Der alte Konflikt zwischen Islam und Christentum darf nicht verniedlicht werden.

8. Februar 2015

Ulrich Greiner hat einen Artikel für DIE ZEIT geschrieben, und der ist eigentlich nichts Besonderes, sondern ganz typischer islamophober Christliches-Abendland-Unfug, aber gerade weil er so typisch ist, scheint es mir lohnend, ihn mal kurz durchzugehen, und außerdem hat er mich so geärgert, dass ich alleine schon zu Beruhigungszwecken gerne ein bisschen schimpfen würde.

Seid ihr dabei?

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Premiere: DIE ZEIT erstmals lustiger als der Postillon

6. Februar 2015

Während dem zu Recht bundesweit bekannten und geschätzten Satiremagazin „Der Postillon“ zu der aktuellen Unterstützung des Oberhauptes der Katholischen Kirche für Gewalt gegen Kinder nur ein leidlich lustiges Spießumdrehen einfiel, hat das ansonsten als weitaus weniger unterhaltsam bekannte Satiremagazin DIE ZEIT ein brillantes und ungewohnt bissiges Stück veröffentlicht.

Dazu erzählte der Papst eine Anekdote: „Einmal habe ich einen Vater bei einem Treffen mit Ehepaaren sagen hören: ‚Ich muss manchmal meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen‘.“

schreibt die satirische Wochenzeitung, und lässt darauf die Bemerkung folgen:

„Wie schön!“, erklärte Franziskus. „Er weiß um den Sinn der Würde. Er muss sie bestrafen, aber tut es gerecht und geht dann weiter.“

Doch nicht nur Papst Franziskus selbst nehmen die Spaßvögel von DIE ZEIT aufs Korn. Auch die Haltung des Vatikans an sich wird äußerst gelungen karikiert:

Auf Nachfrage verteidigte Vatikan-Vertreter Thomas Rosica die Thesen des Papstes. Wer habe nicht schon einmal sein Kind gezüchtigt oder sei von den Eltern gezüchtigt worden, schrieb Rosica in einer E-Mail. […] Daraus irgendetwas anderes ableiten zu wollen, enthülle ein Problem bei jenen, die offenbar einen Papst nicht verstanden hätten, der eine Revolution der einfachen Sprache und Gesten anbelangt habe, erklärte Rosica.

Den Vogel abgeschossen haben die schonungslosen Witzbolde allerdings mit diesem Satz:

Im Übrigen sei man nur dafür verantwortlich, die UN-Kinderrechtskonvention innerhalb des Vatikanstaats umzusetzen, hieß es.

Die Redaktion von überschaubare Relevanz verneigt sich vor solch treffendem und verdientem Spott, muss allerdings beschämt eingestehen, dass es bisher nicht gelungen ist, die ursprüngliche Meldung zu finden, auf die die Humoristen sich beziehen. Um die Fairness des Spaßes zu beurteilen, wäre die Kenntnis der wahren Äußerungen der beiden Herren sicherlich hilfreich.

 

 


Die Debatte wird seit Monaten sehr emotional geführt

22. Dezember 2014

schreibt die Zeit und berichtet uns, was Franz Müntefering, der mir zugegebenermaßen oberflächlich immer sehr sympathisch war, für ein äußerst … unerfreulicher Mensch zu sein scheint.

Den angeleiteten Suizid sieht Müntefering äußerst kritisch. „Mit Freiheit und Selbstbestimmung hat das nichts zu tun“, sagt er. Es sei geradezu absurd, die „Vernichtung der Existenz mit dem Hinweis auf ein Selbstbestimmungsrecht zu befördern“.

 

steht da zum Beispiel. Und dann noch:

Man lebe immer in einer Gemeinschaft und habe Mitverantwortung für das, was rundherum passiert.

Und … Ich weiß gar nicht so richtig, mit welchem Teil meiner unsachlichen Beschimpfungen ich anfangen soll.

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Kommentar zum Altpapier vom 2. Januar, Teil 1

3. Januar 2014

Ja nee, keine Sorge, das wird jetzt keine regelmäßige Serie. Mir ist bloß kein besserer Titel eingefallen, unter dem ich mich mit den Themen des gestrigen Altpapiers auseinandersetzen könnte, was ich wollte, was klar ist, weil ersichtlich, dass ich es zu tun plane, was ja nicht der Fall wäre, wenn ich es nicht wollte, wie ihr euch sicher denken könnt, insbesondere wenn ihr mich schon ein bisschen kennt, was ich annehme, weil doll viel Fluktuation gibt es erfahrungsgemäß unter meinen Lesern nicht, was einerseits schade ist, weil ein nicht ganz rational erklärbarer Ehrgeiz mich wünschen lässt, ich hätte mehr, was echt keinen Sinn ergibt, weil man ja zugeben muss, dass meine Leser und Kommentatoren, auch wenn sie nicht so viele sind, doch größtenteils sehr angenehme Zeitgenossen sind, mit denen sich gut reden lässt, was ich sehr zu schätzen weiß, weshalb es eigentlich echt keinen Sinn ergibt, sich drüber zu ärgern, was aber eigentlich auch egal ist, weshalb wir jetzt

zur Sache kommen:

