob sie unter Einfluss bewusstseinsverändernder Substanzen standen (Zumindest bei Diceman können wir das vielleicht ausschließen, denn er glaubt nicht an ein Bewusstsein.), aber ich dachte, es würde euch vielleicht interessieren, wo die Reise in den Wahnsinn bei Jesus.de jetzt offenbar hingeht: Gleichberechtigung für Bratpfannen.

Und da sag noch mal einer, Diskussionen mit Gläubigen wären nutzlos.


Weil wir was ganz Besonderes sind

1. Oktober 2011

Dumme Menschen sagen dummes Zeug, aber damit kluge Menschen dummes Zeug sagen, braucht man Religion.

schrab ich vor Kurzem hier, und erkannte sofort, dass dieser Spruch sehr bald zu mir zurückkehren würde, um mich in den Arsch zu beißen, wenn ich ihn nicht relativierte, und relativierte ihn flugs. Schon gestern war ich (natürlich nicht zum ersten Mal seitdem) froh drüber. Doppelt froh eigentlich, denn ich freue mich besonders über Gelegenheiten, andere Atheisten zu kritisieren, denn das… kommt mir irgendwie besonders ehrenwert vor, weil ich selbst einer bin.

Ich bin also stolz, euch heute ein fabelhaftes Beispiel dafür zu präsentieren, dass man auch ohne Religion reichlich dummes Zeug reden kann:

Ein falsches Wissenschaftsverständnis hat uns überzeugt, dass wir nicht mehr wären als unsere evolvierten Gehirne.

Jedoch, so argumentiert Neurowissenschaftler und Philosoph Raymond Tallis im folgenden Gastbeitrag für Aufklärung 2.0, bereitet eine umfassendere Philosophie über den Menschen den Gegenschlag vor.

Wer das liest und noch nicht ahnt, dass da nichts Gutes kommen kann, ist weniger vorurteilsbeladen als ich. Herzlichen Glückwunsch. Aber wer mir jetzt in die Schatten der Unargumentation von Herrn Tallis folgt und danach immer noch das Problem nicht erkennt, der ist… herzlich eingeladen, in den Kommentaren mit mir zu diskutieren. *Räusper, Hust*

Schaumamal:

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Hier, hier, ich weiß was!

16. November 2010

Dies ist eigentlich nur ein viel zu langes Vorwort, das man genauso gut überspringen kann: Gerade habe ich eine Nonprophets-Episode gehört, in der Matt und Jeff sich lange und ausführlich streiten, weil Matt findet, dass es genausoviele Belege für wie gegen ein Leben nach dem Tod gibt, nämlich gar keine, während Jeff findet, dass durchaus Belege dagegen existieren. (Hinweis: Beide sind sich natürlich einig, dass es nicht rational zu rechtfertigen ist, an ein Leben nach dem Tod zu glauben.)

Es war sehr frustrierend, das zu hören, weil Jeff Recht hatte, aber keine guten Argumente, wohingegen Matt sehr schlüssig argumentiert hat, was aber nichts daran ändert, dass er sich irrt.

Ich hätte deshalb gerne eine Mail an die Nonprophets geschrieben, zumal Matt selten genug so daneben liegt, aber weil die fragliche Folge schon ein paar Jahre alt ist, käme ich mir dabei ziemlich doof vor, deswegen behellige ich nun stattdessen euch mit meinen Überlegungen dazu.

Dieser Artikel ist nicht dafür gedacht, Gläubige zu überzeugen. Falls ihr an ein Leben nach dem Tod glaubt, seid ihr natürlich trotzdem sehr herzlich eingeladen, zu kommentieren, und falls ich euch unvorstellbarerweise versehentlich überzeugen sollte, freue ich mich riesig, aber eigentlich geht es mir nur darum, in einer völlig nebensächlichen nerdigen skeptikerinternen Begriffs- und Methodenfrage Stellung zu beziehen.

Jetzt beginnt der eigentliche Inhalt dieses Beitrags: Natürlich kann man streng genommen nicht beweisen, dass es kein  Leben nach dem Tod gibt, genauso, wie es keine Beweise gegen die Existenz von Kobolden oder Fleckenzwegen geben kann. Die Abwesenheit von Belegen ist kein strikter Beleg für Abwesenheit, und wenn etwas nicht existiert, dann kann man für diese Nichtexistenz logischerweise auch keine direkten Belege finden.

Dennoch überspannt man die Anforderungen an eine rationale Beweisführung, wenn man daraus den Schluss zieht, es gäbe keine Belege für oder gegen solche übernatürlichen Behauptungen. In meinen Augen gibt es zwei Hauptgründe, aus denen ich Jeff zustimme, dass es Belege gibt, die gegen ein Leben nach dem Tod sprechen. Die Argumentation lässt sich übrigens sinngemäß auf so ziemlich jeden anderen übernatürlichen Stuss übertragen, finde ich.

