Eine einfache Kosten-Nutzen-Abwägung

24. Dezember 2016

[Eine leider notwendige Vorbemerkung: (Nein, wirklich. Niemand bedauert das mehr als ich:) Einige von euch haben heute Nachmittag bereits eine … nicht veröffentlichungsreife Version dieses Beitrags gesehen, weil der dumme Muriel in der dummen WordPress-App den dummen falschen Button gedrückt hat. Bitte vergesst alles und tut so, als wäre das nie passiert, okay? Ich mach das auch so.]

Es ist gut, an Gott zu glauben

darf Thomas Mayer für seine Kategorie Mayers Weltwirtschaft in die FAZ schreiben und verrät uns:

Der christliche Glaube zahlt sich aus. Das zeigt eine einfache Kosten-Nutzen-Abwägung.

Ich konnte es erst selbst nicht fassen und rechnete die ganze Zeit noch mit, weiß nicht, einer überraschenden Wendung oder so, aber die kam nicht: Die FAZ hat Pascals Wette entdeckt. Donnerwetter.

Und weil ich mir für mich keinen schöneren Weihnachtsbeitrag vorstellen kann, als kleinliches Genörgel an einem gut gemeinten kleinen Post zum allgemeinen Wohlergehen, und weil nach all dem schweren politischen Diskurs eventuell ein bisschen leichte Unterhaltung ganz gut tut, will ich mit euch einmal kurz Herr Mayers Ausführungen durchgehen, wenn ihr mögt.

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Dieses Whatsout, oder Hangapps, oder so …

24. Februar 2016

Kürzlich las ich sehr interessiert in der FAZ einen Bericht über das neue Samsung Galaxy S7. Mich erfreute dabei besonders, dass Samsung sein neues Spitzenmodell wieder wasserdicht gemacht hat, und dass es auch wieder einen SD-Karten-Slot gibt, da mir beides Hoffnung macht, dass es eventuell nur ein bisschen schlechter als das S5 sein könnte. Egal, was mich aber noch viel mehr faszinierte als die enthaltenen Informationen über das Gerät, war dieser Abschnitt hier:

Der Akku des S6 ging bei einigen Nutzern schon in die Knie, bevor sie ihre Smartphones auf dem Nachttisch ans Ladegerät stöpselten. In der heutigen Zeit – trotz ständiger Verfügbarkeit von Steckdosen – eine Unmöglichkeit. Zwar hatte Samsung die Schnellladezeit eingeführt, so dass man innerhalb einer halben Stunde fünfzig Prozent des Akkus wieder gefüllt hatte. Doch ein Akku muss mindestens einen Tag unter Dauerbelastung halten. Fertig.

Ich frage mich, wie sowas passieren kann. Versteht ihr das?

Die Leute, die da arbeiten, haben doch garantiert Smartphones. Blackberrys vielleicht, aber sogar als Blackberry-Nutzer(in) müsste man es doch besser wissen. Ich würde einen mittleren Betrag darauf verwetten, dass es derzeit kein gängiges Smartphone gibt, dessen Akku „unter Dauerbelastung“ länger als zwölf Stunden hält. Ich meine jetzt, solche, die man beim T-Punkt um die Ecke in die Hand nehmen kann. Dass man vielleicht irgendwo im Internet ein exotisches Fabrikat mit winzigem Schwarzweißdisplay findet, das sowas kann, will ich nicht ausschließen, aber unter den üblichen normal leistungsfähigen Modellen der großen Herstellerinnen doch nicht. Oder verstehen die unter „Dauerbelastung“ was Anderes als wir? Ist das ein Mobiltelefonrezensent(inn)en-Terminus für „Alle zwei Stunden mal nachsehen, ob es noch eingeschaltet ist“

Es wäre jetzt wahrscheinlich nicht angemessen, von gewissen grundsätzlichen Positionen der FAZ auf den Umgang von deren Redakteur(inn)en mit modernen vernetzten Gerätschaften zu schließen, aber die Versuchung ist groß, sich die Gespräche in der Redaktion vorzustellen.

„Was, man kann damit auch SMS schicken?? Dann wird die Akkulaufzeit ja NOCH kürzer!! Ich muss meins ja jetzt schon fast jede Woche laden! Also, manchmal vergess ichs natürlich und merk dann erst ein paar Monate später, dass ich gar nicht erreichbar war, aber …“

Das würde auch erklären, warum solche Berichte in den großen Tageszeitungen immer so exzessiv auf dem Material des Gehäuses, dem Gewicht, der Größe und lauter solchen Sachen rumreiten, die keine Sau interessieren (sollten). Ist euch das auch schon mal aufgefallen?

