Mehr als ein Unbehagen

2. Februar 2013

empfindet Florentine Fritzen auf faz.net angesichts der neuen Regelung zur PID, zu der ich kürzlich schon einmal sarkastisch Stellung nahm. Eigentlich ist mehr dazu auch nicht zu sagen, aber weil Frau Fritzens Unbehagen wiederum bei mir erhebliches Unwohlsein ausgelöst hat, und weil ihre Argumentation sich wegen Allgemeingebräuchlichkeit ganz gut als Aufhänger eignet, will ich die Chance nutzen, mich auch noch einmal so unsarkastisch und ernsthaft zu dem Thema zu äußern, wie ich es eben schaffe.

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Won’t somebody please think of the children?

22. Dezember 2009

Vor ein paar Wochen hat unser aller Ethikrat sich dafür ausgesprochen, die so genannten Babyklappen abzuschaffen, also diese kleinen beheizten Briefkästen, in denen Mütter nach der Geburt anonym ihre Kinder abgeben können, wenn sie sich nicht in der Lage sehen, sie zu versorgen.

Daraufhin brach dann ein bisschen Entrüstung los, unter anderem von Seiten der Kirchen, die die Babyklappen befürworten und offenbar der Meinung sind, die Babyklappen müssten unbedingt erhalten bleiben, um das Leben der Kinder zu schützen.

Es gab also diesen Vorschlag des Rates, und es gab Protest dagegen. So etwas wie eine öffentliche Diskussion gab es leider nicht, was ich schade finde, denn das Thema ist eigentlich interessant und wichtig.

Der Ethikrat meint, die Kenntnis seiner biologischen Abstammung sei ein elementares Recht eines jeden Menschen und konstitutiv für das Selbstverständnis.  Deshalb sei es ratsam, die Babyklappen abzuschaffen, da sie ihren Zweck (Verminderung der Kindstötungen) sowieso nicht erfüllt hätten. Ich selbst kann dieses Argument nicht so ganz ernst nehmen, denn ich verstehe die überragende Bedeutung der Kenntnis der Abstammung nicht. Wenn ich von frühester Kindheit an von meinen Adoptiveltern aufgezogen worden wäre, dann wäre die Identität meiner biologischen Eltern meiner Meinung nach für mich ein Gegenstand abstrakter Neugier, wäre mir aber nicht besonders wichtig. Aber vielleicht geht es nur mir so, weil ich ein bisschen komisch bin. Ich will das nicht verallgemeinern.

Die Babyklappenbefürworter jedenfalls widersprechen ganz empört und finden die Idee lebensfern und unmenschlich und können gar nicht verstehen, wie man das Recht auf Leben gegen das Recht auf Kenntnis der eigenen Herkunft abwägen könnte. Andre Nahles von der SPD meint zum Beispiel:

„Jedes Kind, das durch eine Babyklappe gerettet oder vor Schaden bewahrt wird, ist ein Argument gegen die Entscheidung des Ethikrates.“

Nun stellen sich mir bei Argumenten, die auf dem „Und wenn nur ein einziger…!“-Prinzip basieren, sowieso immer schon die Nackenhaare auf, aber auch davon abgesehen, ist es nicht so einfach.

Denn der Ethikrat sagt ja eben gerade, dass aus seiner Sicht die Babyklappen keine Kinder retten, sondern es nur leichter machen, sich anonym von ihnen zu trennen. Nach Ansicht des Rates können die Mütter, die ihre Kinder töten oder sterben lassen, sowieso nicht vom Angebot der Babyklappen erreicht werden.  

Was ich damit sagen will: Beide Seiten reden hier anscheinend aneinander vorbei. Es ist ganz gut zu erkennen. Nur die diskutierenden Parteien merken es nicht oder wollen es nicht merken. Das ist aber meiner Meinung nach allgemein so ein Problem, wenn Menschen diskutieren. Jeder wiederholt immer wieder seinen Standpunkt und denkt sich, was für ein Rindvieh der andere doch ist, dass er es nicht endlich einsieht. Und man ist so aufgebracht und so damit beschäftigt, dem anderen zu erklären, warum er offensichtlich im Unrecht ist, dass man gar nicht dazu kommt, ihm zuzuhören.

Meiner Meinung nach ist die entscheidende Frage, ob tatsächlich durch die Babyklappen nennenswert weniger Kinder gestorben sind. Ist das der Fall, dann halte ich das Recht auf Kenntnis der eigenen Herkunft für zweitrangig. Ist das nicht der Fall, dann sind die Klappen wohl ein falscher Weg und die Empfehlung des Rates begründet. Vielleicht kann man darüber nicht so schön aufgeregt diskutieren und empörte Sprüche in irgendwelche Mikrofone bellen, aber andererseits hätte man das beruhigende Gefühl, die Debatte voranzubringen und etwas für die Kinder zu tun. Ich mein‘ ja nur. Auch wegen Weihnachten und so…