Greenwald hat in seiner Rede eine Grenze überschritten, als er ‚wir‘ sagte statt ‚ihr‘. Er hat sich mit den anwesenden Hackern gemein gemacht, mit den Aktivisten und Bürgerrechtlern. Er sieht sich als einer von ihnen.

schreiben Kai Biermann und Patrick Beuth für die Zeit über den Eröffnungsvortrag Glenn Greenwalds zum Kongress des CCC in Hamburg.

Und da sind natürlich schon so ein paar Schlüsselformulierungen drin, die mich zu ganz polemischem Widerspruch reizen. „eine Grenze überschritten“, etwa, oder „sich […] gemein gemacht“, oder „die Zeit“.

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The wrong way to think about surveillance (1)

26. Juni 2013

Joker

Ich bin nicht gerne der Typ, der die Aufregung nicht versteht, und ich mag auch dieses Argumentationsmuster nicht, dass man sich nicht über was aufregen soll, weil was anderes viel schlimmer ist, aber – ihr wusstet, dass so ein Satz nur in einem Aber münden kann, oder? – ich verstehe zurzeit wirklich nicht ganz, wo man Aufregung darüber hernimmt, dass Geheimdienste geheime Überwachungsprogramme fahren. Ich meine, ja, einerseits: sicher Obama, voll nett und so, und so ein cooles Grinsen hat er, aber andererseits: Geheimdienste! Hallo? McFly? Jemand zu Hause?

Pardon. Ich höre jetzt auf mit dem Quatsch und komme zum zweiten Teil, dem Teil, in dem ich wirklich ein bisschen was zu sagen habe. Nicht viel, ihr kennt mich, aber ein bisschen mehr als Hallo McFly, jemand zu Hause hab ich immerhin.

Zuerst mal: Ich verstehe natürlich, wenn jemand bestimmte Dinge geheim halten will, und verärgert ist, wenn sie gegen seinen Willen ans Licht kommen. Geht mir mit manchen Sachen auch so. Und natürlich kann man es unverschämt von der NSA finden, Zugang zu den Daten von Facebook und Google und Amazon und so zu wollen. Völlig okay. Ich bin ja der letzte, der der Regierung irgendwelche Befugnisse zugestehen will.

Aber die Argumentation, die manche Befürworter des Datenschutzes und der Achtung privater Geheimnisse bringen, verstehe ich manchmal gar nicht. Ich habe da zum Beispiel gerade zwei Artikel gelesen, anhand derer ich das mal exemplarisch verdeutlichen will. Der erste ist aus der Zeit und trägt den unheilsschwangeren Titel

Für Algorithmen ist jeder verdächtig

Ein seriöses Medium wie die meisten Blogs, die ich lese, würde sich vielleicht daran stören, dass das schon ein bisschen reißerischer Nonsens ist, aber einem billigen Boulevardblättchen wie der Zeit wollen wir es durchgehen lassen. Wenn wir zu kleinlich sind, werden wir nämlich heute nicht mehr fertig.

Kai Biermann erklärt uns zunächst wortreich, was Rasterfahndung ist und stellt dann fest:

Was auf den ersten Blick logisch klingt, birgt zwei Gefahren.

Gleich zwei für Katja. Da sind wir aber mal gespannt.

 Zum einen macht diese Form der Ermittlung jeden zum Verdächtigen. Es gibt keine Unschuld mehr.

Bullshit, und Bullshit. Was meint er denn damit? Natürlich ist für einen guten Ermittler in gewisser Weise jeder ein Verdächtiger, und das ist auch gut so. Und was soll das heißen, es gebe keine Unschuld mehr? Nur weil prinzipiell jeder als möglicher Täter in Betracht gezogen wird? Was soll denn daran falsch sein? Sollten wir einfach bestimmte Gruppen von Leuten vorn vornherein aus…

Selbst berühmte Schauspieler wie der Bollywood-Star Shah Rukh Khan sind nicht davor gefeit, bei der Einreise in die USA allein aufgrund ihrer Hautfarbe stundenlang verhört zu werden.