„Zwar liegt das neue S7 Edge gut in der Hand, aber als Mausunterlage eignet sich das iPad dann doch erheblich besser. Mein kippelnder Esstisch hingegen scheint am ehesten mit dem Nexus 5 kompatibel, das mir meine Frau mal geschenkt hat. Nach wie vor störend ist das Fehlen einer Wählscheibe. Das Erstellen von Fernsprechverbindungen wurde dadurch immer wesentlich erleichtet. Als besonders bedauerlich bewerten wir, dass Samsung sich auch bei diesem Modell wieder dagegen entschieden hat, den Akku mit einem praktischen Schultergurt zu versehen, wie wir ihn bei unserem Siemens C-Netz-Gerät immer sehr zu schätzen wussten …“


Mehr Kriegsmetaphern!

14. Mai 2015

Stellt euch mal vor, ihr wärt Qualitätsmedien. Versetzt euch in die Position von jemandem, dem schon jeden Morgen beim Zähneputzen die Brust schwillt eingedenk der eigenen gar nicht überschätzbaren Bedeutung für die Demokratie, die Zivilisation, die öffentliche Meinung, den Fortbestand der Menschheit an sich, und der sich kaum die Nase putzen kann, ohne zu betonen, wie grundlegend der Unterschied ist zwischen seiner eigenen Seriosität, Investigativität, Objektivität und schieren Informationsgewalt und anderen interessengelenkten ahnungslosen völlig chaotischen und nur von uninformierter persönlicher Meinung getriebenen Medien wie diesem komischen Internet.

Und nun stellt euch vor, ihr wolltet darüber berichten, dass die EU mal bei der Bundesrepublik Deutschland nachgefragt hat, wie sie sich das eigentlich vorstellt, ihre Sonderregelungen zu den freien Berufen mit dem EU-Wettbewerbsrecht übereinzubringen, das genau solche Sonderregelungen eigentlich untersagt. Was denkt ihr, würdet ihr als angemessene Überschrift für einen solchen Artikel wählen?

Genau:

EU attackiert Steuerberater und Architekten

Und um die Art Leser, die ihr mit dieser Art Überschrift angelockt habt, nicht weiter zu irritieren, bringt ihr natürlich in dem Artikel auch keine Gründe für diese niederträchtige Attacke, abgesehen von einem kurzen Alibisatz, in dem ihr darauf hinweist, dass der Internationale Währungsfond auch meint, solche Regeln könnten irgendwie vage für das Wirtschaftswachstum schlecht sein, und dem natürlich sofort das Bundesfinanzministerium umfassend widersprechen darf. Weitere naheliegende Gründe für das Abschneiden dieses grässlichen alten Zopfes der Sonderregeln für Freiberufe wie etwa das Gleichbehandlungsprinzip erwähnt ihr nicht weiter, dafür dürfen aber alle Vertreter von Freiberuflerinteressenverbänden, die ihr vors Mikrofon bekommen habt, ihre alberne Panikmache – natürlich unwidersprochen – in eure Zeilen raunen, zum Beispiel so:

Ausländische Anbieter seien nicht an gleiche Qualitätsstandards gebunden.

Auch könnten gewerbliche Anteilsinhaber Kenntnisse aus der steuerlichen Beratung für die eigene Geschäftstätigkeit verwenden.

Dann beschließt ihr, dass es damit auch gut ist, weil alles Weitere ja tatsächlich sowas wie Recherche erfordern würde, und wenn zwei auf dieses Thema spezialisierte Wirtschaftskorrespondenten für so einen Artikel verantwortlich zeichnen, dann ist es ja eindeutig zu viel verlangt, dass sie den Leserinnen dabei irgendeine Information liefern, die über die unkommentierten Stellungnahmen der beteiligten Interessenverbände und Institutionen hinausgeht, und sei es auch nur irgendwas zu dem eigentlichen Inhalt der Regelungen, um die es geht.

Und weil damit ja Feierabend ist, könnt ihr jetzt gehen und euch frustriert fragen, warum so große Teile des blöden Plebs nicht einsieht, wie wichtig es ist, dass ihr für eure unverzichtbare Leistung im selbstlosen Dienst der Gesellschaft nicht angemessen reichlich bezahlt werdet.


