Ziemlich rassistische Freunde

3. März 2019

Ja, also, ich hab jetzt Green Book gesehen.

Und darüber will ich mit euch reden, oder schreiben halt.

Weil das ein schwieriger Film ist. Fangen wir mit dem weniger schwierigen Teil an: Ich fand den nett. Hat größtenteils Spaß gemacht zuzusehen, und war handwerklich gut gemacht. Hab jetzt nicht gesehen, was ihn zum besten Film des Jahres macht, aber ja, würd ihn vielleicht empfehlen, wenn jemand solche Filme mag. Hab mich keine Minute gelangweilt, und das heißt schon was, wenn ich 130 Minuten auf eine Sache konzentriert irgendwo sitzen muss. Ist nämlich eigentlich nicht mein Ding.

Aber Green Book ist auch ein problematischer Film. Kennt ihr ihn überhaupt? Ich hab das einfach mal angenommen, aber vielleicht habt ihr ja noch gar nichts davon gehört. Kurzfassung (Jetzt und für alle Zeit übrigens der Hinweis, dass dieses Blog nicht spoilerfrei ist. Wenn wir hier über Geschichten reden, reden wir über Geschichten.): Ein reicher Oberklasse-Musiker heuert einen nicht so reichen Unterklasse-Fahrer an und lässt sich von ihm zu diversen Auftritten vor allem in den Südstaaten der USA fahren. Relevant wird das dadurch, dass der Film 1962 spielt und der Musiker Schwarz ist. Das Green Book ist ein Buch, in dem erklärt wird, wie und wo Schwarze Urlaub machen können, ohne Probleme zu kriegen. „Vacation Without Aggravation“. Und wie das in solchen Filmen immer geht, die beiden erleben diverse Abenteuer und sind am Ende Freunde.

Und ich glaube, in gewisser Hinsicht ist Green Book deshalb auch ein ganz schlimmer, ganz furchtbarer Film. Denn wie soll ich sagen? Ich kann das nicht mit Daten belegen, aber mein Gefühl tendiert dahin, dass diese Art Film mehr Schaden anrichtet, als sie Nutzen stiftet.

Ja, sicher. Green Book erinnert uns daran, wie schlimm das war, damals. Green Book zeigt uns, wie dieser tolle, geniale, sympathische (wenn auch nicht fehlerfreie) Pianist gedemütigt und misshandelt wird und kritisiert damit Rassismus.

Aber Green Book kritisiert Rassismus auf diese Art, wie diese Filme es in meiner Wahrnehmung immer machen: Als wäre er inzwischen erledigt. Er hinterlässt uns mit einem Gefühl von „Toll, dass wir nicht mehr in dieser Zeit leben und so aufgeklärt sind, dass Schwarze heute dieselben Toiletten benutzen und in denselben Restaurants essen dürfen wie Weiße! Ich bin so stolz auf mich, denn ich käme nie auf die Idee, zwei Gläser wegzuwerfen, weil Schwarze daraus getrunken haben, und ich hab auch noch nie jemanden zusammengeschlafen, weil er Schwarz war, so aufgeklärt und modern bin ich nämlich. Schön, dass wir den Mist hinter uns haben.“

Und dann ist natürlich auch diese Sache, dass durch all die Abenteuer, die die beiden erleben, immer wieder dasselbe Muster stattfindet: Der Schwarze Mann kommt in Schwierigkeiten, und der Weiße Mann rettet ihn dann. Manchmal hält der Schwarze Mann sich nicht an die Regeln, die der Weiße Mann ihm auferlegt hat, weil er nicht so besonders vernünftig ist. Aber keine Angst, der Weiße Mann rettet ihn trotzdem.

