Off is the general direction in which I wish you would fuck

5. August 2011

Magnus Gäfgen wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, weil er ein Kind ermordet hat. Im Laufe der Ermittlungen hat ein Polizeibeamter ihm angedroht, ihm würde ein Wahrheitsserum verabreicht werden, und ein Folterexperte würde ihm „unvorstellbare Schmerzen“ zufügen. Das Landgericht Frankfurt (Main) hat Herrn Gäfgen deshalb eine Entschädigung in Höhe von 3.000 Euro zugesprochen. Ich denke, dazu muss man gar nicht besonders viel sagen, aber eine Bemerkung finde ich doch wichtig.

Es ist keine Bemerkung zum Urteil selbst, sondern eine Bemerkung zu einigen Personen, die meinten, es kommentieren zu müssen. Eine Bemerkung zu Leuten wie dem Sprecher der Organisation „Weißer Ring“, Herrn Helmut Rüster („Jeder Cent war hier zu viel.“ „Ein Urteil, das die Bürger nicht verstehen können.„), oder dem Bundesvorsitzenden der Volksfront von Judäa Gewerkschaft der Polizei, Herrn Bernhard Witthaut (die Entscheidung sei „emotional nur sehr schwer erträglich“ und dürfe nicht zur Folge haben, „„dass die Polizei in Vernehmungssituationen nicht mehr intensiv nachfragen darf„), oder dem Bundesvorsitzenden der Judäischen Volksfront Deutschen Polizeigewerkschaft, Herrn Rainer Wendt („Das Urteil lässt die eigentliche ungeheuerliche Tat – die Ermordung eines Kindes – in den Hintergrund treten.„), oder dem Vorsitzenden des Bundestagsinnenausschusses, Herrn Wolfgang Bosbach („Das Urteil ist ein Schlag ins Gesicht der Eltern und Angehörigen des Opfers Jakob von Metzler.„, „Dass hier ein Mörder eine Entschädigung bekommt, ist für mich völlig unverständlich.„)

Es fällt mir schwer, dafür die richtigen Worte zu finden. Vielleicht so: Dass Leute in solchen Positionen eine derart erbärmliche Verkennung des Wesens von Menschenrechten, des Inhalts der Menschenwürdegarantie in unserem Grundgesetz, des Rechtsstaatsprinzips an sich und nicht zuletzt auch ihrer eigenen Pflichten äußern können, ohne dass jemand dafür auch nur ihren Rücktritt fordert, während Heiner Geißler eigentlich nur noch die Anzeige wegen Volksverhetzung fehlt, weil er „totaler Krieg“ gesagt hat, ist eine Schande, und es zeigt, wie viel noch zu tun ist in diesem großen, wahrscheinlich nie ganz abgeschlossenen Projekt namens „Aufklärung“.


What if God smoked cannabus?

24. September 2010

Bin ich jetzt einfach schon hypersensibel, was Daniel Deckers‘ Beiträge zum Thema Kindesmissbrauch angeht, oder kommt es euch auch reichlich albern vor, was er heute wieder schreibt?

Und wie im Raum der Kirche, so ist auch bei Vereinen, Verbänden und Trägern von Schulen und sozialen Einrichtungen die Frage der Haftung des Täters mit der nach der Rolle der Institutionen verknüpft. Aus Gründen politischer Rücksichtnahme ist es daher verständlich, wenn die katholische Kirche mit einem Vorschlag zögert, wie man den Opfern sexueller Übergriffe auch finanziell gerecht werden kann. Jedes Tun oder Unterlassen wirkt wie ein Präjudiz, dessen Wirkung sich andere Institutionen kaum entziehen können.

Ach so. Ja klar. Böse Zungen hätten vielleicht behauptet, dass es was damit zu tun hat, dass die Kirche einfach nicht zahlen will. Oder möglichst wenig. Oder zumindest nicht so bald. Aber damit würde man natürlich wirtschaftliches Eigeninteresse unterstellen, was evident abwegig ist.

Die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen in Form des Präjudizes sind es, die den Vatikan davon abhalten, das Füllhorn seiner Großzügigkeit über seinen Opfern auszuschütten. Die schiere Rücksichtnahme auf weniger finanzkräftige oder zumindest weniger großzügige Institutionen ist der wahre Grund für die Zurückhaltung. Sozusagen Sorge um andere Träger sozialer Einrichtungen und das Funktionieren unsere Gesellschaft überhaupt.

Manchmal sind die Selbstlosigkeit und Nächstenliebe der katholischen Kirche so unfassbar, dass man speien könnte.