Und Gott redete alle diese Worte

10. Juni 2013

Immer wieder stoße ich – zu meinem Erstaunen oft genug auch bei Nichtchristen – auf großes Unverständnis, wenn ich sage, dass die (angeblich) Zehn Gebote für mich ganz, ganz fürchterlicher Unfug sind. „Wieso, was hast du denn gegen ‚Du sollst nicht töten?'“ „Findest du Stehlen etwa gut?“ oder so. Damit ich das nicht jedes Mal neu beantworten muss, und weil ich zu müde bin, um mich mit was Ernsthaftem zu befassen, gehe ich es jetzt hier einmal für alle Interessierten durch. Unsere Basis soll 2. Mose 20; 2-17 sein, in der Fassung Luther 1912. Wollmermal.

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Jesus ist Segen

12. Juni 2010

Vor einigen Tagen trieb ich mich aus Langeweile mal bei Theolounge herum und fand dort dieses kleine Zitat aus der Bibel:

Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht! Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die Träger blieben stehen und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück. (Lk 7, 13-15)“

Und ich fragte mich: Warum ist das was Gutes?

Wenn wir mal von der christlichen Prämisse ausgehen, dass Gott allwissend, allmächtig und all-liebend ist, dann ergibt diese Geschichte aus meiner Sicht verdammt wenig Sinn. Da Gott alles weiß und alles kann, hat er unsere Welt von vornherein in dem Wissen und mit der Absicht erschaffen, dass Ereignisse sich genau so abspielen, wie sie es eben tun. Gott hat es also aus irgendeinem Grund für sinnvoll gehalten, den Sohn dieser Frau sterben zu lassen, damit dann ein paar Tage später Jesus vorbeikommen und ihn erwecken kann.

Beispiel: Mein Sohn hat ein Haustier, das er über alles liebt. Eines Tages nehme ich es ihm weg und sage: „So, dein Hund ist tot.“ Mein Sohn weint und trauert, und irgendwann „habe ich Mitleid und sage zu ihm: Weine nicht!“ Und dann gebe ich ihm den Hund wieder und erwarte von ihm, dass er vor lauter Begeisterung über meine endlose Gnade vor mir auf die Knie fällt und mich anbetet, und wenn er das nicht tut, sperre ich ihn für immer  im Keller ein. Ich kenne mich mit Erziehung nicht so aus, aber ich glaube, ein guter Vater würde das irgendwie anders machen.

Im Prinzip ist das natürlich einfach nur eine Variante des „Problem of Evil“ und damit bis zum Überdruss zu Ende diskutiert. Aber weil ich ja nicht nur in meinen eigenen Vorurteilen vor mich hin marinieren will – oder weil ich ein rechthaberischer Streithansel bin, wie ihr wollt – habe ich den Autor des Blogs dort mal gefragt, wie er sich das erklärt. Und habe darauf – ein bisschen zusammengefasst – diese Antworten bekommen:
[Edit: Ich habe hier fehlerhaft den Eindruck erweckt, dass die folgenden Antworten vom Blogbetreiber theolounge stammen. Das war sehr ungeschickt von mir, denn es stimmt gar nicht. Die Antworten stammen von jobo72, den den Originalbeitrag verfasst hatte, auf den theolounge verlinkt.]

„Der Segen liegt meinem Verständnis nach in der Gnade, die Gott dem Menschen (hier: der Frau) durch Jesus zuteil werden lässt. Dass die Akte der Gnade eingewoben sind in eine Universalgeschichte, die nicht nur die Auferstehung, sondern auch den Tod beinhaltet, macht sie ja nicht weniger „segensreich“. […] Jesus ist Segen, nicht Held.“

