Restebloggen (89)

7. April 2013
  1. „Hey, wäre es nicht cool, wenn unsere Kunden direkt aus Word heraus ein Dokument mailen könnten?“ „Ja, das klingt gut, aber achte bitte drauf, dass sie dann keinerlei Zugriff mehr auf Outlook oder Word haben, bis die Mail verschickt ist, okay?“ „Ähm … Was soll ich machen?“ „Aufpassen, dass Outlook und Word nicht nutzbar sind, solange das Fenster mit der Mail noch offen ist. Sprech ich Kroatisch?“ „Nee, schon klar, hab ich verstanden, aber warum denn?“ „Sorry, muss weg, dringendes Meeting!“ So oder ähnlich muss das Gespräch gelaufen sein.
  2. Ann Druyan spricht über den Tod ihres Ehemannes Carl Sagan. „Carl faced his death with unflagging courage & never sought refuge in illusions.“ Lie down. Try not to cry. Cry a lot.
  3. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde zurzeit Thea Gilmore total toll. Und die Idee, ein Neil-Gaiman-Album zu machen, ist natürlich auch grundsätzlich toll, ganz unabhängig davon, dass sie mit drauf ist.
  4. Ich verstehe diese Leute nicht, die mir auf gezielte Nachfrage sagen, alles sei in Ordnung und sie hätten auch keine Verbesserungsvorschläge, um dann zwei Tage später einen Personalcoach zu bitten, mich zu bitten, mit ihnen und ihrem Vorgesetzten mal ein Gespräch zu führen, weil sie dies, das und jenes nicht in Ordnung finden und diesen, jenen und den Verbesserungsvorschlag haben. Ich meine, wenn jemand sich gar nicht traut, sowas zu sagen, das ist schade, aber verständlich. Aber es vorzuziehen, die betroffenen Personen offen anzulügen und ihnen dann über Dritte doch mitzuteilen, was einen stört, mit dem Ziel, dann doch mit ihnen drüber zu sprechen, nur halt über den Umweg, vorher mal ein eventuell bestehendes Vertrauen zu beschädigen und sie ordentlich vor den Kopf zu stoßen, das ist in meinen Augen eine ganz merkwürdige Strategie. (Und ich rede hier nicht über einen cholerischen Vorgesetzen von den Dimensionen eines James Clark Duncan. Der Mann ähnelt in Auftreten und Optik einem archetypischen Kindergärtner. Heißen die so? Egal.)
  5. Wolf von Game One ist nicht mehr bei Game One, sondern hat – wie ist er bloß auf diese crazy Idee gekommen? – jetzt einen YouTube-Kanal mit dem etwas sonderbaren Namen Sexy Cripples, auf dem er mit seiner Frau zusammen (was wirklich eine gute Idee ist, ganz im Ernst, die ist nämlich toll) über Filme, Videospiele und sonstiges Gelöt redet. Ich mag ihn immer noch, aber die unfassbar schlechte Kommunikation mit den Fans macht mich staunen. Also, ja, ich würde an deren Stelle auch nicht mit meinen Fans reden wollen, denn die Game-One-Fans sind leider unfassbare Dooftrottel, man bekommt Kopfkrebs, wenn man da die Koommentare liest, aber trotzdem, die leben doch nun mal von diesem Abschaum, da kann man doch mal kurz einen Post schreiben, in dem sinngemäß steht: „Wolf ist nicht mehr bei uns, wir können leider nicht weiter ins Detail gehen, ihr findet ihn jetzt hier, wenn ihr mögt, wir wünschen ihm alles Gute mit seinem, naja, neuen, ähm… Projekt, oder so, und seinen Job macht jetzt in Zukunft einer dieser kleinen Spielzeugvögel, die automatisch aus einem Wasserglas trinken.“ bzw. „Hey, Leute, ich bin jetzt nicht mehr bei Game One, sondern hier, zu den Hintergründen kann ich leider nichts Genaues sagen, aber schaut mal, ich hab ein ganz tolles neues Projekt, mit dem ich … will, und von dem ihr … erwarten könnt, und außerdem gibt es … also kommt mit rüber und habt Spaß mit mir!“ Oder so. Tut doch nicht weh, und vielleicht ist dann auch nicht die Kommentarspalte hinter jedem Post voll mit „Wo ist Wolf?“ „Wie, ist der nicht mehr bei Game One?“ „Nee, der ist jetzt weg.“ „Was, Wolf ist weg, warum das denn?“ „Wo ist Wolf?“ „Ist der echt weg, stimmt das?“ „Wir wollen Wolf wieder haben!“
  6. Und weil das heute offenbar das Rant-Restebloggen ist: Ich bin es ja schon ziemlich leid, dass Leute, statt einfach meine Fragen zu beantworten, anfangen, dem zu widersprechen, wovon sie aus von außen schwer ersichtlichen Gründen glauben, dass ich es mit meinen Fragen aussagen will. Hoffentlich ist das kein Trend. Dass man sich nicht immer einigen kann, ist eine Sache, aber wenn man nicht mal drüber reden kann, wo und wie man eigentlich differiert, wird es albern.
  7. Gerade habe ich mit meinem neuen Lieblings-Cover-Designer darüber gesprochen, dass auch eine YouTube-Präsenz für einen aufstrebenden Schriftsteller nicht schlecht wäre, und wie man das machen sollte, da sehe ich diesen Buchtrailer für Das Sterben der Bilder
    Was haltet ihr von sowas?

