George, you can type this shit, but you sure as hell can’t say it

24. Januar 2011

Mich würde mal eure Meinung interessieren, einfach so auf die Schnelle, ganz unverbindlich und subjektiv. Ich fürchte, ihr seid alle ein bisschen voreingenommen und nicht repräsentativ, schließlich lest ihr dieses Blog, aber vielleicht heißt das gar nichts. Also los:

In Geschichten lese und schreibe ich gerne halbwegs natürliche Dialoge, in denen so Abschnitte vorkommen wie „Ähh… hm… Was?“ oder „Naja, pff… Keine Ahnung.“

Sachen, die Leute auch wirklich sagen.

Meine Lektorin markiert mir solche extremen Beispiele und ermahnt mich, dass meine Dialoge literarischer werden müssen. Ich weiß, dass sie da in gewisser Weise Recht hat, aber auf der anderen Seite lese ich gerade ein ziemlich abschreckendes Gegenextrem, und nun komme ich langsam zur Sache.

Geoffrey Cousins „The Butcherbird“ ist ein durchaus gelungener australischer Wirtschaftsthriller, der mir bisher (nach zwei Dritteln) eigentlich gut gefällt. Aber es ist diese Art Roman, in der Leute sich treffen und dann solche Sachen sagen wie:

[Als der Protagonist, beruflich Architekt, von einem Bootsausflug zurückkehrt, sagte seine Frau zu ihm:] „So, the great sailor returns from life on the high seas. Didst thou conquer the waves? Didst thou haul on mighty hawsers and splice the main brace? And hast thou returned to thy safe port and the bosom of a soft woman?“

Oder:

[Der Sohn eines Freundes des Protagonisten wurde verprügelt, und sein stolzer Vater sagt in trauter Männerrunde in einer Bar zu den anderen:] „My son. Yes, gentlemen, the fruit of my loins, my only son, Gordy – rugby player, drinker, rooter – all fifteen stone of muscle and meat, beaten, bleeding. Shirt torn. The shirt his mother gave him for Christmas, five years ago admittedly, but ripped, covered in blood. Gordy, my son. I ask you, gentlemen – who would dare lay a finger on my son and expect a happy life?“

Oder Stieg Larsson. Der hat ja offenbar auch irgendwas richtig gemacht, dem Verkaufserfolg nach. Aber er schreibt Dialoge wie diesen hier:

„Du bist Journalist, also betrachte alles, was jetzt kommt, als off the record.“

„Jetzt mach mal halblang! Du kannst mir nicht solche Sachen erzählen und hinterher damit ankommen, dass ich nichts davon weitergeben darf.“

„Und ob ich das kann. […] Über den Rest der Story […] kannst du gerne was schreiben, aber du musst mich als anonyme Quelle behandeln.“

„Aha. Aber in der gängigen Terminologie bedeutet off the record, dass man mir im Vertrauen etwas erzählt, ich aber nichts drüber schreiben darf.“

Für mich können solche Dialoge einen Roman völlig zerstören. Sie reißen mich komplett raus, weil ich beim Lesen immer versuche mir vorzustellen, wie jemand so etwas wirklich sagt – und dabei spektakulär Schiffbruch erleide.

Und das ist im Grunde schon meine Frage. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich will jetzt nicht hören, wie toll ihr meine Dialoge findet. Ich weiß, dass ich daran noch arbeiten muss. Aber mich würde brennend interessieren, ob ihr erkennt, was mich an den Beispielen da oben irritiert, oder ob ich da einfach nur irgendwie den Zugang nicht finde.

Was meint ihr?