Wie gate der Gaucho?

17. Juli 2014

Eigentlich hat Anatol Stefanowitsch schon alles Nötige zum Thema gesagt, aber ich hätte dieses Blog nicht so genannt, wenn ich die Absicht gehabt hätte, nur das Nötige zu schreiben, deshalb sag ich auch noch was dazu:

Was mich an so gate-tauglichen Ereignissen am meisten stört, ich bleibe jetzt einfach mal beim konkreten Beispiel:

das ist oft gar nicht so sehr das Ereignis selbst.

Ich fände das Ganze gar nicht besonders erwähnenswert, wenn diese Herren diesen Tanz aufgeführt hätten, im Überschwang der Gefühle und getragen von der … ähm … naja, rassistischen, nationalistischen und auch sonst rundum widerwärtigen Grundstimmung, die bei so einer FIFA-WM offenbar herrschen muss, damit sie richtig Spaß macht, und dann hinterher, darauf angesprochen, sowas gesagt wie: „Joa, also, ohje, da haben Sie recht, das war echt daneben, und ich schäme mich auch ein bisschen dafür. Ich muss zugeben, da haben wir einen echt blöden Fehler gemacht. So sollte man echt nicht. Ehrlich. Tut mir leid.“ oder so. Damit käme ich gut klar. Menschen machen Fehler, ich auch, gerade, wenn wir unter emotional intensiven Umständen handeln.

Was mich an diesen Ereignissen am meisten stört, sind also nicht die Ereignisse an sich, sondern der Umgang damit in der Rückschau. Diese unfassbare Demonstration der völligen Abwesenheit nicht nur jeglichen Problembewusstseins, sondern jeglicher Bereitschaft, auch nur über die Möglichkeit nachzudenken, dass da irgendwo ein Problem sein könnte. Die nicht mehr begreifbare Dummdreistigkeit der Ausreden und die manchmal schon fast wieder bemitleidenswerte Hiflosigkeit der Beschwichtigungsversuche. Das ist der Teil, der mich wirklich aufregt, weil er demonstriert, wie kaputt unsere Gesellschaft ist, und dass es sich bei Vorfällen wie diesem albernen Gauchotanz eben nicht um ein Augenblicksversagen euphorisierter Sportler handelt, sondern um ein Symptom einer tief sitzenden Erkrankung unserer Systems.

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