Wie Regina Mönch auf die Idee mit dem Kleidungsverbot kam

16. März 2015

Kleidung gefällt inzwischen vielen Mitteleuropäern, und das Bundesverfassungsgericht legt uns allen nahe, es auch so zu sehen. Man muss dem nicht folgen, nicht einmal dann, wenn noch mehr Politiker ins Schwärmen geraten, mit der jüngsten Entscheidung des Gerichtes sei Deutschland in der „Wirklichkeit“ angekommen. Welche Wirklichkeit eigentlich? Die, wonach es gut ist, die kulturelle Differenz, die polarisiert, das Anderssein, bedrohte Keuschheit und Unterwerfung unter Gott und seine Männer möglichst demonstrativ und öffentlich zu betonen? Was immer die beiden beschwerdeführenden Frauen anführen mögen, warum ihnen das Schamtuch, der Schleier, der vor frivolen Blicken schützen soll, so unverzichtbar ist – wichtig ist vor allem das Signal, das sie damit aussenden. Es zielt auf unser Grundvertrauen in die Gleichheit der Geschlechter, unser emanzipiertes Selbstverständnis.

Immerhin, man darf darauf bestehen, dass eine liberale Sittlichkeit ohne Kleidung auskäme, dass mit der Bluse und dem BH, ganz zu schweigen von Hose oder Rock ein sexualisiertes Frauenbild demonstriert wird. Halten Kinder das aus? Eine Anmaßung, eine Überforderung zudem, die vor allem dort noch mehr sozialen Druck erzeugen wird, wo nackte Menschen – egal, ob sittlich oder liderlich erzogen – heute schon ausgegrenzt und drangsaliert werden.

„Privatschulen – wir kommen!“, twitterte am Samstag ein Vater. Wer diese Wahl aber nicht hat? Wer zum Beispiel seine völlig nackten Töchter in eine Schule schicken muss, in der selbsternannte Sittenwächter, Jungen wie Mädchen, sie mobben, weil sie angeblich sittliche Regeln verletzen? Was tun, wenn Patriarchenväter in Schulen mit einem hohem Anteil bekleideter Schüler den nackten Lehrerinnen nicht mehr nur den Handschlag und die Klassenfahrtzusage für die Töchter verweigern, sondern auf einer sichtbar sittlichen Lehrerin bestehen?

Sie wünsche sich, dass die Freiheit, selbstbestimmt zu leben, irgendwann einmal kein harterkämpftes Privileg mehr sei, schrieb die Schauspielerin Sibel Kekilli vor einer Woche in der F.A.Z.. Sie sprach für die Frauen, die die Zwangsgemeinschaft der strengen sittlichen Regeln gern verlassen würden, es aber nicht schaffen, weil der Preis so hoch ist, weil sie fürchten, verstoßen zu werden. Wer den jüngsten Beschluss des BVerfG für einen Meilenstein der Integration und ein Bekenntnis zur offenen Gesellschaft hält, wird das nie verstehen.


Niemand kann ihnen diese Verantwortung abnehmen

25. Januar 2015

Die nordrhein-westfälische CDU-Landtagsabgeordnete Serap Güler hat einen Gastbeitrag für die FAZ geschrieben. Darin versucht sie, sich mit dem Zusammenhang zwischen Islam und Terrorismus auseinanderzusetzen und fordert:

Wir dürfen uns nicht länger hinter der Phrase verstecken, Gewalt und Terror hätten nichts mit dem Islam zu tun.

Dass sie das ein bisschen merkwürdig macht, könnt ihr daran erkennen, dass ich diesen Artikel geschrieben habe. Was genau schief gelaufen ist, erfahrt ihr, wenn ihr mir hinter die Trennlinie folgt.

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Was unser Leben bislang ausmacht

13. Oktober 2014

ist nach Michael Hanfelds Auffassung anscheinend, dass wir es nicht verstehen.

Na gut. Je nach Interpretation ist da natürlich sogar was dran, und wie so oft, wenn jemand meint, so pathetisch schreiben zu müssen, dass ein Wischmop dem Leser schon nicht mehr reicht, sondern ein Schmalzabscheider großindustrieller Dimensionen benötigt würde, um den Bildschirm jemals wieder ganz sauber zu kriegen, lässt Hanfeld uns jede Menge Spielraum für Interpretation, indem er nämlich nichts Greifbares schreibt, sondern nur Stuss blumig-impressionistisch seine eigenen Emotionen in die Tastatur kippt. Also, mutmaßlich. Vielleicht ist es unfair, Herrn Hanfeld zu unterstellen, was er da geschrieben hat, gebe wirklich sein eigenes Meinen und Sinnen wieder. Vielleicht ist es für ihn ja auch nur ein Job. Ich würde es ihm wünschen.

Äh, wo war ich, der ich vor Kurzem noch über anderer Leute gönnerhaft-herablassenden Stil schimpfte?

Richtig, bei Hanfelds, öh, Artikeldings zu der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Jaron Lanier:

Der Mensch als Schöpfung

[gefunden via altpapier, das man gar nicht nachdrücklich genug empfehlen kann]

Was ist daran das Problem? Naja. Das gleiche wie eigentlich immer, wenn die FAZ zu diesem Thema schreibt: Natürlich ist Kritik an der Arbeitsweise von Google und Amazon und eBay und Paypal und Facebook nötig, wichtig, nützlich. Natürlich tun die schlimme Dinge, und natürlich wünsche auch ich mir, dass wir als Gesellschaft drüber diskutieren, wie wirs besser machen können.

