Was ist was: Erklärungen

15. September 2017

Hallo liebe Kinder! Schön, dass ihr alle da seid. Heute reden wir über Erklärungen.

Erklärung, das ist eins von diesen Wörtern, wie Schuld, oder Gerechtigkeit, die Erwachsene gerne und viel benutzen, aber eigentlich genau so wenig verstehen wie wir. Sie wissen es nur nicht. Deswegen reagieren sie auch immer so komisch, wenn ihr sie fragt, was die Wörter heißen.

Wir müssen uns deshalb selbst überlegen, was wohl dahinter stecken könnte, und ich denke, ich fang mal an, mit der Erklärung. Ihr kennt das bestimmt, dass jemand euch was erklärt, und ihr euch dann hinterher vielleicht nicht mehr traut, weiter zu fragen, aber im Grunde nicht das Gefühl habt, wirklich eine Erklärung bekommen zu haben. Manchmal ist das, weil ihr dumm seid. Aber ganz oft liegt es auch daran, dass die Erklärung wirklich nicht gut war.

Woran merken wir denn nun den Unterschied?

Das ist so: Natürlich hat der Begriff „Erklärung“ so wie eigentlich alle Begriffe der Alltagssprache, einen recht großen, verwaschenen Bedeutungsbereich, und er kann ganz vieles heißen, aber so, wie wir jetzt gerade darüber reden, finde ich, dass eine gute Erklärung die folgenden Kriterien erfüllen muss:

  1. Sie führt etwas Unverstandenes auf etwas Verstandenes zurück. Also wenn ich zum Beispiel nicht weiß, wie der Motor eines Autos funktioniert, und meine Mutter mir erklärt, dass da drin die Wärmeausdehnung eines Heißgases Kolben antreibt, dann hilft mir das nur, wenn ich schon weiß, was Kolben sind, und wie Wärmeausdehnung funktioniert. Sonst ersetzt meine Mutter nur einen Haufen Sachen, die ich nicht verstehe, durch einen anderen Haufen Sachen, die ich nicht verstehe. So ist das zum Beispiel, wenn jemand etwas mit was Übernatürlichem erklären möchte, wie Göttern, Gespenstern oder Magie.
  2. Die Erklärung fügt meinem Verständnis etwas hinzu. Wenn mir zum Beispiel jemand sagt, dass ein Schloss funktioniert, indem ein Schlüssel da drin was bewegt, und dann geht die Tür auf, weiß ich eigentlich gar nicht mehr als vorher. Wenn ich aber weiß, dass da drin Sperrstifte sind, die durch die Form des Schlüssels in Positionen geschoben werden, in denen sie den Weg für die Drehbewegung des Zylinders freigeben, dann weiß ich mehr als vorher, anders als zum Beispiel, wenn jemand etwas mit Esoterik erklären möchte.
  3. Die beiden ersten Punkte klingen so selbstverständlich, dass ihr euch wahrscheinlich gerade fragt, warum man das überhaupt so groß besprechen muss. Wie bei vielen Sachen, die selbstverständlich klingen, müssen wir aber aufpassen! Da gibts nämlich einen Fehler, der uns sonst leicht passieren kann. Manche Sachen wie Vampire, oder Götter oder Shoggothen kommen uns so vor, als wären sie uns bekannt und würden als Erklärung unser Verständnis verbessern. Das ist, weil wir so viele fiktive Geschichten über sie gelesen haben. „Fiktiv“, liebe Kinder, das heißt, dass die geflunkert sind. Bevor die als Erklärung taugen, müssten wir dann erst mal wissen, ob es die überhaupt wirklich gibt, und wie sie dann in Wirklichkeit funktionieren. Das klingt jetzt erst mal doof anstrengend, deshalb haben Leute auch keine Lust drauf und überspringen diese wichtigen Schritte, und das kann man machen, aber dann hat man halt keine echte Erklärung.
    Und das dürfen wir natürlich nicht vergessen. Nur weil uns ein Wort bekannt vorkommt, heißt das noch nicht, dass es auch wirklich eine echte Erklärung beschreibt. Eigentlich logisch, oder?
  4. Und das führt uns zum letzten Dings, das ich persönlich an richtigen Erklärungen am besten finde: Man kann dann was damit machen und so rausfinden, ob die Erklärung auch wirklich stimmt. So kann ich zum Beispiel, nachdem mir jemand erklärt hat, dass eine Linse Licht beugt, mit einer Lupe rauslaufen und Ameisen verbrennen, zumindest so lange, bis mir jemand erklärt, warum ich das besser nicht mache, aber das ist dann sowas, was ich auch noch nicht ganz verstehe, deshalb reden wir da lieber irgendwann später mal drüber. Wichtig ist jedenfalls, dass ihr mit der Erklärung auch wirklich was machen könnt, und wenn das nicht klappt, ist es wieder so, dass das entweder ist, weil ihr zu dumm seid, oder weil die Erklärung nicht gut war. Zum Beispiel, wenn jemand euch was mit Esoterik zu erklären versucht hat.

Und wir ihr den Unterschied wiederum rauskriegt, darüber reden wir auch beim nächsten Mal. Für heute ist jetzt nämlich Schluss! Lupen sind da hinten im Regal. Alle dürfen sich nehmen!

