Gastbeitrag von Gerhard Rhiel: Warum ich mit der AfD sympathisiere

20. Dezember 2016

Jaha. Wir von überschaubare Relevanz reden nicht nur, wir handeln auch. Also. „Handeln“ im Sinne von „Reden“. Weil wir ja immer davon geredet haben, dass wir mehr reden müssen. Ihr wisst schon. Und deshalb habe ich nach all dem Gerede darüber, dass man mit (zum Beispiel) AfD-Sympathisant(inn)en offen und sachlich reden sollte, Herrn Gerhard Rhiel (Hier haben wir uns kennengelernt.) dafür gewinnen können, uns in diesem Gastbeitrag zu erklären, was zum Beispiel für ihn diese Partei attraktiv macht. Ich finde, das ist ihm sehr gut gelungen und ich bitte bei allen inhaltlichen Differenzen um respektvolle und sachlich angemessene Antworten. Das ist ja schließlich der Sinn der ganzen Sache. Er wird auch für die Diskussion in den Kommentaren zu unserer Verfügung stehen, bis eine Seite halt keine Lust mehr hat, und ich freue mich auf einen interessanten Austausch. Hier erst einmal sein Beitrag zum Beginn:

Zu meiner Person, ich bin ein konservativer, liberaler, gleichmütiger Durchschnittsbürger. Auf dem Papier bin ich katholisch, zähle mich aber keinem religiösen Glauben zugehörig. Im Gegenteil, ich erachte Religion als einen Trugschluss, akzeptiere aber, dass Menschen in dem Punkt nicht so denken, wie ich. Ich habe weder Abitur, noch habe ich studiert. In meinem Leben habe ich zwei Berufsausbildungen erfolgreich abgeschlossen und bin jetzt Berufskraftfahrer. Des Weiteren habe ich drei Kinder und zwei Enkel.

Politisch habe ich mich nie engagiert oder bin auch nur wählen gegangen.

Schon seit ich 18 Jahre alt war, was jetzt in der Mitte der 80er Jahren war, sah ich weder einen Sinn zu einer Wahl zu gehen, noch mich in einer Partei zu engagieren, da es in meinen Augen keinen Unterschied machte.

Es war eher so, dass der einzige Unterschied war, wie andere Menschen auf mich reagierten, wenn man ein bestimmtes politisches Tagesgeschehen kommentierte. In meiner Jugend war es mainstream, wenn man auf F.J. Strauß oder H.Kohl schimpfte.

Diese Einstellung änderte sich mit der, meiner Meinung nach, verfassungswidrigen Entscheidung der Bundeskanzlerin Fr. Dr. Merkel, die ich immer schätzte, nach der humanitären Hilfe, die Flüchtlinge vom Budapester Bahnhof aufzunehmen, unsere Grenzen für Jeden offen zuhalten und unkontrollierte Einwanderung zu ermöglichen. Zu meinem Erschrecken gab es weder von dem Koalitionspartner, noch von der Opposition, Widerworte. Nur die neue Partei, die Alternative für Deutschland, stellte sich dagegen. Vorher war die Basis dieser Partei eher mit Wirtschafts- und EU-Themen beschäftigt, was aber, mangels Fachwissen, an mir vorbei ging.

Der panische Gegenwind, der von den Alt-Parteien gegen die AfD geblasen wurde, ließ mich dann doch das Grundsatzprogramm der fünf größten Parteien durchlesen. Zu meinem Schrecken musste ich feststellen, dass Vieles deckungsgleich war. Zumindest bei CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/ Die Grünen und Die Linke.

Letztendlich habe ich mich aus Gerechtigkeitssinn für die AfD entschieden. Keine Partei wird so undemokratisch behandelt, obwohl ihr vorgeworfen wird, sie selbst sein undemokratisch. Im Übrigen eine Behauptung, die mir bisher noch niemand belegen konnte. Ebenso wie die Thesen, dass die AfD „homophob“ (eine Wortkreation, die ich für völlig daneben halte) oder „ausländerfeindlich“ wäre. Wie so häufig fehlt es an der Differenzierung. Und läge die AfD in allem falsch, wieso kopieren dann die großen Parteien auf einmal die Programmpunkte der AfD? Im Laufe der Überlegungen fiel mir auf, dass es offenbar in Deutschland immer mehr ein Abrücken von deutschen Werten, kulturellen Eigenheiten und Lebensarten von den Alt-Parteien propagiert wurde. Ich schäme mich nicht, ich bin stolz auf Deutschland, auf unsere Kultur, unsere Nationalmannschaften und Leistungen.