Erstens wird die Abwesenheit von Belegen irgendwann doch zum Beleg für Abwesenheit, nämlich dann, wenn ich vernünftigerweise Belege erwarten müsste, wenn eine Behauptung zutrifft. Beispiel: Wenn mir ein Bekannter sagt, er hätte eine Katze in seiner Wohnung, spricht erst einmal nichts dagegen, ihm das zu glauben. (Weil ich Leute kenne, die Katzen halten, weil ich schon mehrere Katzen gesehen habe und die Existenz von Katzen mit unseren naturwissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar ist, im Gegensatz zu allen übernatürlichen Behauptungen, aber das nur der Vollständigkeit halber.) Wenn ich dann in seine Wohnung komme und weder Futter, noch Wasser, noch eine Toilette für die Katze sehe, und auch keine Katzenhaare, dann werde ich vielleicht skeptisch. Natürlich könnte er das alles samt Katze noch in einem Raum haben, in dem ich noch nicht war. Wenn ich aber seine ganze Wohnung durchsucht und immer noch keine Indizien für die Anwesenheit seiner Katze gefunden habe, dann kommt vielleicht irgendwann der Zeitpunkt, an dem ich seine Behauptung für widerlegt halte, dass er eine Katze in seiner Wohnung hat. Ich habe dann ganz, ganz streng genommen keinen Beweis gegen die Existenz seiner Katze, aber ich fände es abwegig, in diesem Fall zu behaupten, ich hätte weder dafür noch dagegen irgendwelche Belege. Je nachdem, über welche Form von Leben nach dem Tod wir reden, ist dieses Argument das schwächere von beiden, oder sogar völlig nutzlos. Es gibt nämlich Formen, bei denen wir keine Belege erwarten dürften. Dazu gehört nach meinem Verständnis zum Beispiel das islamische Paradies, weil kein Informationsfluss von den Seligen zurück zu den Lebendigen stattfindet. Viele Reinkarnationsbehauptungen hingegen lassen sich nach meinem Verständnis mit diesem Argument erschüttern.

Zweitens – und das ist die Hauptsache – können wir die beiden Thesen nicht isoliert betrachten, sondern müssen sie im Kontext des Standes der Wissenschaft sehen. Wir haben keine vollständige Theorie, wie unser Bewusstsein und unser Gehirn funktionieren, aber wir haben ein grundlegendes Verständnis, und wir wissen bestimmte Dinge, wie zum Beispiel, dass unser Bewusstsein aus der Wechselwirkung der Zellen unseres Gehirns entsteht. Zahlreiche empirische Erkenntnisse unterstützen diese Annahme. Zum Beispiel wissen wir, dass Eingriffe (ob durch Operation oder Unfall) in das Gehirn unser Bewusstsein verändern, und dass Prozesse unseres Bewusstseins sich auch in physischen Veränderungen des Gehirns wiederspiegeln. Wir wissen darüber hinaus, das mit dem Tod unseres Körpers sämtliche Prozesse im Gehirn enden, keinerlei Aktivität mehr stattfindet und die Zellen sehr schnell beginnen, zu zerfallen. All das sind in meinen Augen starke Indizien dafür, dass unser Bewusstsein eine Funktion unseres Gehirns ist und endet, wenn unser Gehirn seinen Funktionen einstellt.

Ich behaupte nicht, dass damit eindeutig bewiesen wäre, dass es kein Leben nach dem Tod gibt. Ich behaupte nur, dass alles, was wir bisher herausgefunden haben, dagegen spricht, dass ein Bewusstsein ohne ein Gehirn existieren kann, oder dass unser Bewusstsein von einer nichtkörperlichen Komponente beeinflusst wird.

Im Gegenzug bin ich übrigens auch bereit, zuzugestehen, dass es einige (sehr schwache) Indizien gibt, die in die andere Richtung deuten könnten. Die berühmten Nahtoderfahrungen zum Beispiel, oder bestimmte Berichte über angebliche Erinnerungen an frühere Leben. Allerdings lassen die sich meines Wissens alle sehr gut durch rein physische Prozesse (und teilweise auch durch schlichte Betrugsabsicht) erklären.

Meiner Meinung nach ließe sich der derzeitige Stand deshalb am ehesten so beschreiben: Es gibt wenige sehr, sehr schwache Indizien für ein Leben nach dem Tod. Und es gibt sehr, sehr starke Indizien dafür, dass alles, was uns ausmacht, mit dem Tod unseres Körpers endet.

Das finde ich übrigens nicht schön. Ich bin emphatisch dagegen, dass das so ist. Aber meine Meinung hat leider keinen Einfluss auf die Wirklichkeit.


Go vegan?