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Eigentlich verlange ich doch gar nicht viel. Glaubich.

27. April 2014

Die Geschichte des murielistischen Libertarismus ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Man kann eigentlich ziemlich zuverlässig sagen, dass wann immer ich mit Leuten zu diskutieren versuche, die einen Staat bzw. Demokratie ungefähr in der heute üblichen Form für eine gute Idee halten, ich irgendwann feststelle, dass mein Gegenüber nicht auf das antwortet, was ich schreibe, sondern mit einem Fantasiegebilde streitet, das bemerkenswert wenig mit meinen Fragen zu tun hat, oder mit einer Position, die ich tatsächlich vertrete, oder einfach kompletten Unfug schreibt, von dem er anscheinend erwartet, dass ich ihn für Argumente halte, und dann Nachfragen entweder ignoriert, oder zunehmend genervt und entrüstet von sich weist.

(Ich verzichte darauf, Beispiele zu verlinken. Einerseits würde ich gerne, andererseits fürchte ich, dass das aussähe, als wollte ich nachkarten, und das muss ja nicht sein. Falls ihr doch partout Beispiele wollt, fragt gerne in den Kommentaren, dann liefere ich die halt nach.)

Aus diesem Grund dachte ich, vielleicht versuche ich mal, einen Post zu verfassen, in dem ich einmal zentral und in möglichst wenig missverständlichen Worten erkläre, was ich eigentlich meine.

Dies ist dieser Post.

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Philoso1: Radikalskeptizismus

11. November 2013

Hier ist Weisheit

Thomas heißt er.

Hach, wie konnte ichs vergessen?

Viel Vergnügen mit dem zweiten Teil des Introduction-to-Philosophy-Podcasts, diesmal zum Thema Radikalskeptizismus. Also genau mein Ding.

Das mit der Musik machen wir wie beim letzten Mal.

Download.


Philoso1: Introduction to Philosophy – Gettier Problem

8. November 2013

Hier ist Weisheit

Ja, so, jetzt ist es mal wieder so weit: Ich habe einen Podcast für euch aufgenommen. Die Fans der ersten Stunde wissen schon lange, dass das eher was für Hardcoreüberschaubarerelevanzisten ist, und die anderen wissen es jetzt seit ungefähr 9 Wörtern.

Wen das nicht abschreckt, der kann sich hier nun meine Kritik zum Online-Kurs „Introduction to Philosophy“ der University of Edinburgh anhören:

oder sie hier zum Mitnehmen downloaden.

Die sonst übliche Intro- und Outro-Musik habe ich diesmal ausgelagert, zum Beispiel aus Urheberrechtsgründen:


Projekt 52 (28-34)

3. Oktober 2013

Es ist Feiertag, und weil ich nicht so der Typ fürs Feiern bin, nutze ich den stattdessen, um meine Projekt-52-Teilnahme zu komplettieren. Ich lade deshalb die wenigen Leser, die das interessiert, hinter den Trennstrich ein, und bitte die anderen um etwas Geduld.

Na logo. Lebt Frank Zander eigentlich noch? Ich habe ihn ja mal persönlich kennengelernt. War profund gruselig.

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Von Göttern, Brüsten und Epistemologie

24. Februar 2013

Da andere Themen für mich gerade nicht viel hergeben, wende ich mich mal einer Frage zu, die Theisten einem als Atheist öfter stellen, die konkret aber schwer zu beantworten ist, was, wie ich hoffentlich gleich erklären werde, aber nicht an uns liegt. Schaumermal.

Die Frage lautet natürlich:

Was wäre nötig, um dich zu bekehren?

[sinngemäß zum Beispiel hier]

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Das glaube ich nicht, Tim

4. Januar 2013

Brace yourselves

Wenn in einer Diskussion mit gewissen Leuten die Kommunikation zusammenbricht, irritiert mich das kaum noch. Ich weiß zum Beispiel, dass ich mit religiösen Menschen zur Religion keine Verständigung erreiche, und mit Objektivisten keine zum Objektivismus, und wenn ich es doch versuche, dann kann ich mich von vornherein darauf einstellen, dass sie früher oder später persönlich werden und mir unterstellen, dass ich sie einfach nicht verstehen will.

Tim und Thomas gehören nicht zu diesen gewissen Leuten, und deshalb gibt es mir zu denken, dass mit Tim hier gerade zum zweiten Mal jemand mit großem Nachdruck behauptet hat, wir müssten irgendwas unüberprüfbar voraussetzen, um die Welt empirisch beschreiben zu können, und dass diese Diskussion zum zweiten Mal zur beiderseitigen Unzufriedenheit genervt abgebrochen wurde, wie auch schon die mit Thomas.

Wie jeder weiß, markiert das zweite Ereignis einen Trend, weshalb ich jetzt doch noch einmal alle Proponenten dieser mir so schwer zugänglichen These aufrufe, mir meinen Irrtum aufzuzeigen, möglichst kleinschrittig und ausführlich und von Anfang bis Ende, denn mit anderen Varianten sind Tim und Thomas bereits gescheitert. Und um euch diese Aufgabe ein bisschen zu erleichtern, will ich euch besagten Irrtum noch einmal möglichst klar darlegen.

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