Fake-News

3. Januar 2017

Ethik könnte das erste Opfer der Republikaner sein

titelt die Zeit (und übernimmt damit sinngemäß ein Zitat von Nancy Pelosi, der „Anführerin der Demokraten im Repräsentantenhaus“; man hätte auch sagen können: Fraktionsvorsitzenden, oder Minority Leader), schreibt im Teaser drunter:

Die Republikaner wollen die Befugnisse einer unabhängigen Ethikkommission beschneiden.

und im eigentlichen Text dann:

Republikaner des US-Repräsentantenhauses haben sich in einer internen Sitzung dafür ausgesprochen, die Befugnisse der unabhängigen Ethikbehörde der Regierung stark zu beschneiden.

Ich muss natürlich zugeben, dass man vertreten kann, dass es kleinlich ist, wenn jemand findet, so eine schreiend tendenziöse Überschrift, gepaart mit einer beiläufigen Gleichsetzung von Ethik mit einer Ethikkommission mit einer Ethikbehörde, sei nicht nur per se schlechter Journalismus, sondern auch Zeichen einer sehr bedenklichen grundsätzlichen Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit und zu hoher Priorität für Effekthascherei und Klickbait-Überschriften, weil doch sicher jeder weiß, was gemeint ist. Aber dann soll man sich zumindest nicht wundern, dass Leute keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Zeit-Artikeln, Russia Today und den Facebook-Posts ihres Onkels sehen.

Ach ja, falls es euch interessiert: Das Office of Congressional Ethics ist (laut Selbstbeschreibung zumindest) definitiv keine Behörde und gehört auch nicht zur Regierung, sondern ist eine unabhängige, überparteiliche Organisation, die man auf Deutsch meines Erachtens deshalb am ehesten als „Ethikkommission“ bezeichnen würde. Man könnte natürlich darauf hinweisen, dass der Vorstand dieser völlig unabhängigen und überparteilichen Entität offensichtlich fast komplett aus Politikerinnen (und einer an ihrer Uniform als solche erkennbaren Soldatin) besteht, und dass das ein Problem sein könnte. Dafür müsste man sich aber natürlich ein bisschen für Hintergründe und Komplexität und sowas interessieren und nicht einfach nur dumpfes Anti-Trump-Ressentiment bedienen wollen. Ich weiß, dass ich mich mit diesem letzten Satz ein bisschen unnötig angreifbar mache, aber ich finde die Hypothese in Anbetracht der Gesamtumstände gut haltbar und mache sie mir deshalb bis auf Weiteres ganz ernsthaft zu eigen.


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29. September 2016

Donald Trump macht mir gar nicht so besonders viel Angst. Vielleicht ist das mein Fehler. Denn er ist natürlich ein Phänomen, das man aus guten Gründen mit Sorge beobachten kann. Vergleiche mit der AfD und ähnlichen Gruppierungen in Deutschland drängen sich auf, sicher sind da ähnliche Mechanismen am Werk. Aber was ich eigentlich schlimmer finde, ist die Berichterstattung. Na gut, man kann das nicht gut trennen, weil insbesondere Trump als Phänomen ja durch die und in der Berichterstattung überhaupt erst stattfindet. Aber was ich meine, sind solche Sätze wie dieser:

Das eigentliche Drama, das sich da vor einem Weltpublikum ereignete, handelte von einem untergründig spürbaren Beben, das geeignet ist, das Rationalitätsprinzip des Diskurses auszuhebeln.

Dieser ist jetzt aus einem Artikel auf zeit.de, aber ich lese so was öfter. Gefolgt wird es wie auch hier meistens von einem oder zwei Absätzen, in denen es darum geht, dass in den Echokammern und Filterblasen der sozialen Medien dann dezentral die jeweils eigenen Narrative perpetuiert werden, völlig unabhängig von den Fakten und – so schwingt es mal mehr, mal weniger subtil mit – der doch eigentlich maßgeblichen Einschätzung der großen kommerziellen Medien.