Waaaaaas? Möge Gott uns allen gnädig sein! Sogar berühmte Schauspieler müssen unter Umständen nur wegen ihrer Hautfarbe ein Verhör erdulden? Herr Biermann, ich will zu Ihren Gunsten mal vermuten, dass Sie sich da nur in Ihrer Argumentation verfranst haben und nicht im Ernst der Meinung sind, es wäre okay, Leute nur wegen ihrer Hautfarbe stundenlang zu verhören, solange man berühmte Schauspieler aus dem Spiel lässt, aber wenn wir diese Missverständnismöglichkeit mal ausschließen, bleibt nicht mehr viel übrig. Natürlich sollten wir Leute nicht nur wegen ihrer Hautfarbe stundenlang verhören. Aber das ist kein Argument gegen Rasterfahndung an und für sich. Es ist ein Argument gegen Rasterfahndung mit blödsinnigen Kriterien. Das Problem in Ihrem Beispiel ist nicht, dass für den Algorithmus jeder verdächtig ist, sondern dass der Algorithmus Blödsinn ist.

An sich harmlose Verhaltensweisen können genügen, um überwacht und verfolgt zu werden. Es reicht, ähnliche Dinge getan zu haben, wie ein Verbrecher. Stundenlange Verhöre sind dann noch eine vergleichsweise harmlose Folge.

Und da kommen wir jetzt allmählich der Sache näher. Also, wir, im Sinne von ihr und ich. Herr Biermann nicht. Dem fällt anscheinend nicht auf, dass das Problem hier schon wieder nicht in der Anwendung der Algorithmen an sich liegt, oder in der Rasterfahndung, sondern erstens in der (potentiell) schlechten Rasterfahndung, und zweitens natürlich in der mangelnden Kontrolle. Wenn die Exekutive mich stundenlang verhören kann, ohne einen vernünftigen Grund dafür zu haben, dann ist das ein Problem. Wenn sie auch noch schlimmeres mit mir machen kann, ohne auch nur einen Richter fragen zu müssen, ist das noch ein größeres Problem. Und genauso ist es ja. Ich finde, man kann das gar nicht oft genug betonen: In den USA kann meines Wissens auch heute noch jeder Mensch jederzeit beliebig lange eingesperrt werden, solange nur der Präsident der Meinung ist, er könnte irgendwas mit Terrorismus zu tun haben. Das ist ein Unding. Das ist unfassbar. Das ist unerträglich für einen Rechtsstaat. Und da liegt das Problem. Da liegt das eigentliche Defizit. Wenn das nicht so wäre, dann wäre es zwar immer noch schade, wenn der Präsident ohne vernünftigen Grund irgendwelche Leute verdächtigen würde, Terroristen zu sein, aber es wäre keine Bedrohung mehr.

Natürlich wäre es trotzdem immer noch wünschenswert, dass die Exekutive beim Schutz ihrer Bürger möglichst rational vorgeht und sich nicht an unsinnigen Kriterien orientiert, aber darüber schreibt Herr Biermann ja gar nicht. Beziehungsweise nicht richtig. Wisst ihr noch, dass er oben zwei Probleme angekündigt hatte? Ich dachte erst, er hätte Nummer zwei vergessen, aber er braucht nur ziemlich lange, um dazu zu kommen:

Zum anderen hängt alles davon ab, was die Programmierer des Algorithmus als Vergleichsmuster angenommen haben.

Potztausend, sagen Sie bloß! Der Erfolg von Ermittlungen hängt davon ab, wonach die Ermittler suchen? Was finden diese crazy investigativen Journalisten von der Zeit wohl als nächstes raus?

Garbage in, Garbage out, heißt das in der Informatik – wer eine unsinnige Frage stellt, dem geben die Daten eine unsinnige Antwort.

Jup.

Und nu? Nix und nu.  Herr Biermann stellt nicht die Frage, ob und welche Rasterfahndung gut funktioniert, oder schlecht. Er nennt keine Erkenntnisse darüber, ob und unter welchen Bedingungen Rasterfahndung zu besseren oder schlechteren Ergebnissen führt als andere Methoden. Er stellt nur fest, dass sie zu schlechten Ergebnissen führt, wenn man sich doof dabei anstellt, und will das wohl als Fundamentalkritik verstanden wissen, als wäre das nicht bei jeder denkbaren Tätigkeit genauso.

In Wahrheit kann es also nicht das sein, was ihn stört. Ihn stört in Wahrheit … ja, was eigentlich?

dass die Prämisse des demokratischen Strafrechtes nicht mehr gilt. Unschuldig bis zum Beweis der Schuld? Dieses Konzept kennen Algorithmen nicht.

