Gegenteilwoche: Ich fange mal vorsichtig an und steigere mich von hier, ok?

6. September 2010

Für den Anfang also leichte Kost zum Eingewöhnen. Wie wäre es mit… Hm… Eugenik?

Sarrazin hat es den Job gekostet, aber ich bin glücklicherweise kein Bundesbankvorstand, deswegen sage ich noch einmal, was er nicht sagen durfte: Wenn man die Menschen sich selbst überlässt, züchten sie uns zu Grunde. Die Basisüberlegung ist in meinen Augen nicht von der Hand zu weisen: In unserer Gesellschaft haben diejenigen die meisten Kinder, die, sagen wir mal, wirtschaftlich, kulturell und intellektuell eher zum unteren Drittel gehören. Je gebildeter und fortschrittlicher jemand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er mit Verhütungsmitteln umgehen kann und sich bewusst Gedanken macht um seine Familienplanung.

Das führt dazu, dass die Gene der Unterschicht langsam aber sicher unseren Genpool übernehmen, während die High Potentials und Leistungsträger aussterben oder zumindest weniger werden.

Darüber hinaus: Erbkrankheiten. Sicher, manche sind eher harmlos wie Farbenblindheit, aber es gibt auch ernste, und in meinen Augen begehen zwei Menschen, die wissen, dass ihre Kinder mit Lupus geboren werden, und trotzdem welche zeugen, genauso Kindesmissbrauch als würden sie gesunde Kinder mit einer furchtbaren Krankheit infizieren. Oder seht ihr da etwa einen Unterschied?

Die Antwort wäre einfach: Genauso, wie man einen Führerschein braucht, um ein Auto zu fahren, oder wie man ein Gewerbe anmelden muss, oder wie man eine Konzession für eine Kneipe braucht, sollte man auch für Kinder getestet werden und eine Konzession beantragen müssen. Auf diese Weise könnte sichergestellt werden, dass keine Kinder mehr HIV-positiv geboren werden, oder mit Spina Bifida. Könnt ihr euch vorstellen, wie viel Leid der Welt dadurch erspart bliebe?

Es soll auch keiner sagen, so etwas wäre in einem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat nicht möglich. Was ist denn das Inzest-Verbot in § 173 StGB, wenn nicht eine Eugenikvorschrift? Was sonst könnte rechtfertigen, dass Bruder und Schwester sich strafbar machen, wenn sie Sex haben, Schwester und Schwester aber nicht? Sogar in der jünsten Entscheidung des BVerfG hierzu werden mögliche Geburtsschäden der Nachkommen als Argument für das Verbot anerkannt. Der Begriff Eugenik taucht dabei übrigens auch explizit auf.

Warum bleiben wir auf halbem Wege stehen? Wenn Geschwister miteinander ein Kind zeugen, besteht die Gefahr, dass dieses Kind Erbschäden trägt. Wenn zwei Menschen mit einer Veranlagung für Chorea Huntington ein Kind zeugen, besteht nicht nur die Gefahr, es ist sicher. Können wir als Gesellschaft so etwas zulassen?

Ich will nicht leugnen, dass das eine Umstellung wäre und auf den ersten Blick unmenschlich scheint. Es widerstrebt unserer Intuition, dass ein natürlicher Akt wie das Zeugen eines Kindes einer behördlichen Genehmigung bedürfen soll. Aber das liegt nur daran, dass wir es nicht anders kennen. Wenn man sich von obsoleten Traditionen trennen und die Lage sachlich betrachten kann, kann man nur zu einem Ergebnis kommen: Die Gesundheit unserer Kinder muss uns diesen Preis wert sein.