Boardwalk Empire

11. August 2012

Eine sehr gelungene Serie über die Zeit der Prohibition. Und falls ihr noch nicht sicher seid, ob ihr sie euch ansehen wollt: Steve Buscemi spielt eine Hauptrolle.

Aber ich will gar nicht zu ausführlich über die Serie reden. Eigentlich will ich gar nicht besonders ausführlich reden, sondern nur kurz sagen, dass ich das Thema Prohibition insofern sehr spannend finde, als dieser kurze fehlgeleitete Versuch, Alkohol zu verbieten, einerseits so ziemlich jedem ein Begriff ist, aber nach meiner Erfahrung trotzdem kaum jemand die Parallelen zu unserer heutigen Drogenpolitik zieht, obwohl sie doch irgendwie offensichtlich sind:

„Here on the south shore of brigantine and here in the back bays of the inlet, boats unload liquor sailed down from Canada, up from the Caribbean, across the Atlantic. It is watered down, mixed with poisons, and sold illicitly by a growing class of criminals for whom murder is a means of doing business. Some of the victims are no better than killers themselves. Others are just unlucky. They are shopkeepers, schoolteachers. One was a baker’s apprentice.“

„Do you mean to be cruel, Mr. van Alden?“

„No, ma’am. I mean to be honest.“

„And what of the law that creates the criminal?“

„That’s the law you’ve just asked me to enforce for the safety of your children, unless I misread your intentions.“

Auch wenn es vielleicht keinen besonders interessanten Blogeintrag hergibt, finde ich, man kann sich ruhig hin und wieder mal bewusst machen, dass wir heute noch Menschen dafür einsperren, dass sie bestimmte Substanzen bei sich tragen oder einnehmen, und dass wir Kampfflugzeuge, Spezialeinheiten, Bomben und Geheimdienste einsetzen, um Farmer zu bekämpfen, die bestimmte Pflanzen anbauen, und dass wir in enormem Umfang Ressourcen und Menschenleben einsetzen, damit der Handel mit diesen Pflanzen und diesen Stoffen nicht legal und transparent stattfinden kann, sondern heimlich und von schwer bewaffneten gewalttätigen Kriminellen durchgeführt werden muss. Wir verschwenden damit nicht nur unser Geld und die Leben der Menschen, die diesen Krieg für uns führen, wir unterstützen damit auch organisiere Kriminalität, stellen sicher, dass Abhängige und sonstige Konsumenten ihre Drogen von hauptberuflichen Verbrechern kaufen müssen und deshalb immer damit rechnen müssen, gestreckte, verschnittene oder halt auch mal direkt giftige Ware zu erhalten, und zwingen sie, ihre Sucht aus Angst vor Strafe geheim zu halten.

Und wir bilden uns ein, wir müssten das tun, um unsere Kinder zu schützen.


Restebloggen kurz nach dem Wochenende (47)

12. Juli 2010
  1. Hat jemand eine Idee, wie man charmant, aber angemessen reagiert, wenn eine Frau, mit der man nur flüchtig oder rein beruflich bekannt ist, einem sagt, dass sie sich hässlich findet? Konkrete Beispiele häufen sich bei mir in letzter Zeit, weiß auch nicht, warum. „Ich hätte für das Gespräch vielleicht einen Rock angezogen, aber ich denke, er hätte mich dann bloß darauf hingewiesen, dass Gurken ins Glas gehören.“ oder „Beautiful people can be stupid, they are just there to look at. Smart girls, like us, are fat.“ Bisher fiel mir dazu nicht viel mehr ein als aufmunternd zu lächeln und zu schweigen. Die Antworten, die mir einfallen, kommen mir entweder zu anzüglich vor, oder so unverbindlich, dass sie eher kontraproduktiv wären.
  2. Ich hatte ja auch schon mal über die Legalisierung von Drogen nachgedacht, und MartinJWillet hat meine zugegebenermaßen von wenig Sachkenntnis getrübte Meinung in einem sehr gelungenen, naja, Video, bestätigt:
  3. Rayson von B.L.O.G. setzt sich mit der gelegentlich anzutreffenden Auffassung auseinander, dass jede – oder meinetwegen nur fast jede –  Kritik am Handeln des Staates Israel antisemitisch begründet ist.
    Wie gesagt, dass hier und da nicht auch Antisemitismus hinter diesen Meinungen stecken könnte, ist damit nicht gesagt, aber die Gleichsetzung befremdet.
    Ich finde, da hat er Recht.
  4. Irgendwie nett, dass sich außer mir noch jemand an Captain Planet erinnert. Ich hatte ja sogar sein gelbes U-Boot mit den Greifarmen. Und ich bin angesichts des BP-Gesprudels auch sehr enttäuscht von ihm, wie Herm. Wenn ich bloß wüsste, wo ich dieses kleine U-Boot hingelegt habe…
  5. Florian Freistetter von Astrodicticum Simplex schreibt über das neue Pepsi-Blog bei den US-amerikanischen Science Blogs, oder vielmehr darüber, dass einige der Blogger dort jetzt ausgestiegen sind, weil Pepsi auch mitschreiben darf. Er versteht das nicht, und ich teile seine Meinung. Natürlich hat auch Pepsi Wissenschaftler, die sicher interessante Dinge zum Thema Ernährung schreiben können, wenn man sie lässt. Und wenn Pepsi drüber steht, ist doch auch klar, aus welcher Richtung der Wind weht. Man kann also wohl kaum von verdeckten Interessenkonflikten sprechen. Insofern wäre ich mit Florian dafür, abzuwarten, was PepsiCo so schreibt, bevor man sich aufregt. Erstaunlich waren für mich auch einige der aufgebrachten Kommentare bei Florian, die in diesem Unternehmen offenbar die Inkarnation alles Bösen sehen.
  6. Verdammt, es ist schon wieder passiert! Die Jugend von Pamplona will einfach nur in Frieden feiern, aber wie jedes Jahr wurde die Party auch diesmal wieder von einer Herde ausgebrochener Stiere verwüstet. Der Postillon berichtet.