Aber nicht jedes larmoyante Zetern ist Kritik, und bedeutungsschwangeres, aber inhaltsleeres Raunen über finstere Bedrohungen ist kein Beitrag zu einer konstruktiven Diskussion. Und was mich persönlich halt auch immer mehr ärgert:

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Restebloggen-Befreiungsschlag (103)

6. Juli 2014

Dieser Post liegt seit dem 15. März 2014 in meiner Entwürfebox und hat in dieser Zeit kaum kalkulierbaren Schaden angerichtet, indem er sich einerseits aus komplexen Gründen, die zu erklären der Raum in dieser schmalen Marge leider nicht ausreicht, hartnäckig der Veröffentlichung verweigerte, und andererseits auch nicht zuließ, dass weitere Restebloggen-Posts an seiner statt erscheinen. Um diesen für alle Beteiligten (und technisch gesehen natürlich auch für die anderen) unbefriedigenden Zustand zu beseitigen, veröffentliche ich ihn nun einfach, ungeachtet, seines eklatanten Mangels an Akutalität oder sonstiger erfreulicher Eigenschaften, um den Weg für zukünftige Restebloggen-Posts freizumachen.

Ich hoffe auf euer Verständnis.

 

  1. Da sag noch mal einer, Superhelden seien langweilig und letzten Endes alle gleich.
  2. Es gibt zahlreiche Probleme, die insbesondere für sorglose weitgehend gesunde Menschen wie uns hippen jungen schönen und sportlichen Internetbenutzercommunityangehörigen beinahe lächerlich erscheinen, für die Betroffenen aber erheblich dazu beitragen können, dass das Leben keinen Spaß mehr macht. Muskelzittern ist sowas, insbesondere das Essen mit, und so habe ich mich sehr gefreut dass jemand (anscheinend) ein ziemlich wirkungsvolles Hilfsmittel für zumindest einen damit verbundenen Verlust an Lebensfreude gefunden hat: Liftware.
  3. Titanic hat eine sehr gelungene Parodie auf fefe geschrieben, und  fefe hat, so ungern ich das zugebe, sehr souverän drauf reagiert.
  4. Qualitätsmedien und so, ihr wisst schon.
  5. Die Pixelmacher hatten offenbar vor einiger Zeit ihre letzte Sendung (?), und ich finde, sie ist ganz ganz hervorragend geworden. Dringende Ansehempfehlung.
  6. Eigentlich gar nicht so toll, dieser Comic, aber weil ich gerade kürzlich im Zusammenhang mit dem Organspende-Thema drüber nachdachte, wie sonderbar und schade dass doch ist, dass manche Christen, vielleicht sogar viele, ich müsste noch mal nachzählen, es nicht mal schaffen, die paar erfreulichen Dinge umzusetzen, die sich aus ihrem ungerechtfertigten Glauben ergeben könnten, wenn sei ihn ernst nähmen, lass ich ihn drin.
  7. Man, if Satan ever starts losing his hair, there will be hell toupet. Ich krieg mich nicht ein vor Freude, jedes Mal, wenn ich das lese.
  8. [T]he universe is different from our everyday experience. That doesn’t sound like a surprising statement, but we really need to take it to heart. To look at a modern cosmological model and say, “Yes, but what was the cause?” is like looking at someone taking pictures with an iPhone, and saying, “Where does the film go?” It’s not that the answer is difficult or inscrutable, it’s completely the wrong question to be asking. …Why should we expect that there are causes, or explanations, or reasons why in the universe in which we live? It’s because the physical world in which we are imbedded has two important features: There are unbreakable patterns, laws of physics, things don’t just happen, they obey the laws. And there is an arrow of time, stretching from the past to the future. The entropy was lower in the past, increases toward the future. Therefore, when you find some event or state of affairs B today, we can very often trace it back in time, to just one or a couple of possible predecessor events, that we therefore say is the cause of that, which leads to B according to the laws of physics. But crucially, both of these features of the universe that allow us to speak the language of causes and effects are completely absent when we talk about the universe as a whole. We don’t think that our universe is part of a bigger ensemble that obeys laws. Even if it’s part of a multiverse we don’t think the multiverse is part of a bigger ensemble that obeys laws. Therefore, nothing gives us the right to expect some kind of external cause. The idea that our intuitions about cause and effect that we get from our everyday experience of the world should somehow be extended without modification to the fundamental nature of reality is fairly absurd.