Eine Sache, die mir gerade einfällt, um das Problem dieses Films und meines Erachtens aller solcher Filme zu illustrieren, ist das mit dem frittierten Huhn. Der Fahrer kauft in einer Szene eine Tüte Kentucky Fried Chicken und ist dann ganz fassungslos, dass der Musiker kein Interesse daran hat, und es auch noch nie gegessen hat. Wo doch alle wissen, dass Schwarze frittiertes Huhn lieben! Und dann drängt er dem immer wieder ablehnenden Musiker das Huhn so lange auf bis der es nimmt, ganz vorsichtig mit spitzen Fingern, weil er kein Besteck hat, und zögerlich davon abbeißt, und natürlich schmeckt es ihm dann. Und das ist lustig. Und ein bisschen später sind sie dann in so 1 Südstaatenvilla, und der Gastgeber sagt sowas wie „Wir haben unsere Bediensteten gefragt, was unser Gast wohl gerne essen würde, und sie haben gesagt: Frittiertes Hühnchen!“ Und dann hebt er so eine Cloche (So heißen die, oder? Ich schlag das jetzt nicht nach, ich glaub an mich.), und darunter ist 1 Berg frittierter Hühnchenteile. Und der Pianist guckt 1 bisschen pikiert. Und das ist auch wieder lustig. Also. Soll es sein. Der Film spielt das als eine komische Szene. Der Film sagt: „Lach, Publikum, über diese absurde Sache, denn sie ist harmlos.“ Aber sie ist nicht harmlos.

Und dann perpetuiert er natürlich auch noch eine ganze Menge weiterer dummer Klischees, natürlich auch Klassismus, dadurch, dass der Musiker halt reich ist, und der Fahrer nicht.

Und, auch so 1 Sache, die mich bei solchen Filmen mit 1 schlechten Gefühl versieht: Am Ende geht es gut aus für den armen reichen berühmten genialen Konzertpianisten. Er darf zwar nicht in dem Restaurant für Weiße essen, aber dann tritt er da halt nicht auf und hat 1 tollen Abend in der Bar für Schwarze, und dann fahren sie nach Hause und feiern zusammen Weihnachten, und irgendwie ist egal, was mit den Schwarzen passiert, die keine reichen genialen Konzertpianisten sind. Einer von ihnen darf kurz stolz grinsen, als der Pianist dem Manager des Restaurants sagt, dass er nicht auftreten wird, und der Manager ihm wutentbrannt Beschimpfungen hinterherschreit, bis ein anderer Schwarzer Kellner ihn anstubst, um daran zu erinnern, dass sich das nicht gehört. Und das ist auch lustig. Da haben die Leute im Kino gelacht.

Und ich hab da stellenweise auch gegrinst oder gelacht, weil der Film das gut macht. Green Book ist handwerklich 1 guter Film. Aber das ist halt auch die Tücke, das macht ihn perfide.

Und vielleicht ist das jetzt auch klassistisch oder irgendwie doof von mir, aber ich nehme mich zumindest auch nicht völlig aus von dem Effekt: Ich glaube, die meisten Leute rezipieren diesen Film so, wie ich es oben dargestellt habe. Sie lachen und natürlich fühlen sie mit den Protagonisten (Männer na klar. Na gut, der Fahrer hat 1 Ehefrau, die zu Hause mit den Kindern auf ihn wartet. Mit viel gutem Willen kann man die auch als wichtige Rolle zählen, schätze ich.), aber sie sind auch erleichtert, dass das alles vorbei ist und nicht ihr Problem. Ich habe mich geschämt, während ich diesen Film gesehen habe, und besonders, während ich über ihn gelacht habe. Und ich hoffe, die anderen auch. Aber ich glaub eher nicht.

Was denkt ihr? Habt ihr Green Book gesehen? Wollt ihr noch? Habt ihr einfach trotzdem 1 Meinung? Immer raus damit!


Avengers

15. Juni 2012

Wenn man wider besseres Wissen ein bisschen hofft, von einem Film angenehm überrascht zu werden, und das dann nicht passiert, ist man dann enttäuscht? Wahrscheinlich nicht.