Und ich finde, nein. Ich finde, das ist nicht das eigentliche Drama. Das eigentliche Drama ist, dass man bei zeit.de, und bei deren Mitbewerbern, offenbar im Ernst glaubt, unser öffentlicher politischer Diskurs wäre vor Trump oder sogar jetzt auch noch beherrscht von einem Rationalitätsprinzip. Das ist eine abwegige, eine gefährliche Vorstellung, weil sie den Status Quo als richtig und in Ordnung zementiert. Und natürlich ist mir schon klar, dass Trump an Dreistigkeit, demonstrativer Gleichgültigkeit gegenüber Fakten und auch an argumentativer Brutalität solchen Leuten, wie sie bisher auf dieser Ebene üblicherweise auftraten, noch ein bisschen was voraushaben mag. Das erkenne ich an, und das meinte ich mit meiner einleitenden Bemerkung: Trump ist schlimmer als die anderen. Denke ich auch.

Aber so zu tun, als brächte er dieses völlig neue Phänomen mit, das finde ich inakzeptabel. Dieser rationale politische Diskurs, dem man gerade vielerorts nachtrauert, und der früher doch noch selbstverständlich war, bevor Facebook und Twitter und all diese Echokammern und Filterblasen ihn vergiftet haben, indem sie ihn aus der Hand der FAZ und der NYT rissen, hat uns immerhin Dinge beschert wie die Strafbarkeit von Homosexualität bis 1994, oder die unfassbar verlogene Debatte bis hin zur Bundesverfassungsgerichtsentscheidung zum Inzestverbot, oder meinetwegen auch Helmut Schmidts berühmte Idee, privates Fernsehen wäre gefährlicher als Kernkraft, um nur ein paar Beispiele willkürlich herauszupicken, die mir gerade so einfallen. Wenn ihr wollt, sage ich sogar noch Bild-Zeitung. Unser politischer Diskurs war auch vor Trump nicht rational, und genau das hat so jemanden wie Trump oder die AfD ermöglicht. Er gerierte sich rationaler und war mit sich selbst so zufrieden, dass er jemanden wie Trump oder die AfD als Nutznießer der dadurch erzeugten Ressentiments geradezu herausgefordert hat, würde ich sogar behaupten.

Und jetzt habe ich schon wieder eine ganze Menge Worte gebraucht, um meine eigentlich recht simple Botschaft zu vermitteln: Ja, gut, Trump ist schlimm. Und das darf man auch gerne sagen. Aber so zu tun, als wäre vor Trump alles gut gewesen, das ist auch schlimm, und potentiell sogar schlimmer, und außerdem völlig unnötig, wenn man ein total differenziert und ausgewogen berichtendes Qualitätsmedium voller gut ausgebildeter Autorinnen und bestens informierter Quellen ist.

Oder?


Wahrscheinlich imaginäre Zusammenhänge

24. April 2016

Ich schreibe hier ja zurzeit nicht viel. Ich weiß nicht, ob ihrs bemerkt habt. Jedenfalls sind mir sogar immer wieder Sachen über den Weg gelaufen, bei denen ich sowas dachte wie hmmm, das ist ja eigentlich tolles Material, aber andererseits ist es gewissermaßen schon wieder zu toll. Wisst ihr, was ich meine? Sowas wie dieses hier:

Eine Entscheidungen wie die Abschaffung eines Strafparagrafen brauche jedoch eine Phase des Nachdenkens und der Abwägung, sagte Gauck dem Deutschlandfunk. Mit Blick auf den ebenfalls im Strafgesetzbuch verankerten Schutz des Bundespräsidenten vor Verunglimpfungen sagte er, vielleicht vermittle die bestehende Rechtsordnung eine Ahnung von dem Respekt, den man einander in der Demokratie schuldig sei.

Zeug, das sich ohnehin schon so liest, als wäre es direkt aus The Onion, und zu dem man auch beim besten Willen nichts mehr hinzufügen kann, was es noch unterhaltsamer machen würde.

Oder man könnte halt der siebenhundertvierzehnte sein, der schreibt, dass man darüber eigentlich echt nicht so viel schreiben müsste.