Auch möchte ich feststellen, dass ich lange nach dem zweiten Weltkrieg geboren wurde und die damalige Entwicklung verabscheue. Aber ich fühle mich nicht dafür verantwortlich. Wenn ich an meine Großeltern denke, dann nicht daran, dass sie zu Hitlers Zeiten teilweise sogar begeistert mit gemacht haben, sondern daran, dass sie ein Land in Trümmern wieder aufgebaut haben. Wir haben aus einem zerbombten Land eine wirtschaftlich blühende und friedfertige Nation gebildet. Ein Land, dass binnen 15 Jahren eine solche Wirtschaft erschaffte, dass wir Tür und Tor für Arbeiter aus Europa und den angrenzenden Ländern öffneten. Es macht mich wütend, wenn unsere Bundeskanzlerin von „denen, die schon immer hier lebten“ spricht, anstatt einfach von „Deutschen“ spricht  oder wenn alle Länder, wie selbstverständlich, mit einer Nationalmannschaft antritt, wir aber „nur“ eine Mannschaft haben. Wir sind nicht schlechter als andere Länder. Wir dürfen ebenso patriotisch sein, wie alle anderen Menschen der Welt. Wir sind nicht besser als andere Länder, aber auch nicht schlechter. Wir sind gleichwertig.

Um es auf den Punkt zu bringen und vielleicht eine fruchtbare Diskussion zu beginnen folgen nun einzelne Punkte, die ich für besonders wichtig im Grundsatzprogramm erachte:

  1. Volksabstimmung nach Schweitzer Vorbild.
  2. Direktwahl des Bundespräsidenten durch das Volk 03. Innere Sicherheit und Justiz 04. NATO als Verteidigungsbündnis 05. Wehrpflicht wieder einsetzen 06. Bekenntnis zur traditionellen Familie als Leitbild 07. Mehr Unterstützung für Familien 08. Diskriminierung der Vollzeit-Mütter stoppen 09. Alleinerziehende unterstützen. Familien stärken 10. Willkommenskultur für Neu- und Ungeborene 11. Kultur, Sprache und Identität 12. Keine irreguläre Einwanderung über das Asylrecht

12.1 Asylzuwanderung – für einen Paradigmenwechsel

12.2 Rückführung – Schluss mit Fehlanreizen und falscher Nachsicht

12.3 Integration – Mehr als nur Deutsch lernen

12.4 Einwandererkriminalität – nichts verschleiern, nichts verschweigen

12.5 Einbürgerung – Abschluss gelungener Integration 13. Tierschutz vor religiösen Befindlichkeiten.

  1. Abwenden vom Gender-Wahnsinn.
  2. Klare Abgrenzung von Kirche und Staat, auch in Schulen.

So viel zunächst von Gerhard Rhiel, sozusagen als Grundlage der Diskussion.

Die Fragen, die mir persönlich dazu erst mal einfallen, sind:

A) Wenn du also nach eigenem Bekunden nie großes Interesse an Politik hattest und alle Themen, die die Menschen bis zu „Wir schaffen das!“ beschäftigten, dir nicht so wichtig vorkamen (flapsig gesagt), was denkst du, warum gerade dieses Thema dich so umtreibt? Warum diese Priorität?

B) Warum sind dir gerade die aufgezählten Punkte besonders wichtig? Ich weiß, dass das einige sind und erwarte natürlich keine ausführliche Begründung für alle davon. Vielleicht nur die drei oder fünf allerwichtigsten oder so. Ich hätte gerne ein Gefühl dafür, worum es dir im Grunde geht. Gerne auch mit konkreten Maßnahmen, die du dir wünschen oder auch ablehnen würdest.

C) Du kennst ja sicherlich die gängigen Kritikpunkte zur AfD, vielleicht sogar besser als ich. Wie stehst du zu denen? Ich kann auch konkreter benennen, wenn du das lieber möchtest.

D) Hast du vielleicht auch schon Fragen an mich? Das soll ja nicht als einseitiges Interview laufen, hier.