Das Sterben der Bilder – ach, wie gern hätt ich’s gemocht

10. Februar 2013

Als ich kürzlich mehr oder weniger zufällig die Seite „Blogg dein Buch“ entdeckte, die uns auffordert, die dort angebotenen Bücher in unseren Blogs zu besprechen und uns im Gegenzug anbietet, die Rezensionsexemplare kostenlos zur Verfügung zu stellen, da fand ich die Idee spontan sehr sympathisch und beschloss sofort, das mal auszuprobieren. Das Resultat seht ihr nun hier.

Die Auswahl war nicht ganz unproblematisch, wer hier schon länger liest, der ahnt warum, und wer nicht, dem ist es mutmaßlich egal, dem sei aber trotzdem der Form halber gesagt, dass ich einen einerseits sehr spezifischen, andererseits aber sehr eklektischen Geschmack habe, was komisch klingt, aber so ist. Meine Entscheidung fiel schließlich auf

Das Sterben der Bilder von Britta Hasler,  bestellbar hier, erschienen im sicherlich wundervollen dotbooks-Verlag, den ich hier als letzte Auflage noch verlinken muss, von nun an bin ich frei in der Gestaltung dieser Rezension. (Abgesehen davon, dass sie mindestens 250 Wörter umfassen muss, was zu erwähnen aber nun wirklich völlig unnötig wäre.)

Der Verlag bietet uns folgende Inhaltszusammenfassung:

Wien, 1906. Die Stadt lebt in Angst vor einem Serienmörder, der seine Opfer scheinbar zufällig auswählt – und sie dann brutal und effektvoll tötet. Zur gleichen Zeit wird dem arbeitslosen Julius Pawalet überraschend eine Stelle im Kunsthistorischen Museum angeboten. Julius‘ Leben wendet sich weiter zum Guten, als er die junge Krankenschwester Johanna kennenlernt – doch schon bald fallen ihm Details der Morde auf, die auf seinen neuen Arbeitsplatz hinweisen, in dem nicht alles mit rechten Dingen zugeht …

Und das sprach mich durchaus an. Wien mag ich, 1906 ist doch keine schlechte Zeit für ein Buch, und Serienmörder sind ja irgendwie mein Ding. Auch sonst kann ich eigentlich nichts Nachteiliges über das Buch sagen. Britta Hasler hat hier saubere Arbeit abgeliefert. Gelegentliche Tippfehler wollen wir ihr nicht vorwerfen, und ansonsten kann ich nicht im Ernst sagen, dass sie irgendwo dramatisch daneben gegriffen hätte. Ich kann jetzt Beispiele für Formulierungen nennen, die mich ein bisschen irritiert haben, wie