Aber jetzt gerade hab ich gedacht, eine Idee hätte ich, die ich so noch nicht gesehen habe, und die ich euch mal präsentieren will, in dem Bewusstsein, dass es daran liegen könnte, dass sie einfach ein bisschen dämlich ist, aber der Gedanke verfolgt mich, und für genau diese Gedanken ist dieses Blog ja … Schon gut, ich fang jetzt an. Also:

Die Erdoğan-Affäre. Ganz kurz, weil ja vielleicht die eine oder der andere von euch sich für meine Meinung interessiert: Böhmermann kann ich bekanntlich eh nicht leiden, sein Gedicht ist rassistisch und überhaupt furchtbar -istisch und mies, und seine Vor- und Nachrede macht das kaum besser, und vor allem gönne ich ihm halt einfach die Aufmerksamkeit nicht, die er sich damit erklassenclownt hat, weil die bei anderen Themen viel mehr gebraucht worden wäre. Die Abschaffung von §103StGB ist natürlich keine schlechte Idee, aber warum redet (meiner Wahrnehmung nach) denn NIEMAND darüber, dass man dann konsequenterweise auch gleich alle Beleidigungstatbestände abschaffen sollte, zum Beispiel den, der unser das deutsche Staatsoberhaupt speziell schützt, oder gleich überhaupt jeden? Wenn wir schon mal dabei sind?

Das „Satire darf alles“-Gebrüll weckt bei mir immer gewisse unangenehme Assoziationen, eben weil es so spezifisch ist. Warum darf denn ausgerechnet Satire alles, wenn doch sonst nichts und niemand alles darf, und was ist eigentlich Satire? Ich will keiner einzelnen Person sowas unterstellen, aber die Debatte in ihrer Gesamtheit erweckt bei mir den Eindruck, als ginge es nicht darum, dass die deutsche Gesellschaft plötzlich ihre Leidenschaft für Meinungsfreiheit entdeckt hätte, sondern eher … Naja. Wenn ich gemein sein will: Darum, dass wir überhaupt nicht einsehen, dass irgend so ein Kanake einen von uns anzeigen darf, nur weil wir ihn einen Ziegenficker nennen, denn bei uns gilt ja schließlich das Grundgesetz, hat der anatolische Analphabet davon nix gehört? Wäre ja noch schöner, das ist immer noch unser Land hier, und hier entscheiden wir, was witzig ist!

Und wenn ich meinen inneren Böhmermann ein bisschen zügle, bleibt aber zumindest noch: Hey, der ist doch so charmant und originell und im Fernsehen und ich mag den doch, der darf doch nicht für einen dummen Witz bestraft werden, und schon gar nicht für einen über diesen Unsympathen da, der es doch so verdient hat!

Und der Verdacht, dass die Meinungsfreiheit an sich keinen großen Aufschwung erlebt, hat sogar eine Grundlage: Wir diskutieren parallel nämlich über ein Verbot sexistischer Werbung. Und das tun wir auf eine Art und Weise, der ich jedes Mal nur mit offenem Mund staunend zusehen kann, wenn mir ein Beispiel begegnet, weil … Wow. Gefühlte 86% aller Beiträge verkennen schon den grundlegenden Unterschied zwischen sexistischer Werbung und Werbung mit irgendwie erotischen Inhalten, und insgesamt scheint es vorrangig die eine Seite zu geben, die pauschal bestreitet, es gäbe überhaupt ein Problem mit Sexismus in der Werbung, und die andere, die dieses Problem zwar richtig erkennt, daraus aber ohne weitere Zwischenschritte schon die Rechtfertigung für ein Verbot herleiten will. So zum Beispiel:

Alle regen sich auf über das geplante Verbot von Sexismus in der Werbung. Dabei würde es weder Nacktheit verbieten noch die Meinungsfreiheit bedrohen.

Und darunter stehen dann bizarre Satzfolgen wie diese hier:

[Der Staat] hat auch nicht festzulegen, wie Werbetreibende Produkte bewerben.

Er kann und sollte jedoch regulieren, mit welchen Bildern und Slogans die Kaufentscheidung mündiger Verbraucher nicht beeinflusst werden darf. Genau das tut er bereits.

Hö? Äh… Also. Der Staat darf ganz selbstverständlich Werbetreibenden nicht vorschreiben, wie sie Produkte bewerben. Aber er sollte natürlich regulieren, welche Bilder und Slogans sie dabei nicht benutzen. Und das ist für die Meinungsfreiheit völlig unproblematisch, weil … es bereits stattfindet. Klar soweit?