Aber wenn man hofft, von einem Film auf anspruchslose, aber doch halbwegs angenehme Art unterhalten zu werden, und sich dann aber die ganze Zeit langweilt, dann kann man wohl enttäuscht sein. Und wenn man hofft, weil man es immer und immer und immer wieder gehört hat, dass ein Film seine ideenlosen stupiden ärgerlichen Vorgänger um Klassen übertrifft, und dann aber einfach nur den gleichen lahmen Brei vorfindet wie immer, wenn mal wieder eine Comicverfilmung ansteht, dann vielleicht auch.

Ach geht mir doch alle weg. Warum gehe ich eigentlich noch ins Kino? Ich will eure Filme doch mögen. Echt. Könnt ihr mir nicht wenigstens hin und wieder mal ein kleines Stück entgegen kommen? Es kann doch wirklich nicht so schwer sein.

Pah.


Abbitte

21. August 2011

Das ist jetzt unangenehm. Da habe ich mich gerade eingedenk solcher Erfahrungen wie der mit Black Sheep eben erst abfällig über das Fantasy Filmfest geäußert, und dann fahre ich heute hin, und werde völlig weggeblasen von der schieren Freude an guten Filmen, die mir da den ganzen Tag entgegenweht. Wow.

Es begann mit Get Shorty, einer Sammlung von neun Kurzfilmen. Die waren natürlich nicht alle gleichermaßen fantastisch, aber es war nach meiner Erinnerung kein Totalausfall dabei, und schon eine solche Perle wie „La malediction terrible“ über einen Zombie, der sein Typecasting Leid ist, wäre den Eintritt und die Anreise wert gewesen. Dass es dann außerdem noch Albtraummateriel wie „Hungry Hickory“ über eine gierige kleine Schrankklappe in einem Hotelzimmer, oder Brüller wie „Rise of the Christmas Trees“ gab, ließ mich beinahe darüber hinwegsehen, dass der ver#*?&$!! Ben&Jerry’s-Tresen im Cinemaxx Hamburg Dammtor immer nur dann öffnet, wenn ich gerade woanders bin.

Auf die Shortys folgte mit Julia X 3D ein Film, der meine Erwartungen sogar dann übertroffen hätte, wenn er ausgefallen wäre, so wenig erhoffte ich mir von dem angekündigten Torture Porn, und nur wegen Kevin Sorbo konnten Elmo und ich uns überhaupt überwinden, den saftigen 3D-Ticket-Preis hinzulegen (Naja, für mich war es nicht so schwer, denn er hat bezahlt, aber es geht ja auch ums Prinzip.). Aber dann. Ich weiß auch nicht. Dieser Film über eine junge Frau, die von einem streckenweise überraschend feinsinnigen Serienmörder entführt wird, hält so viel Originalität und einfach umwerfenden Humor bereit, dass ich Seiten darüber schreiben möchte, aber das Programmheft hat schon Recht: Falls ihr mal eine Gelegenheit bekommt, ihn euch anzusehen, ist es durchaus dem Genuss zuträglich, sich überraschen zu lassen. Ich beschränke mich deshalb auf eine kurze Empfehlung: Falls ihr nicht zu empfindlich auf ein bisschen Schmerz und Blut reagiert, und Humor auch in etwas härterer Gewalt noch finden könnt, dürft ihr den nicht verpassen. Dürft ihr nicht. Echt jetzt.

Und nach dem Abendessen haben wir uns nach langem Zaudern – jetzt wieder in Begleitung Keonis und einer weiteren Freundin – Urban Explorer gegeben. Deutscher Film halt, aber da die Alternativer ein französischer Gefängnisausbruchsstreifen war, ist es dann doch der Fahrerbunker geworden, der offenbar wirklich so heißt. Man muss diese Art Horror mögen, der in dunklen, leicht klaustrophobischen Räumen spielt und viel mit Schreckeffekten und musikalischen Crescendos arbeitet. Ich mag ihn nicht und war deshalb streckenweise ein bisschen genervt, aber erstens ist der Antagonist derart gelungen und die Opfer genrerelativ so sympathisch, dass ich den Abspann trotz aller Schwächen mit einem guten Gefühl an mir vorbeirollen sah, und zweitens folgte dem Film noch ein so umwerfend sympathischer Auftritt des Regisseurs und des Produzenten, dass ich der Bitte der beiden sogar gefolgt bin und mich ihr hiermit auch anschließen möchte, die halbwegs wörtlich lautete: „Und falls uns jemand unterstützen möchte, zum Beispiel bei Facebook… Bitte tut es! Bitte! Wir haben nur 350 Likes, das ist soo peinlich, deshalb… Bitte! Bitte!“