„Sie sprechen einige interessante Punkte an, die ich hier leider aus Zeitgründen nicht weiter behandeln kann. Anschließen müsste sich hier nämlich eine längere theologische Diskussion zu Themen wie Wille Gottes und Heil des Menschen, Gnade und Freiheit, Vorsehung und Vorherbestimmung, Heiligkeit und Heroismus und schließlich die Theodizee. Ich glaube – um das noch kurz zu sagen – drei Gedanken könnten hier vielleicht weiterführen:
1. Wie ist das mit dem Willen Gottes und der unterstellten Kausalität („…damit…“) und der unterstellten Absicht, einen bestimmten Effekt zu bewirken („…publikumswirksam…“)? Ist das so? Geht es wirklich darum? Wie deuten Sie die Rede vom „Mitleid“, das ja eingangs als Motiv des Gnadenaktes genannt wird?
2. Was ist Gnade? Was empfinden Sie persönlich als Gnade? Ist „zu leben“ eine Gnade?
3. Was ändert sich durch den Gnadenakt „auferstehen lassen“ gegenüber dem Gnadenakt „leben lassen“? Vielleicht versetzen Sie sich einmal in die Frau hinein. Was ändert sich für sie? Welche Erfahrungen machen die Anwesenden?“

Für mich ist das einfach nur unverständlich bis an die Grenze zur schlichten Vernebelungstaktik. Und für euch?


I only read one book, but it’s a Good Book, don’t you know!

12. März 2010

In einem Video des unvergleichlichen NonStampCollector habe ich meine neue Lieblingspassage der Heiligen Schrift gefunden. Hesekiel 4:1-15:

1Und du, Menschenkind, nimm einen Ziegel; den lege vor dich und entwirf darauf die Stadt Jerusalem 2und mache eine Belagerung darum und baue ein Bollwerk darum und schütte einen Wall darum und mache ein Heerlager darum und stelle Sturmböcke rings um sie her. 3Vor dich aber nimm eine eiserne Pfanne; die laß eine eiserne Mauer sein zwischen dir und der Stadt, und richte dein Angesicht gegen sie und belagere sie. Das sei ein Zeichen dem Hause Israel. 4Du sollst dich auch auf deine linke Seite legen und die Missetat des Hauses Israel auf dieselbe legen; soviel Tage du darauf liegst, so lange sollst du auch ihre Missetat tragen.

5Ich will dir aber die Jahre ihrer Missetat zur Anzahl der Tage machen, nämlich dreihundertundneunzig Tage; so lange sollst du die Missetat des Hauses Israel tragen. 6Und wenn du solches ausgerichtet hast, sollst du darnach dich auf deine rechte Seite legen und sollst tragen die Missetat des Hauses Juda vierzig Tage lang; denn ich gebe dir hier auch je einen Tag für ein Jahr. 7Und richte dein Angesicht und deinen bloßen Arm wider das belagerte Jerusalem und weissage wider dasselbe. 8Und sieh, ich will dir Stricke anlegen, daß du dich nicht wenden könnest von einer Seite zur andern, bis du die Tage deiner Belagerung vollendet hast. 9So nimm nun zu dir Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen, Hirse und Spelt und tue alles in ein Faß und mache dir Brot daraus, soviel Tage du auf deiner Seite liegst, daß du dreihundertundneunzig Tage daran zu essen hast, {Hesekiel.4,5} 4,5
Ich will dir aber die Jahre ihrer Missetat zur Anzahl der Tage machen, nämlich dreihundertundneunzig Tage; so lange sollst du die Missetat des Hauses Israel tragen.
10also daß deine Speise, die du täglich essen sollst, sei zwanzig Lot nach dem Gewicht. Solches sollst du von einer Zeit zur andern essen. 11Das Wasser sollst du auch nach dem Maß trinken, nämlich das sechste Teil vom Hin, und sollst solches auch von einer Zeit zur andern trinken. 12Gerstenkuchen sollst du essen, die du vor ihren Augen auf Menschenmist backen sollst. 13Und der HERR sprach: Also müssen die Kinder Israel ihr unreines Brot essen unter den Heiden, dahin ich sie verstoßen werde. 14Ich aber sprach: Ach Herr, HERR! siehe, meine Seele ist noch nie unrein geworden; denn ich habe von meiner Jugend auf bis auf diese Zeit kein Aas oder Zerrissenes gegessen, und ist nie unreines Fleisch in meinen Mund gekommen. {Apostelgeschichte.10,14} 10,14 Petrus aber sprach: O nein, HERR; denn ich habe noch nie etwas Gemeines oder Unreines gegessen. 15Er aber sprach zu mir: Siehe, ich will dir Kuhmist für Menschenmist zulassen, darauf du dein Brot machen sollst.
[Textquelle: Bibel-Online.net]

Ich finde, das hat was von David Lynch. Dieser subtile Wahnsinn, der sich ein bisschen so anfühlt, als würde man direkt am Gehirn gekitzelt.