Wie bitte? Was meint ihr? Warum ich euch erst ein Stück vom Böhmermann erzähle und dann plötzlich mit sexistischer Werbung um die Ecke komme? Naja… Schaut doch noch mal in die Überschrift. Ich finde, dass beide Debatten auf mehreren Ebenen zusammenhängen. Einmal geht es in beiden um die Meinungsfreiheit, und die zweite illustriert, dass die in Deutschland immer noch weitgehend nicht angekommen und verstanden ist, und beide zeigen ein Phänomen, das leider kaum explizit thematisiert wird, aber fast immer irgendwo mitschwingt und mich maßlos ärgert:

Es geht um die Hierarchisierung von Äußerungen. Was ein Böhmermann sagt, der Millionen Fans hat, kann doch unmöglich Beleidigung sein. Das ist Satire, und die darf alles, und folgerichtig darf Böhmermann als Satiriker alles. Und genauso bei der Werbung: Natürlich geht es uns nicht darum, Meinungsfreiheit einzuschränken. Nur bei Werbung, da machen wir Verbote. Weil es doch nur Werbung ist. Da gibts doch eh schon Vorschriften. Ist doch egal.

Wir stufen Äußerungen in mehr oder weniger schutzwürdige ein, und zwar eben nicht nach ihrem Inhalt, sondern danach, von wem sie kommen. Und gelegentlich finde ich sogar Beiträge, in denen das ganz dreist ausdrücklich steht. In der Zeit zur sexistischen Werbung etwa so:

In den Gedanken der Menschen bleibt Sexismus immer frei. In ihren Äußerungen lässt er sich auch nicht einhegen, aber immerhin zur Rede stellen. In der Werbung ließe er sich jedoch juristisch stellen und als das demaskieren, was er ist: eine unzulässige Diskriminierung.

Nils Pickert meint also, Sexismus lasse sich in Äußerungen von Menschen nicht einhegen, in der Werbung aber schon. Woraus zwanglos folgt, dass er Werbung und Äußerungen von Menschen für völlig diskrete Kategorien hält. Was etwas Bedenkliches über sein Weltbild verrät, wenn ihr mich fragt.

Und in der Böhmermann-Debatte habe ich bei Twitter zum Beispiel diesen interessanten Thread gefunden, in dem es um die (wenn auch wirr geäußerte) These geht, dass wenn ein Satiriker was macht, das schon seine Ordnung haben muss, dafür sei er ja schließlich Satiriker.

Und das ist in meinen Augen ein Problem. Ich finde, wir müssen uns entscheiden. Entweder darf jeder jeden einen Ziegenficker nennen, oder niemand niemanden. Oder zumindest brauchen wir klare, verständliche, möglichst schriftlich fixierte Kriterien dafür, wann man jemanden einen Ziegenficker nennen darf (zum Beispiel, wenn man vorher gesagt hat, dass man es eigentlich nicht darf?), und wann man dafür bestraft wird, und diese Kriterien sollten bitte nicht eine eigene Fernsehsendung beinhalten. Und ich finde, dass wir uns auch bei der anderen Frage ohne Ansehen der äußernden Person entscheiden müssen. Entweder ist Sexismus strafbar, oder er ist es nicht. Oder meinetwegen ist er auch nur unter bestimmten Voraussetzungen strafbar, aber das sollen dann auch wieder vernünftige sein. Warum ist Sexismus in der Werbung denn per se schlimmer als in einer Kabarett-Show oder in einer Glosse oder einem Blogpost?

Und trotzdem dachte ich noch, dass es eigentlich ein bisschen albern ist, das zu schreiben. Zu weit hergeholt. Zu selbstverständlich. Zu wenig Fleisch. Aber dann fand ich diesen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, in dem es die Game-Of-Thrones-Fans geht, die drüber streiten, ob Jon Snow gestorben sein darf. Und ich finde, auch der illustriert das gleiche Problem, und zwar auf dermaßen unreflektierte und unverschämte Weise, das ich mich immer noch frage, ob ich was nicht richtig verstanden habe:

Der Aufschrei, der durch die Welt ging, nachdem die letzte Folge der fünften Staffel gestreamt worden war, war ein äußerst vermessener. Es ist dreist, eine kreative Entscheidung der Macher von fiktiven Produktionen zu kritisieren. Es ist eine Unverschämtheit gegenüber den Autoren, die sich über Monate und Jahre eine Story überlegen, die in sich schlüssig, aufregend und unterhaltsam ist.

