Es wird Zeit, dass die Ethik die Klappe zu macht.

4. August 2017

[Ja, ich bin noch da. Ja, ich merke, dass hier sonst niemand mehr ist. Nein, ich akzeptiere nicht, dass Blogs tot sind. Laden auf 360Joule, weg vom Tisch!]

Alle sind sie ganz aufgeregt, diese komischen Meinungsjournalisten, die (teilweise oder ganz) davon leben, unfundiertes, aber möglichst schmissig formuliertes Geblubber in Print- und Onlinerepräsentationen von sich zu geben. Aufgeregt sind sie, weil amerikanische Forscher herausgefunden haben, dass es geschafft haben, in diversen Embryonen eine schädliche Mutation mittels CRISPR-Cas9 zu beseitigen, ohne dabei (soweit wir wissen) irgendwelchen Kollateralschaden zu verursachen. Oder anders: Sie konnten eine Erbkrankheit heilen, bzw. ihr Entstehen verhindern.

Das könnte man für einen Anlass zur Freude halten, aber dann kennte man die Neigungen dieser Art von Journalismus schlecht.

Damit wird es schwieriger werden, der generationsübergreifenden Veränderung des Erbguts auf Dauer eine Absage zu erteilen.

fällt zum Beispiel Hildegard Kaulen für faz.net erst mal ein. Dieses Problem ist mir übrigens auch schon aufgefallen. Eventuell kennt ihr es auch: Je besser etwas funktioniert, desto weniger Argumente hat man dagegen. Tückischer Effekt, das, und sehr ärgerlich. Wenn man gerne ohne guten Grund gegen Dinge sein will.

Ohne guten Grund? Ja. Oder findet ihr einen? Ich hab den Artikel drei mal gelesen und keinen Grund gefunden. Nicht mal einen schlechten. Nur die nackte Forderung:

Die sicherheitsrelevanten Vorbehalte sind nun geringer geworden. Es ist Zeit, dass sich die Ethik zu Wort meldet.

Und solche Kommentare finden sich gerade zuhauf.

Und ich verstehs nicht. Wenn Ethik für diese Leute das ist, was uns hilft, ein Verbot von Sachen zu rechtfertigen, wenn uns alle vernünftigen Argumente ausgegangen sind, dann meinen sie damit was ganz anderes als ich. Und dann soll das bitte die Klappe halten und andere Leute nicht von ihrer Arbeit abhalten.


Mehr als ein Unbehagen

2. Februar 2013

empfindet Florentine Fritzen auf faz.net angesichts der neuen Regelung zur PID, zu der ich kürzlich schon einmal sarkastisch Stellung nahm. Eigentlich ist mehr dazu auch nicht zu sagen, aber weil Frau Fritzens Unbehagen wiederum bei mir erhebliches Unwohlsein ausgelöst hat, und weil ihre Argumentation sich wegen Allgemeingebräuchlichkeit ganz gut als Aufhänger eignet, will ich die Chance nutzen, mich auch noch einmal so unsarkastisch und ernsthaft zu dem Thema zu äußern, wie ich es eben schaffe.

Den Rest des Beitrags lesen »


Hattrick

15. März 2011

Menschenwürde ist sicher irgendwie sehr wichtig, aber manchmal denke ich doch, dass sie als rechtliches Konzept völlig nutzlos ist. Deswegen ist nach meiner Erfahrung immer große Skepsis angebracht, wenn jemand sie als Begründung für irgendeine steile These heranzieht, ob es sich dabei nun um Bundesverfassungsrichter handelt, oder um Leute, die gerne Aufkleber an ihren Stoßstangen anbringen.

Heute geht es aber um einen (ehemaligen) Verfassungsrichter, der auf dem großen Menschenwürdelagerfeuer ein PID-Verbotssüppchen zu kochen versucht (Fragt mich nicht, wo diese bescheuerte Metapher herkommt, sie musste irgendwie einfach raus.) Er baut seine Argumentation in drei Stufen auf, von denen dankenswerterweise jede einzelne vollständig versagt, wenn man sie mal genauer betrachtet. (Am Anfang befürchtete ich noch, dass er einfach nur von einer einzigen falschen Grundannahme startet und von da an konsequent sein falsches Gebäude errichtet. Das hätte für einen Blogpost natürlich wenig Material hergegeben.)

Den Rest des Beitrags lesen »