Ich bin so begeistert, dass ich gar nicht weiß, ob ich gleich einschlafen kann. Und jetzt fürchte ich, dass der Sonntag, den ich mir eigentlich als Highlight meines diesjährigen FFF-Erlebnisses ausgemalt hatte, da auf keinen Fall mehr mithalten kann. Wir werden sehen.


Ein richtiger Kracher, hm?

13. Dezember 2010

Jesus!

Wow.

Gütiger Himmel.

Wortvogel, ich lese dein Blog gerne, und auch deinen Filmempfehlungen folge ich meistens, wenn es irgendwie passt. Nicht nur, aber auch deswegen haben Keoni und ich uns heute Abend Tickets für „Monsters“ gekauft, den du als „großes Kino“ bezeichnest, und als „richtig fett“.

Und wir sind uns einig, dass wir seit sehr, sehr langer Zeit keinen so uninteressanten Mist mehr ertragen mussten.

In „Monsters“ geht es um einen jungen Mann und eine junge Frau, die für Kinoverhältnisse eigentlich gar nicht mehr so jung sind und aus Mexiko in die USA reisen und dabei die „infizierte Zone“ durchqueren müssen, die so heißt, weil dort riesige polypenhafte außerirdische Monster leben, mit denen die US-Armee sich regelmäßige Scharmützel liefert.

Wie, denkt ihr jetzt vielleicht, das klingt doch gar nicht so schlecht, oder? Stimmt, tut es auch nicht. Ist es aber. Es handelt sich bei „Monsters“ keineswegs um einen Actionfilm, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern eher um ein Roadmovie, wie die Beschreibung auf der CineStar-Homepage auch völlig zu Recht meint. Die beiden Protagonisten und ihre Beziehung zueinander spielen die eigentliche Hauptrolle. Genau das ist auch das Problem, denn die beiden Protagonisten sind ungefähr so interessant und sympathisch wie zwei typische Wurstbrote (ohne Butter), und die Beziehung zwischen diesen beiden Stullen ist ziemlich genauso unterhaltsam und faszinierend in ihrer Entwicklung wie die zwischen meiner Wandfarbe und der Tapete, auf der sie trocknet.

Damit sind wir auch schon bei dem einzigen Punkt in der Kritik des Wortvogels, dem ich zustimmen kann: „Über weite Strecken gibt’s auch gar keine Dialoge, was dem Film dann sehr gut tut“

Das stimmt. Es tut dem Film immer unwahrscheinlich gut, wenn diese beiden unerträglichen Tröten aufhören, so Kopfschmerz verursachenden Stumpfsinn von sich zu geben wie:

„In diesen Häusern haben mal Leute gewohnt. Ich frage mich, wo die jetzt sind.“

Oder, als Beispiel für die sprühende Romantik, die sich zum Schluss erst richtig entfaltet:

„Was hast du morgen vor?“

„Keine Ahnung. Und du?“

„Keine Ahnung.“

Im Ernst, das geht die ganze Zeit so! Die Drehbuchautoren müssen ihre Dialoge von echten Gesprächen abgeschrieben haben, die sie im Bus oder in der Studiokantine belauscht haben. Ich war fortwährend versucht, mit Lebensmitteln nach der Leinwand zu werfen, und das ist eigentlich gar nicht meine Art. Wirklich.

„Wahnsinnig wenig Exposition“ meint der Wortvogel. Ja, na gut, das stimmt im Großen und Ganzen, weil die Dialoge in Monsters wie gesagt keine Information transportieren, sondern schiere, hochkonzentrierte Langeweile in lebensbedrohlicher Dosis.