Frisch, fromm, fröhlich, Käßmann

28. Oktober 2009

Ich wollte ein bisschen nörgeln, aber ich war mir nicht sicher, wie und worüber.

Denn einerseits ist es natürlich gerechtfertigt, dass unsere Medien heute ausführlich darüber berichten, dass eine der zwei großen Kirchen Deutschlands eine neue Vorsitzende gewählt hat. Sicher ist das irgendwie eine Meldung, und sicher ist es durchaus nicht uninteressant, wem knapp 25 Millionen Deutsche ihr Seelenheil anvertrauen und wer diese 25 Millionen Deutschen zukünftig in Glaubensfragen repräsentieren darf.

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Andererseits ärgere ich mich einfach immer wieder darüber, dass die Kirchen in Deutschland einfach kraft ihrer scheinbaren gesellschaftlichen Durchdringung in mehrerer Hinsicht über einen Einfluss verfügen, der ihnen meiner Meinung nach kein bisschen zusteht.

Die EKD ist ein Verein, dessen Mitglieder durch die abenteuerliche Annahme verbunden sind, dass die Welt von einem allmächtigen und allwissenden Wesen erschaffen wurde, das vor rund 2000 Jahren mit einer menschlichen Frau einen Sohn zeugte, um die Menschheit von ihren Sünden zu befreien, indem dieser von besagter Menschheit zuerst gefoltert und dann grausam getötet wurde, um ihnen dann hinterher vergeben zu können.

Trotzdem erhalten die Repräsentanten dieses Vereins in unschöner Regelmäßigkeit eine öffentliche Plattform, um ihre mal mehr, mal weniger abstrusen Ansichten zu diversen wichtigen Themen zu äußern, obwohl diese Ansichten sich in der Regel auf zwei Bücher gründen, die Jahrtausende alt, in sich widersprüchlich und nach allem menschlichen Ermessen von hochgradig Bekloppten geschrieben wurden. Ungeachtet dieser kleinen Indizien gegen ihre Relevanz werden die beiden Bücher von den Vereinsmitgliedern für die ewige und einzige Grundlage von Moral und Recht gehalten. Warum also dürfen die dabei sitzen, wenn sich andere Leute ernsthaft unterhalten wollen?

Sogar beim Rückhalt in der Gesellschaft kann man meiner Meinung nach durchaus an den Kirchen zweifeln. Nicht ganz die Hälfte der Deutschen glaubt überhaupt an Gott – obwohl zugegebermaßen auch nur ein Viertel sich dem Atheismus zuordnet -, und Gottesglaube ist ja nun noch lange nicht identisch mit Kirchentreue. Abgesehen davon, dass es auch noch andere Kirchen gibt als die christlichen, behaupte ich mal völlig furcht- und quellenlos, dass maximal ein Drittel der Kirchenmitglieder ihren Glauben wirklich ernst nimmt. Wir dürfen nicht vergessen, dass man dort einfach per Taufe Mitglied wird und dann austreten muss, was nach meiner Erfahrung viele nur deshalb nicht tun, weil sie keine Lust haben, sich dafür zu rechtfertigen, oder weil sie es so nett finden, sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen. Wirkliche Kenntnis und Überzeugung von der christlichen Glaubenslehre ist da zumindest unter meinen Bekannten sehr, sehr, sehr selten zu finden.

Oder um es anders zu sagen: Die Leute von 7 Tage, 7 Köpfe (Gibt es das eigentlich noch?) verdienen in meinen Augen ähnlich viel Respekt und Raum für ihre Meinung zu Gentechnik, Abtreibung, Verhütung und Ethik wie die Repräsentanten dieser anderen Comedy-Truppe, die genausowenig lustig ist, und dafür noch anmaßend, selbstgerecht und bigott.