Bella Block

10. November 2009

Letzten Freitag bekam meine Freundin einen Brief vom Fachbereich Recht und Ordnung der Landeshauptstadt Hannover. Sie wurde darin gebeten, doch einmal die Sachbearbeiterin Frau B anzurufen, weil sie im Zusammenhang mit einer Verkehrsordnungswidrigkeit als

() Halter/in
() Betroffene/r
(X) Zeugin

gehört werden sollte. (Kann mir jemand erklären, inwiefern dieses Ankreuzverfahren in solchen Behördenbriefen Sinn ergibt? Es wäre doch mindestens genauso einfach, jeweils eine Vorlage für jeden dieser Fälle anzulegen, oder? Und warum gibt es die Zeugin nur weiblich, die anderen aber in beiden Varianten?)

Wir wunderten uns über diesen Brief, weil Keoni sich nicht erinnern konnte, einer Verkehrsordnungswidrigkeit beigewohnt zu haben, und insbesondere hatte garantiert niemand ihren Namen und ihre Adresse notiert, um sie als Zeugin zu vernehmen. Dennoch rief sie im vollen Bewusstsein ihrer bürgerlichen Pflichten bei Frau B an und fragte, wie sie denn helfen könne. Was sie dort erfuhr, finde ich sehr befremdlich, aber vielleicht stelle ich mich ja auch bloß an…

Am 17. August war eine Geschwindigkeitsüberschreitung mit einem Fahrzeug des Unternehmens, bei dem ich arbeite, registriert worden. Der Fachbereich Recht und Ordnung hatte uns daraufhin Ende September angeschrieben, um zu erfragen, wer zur fraglichen Zeit den Wagen gefahren habe, hatte aber keine Antwort erhalten. Frau B sah daraufhin keine Alternative, als kurzerhand mal einen Blick in’s Telefonbuch zu werfen und uns anzurufen uns noch mal anzuschreiben und an ihre ursprüngliche Anfrage zu erinnern über unsere Firmenhomepage oder die Gelben Seiten schnell nachzusehen, ob sie die richtige Adresse hatte über das Melderegister meine Privatadresse herauszufinden, um dann einer anderen dort gemeldeten, mit mir weder verwandten noch verheirateten Person, die mit meinem Unternehmen nichts zu tun hat, einen Brief zu schreiben, um sich zu erkundigen, ob sie möglicherweise Näheres weiß, schließlich war auf dem Foto der Überwachungsanlage ja eine Frau zu erkennen.
Keoni wusste natürlich von gar nichts und verwies Frau B an mich. Die überwand sich daraufhin dann doch noch, mich anzurufen, woraufhin ich die Fahrerin des Wagens anrief und erfuhr, dass das Bußgeld vor zwei Wochen überwiesen worden war. Case closed.

Einen Penny für die Gedanken von Frau B.

[Update, 11. 11. um 12:19 Uhr] Ich habe offenbar gerade mit so jemandem wie einer Vorgesetzten von Frau B gesprochen. Die hat mir gesagt, dass Frau B keineswegs über das Melderegister auf meine Freundin gekommen ist. Vielmehr war sie persönlich bei mir zu Hause und hat dort den Namen auf dem Briefkasten gesehen.
Ein Versuch, die Sache vorher telefonisch zu klären, hätte natürlich einen völlig unverhältnismäßigen Aufwand bedeutet, da Frau B über keinen Internetzugang verfügt und außerdem eine Außendienstmitarbeiterin ist, deren Aufgabe nun einmal darin besteht, vor Ort zu ermitteln.
Dass sie trotzdem nicht versucht hat, einfach mal vor Ort bei dem Unternehmen vorbeizuschauen, dem das Fahrzeug gehört, liegt natürlich daran, dass es datenschutzrechtlich auch nicht ganz einfach ist, die Mitarbeiter dort zu befragen. Außerdem würden die ja vielleicht auch nicht die Wahrheit sagen, weil sie ihre Kollegen oder ihre Vorgesetzten nicht verraten wollen.
Meine Verbesserungsvorschläge für die Zukunft hat sie aber dankbar aufgenommen und wird sie auch an Frau B weitergeben.

Na, dann ist ja alles klar.