Argumentum e Boah! Nee, ne?

18. August 2010

Ich weiß gar nicht, ob sich noch jemand an Erich von Däniken erinnert. Ich komme drauf, weil mich kürzlich jemand auf ihn ansprach und damit ungute Erinnerungen daran weckte, dass dieser Scharlatan auch in meiner an sich ziemlich skeptischen Familie völlig unverdientes Ansehen genießt. Meistens sagen die Leute sowas wie „Aber er hat doch ganz interessante Theorien, er stellt unbequeme Fragen, er ist ein Querdenker, daran ist doch nichts Falsches!“

Falls ihr ihn nicht kennt, könnt ihr das Ganze hier aber problemlos auf vergleichbare Blender wie Galileo Mystery oder Welt der Wunder (Laufen die noch?) übertragen. Oder ihr seht euch als Beispiel dieses willkürlich ausgewählte Däniken-Video an (Man kann bei Bedarf ziemlich bald unterbrechen, nach den ersten paar Sekunden kommt nicht mehr viel Neues.):

Erst einmal klingt das ziemlich überzeugend, was er sagt. Gerade wenn man sich mit dem Thema noch nicht so sehr befasst hat, kann man aus einem Däniken-Buch oder -Film durchaus mit dem Eindruck rauskommen, dass kein vernünftiger Mensch daran zweifeln kann, dass Außerirdische diese Welt früher regelmäßig besucht haben müssen.

Däniken und seine Genossen im Geiste arbeiten dabei fast immer mit demselben simplen Trugschluss: Sie sehen eine eindrucksvolle Leistung vergangener Kulturen und stellen fest, dass sie keine Erklärung dafür haben, wie die das damals ohne Hornbach geschafft haben sollen. Dann sehen sie irgendwelche Malereien / Hieroglyphen / Reliefe, auf denen die abgebildeten Menschen ein bisschen komisch aussehen und schließen daraus, dass das fremde Raumfahrer sein müssen. Gerne bedient man sich dabei zum Beispiel der oft anzutreffenden Strahlenkränze, die man flugs zu Weltraumhelmen umdeutet. Und schon hat man die Sensation: Aliens haben die Pyramiden gebaut! Und das wissenschaftliche Establishment will nicht, dass wir davon erfahren.

Habt ihr den Trick bemerkt? Genau: Argument aus Ignoranz. Ich habe gerade kein Idee, wie etwas passiert sein könnte, also ist es auch nicht passiert. Immer gerne genommen, aber dadurch nicht weniger falsch.

Perfide finde ich dabei nicht, dass Däniken falsche Schlüsse zieht. Das ist okay, Menschen machen Fehler, und der wissenschaftliche Prozess funktioniert bei Zeiten auch mal durch Versuch und Irrtum. Perfide ist dabei, dass er und Haarwuchsmittelverkäufer wie er so tun, als hätten sie die Antwort gefunden, und alle anderen wären einfach zu vernagelt, um das zu erkennen, während in Wahrheit so ziemlich das Gegenteil der Fall ist.

Pseudowissenschaftliche Blender wie von Däniken beuten die natürliche Neugier des Menschen aus. Sie leben parasitär von unserer Sehnsucht nach Antworten, indem sie uns mit beruhigenden Scheinerklärungen versorgen, die zunächst mal unheimlich schlüssig wirken, aber keiner genauen Überprüfung standhalten, denn sie sind in Wahrheit nur eine Verlagerung der Frage.

Ursprünglich wussten wir nicht, wie man damals so tolle Bauwerke errichten konnten. Und wäre es nicht unheimlich spannend, jetzt zu versuchen, das herauszufinden? Sich zu überlegen, welche Werkzeuge damals zur Verfügung standen, und welche nicht, und dann so lange herumzutüfteln, bis man einen möglichen Weg gefunden hat? Das ist Wissenschaft, und das ist der Erkenntnisdrang, der es uns ermöglicht hat, Sonden bis an den Rand unserers Sonnensystems zu schicken, auf dem Mond zu landen und geschmacksfreie Fertiggerichte in wenigen Minuten zu erhitzen.

Däniken sagt stattdessen: Äh… Uh… Nääh, das geht nicht, wie sollen die das denn geschafft haben? Das waren Außerirdische! Und wir sollen damit zufrieden sein. Wenn er wenigstens fragen würde, wie die Außerirdischen das nun geschafft haben, und warum – wenn er wenigstens fragen würde, wie sie zur Erde gekommen sind und warum sie uns wieder so komplett verlassen haben, dann wäre er vielleicht noch ein sympathischer Spinner.

Aber Däniken tut nur so, als würde er die Wahrheit suchen. In Wirklichkeit hat er nicht mehr zu bieten als einen billigen Fragenstopper, einen Schnuller für alle, denen Wissenschaft zu anstrengend ist. Und er und seine Jünger haben noch den Nerv, Zweiflern zu unterstellen, sie wären einfach nur zu engstirnig und denkfaul. Man stelle sich vor, diese Methode würde sich durchsetzen.

„Du, Watson, was ist eigentlich aus diesem Desoxyribodings geworden, von dem du mal erzählt hast?“
„Du hast ja keine Ahnung, Crick! Ich hab mir das mal genauer angesehen, und das ist so derbe komplex, das kann nur eine überlegene Technologie sein. Mit unseren Möglichkeiten ist da nichts zu machen.“
„Oh. Naja. Na gut. Aber schon n bisschen schade, oder?“
„Kein Stress. 2012 kommen die Außerirdischen wieder, und dann können wir einfach die fragen.“
„Cool.“