Jeder Serienkonsument hat das Recht, kreative Entscheidungen infrage zu stellen. Es ist nur furchtbar lächerlich.

[…]

Abgesehen von der Anmaßung, die in der Kritik künstlerischer Entscheidungen steckt, ist sie auch schon aus eigenem Interesse Unsinn. Was wäre denn, wenn sich Macher nun entschieden, jedem Shitstorm, den das Internet heute heraufbeschwört, nachzugeben? Protagonisten würden überleben, Jon Snow säße auf dem Thron, wäre mit Daenarys verheiratet und würde mit seiner Drachen-, Dothraki-, Unsullied-Armee die White Walker aus der Welt pusten, bevor sie Winterfell erreichen können.

Robert Hofmann – übrigens 1987 geboren, das macht es für mich vielleicht noch ein bisschen schlimmer – erklärt hier als Repräsentant einer großen Tageszeitung deren Leserinnen die Welt, wie er sie ja offenbar in seiner Ausbildung und Arbeit dort zu sehen gelernt hat: Es gibt die, die Medien produzieren, und es gibt die, die Schnauze zu halten haben, und zu fressen, was erstere ihnen hinkippen. Und natürlich dürfen sie deren Entscheidungen infrage stellen. Aber es ist furchtbar lächerlich, wenn sie es tun, denn damit verkennen sie nicht nur die ihnen zugewiesene Rolle in der Welt, sie tun sich auch selbst keinen Gefallen, weil sie zu blöd sind zu wissen, was sie wollen.

Und deswegen finde ich es gerechtfertigt, diese drei Debatten in einen Beitrag zusammenzufassen. Nicht nur, weil jede einzelne davon nicht genug hergibt für mich, sondern auch, weil sie alle gemeinsam – natürlich nicht ausnahmslos – ein Prinzip ignorieren, von dem ich mir wünschte, es wäre selbstverständlich: Äußerungen sind nach ihrem Inhalt zu bewerten, und nicht danach, woher sie kommen. Und weil die Teilnehmerinnen es unter anderem deshalb nicht schaffen, eine wirklich rationale Debatte zu führen, sondern größtenteils aneinander vorbei reden bzw. –schreien, wie unsere öffentlichen Debatten das so gerne tun.

Oder was meint ihr?


Der alte Konflikt zwischen Islam und Christentum darf nicht verniedlicht werden.

8. Februar 2015

Ulrich Greiner hat einen Artikel für DIE ZEIT geschrieben, und der ist eigentlich nichts Besonderes, sondern ganz typischer islamophober Christliches-Abendland-Unfug, aber gerade weil er so typisch ist, scheint es mir lohnend, ihn mal kurz durchzugehen, und außerdem hat er mich so geärgert, dass ich alleine schon zu Beruhigungszwecken gerne ein bisschen schimpfen würde.

Seid ihr dabei?

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Premiere: DIE ZEIT erstmals lustiger als der Postillon

6. Februar 2015

Während dem zu Recht bundesweit bekannten und geschätzten Satiremagazin „Der Postillon“ zu der aktuellen Unterstützung des Oberhauptes der Katholischen Kirche für Gewalt gegen Kinder nur ein leidlich lustiges Spießumdrehen einfiel, hat das ansonsten als weitaus weniger unterhaltsam bekannte Satiremagazin DIE ZEIT ein brillantes und ungewohnt bissiges Stück veröffentlicht.

