Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage

15. Januar 2012

Und an Sonntagen wie diesen wünsche ich mir diesen Zustand noch dringlicher herbei als sonst schon.

Ich hasse meine Dissertation. Aber immerhin bin ich mir der liebevollen Betreuung meines Doktorvaters gewiss, der mir unmissverständlich mitteilt, was er von mir erwartet.

(Ja, ich weiß, ich bin eher der Letzte, der sich über anderer Leute Handschrift lustig machen sollte. Ich wollte euch trotzdem gerne teilhaben lassen.)


Endlich: Zweifel um Guttenbergs Dissertation endgültig ausgeräumt!

23. Februar 2011

Berlin. Auf einer lange erwarteten Pressekonferenz stellte sich Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg heute gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem CSU-Vorsitzenden und Bayerischen Miniterpräsidenten Horst Seehofer den sich kontinuierlich ausweitenden Vorwürfen in Bezug auf seine Inauguraldissertation.

„Ja“, gestand zu Guttenberg zerknirscht ein, „Es stimmt, dass auf rund 69% der Seiten meiner Dissertation Plagiate zu finden sind. “ Untermalt von einer unverständlichen Geste und intensivem Starren in die Augen der anwesenden Journalisten fügte er nachdrücklich hinzu: „Ich habe jedoch nicht absichtlich getäuscht.“

Nach einer längeren Zeit peinlichen Schweigens und verwirrter Blicke der Zuhörer fuhr zu Guttenberg fort: „Ich habe einfach nur den Überlick verloren und versehentlich in einigen Fällen die Regeln für korrekte Zitate und Quellenangaben nicht eingehalten. Das sind nicht die Plagiate, die ihr sucht.“

Langsam nickend stimmten Merkel und Seehofer ihm zu: „Das sind nicht die Plagiate, die wir suchen.“

Nach einhelliger Auffassung aller Anwesenden ist Dr. zu Guttenbergs Erklärung vollkommen schlüssig und über jeden Zweifel erhaben. Die so genannte Plagiatsaffäre kann damit als endgültig abgeschlossen betrachtet werden.

Das sind nicht die Plagiate, die wir suchen.


Ha! Jetzt haben wir ihn!

17. Februar 2011

Sicher könnt ihr es jetzt schon kaum erwarten, endlich zu erfahren, was ich über Guttenbergs Dissertation denke. Tja, gute Nachrichten: Ich werd’s euch jetzt verraten.

  1. Als jemand, der gerade selbst eine Dissertation geschrieben hatschreibtgeschrieben hatschreibtgeschrieben hatschreibt was auch immer, wünsche ich ihm natürlich die Pest an den Hals, und die Pocken, und Mumps, und Krebs, und ein Leben lang schlechten Sex. Ich bin selbst unanständig faul, und sicher finden sich in meiner Arbeit auch haufenweise Fehler und schlechte Zitierungen, aber wer mehrere Seiten von anderen einfach kopiert, ohne sie als Zitate zu kennzeichnen, und dann trotzdem damit durchkommt und summa cum laude abschneidet, der gehört nicht nur bestraft, sondern sollte fürderhin gezwungen sein, irgendeinen schändlichen Titel zu seinem Namen zu führen wie „Möchtegerndoktor“ oder „Rrrrrraubkopierrrerr“, oder sowas. Ich habe Jahre darauf verwendet, dieses blöde Ding auf ehrliche Weise fertig zu stellen, und ich missgönne einfach jedem sein Glück, der das nicht nötig hatte.
    Irgendeine kleine Strafe verdient übrigens jeder, der summa cum laude abschneidet, ganz egal, wie er das angestellt hat.
  2. Als jemand, der Herrn Guttenberg einfach nicht besonders leiden kann, empfinde ich eine gewisse verhaltene Schadenfreude darüber, dass er beim Schummeln erwischt wurde. Alleine schon für die Mitgliedschaft in der CSU gehört er bestraft, und seine Äußerungen damals zu von der Leyens lustigem Netzsperrentheater machen den Sack zu. Guttenberg hätte es sogar dann verdient, als Plagiator dazustehen, wenn er keine wäre. Immer drauf!
  3. Als Staatsbürger ist mir die Sache piepegal. Hat er eben bei der Zitation geschlampt oder gemogelt. Hat er eben seine Fähigkeit zum vertieften wissenschaftlichen Arbeit nicht unter Beweis gestellt. Hat er es eben auf Nachfrage nicht sofort zugegeben.
    Was davon soll ihn als Minister oder Bundeskanzler disqualifizieren?
    Ich kann kaum sagen, wie es mir auf den Geist geht, dass die Leute immer völlig entsetzt reagieren, wenn sich herausstellt, dass Politiker Menschen sind wie wir alle.
    Den Ersten, der jetzt seinen Rücktritt fordert, bezeichne ich schon mal prophylaktisch unbekannterweise als bornierten Wichtigtuer, und für die, die ihm nachfolgen, lasse ich mir beizeiten auch noch was einfallen.
  4. Und als ganz Unbeteiligter finde ich die Sache einfach rundum unbegreiflich, zum Mitoffenemmunddastehenundstaunen. Was hat er sich denn dabei bloß gedacht? Ich meine, es sind ja nur ein paar Seiten von 475. Es ist nicht so, als hätte er es ohne die geklauten Textstellen nicht geschafft. Es ist mutmaßlich nicht mal so, dass seine Note gelitten hätte. Es ist garantiert nicht so, dass es einen nennenswerten Aufwand bedeutet hätte, die Sache regelkonform zu machen. Ein paar Stunden wären großzügig geschätzt. Was war da denn los?
    Man weiß es nicht.

Nachtrag, 21. Februar 2011: Nachdem wir wohl so allmählich anfangen können, es als Tatsache zu betrachten, dass mit der Dissertation erheblich mehr nicht stimmt, als ersten berichten zu entnehmen war, wird es Zeit, dass ich auch meine Meinung neu ordne: Rätselhaft ist jetzt natürlich gar nichts mehr, offenbar wurde da ganz hundsgewöhnlich geschummelt. Und Rücktrittsforderungen halte ich zwar auch angesichts der beharrlichen Weigerung von Herrn Guttenberg, zur Wahrheitsfindung beizutragen, nicht unbedingt für geboten, aber ich ziehe die These zurück, dass man dafür beschimpft gehört, sie zu erheben.

Wir dürfen gespannt sein, was noch kommt. Vielleicht sind seine Kinder ja auch nicht von ihm. Oder so.