Die Tatsache, dass heute sein Glückstag zu sein schien, machte ihn verlegen.

was ich unnötig umständlich und eigentlich sogar rundum unnötig fand, oder

Auf der Visitenkarte stand der geheimnisvolle Hinweis, den Eingang um die Ecke zu nehmen und die Klingel mit dem Namen Gruber zu betätigen.

woran ich beim besten Willen nichts Geheimnisvolles finde, oder

appetitlich geschnittene Käsestücke

aber da werde ich nun wirklich kleinlich, denn Käse kann ja vielleicht je nachdem, wie man ihn schneidet, wirklich mehr oder weniger appetitlich aussehen, aber …

Ihr merkt schon, dass das nicht das eigentliche Problem ist. Das liegt woanders, und ich konnte sehr lange nicht genau sagen, wo, bis es mir ungefähr zur Mitte hin klar wurde:

Der Vogel Dieses Buch hat keinen Humor. Wirklich gar nicht. Dieses Buch ist bierernst, von vorne bis hinten, von Anfang bis Ende, von der ersten bis zur letzten Seite. Ohne Ausnahmen? Natürlich nicht. Es gab eine Stelle, die mir ein Lächeln abgerungen hat, als der unsympathische Leutnant Tscherba unseren Protagonisten festnehmen will und erklärt, warum es ganz leicht fiel, ihm auf die Schliche zu kommen:

Seine Begleiter warfen ihm einen anerkennenden Blick zu, und wenn sie keine Handschuhe getragen hätten, sie hätten ihm zweifelsohne applaudiert.

Das war nett. Und hart an der Grenze zu echt gut ist auch die Szene, in der ein Zoowächter mit dem Mörder darüber plaudert, dass er besonders aufpassen muss, weil der finstere Bösewicht ja jetzt schon zweimal im Zoo war. Ich konnte an dieser Stelle eine echt gute, eine fantastische Szene regelrecht mit Händen greifen, die Ansätze waren da, und jedenfalls hätte ich auch hier beinahe schmunzeln können, aber …

Das Buch hat einfach keinen Humor. Das spricht nicht unbedingt gegen das Buch, oder seine Autorin, aber für mich ist es nun mal ein Todesurteil. Was keinen Humor hat, ist für mich unbrauchbar, und so war es leider auch das Sterben der Bilder, und daran können auch die durchaus stimmungsvollen, sicher mühevoll recherchierten Schilderungen der Stadt Wien und seiner Gesellschaft im Jahre 1906 nichts mehr ändern, und nicht einmal die wirklich sehr originelle und wenig klischeehafte, um nicht zu sagen: völlig überraschende Entwicklung der Beziehung zwischen Julius Pawalet und der Krankenschwester mit ihrem, naja, nicht fulminanten, aber doch eindrucksvollen Ende, und die sympathisch entspannte Einstellung der Erzählung zur Prostitution können da noch irgendwas reißen.

Für mich. Für euch mag das anders sein. Wenn Humor für euch nicht zu den Grundbedingungen eines angenehmen Leseerlebnisses zählt, ihr historische Kriminalromane schätzt, euch mit blutrünstigen psychopathischen Serienmördern wohl fühlt und vielleicht noch eine Vorliebe für Wien und die kuk-Monarchie in euch tragt, dann ist das Ding für euch garantiert seine 6,99 Euro wert.

Blogg dein Buch freut sich, wenn ich Sterne vergebe, was hier aus den genannten Gründen denkbar schwer fällt, aber ihr wisst ja, ich brauche Harmonie und kann niemandem einen Wunsch abschlagen, also hier:

3 von 5, mit eine klaren Tendenz zur 4 wenn ich es so objektiv bewerte, wie ich kann, und 2 von 5, wenn ich lediglich mein eigenes Lesevergnügen bewerten soll. Frau Hasler ist hier eine originelle, wohl formulierte, kein bisschen schmerzhafte Geschichte gelungen, die eigentlich nur an dem einen Defizit krankt, nicht meinem persönlichen Geschmack zu entsprechen. Schade.