Latürnich

30. April 2012

Eigentlich mag ich JayJay von LforLiberty ja immens gerne, und ihr ahnt es sicher schon: Ein Artikel, der so beginnt, kann nur ganz ganz grausig enden. Und in der Tat ist dies nicht das erste Mal, dass er und ich ganz fundamental anderer Meinung sind. Diesmal geht es um ein Konzept, das ich bisher zwar (als „Deismus“) kannte, aber nicht unter dem Namen, den er dafür benutzt („Natürliche Theologie“), und mit dem ich mich bisher nie eingehend beschäftigt habe. Zeit, das zu ändern:

Natürliche Theologie ist laut Wikipedia (und gewissermaßen auch laut JayJay, denn er hat den Beitrag verlinkt)

 der Versuch […], aus natürlichen Quellen Erkenntnis über Gott zu gewinnen. Mit ‚natürlichen Quellen‘ sind hier vor allem die menschliche Vernunft und die Betrachtung der Schöpfung, insbesondere der mit den Sinnen wahrnehmbaren Welt gemeint. Obwohl von Gott geredet wird, handelt es sich bei der natürlichen Theologie dem Anspruch nach nicht um Glauben und Religion, sondern um die denkerische Durchdringung des Weltzusammenhangs mit wissenschaftlich verantworteter und nachvollziehbarer Methodik.

Und um gleich von vornherein jeden Eindruck von Unvoreingenommenheit und Fairness zu vermeiden: Das ist Blödsinn. Eine wissenschaftlich verantwortete Methodik“ kann nicht einfach die Annahme aus dem Hut ziehen, das Universum sei die Schöpfung eines Gottes, und die Vorstellung von diesem Gott ist der Beschreibung nach auch eher eine noch absurdere als die der gängigen Religionen:

Wikipedia sagt:

 Als „unbewegter Beweger“ und „erste Ursache“ ist Gott unveränderlich und ewig, ist er frei von jeglicherPotenz, also reiner Akt (actus purus) und reiner Geist, ohne materielle Beschränkungen und Mängel, also vollkommen. Bei ihm fallen Sein (esse) und Wesen (essentia) zusammen. Als vollkommenem Urgrund allen Seins muss Gott zukommen, was immer es in der von ihm geschaffenen Welt, namentlich im Menschen, an Wahrem und Gutem gibt: Sein, Leben, Wissen, Macht, Personalität, Liebe,Glück – nur in unvergleichlich höherer Weise. Er ist deshalb das Sein und das Leben selbst, allgegenwärtig, allwissend und allmächtig, absolute Personalität, unendliche Liebe und vollkommene Glückseligkeit.

Das sind nicht nur extrem abwegige Behauptungen auf extrem wackeliger Basis, das ergibt für mich nicht mal einen Sinn. Solchen Unfug zu lesen, ist für mich so belastend, dass ich im Weiteren aufhören will, mich auf den Wikipedia-Artikel zu beziehen, denn dieser Beitrag soll sich eigentlich nicht auf die frustriert tourettehafte Beschimpfung seines Gegenstandes beschränken, sondern anhand von JayJays Argumentation darstellen, wie ich zu diesem Konzept „Natürliche Theologie“ stehe und wo ich die Fehler darin VÜLGÄRER AUSDRUCK FÜR GENITALIEN! sehe. Pardon. Wird nicht wieder vorkommen.

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