Nee. Das ist doch Unfug. Diese Prämisse (die übrigens nichts mit Demokratie zu tun hat, Himmel, wie es mir auf den Geist geht, wenn Leute diesen doch einigermaßen klar definierten Begriff der Demokratie mit allem aufladen müssen, was gut und richtig ist, ob es nun passt oder nicht) besagt ja nicht, dass wir nur gegen Menschen ermitteln dürfen, wenn ihre Schuld bewiesen ist, denn das wäre völliger Quatsch. Sie besagt, dass wir Menschen nicht bestrafen dürfen, nicht benachteiligen dürfen, bis ihre Schuld bewiesen ist. So ist sie in der Tat eine große Errungenschaft, die es sich lohnt zu verteidigen. Aber die hat dann nichts mehr damit zu tun, ob man ein berühmter Schauspieler ist, sondern damit, dass wir einfach jedem Menschen die gleichen Rechte zugestehen, dass wir fair sind, und unvoreingenommen, und das will ich auch eigentlich gegenüber Herrn Biermann sein, aber ich kann mir nicht helfen, für mich klingt sein Artikel, als würde ihn das stören. Für mich klingt das so, als hätte er ein Problem damit, dass nicht bestimmte Personen von vornherein als unverdächtig gelten, dass prinzipiell jeder als Täter infrage kommt. Und genau das finde ich eigentlich völlig in Ordnung, und ich würde das sogar einen Vorteil der Rasterfahnung nennen, denn es verhindert, dass Ermittler sich von Vorurteilen leiten lassen, und liefert ein prinzipiell faires Verfahren. Womöglich tue ich ihm da Unrecht und lese zuviel in seinen Text hinein.

Aber sogar wenn wir von diesem Problem absehen, bleibt es dabei, dass Herr Biermanns Kritik an der Rasterfahndung und den Algorithmen haltlos ist. Er liefert uns kein Argument, das dagegen spricht, mit ihnen zu arbeiten, und alles, was er zu Recht kritisiert, hat seine Ursache woanders. Und als wäre das noch nicht genug, versucht er seinen Mangel an Argumenten hinter unnötigem Pathos zu verbergen. „Es gibt keine Unschuld mehr.“ Ich glaub auch.

[Ich merke gerade, dass dieser Post schon wieder ordentlich lang geworden ist, obwohl ich gerade mal einen von zwei angekündigten Artikeln besprochen habe. Deswegen lasst uns doch einfach einen Zweiteiler draus machen. Morgen geht es dann um einen Juraprofessor, um Lobster, und Mad Moxy. Ihr werdet schon sehen.]


Moralischer Relativismus

13. Januar 2011

Was ist eigentlich mit der „Zeit“ los? Ist das Zufall, dass mir das gerade immer wieder auffällt, oder verfolgen die derzeit die Strategie, sich zum Sprachrohr christlicher Fundamentalisten zu machen?

Egal.

Acht ehemalige evangelische Bischöfe haben sich in der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“ zur Homosexualität geäußert und sie unter anderem als „widernatürlich und schöpfungswidrig“ bezeichnet.

Wenn man nun mit Christen darüber diskutiert, bekommt man nicht selten Antworten, die in die Richtung gehen, dass man doch bitte Respekt vor ihrer Meinung haben solle und dass es unanständig sei, andere Leute zu verurteilen. Auf die Frage hin, ob das mit dem Verurteilen und dem Respekt auf für Leute gilt, die anderen Leuten widernatürliches und schöpfungswidriges Verhalten vorwerfen und ihnen sagen, dass sie gefälligst zölibatär zu leben haben, weil ihr unsichtbarer Freund sonst echt sauer wird, folgt dann meistens der Rückgriff auf die Bibel oder der Hinweis, dass man ja nichts gegen die Homosexuellen gesagt habe, sondern nur ihren Lebensstil wahrheitsgemäß als Sünde identifiziere.

Das ist natürlich Blödsinn. Aber weil ich der Meinung bin, dass jeder, der bereit ist, ein bisschen darüber nachzudenken, das von selbst erkennt, erkläre ich es hier nicht weiter, sondern sage einfach nur kurz das, was ich solchen Leuten zu sagen habe:

Eure Ansicht ist borniert, bigott, ekelhaft, abstoßend, widerwärtig, amoralisch, schwachsinnig und unmenschlich. Dass ihr sie auf ein altes Buch stützt, ändert daran überhaupt nichts. Eigentlich ist es sogar noch verwerflicher, als wenn ihr euch das selbst überlegt hättet und sowas wie echte Gründe dafür nennen könntet.

Und wenn ihr im Ernst beleidigt seid, weil euch jemand das sagt, oder sogar erwartet, dass jemand diese Abscheulichkeit respektiert, dann legt ihr damit ein Ausmaß an Dummdreistigkeit an den Tag, zu dem ich nichts Zivilisiertes zu sagen habe.