Dazu erzählte der Papst eine Anekdote: „Einmal habe ich einen Vater bei einem Treffen mit Ehepaaren sagen hören: ‚Ich muss manchmal meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen‘.“

schreibt die satirische Wochenzeitung, und lässt darauf die Bemerkung folgen:

„Wie schön!“, erklärte Franziskus. „Er weiß um den Sinn der Würde. Er muss sie bestrafen, aber tut es gerecht und geht dann weiter.“

Doch nicht nur Papst Franziskus selbst nehmen die Spaßvögel von DIE ZEIT aufs Korn. Auch die Haltung des Vatikans an sich wird äußerst gelungen karikiert:

Auf Nachfrage verteidigte Vatikan-Vertreter Thomas Rosica die Thesen des Papstes. Wer habe nicht schon einmal sein Kind gezüchtigt oder sei von den Eltern gezüchtigt worden, schrieb Rosica in einer E-Mail. […] Daraus irgendetwas anderes ableiten zu wollen, enthülle ein Problem bei jenen, die offenbar einen Papst nicht verstanden hätten, der eine Revolution der einfachen Sprache und Gesten anbelangt habe, erklärte Rosica.

Den Vogel abgeschossen haben die schonungslosen Witzbolde allerdings mit diesem Satz:

Im Übrigen sei man nur dafür verantwortlich, die UN-Kinderrechtskonvention innerhalb des Vatikanstaats umzusetzen, hieß es.

Die Redaktion von überschaubare Relevanz verneigt sich vor solch treffendem und verdientem Spott, muss allerdings beschämt eingestehen, dass es bisher nicht gelungen ist, die ursprüngliche Meldung zu finden, auf die die Humoristen sich beziehen. Um die Fairness des Spaßes zu beurteilen, wäre die Kenntnis der wahren Äußerungen der beiden Herren sicherlich hilfreich.

 

 


Die Debatte wird seit Monaten sehr emotional geführt

22. Dezember 2014

schreibt die Zeit und berichtet uns, was Franz Müntefering, der mir zugegebenermaßen oberflächlich immer sehr sympathisch war, für ein äußerst … unerfreulicher Mensch zu sein scheint.

Den angeleiteten Suizid sieht Müntefering äußerst kritisch. „Mit Freiheit und Selbstbestimmung hat das nichts zu tun“, sagt er. Es sei geradezu absurd, die „Vernichtung der Existenz mit dem Hinweis auf ein Selbstbestimmungsrecht zu befördern“.

 

steht da zum Beispiel. Und dann noch:

Man lebe immer in einer Gemeinschaft und habe Mitverantwortung für das, was rundherum passiert.

Und … Ich weiß gar nicht so richtig, mit welchem Teil meiner unsachlichen Beschimpfungen ich anfangen soll.

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Kommentar zum Altpapier vom 2. Januar, Teil 1

3. Januar 2014

Ja nee, keine Sorge, das wird jetzt keine regelmäßige Serie. Mir ist bloß kein besserer Titel eingefallen, unter dem ich mich mit den Themen des gestrigen Altpapiers auseinandersetzen könnte, was ich wollte, was klar ist, weil ersichtlich, dass ich es zu tun plane, was ja nicht der Fall wäre, wenn ich es nicht wollte, wie ihr euch sicher denken könnt, insbesondere wenn ihr mich schon ein bisschen kennt, was ich annehme, weil doll viel Fluktuation gibt es erfahrungsgemäß unter meinen Lesern nicht, was einerseits schade ist, weil ein nicht ganz rational erklärbarer Ehrgeiz mich wünschen lässt, ich hätte mehr, was echt keinen Sinn ergibt, weil man ja zugeben muss, dass meine Leser und Kommentatoren, auch wenn sie nicht so viele sind, doch größtenteils sehr angenehme Zeitgenossen sind, mit denen sich gut reden lässt, was ich sehr zu schätzen weiß, weshalb es eigentlich echt keinen Sinn ergibt, sich drüber zu ärgern, was aber eigentlich auch egal ist, weshalb wir jetzt

zur Sache kommen:

Greenwald hat in seiner Rede eine Grenze überschritten, als er ‚wir‘ sagte statt ‚ihr‘. Er hat sich mit den anwesenden Hackern gemein gemacht, mit den Aktivisten und Bürgerrechtlern. Er sieht sich als einer von ihnen.

schreiben Kai Biermann und Patrick Beuth für die Zeit über den Eröffnungsvortrag Glenn Greenwalds zum Kongress des CCC in Hamburg.

Und da sind natürlich schon so ein paar Schlüsselformulierungen drin, die mich zu ganz polemischem Widerspruch reizen. „eine Grenze überschritten“, etwa, oder „sich […] gemein gemacht“, oder „die Zeit“.

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