Trotzdem schaffen es die Erzeuger dieses toxischen Abfalls, ein Stück so unerträglich peinlicher und am Ende auch noch völlig überflüssiger Exposition in ihrem Machwerk unterzubringen, dass es schon körperlich weh tut. Ihr müsst dazu zunächst wissen, dass, wann immer in Monsters irgendwo ein Fernseher zu sehen ist, er dieselben Bilder zeigt, nämlich eine unwahrscheinlich billig wirkende („Wirkt niemals billig“, sagt der Wortvogel. Er muss sich im Kinosaal geirrt haben. Ja. Das muss es sein.) CGI-Sequenz, in der eines der riesigen Cthulu-Monster sich vor schwarzem Nachthimmel mit der Armee prügelt. Darunter steht übrigens immer derselbe Bauchbindentext, der aber (in der deutschen Fassung, die wir gesehen haben) jedesmal anders übersetzt wird. Nur einmal sehen wir etwas anderes. Einmal, als die Protagonistin in ihrem Hotelzimmer auf dem Bett sitzt, läuft eine Dokumentation über Tiefseetiere, die mittels Biolumineszenz Weibchen anlocken und sich dann paaren, indem sie sich mit ihren Tentakeln berühren.

Ihr dürft jetzt raten, was wir gegen Ende des Films zu sehen bekommen. Ja, ganz richtig, zwei Cthulu-Monster, die ihre Tentakel aneinander reiben und dabei leuchten. Und jetzt dürft ihr raten, wofür das gut ist und was das mit dem Plot zu tun hat. Wieder richtig: Für nichts, und gar nichts, weil es keinen gibt. Ganz genau.

So, und jetzt noch einmal für alle, bei denen die Botschaft noch nicht angekommen ist:

Monsters: NICHT sehen. KEINE Tickets kaufen. GROßRÄUMIG ausweichen.

Was muss man für ein Mensch sein, um so ein Drehbuch zu lesen und zu denken: „Wow, ja, das ist es, daraus machen wir einen Kinofilm!“? Wie umfassend muss man die Achtung vor sich, vor anderen Menschen und vor dem eigenen Beruf verloren haben, um einem Publikum sowas zuzumuten und auch noch Geld dafür zu nehmen? Und warum zischen und klappern die Tentakel der Monster eigentlich? Welchen Sinn ergibt denn das? Und warum-

Wie? Was? Ich könnte jetzt auch so langsam aufhören? Ihr habt verstanden?

Na gut.

Dann schimpfe ich jetzt noch eine Weile still vor mich hin, bis ich mich ausreichend beruhigt habe, um einschlafen zu können.

Kann aber noch eine Weile dauern.

Hatte ich schon gesagt, dass ihr euch Monsters lieber nicht…? Ja? Ach so.

Na gut…


Immerhin glitzern sie nicht

17. November 2010

Gestern Abend haben Keoni und ich „Låt den rätte komma in“ („Let the Right One In“ / „So finster die Nacht“) gesehen.

Falls ihr noch nichts davon gehört haben solltet, findet ihr bei Chlorine eine sehr schöne Zusammenfassung samt einer zweiten Meinung.

Executive Summary: Es geht um Oskar, einen zwölfjährigen schwedischen Jungen, der von seinen Klassenkameraden misshandelt wird, und um Eli, ein (schon sehr lange) zwölfjähriges Vampirmädchen (ungefähr), das sich mit ihm anfreundet. Der Film erzählt seine Geschichte auf eine sehr langsame, wirklichkeitsnahe, ereignisarme Weise, und legt dabei keinerlei Wert auf ästhetische Bilder. Wie im richtigen Leben gibt es keinen Helden, keinen Bösewicht, und eigentlich auch kein Ende.

