Die Wege des Herrn sind unergründlich

12. Oktober 2010

Für den einen oder anderen von euch mag das überraschend kommen, aber immerhin Maxi und Andi haben es schon kommen sehen: Ich bin Gott. Ja. Im Ernst jetzt. Ich bin allmächtig und allwissend. Ich liebe die gesamte Menschheit über alles – na gut: fast die gesamte Menschheit -, ich bin der Grund, aus dem Logik, Naturgesetze und Moral existieren, und ich fände es echt cool, wenn wenigstens ein paar von euch sich dafür dankbar zeigen könnten. Das war nämlich eine ganze Menge Arbeit. Ich erwarte nicht viel. Kniet vor mir, erkennt mich als den Herrn des Universums und die Quelle alles Guten an, dann bin ich zufrieden. Ach so, und schickt mir Geld. Viel Geld, wenn’s geht.

Wie bitte, was? Ihr sagt, dass das überhaupt nicht sein könne? Weil ich offensichtlich nicht allwissend bin, denn ihr habe alle schon zahlreiche Fehler in diesem Blog gefunden? Weil ich offensichtlich nicht allmächtig bin und nie irgendwas mache, was nicht auch sonst jeder könnte? Weil wirklich überhaupt nichts dafür spricht, dass nur ein Wort aus dem letzten Absatz stimmt? Weil ich sogar schon ein paar Mal leise Andeutungen gemacht habe, die mit etwas böswilliger Interpretation möglicherweise den Schluss nicht völlig unmöglich machen könnten, dass ich leise Zweifel an der Existenz Gottes habe?

Naja. Euch kommt es vielleicht so vor, als wären das überzeugende Argumente. Aber ihr täuscht euch. Das ist nämlich so: Ich habe gute Gründe, es so aussehen zu lassen. Euch scheint es tatsächlich so, als wäre ich gar nicht allwissend, und ich tue auch wirklich nie irgendwas Allmächtiges. Stimmt schon. Ich unternehme auch nichts gegen das Leiden in der Welt. Aber das Problem liegt nicht bei mir. Das Problem liegt bei euch. Ihr seid nämlich in eurer erbärmlichen Menschlichkeit zu begrenzt, um einen großen, allumfassenden, göttlichen Plan zu verstehen. Der sieht nämlich vor, dass ich mich genauso benehme, wie ich es eben tue.

Ist doch eigentlich auch klar: Wenn ihr an mich glaubt, werdet ihr bekanntermaßen belohnt. Reichlich. Grozügig. Maßlos. Und in alle Ewigkeit. Aber nicht jetzt. Sondern später. Wenn ihr tot seid. Ja, ganz viele Leute wurden schon belohnt. Nachdem sie tot waren. Nein, ihr könnt nicht mit denen sprechen, die sind schließlich tot! Meine Güte, ihr könnt dumm fragen.

Jedenfalls – wo war ich? Ach ja: Belohnung. Jeder weiß, dass man sich Belohnungen verdienen muss. Das heißt, dass die Sache schon mal einen kleinen Fußmarsch erfordern kann bis man zur Wahrheit gelangt. Wenn einige von euch trotzdem darauf bestehen, man möge sie ihnen gefälligst vor die Füße legen, dann werdet ihr schon sehen, was ihr davon habt.

Natürlich wäre es ein Leichtes für mich, mit einem Fingerschnippen Weltfrieden herbeizuführen und alle hungernden Kinder satt zu machen. Natürlich könnte ich auch mit dem Finger schnippen und euch damit die Fähigkeit geben, meinen Plan zu verstehen. Mach ich aber auch nicht. Wie solltet ihr mir sonst vertrauen? Was bliebe von eurem freien Willen? Wenn ihr die Wahrheit komplett erkennen könntet, hättet ihr schließlich keine Wahl mehr und müsstet unweigerlich an mich glauben. Welchen Sinn sollte dann die Sache mit der Belohnung noch haben? Eben.

Ihr erkennt also, eure kleinlichen, erbsenzählerischen, pedantischen, phantasielosen Einwände sind überhaupt kein Problem. Das Problem seid ihr Dummköpfe. Und jetzt lasst mich bitte in Ruhe meinen unergründlichen Wegen nachgehen und schickt mir gelegentlich euer Geld. Das brauche ich nämlich, um meine Kirche aufzubauen. Und wagt bloß nicht zu fragen, wofür das nun wieder gut sein soll.

[Idee schamlos geklaut von eightfootmanchild]