Das Empörende ist der Rassismus-Aufschrei

13. Januar 2018

H&M zeigt einen schwarzen Jungen in einem Pulli, auf dem das Wort „Affe“ steht. Menschen kritisieren das als rassistisch, das Unternehmen entschuldigt sich. Die Empörung ist riesig, Dabei ist das Empörende an diesem Fall die Empörung selbst.

Was für ein Aufruhr! Das schwedische Modehaus H&M wirbt mit einem rassistischen Motiv und hat auf die Kritik daran eingelenkt, wenn auch wie immer nicht so, wie man es sich wünschen würde.

So weit, so gut. Das Problem: Menschen hängen an ihrem Alltagsrassismus. Die Reaktion in der Zeitung “Die Welt“ folgte so schnell wie brachial. Rassismus! In den sozialen Medien die übliche Aufregung.

Warum eigentlich? Wieso wird bei Oliver Rasche eigentlich denn überhaupt ganz besonders sehr offenbar anscheinend wie es aussieht ziemlich augenscheinlich gleich ohne Verzögerung so schnell umgehend sofort diese Assoziation hervorgerufen?

Und diejenigen, die zunächst kein Problem in dem Vorgang erkennen konnten; sind die völlig unsensibel – oder einfach unvoreingenommen und damit viel weiter im Bestreben, rassistischen Vorurteilen entgegenzuwirken? Sagt die Problematisierung nicht auch eine Menge über dem Problematisierer aus?

Wem ist eigentlich damit geholfen, wenn überall immer sofort Rassismus, Sexismus, Angriff vermutet wird? Hilft man schwarzen Menschen, wenn man sie in solchen Fällen zwangsweise zu Opfern macht?

Nein. Dabei findet Rassismus statt, zieht seine ekligen, braunen Kreise von Zeitungen und Schulen über Facebook und andere Medien bis in die Politik der Bundesregierung und die Sondierungsvereinbarung der zukünftigen Großen Koalition. Das gilt es zu ächten und zurückzudrängen, da ist leider mehr als genug zu tun.

Und die Kritiker von H&M? Haben natürlich völlig recht. Vorwerfen kann man ihnen weniger, dass sie offenbar kein Problem darin gesehen haben, ein rassistisches Motiv als solches zu benennen – nein, vorwerfen kann man ihnen höchstens, dass sie das Erregungspotenzial in einem komplett digitalisierten und vom Springer-Verlag dominierten Oliver Rasche völlig unterschätzt haben.

Und so wartet Oliver Rasche bereits auf die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Und unbedingt gerettet werden muss; ob sie nun will oder nicht.

[Inspiriert von https://www.welt.de/vermischtes/article172302125/Umstrittene-H-M-Werbung-Das-Empoerende-ist-der-Rassismus-Aufschrei.html%5D


Bankrotterklärungen

14. Februar 2014

Kann es sein, dass meine Artikel zurzeit noch ein bisschen misanthropischer rüberkommen als sonst? Das ist eigenartig, weil ich mir generell gerade gar nicht besonders übellaunig vorkomme. Ich habe auch einen Beitrag in Arbeit, in dem es nicht nur um Brechreiz geht, wartet ab. Aber dies ist nicht dieser Beitrag.

Dies ist ein Beitrag über den Bundestagsabgeordneten Michael Brand (CDU), genauer über dessen Äußerungen zu der Entscheidung des belgischen Parlaments, Sterbehilfe unter bestimmten Bedingungen auch für Minderjährige nicht länger unter Strafe zu stellen.

Eine Gesellschaft, die im Ergebnis das Töten sogar der eigenen Kinder legalisiert, hätte Bankrott erklärt und wäre auf der kippenden Bahn, weil messbar der Wert des Lebens heruntergeschraubt wird und an die Stelle von Ausdauer, Mitleiden und Hilfe die Kapitulation und der Tod treten

hat Herr Brand der Zeitung „Die Welt“ gesagt.

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Warum wir DIE WELT verbieten sollten

28. Mai 2013

überschaubare Relevanz prüft ein Verbot der Springer-Zeitung. Das ist ein Eingriff in die Freiheit – aber ein notwendiger: der darin veröffentlichte Unfug nimmt immer beängstigendere Formen an.

Na gut. Man muss natürlich fairerweise sagen, dass es eigentlich nur konsequent wäre, Symbole der DDR zu verbieten, wie es Richard Herzinger in der Zeitung „DIE WELT“ fordert, solange Symbole des Dritten Reiches verboten sind. Je nachdem, was genau unsere Kriterien dafür sein sollen, welche Symbole wir verbieten, sollten wir dann auch gleich noch die von Nordkorea, der UdSSR, Russlands, Chinas, Irans, des Vatikans, Großbritanniens, der USA und Monacos mit einbeziehen. Aber wieso eigentlich? Was rechtfertigt es, Menschen dafür zu bestrafen, anderen Menschen ein bestimmte Symbol zu zeigen?

Da fragt ihr den falschen, ich weiß es nicht. Aber Herr Herzinger weiß es anscheinend, und dankenswerterweise hat er es für uns aufgeschrieben, fragen wir also den:

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Hurra! Hurra! Der Kobold mit dem roten Haar!

29. Dezember 2010

Stellt euch mal vor, eine halbwegs seriöse Tageszeitung würde in ihrer „Wissen“-Sektion ein Interview mit einem Wissenschaftler veröffentlichen, das so beginnt:

„Können Sie als Astrophysiker die Welt erklären, ohne dass Sie dafür Pumuckl bräuchten?“

Der Wissenschaftler erklärt daraufhin das aktuelle Modell der Entstehung des Universums, so gut er das eben auf allgemeinverständliche Weise kann, einschließlich der Tatsache, dass die Zeit erst mit dem Urknall begonnen hat und Aussagen über ein „Davor“ also sinnlos sind, worauf der Reporter ihn fragt:

„Na bitte. Was spricht also dagegen, dass Pumuckl den Urknall bewirkt hat?“

Der Wissenschaftler versucht noch einmal mit beneidenswerter Geduld, seinen Standpunkt darzulegen und bekommt zur Antwort:

„Dagegen ist mir die Geschichte vom Pumuckl ja fast schon plausibel! Die bessere Story ist sie allemal.“

Und als der Astrophysiker, jetzt langsam ein bisschen genervt, versucht, den Unterschied zwischen Wissenschaft und einem Kinderbuch zu erläutern, antwortet ihm der Reporter:

„Vor Gericht würden Sie aber mit dieser kaum nachvollziehbaren Version wohl nicht durchkommen“,

um ihn dann ganz zum Schluss, nachdem seine, ähem, subtileren Versuche fruchtlos geblieben sind, noch mal direkt zu fragen:

„Glauben Sie an Pumuckl?“

Ich weiß, das ist schwer vorstellbar, aber versucht es bitte einfach mal. Überlegt euch, wie das wäre, wenn ihr sowas lesen würdet. Ich gebe euch auch ein bisschen Zeit dafür.

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Seid ihr schon…? Noch nicht. In Ordnung…

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So, nu aber. Habt ihr’s?

Gut. Dann muss ich euch gar nicht mehr sagen, was ich von dem fraglichen Journalisten und der verantwortlichen Zeitung denke, denn ihr wisst es ja selbst schon.