21. Juli 2010

Das beschäftigt mich schon sehr lange, und ich komme einfach nicht so richtig zu einem Schluss. Deswegen hoffe ich auf euer Verständnis, wenn ich euch mal meinen ungeordneten Gedankensalat hier hinschütte und hoffe, dass ihr mir helfen könnt, ein bisschen was draus zu machen. Los geht’s:

Ich bin kein Vegetarier. Ich esse fast alles. Thunfisch, Milchprodukte, Bärentatze, Kalbsleber, Gänsebraten, Rotkohl, Spinat, Schokolade, Sauerkraut, Steak, Eier, Käse, Brot, Müsli, Seelachs, Royal mit Käse, Paprika, Zwiebeln, Chili, Erbsensuppe, Brokkoli und Cabanossi, manchmal sogar Sellerie.

Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich damit ethisch besonders sicher stehe. Früher habe ich Vegetarier einfach ausgelacht, und Veganer erst recht, komischer Quatsch, was macht man sich das so schwer, wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch?

Aber komischer Quatsch ist natürlich eher meine Begründung, nicht die der Vegetarier. Wenn ich das Ganze mal konsequent durchdenke, sieht es aus meiner Sicht eigentlich so aus: Ich billige vielen Tieren zu, dass sie ein Bewusstsein haben und in einem bedeutungsvollen Sinne Schmerz empfinden können. Das Leben mancher Tiere hat aus meiner Sicht einen schwer bezifferbaren, aber jedenfalls nicht unerheblichen Wert.

Ich würde ein Kaninchen nicht einfach so töten, wenn es nicht nötig ist. Und es ist nicht nötig, dass ich Kaninchen esse. Es gibt genug andere Sachen, die ich essen kann, und die es ziemlich sicher nicht stört, wenn sie für mich sterben müssen. Werde ich deshalb also doch Veganer?

Noch nicht. Und sicher auch nicht ganz, denn ich denke, dass man da differenzieren muss. Über den Stand der Wissenschaft bin ich mir nicht ganz im Klaren, aber wie ich es einschätze, sind zum Beispiel die meisten wirbellosen Tiere nach keiner sinnvollen Definition bei Bewusstsein. Fliegen und Spinnen sind, soweit ich weiß, nicht viel mehr als biologische Automaten, und ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich aus Versehen auf eine trete. Bei Kühen, Hunden und Elefanten sieht das zum Beispiel ganz anders aus. Und für Elche würde ich auch bremsen. Tierische Produkte wie Käse oder Eier machen mir wiederum nicht so viel Kummer. Milchkühe haben vielleicht kein perfektes Leben, aber dass es ihnen auf einem anständig geführten Bauernhof wesentlich schlechter geht als in freier Wildbahn – sowieso eine merkwürdige Vorstellung, oder? – bezweifle ich doch.

Intuitiv würde ich sagen, dass man Fische auch essen kann, ohne sich Gedanken zu machen. Die wirken auf mich auch nicht, als würden bei ihnen höhere geistige Prozesse ablaufen. Aber da bin ich mir schon gar nicht mehr sicher, ob das vielleicht auch nur daran liegt, dass sie so fremdartig und überhaupt nicht knuddelig sind.

Um es kurz zu machen: Es gibt wohl unbezweifelbar Tiere, denen ich ein Bewusstsein und sowas wie Rechte zugestehe, und die ich trotzdem esse. Kühe, Hasen, und Schweine zum Beispiel. Tintenfische sollen auch sehr klug sein, und die esse ich auch. Ich tue das, weil ich es immer schon getan habe, und weil es die meisten anderen Menschen auch tun, aber es fiele mir schwer, eine ethisch saubere Begründung anzugeben. Was meint ihr? Seid ihr Vegetarier? Seid ihr begeisterte Fleischesser? Seid ihr Bewusstseinsforscher und könnt Erkenntnisse über die mentalen Funktionen verschiedener Tierrassen mit mir teilen? Seid ihr Stubenfliegen und furchtbar sauer auf mich, aber unfähig, eine Tastatur zu bedienen? Lasst es mich bitte wissen!


Ich ist ich ist ich ist ich

18. Juni 2010

Dieser Artikel liegt schon eine ganze Weile hier herum, aber ich habe mich bisher nicht getraut, ihn zu veröffentlichen. Es handelt sich um eine Art Gedankenspiel zum Thema „menschliches Bewusstsein“. Das interessiert vielleicht nicht jeden, aber mich beschäftigt es öfter mal, und da zurzeit eh nichts Interessantes los ist, dachte ich, ich teile meine Überlegungen mit euch. Vielleicht habt ihr ja auch ein paar Ideen dazu.

Wen ich jetzt noch nicht vergrault habe, der ist herzlich eingeladen, mir ins Studierzimmer zu folgen, es geht hier entlang.

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