Die doppelte Strafe ist angemessen

27. Juli 2012

Es gibt so Menschen, die so weit von mir und meiner eigenen Gedankenwelt entfernt sind, dass sie wohl genausogut zu einer völlig anderen Art von Lebewesen gehören könnten. Vor denen stehe ich staunend, nicht selten mit buchstäblich offenem Mund, und bewundere diese grundlegende Unterschiedlichkeit, und frage mich, ob ich sie dafür irgendwie charakterlich beurteilen sollte, oder sie einfach nur für Bewohner einer Paralleldimension halten, die mir nicht zugänglich ist.

Robert Spaemann ist offenbar einer dieser Menschen.

Irgendetwas stimmt nicht

schreibt er in der FAZ, und so weit hat er natürlich noch völlig Recht. Doch gleich danach zeichnet sich ab, dass das Weltbild dieses Menschen jedem Zugang meinerseits enthoben ist:

Das deutsche Recht und mehr noch die deutsche Rechtsprechung muten es dem religiösen Bürger zu, dass das, was ihm das Heiligste ist, ungestraft öffentlich verhöhnt, lächerlich gemacht und mit Schmutzkübeln übergossen werden darf.

Nun ja. Ich sag mal so: Nicht nur denen, sondern uns allen. Ich finde das immer eigenartig, dass Menschen es im Ernst unerträglich finden können, wenn jemand einen geschmacklosen Cartoon mit Jesus drin zeichnet, aber beim besten Willen kein Problem darin erkennen können, dass zum Beispiel die größte Religionsgemeinschaft der Welt ganz offiziell, für jeden nachlesbar und mit heiligem Ernst verkündet, jeder einzelne Mensch hätte es verdient, für alle Ewigkeit maßloses Leid zu erfahren. Für alle Ewigkeit. Maßloses Leid. Wir alle. Jeder. Aber das ist in Ordnung, weil es nicht lustig gemeint ist.

Wenn hingegen jemand die Idee verspottet, dass ein allmächtiger, allwissender, und uns alle liebender Gott eine Welt geschaffen hat, dessen jeder einzelner Bewohner diese schlimmst aller denkbaren Strafen verdient hat und auch erhalten wird, und deshalb dann viele Milliarden Jahre nach diesem Schöpfungsakt auf die Idee kommt, dass das vielleicht nicht gut so ist, woraufhin ihm als beste Möglichkeit spontan einfällt, eine Menschenfrau gegen ihren Willen zu schwängern und alles so zu fügen, dass rund 30 bis 40 Jahre später ihr gemeinsamer Sohn hingerichtet wird, damit zumindest die Personen, die ohne vernünftigen Grund diese hanebüchene Geschichte glauben, statt der ewigen Qual ewige Freude erfahren dürfen, wenn jemand diese Idee lächerlich macht, dann ist das nicht hinnehmbar, und dass er das darf, ein Zeichen dafür, dass „irgendetwas“ nicht stimmt.

Herr Spaemann erkennt sogar an, dass die Straffreiheit so sicher gar nicht mal ist:

Dann und wann einmal findet ein Richter, es sei irgendwo zu weit gegangen worden, und verhängt eine Bewährungsstrafe.

Aber die Richter sind ihm natürlich zu milde, denn wie gesagt: Menschen für so abscheulich zu erklären, dass sie der schlimmsten überhaupt möglichen Strafe anheimfallen müssen, einfach nur dafür, dass sie existieren, das ist okay. Aber sich über ein altes Buch lustig zu machen, das verdient Strafe.

In der Regel geschieht das nicht. Vor allem nicht mehr, seit nur noch diejenige Beleidigung strafbar ist, die den „öffentlichen Frieden gefährdet“.

Uuuuuund jetzt bitte noch nicht weiterlesen, sondern einen Moment innehalten: Ahnt ihr, was jetzt kommt? Ich habe es kommen sehen. Was meint ihr? Wollt ihr mal raten?

Den Rest des Beitrags lesen »