Es ist einer dieser Filme, die ich nicht in wenigen Worten beurteilen kann. Die ich vielleicht gar nicht beurteilen kann. Es ist einer dieser Filme, während denen ich mehrmals auf die Uhr sehe, weil ich mich ziemlich langweile, aber ich fühle mich schlecht dabei, weil ich gleichzeitig das Gefühl habe, dass ich begeistert sein sollte. Und wenn er vorbei ist, denke ich noch sehr lange darüber nach, mit dem Gefühl, dass da etwas Großes in dieser Geschichte war, aber auch mit dem Bedauern, dass nicht mehr davon da war. Aber andererseits war es vielleicht gerade dieser Umstand, der den Film so groß macht.

Es ist, denke ich, einer dieser Filme, die umso besser werden, je länger ich sie nicht gesehen habe.

Wenn ich ehrlich sein soll, muss ich sagen, dass „Låt den rätte komma in“ mir nicht gefallen hat, aber ich bin froh, dass ich ihn gesehen habe. Es ist vielleicht auch einer dieser Filme, die mich so lange nicht loslassen, bis ich selbst eine Geschichte über dasselbe Thema geschrieben habe.

Versteht ihr, was ich meine?


Biss an die Grenze des Erträglichen

20. November 2009

Der Wortvogel hat einen Verriss von „Twilight“ geschrieben, in der Hoffnung, damit Traffic zu generieren und sich den Zorn der jugendlichen Fans der Reihe zuzuziehen. Guter Plan. Ich will nicht voreilig sein, aber zumindest mit letzterem Anliegen scheint er überraschend gescheitert zu sein. Der einzige halbwegs kontroverse Kommentar bisher kommt aus der „Klar ist das unfassbarer Kitsch, aber das darf doch auch mal sein“-Ecke, und das spricht zwar für Wortvogels Leser, kann als Ergebnis aber trotzdem nicht recht befriedigen. Ich habe genauso wenig wie Torsten Dewi jemals was von Twilight gesehen oder gelesen, aber ich habe mich mal von seinem sehr gelungenen Rant inspirieren lassen, im Interesse der angestrebten Kontroverse aber versucht, die Sache leicht anders anzugehen. Ich hoffe, er nimmt mir den Ideenklau nicht übel.

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Was sagt ihr dazu? Wow, oder? Ich meine, das Bild, und… Wow, oder? Und ich finde eigentlich alles andere an Twiligt auch genauso… Wow!  Allein schon der deutsche Titel! Deutsche Titel sind normalerweise einfallslos, billig und peinlich, sie setzen auf Wortspiele, die sogar einem Dreijährigen zu blöd wären und außerdem noch keinen Sinn ergeben, außerdem sind sie alle gleich. Aber bei Twilight hat sich ausnahmsweise mal jemand richtig Gedanken gemacht. Weil, ich meine, so: Bis(s) zum Morgengrauen – ist das nicht genial? Kurz, einprägsam, und witzig. Versteht ihr, weil Bis zum Morgengrauen ja heißen würde, bis dahin, also zeitlich, und mit dem S in der Klammer zusammen würde es aber Biss heißen, wie von Beißen, und das passt ja auch, weil Edward ja ein Vampir ist! Clever, ne? Außerdem heißen ja auch alle vier Bücher und die Filme auch so ähnlich, und das wird dadurch aber überhaupt gar nicht langweilig, sondern ist voll das coole Geheimsprachen-Erkennungszeichen, das nur die Insider verstehen! Wenn schon der Titel ein so cremiges Grinsen in mein Gesicht zaubert, wie phantastisch muss dann erst der Rest der Story sein?

Ich sag’s euch: Ganz phantastisch!!!!! Ich meine, das ist, so, stellt euch das mal vor: Da ist dieser Vampir, und der ist total cool und geheimnisvoll und sexy und echt stark, ist ja klar, weil er ein Vampir ist, und der ist aber völlig harmlos, also gar nicht gefährlich, der tut niemandem weh, der beißt nur Tiere. Und man muss sich auch tagsüber keine Sorgen um ihn machen, denn – jetzt kommt überhaupt das Beste, finde ich – die Sonne ist überhaupt nicht gefährlich für ihn, sie macht bloß, dass er glitzert!!! Ist das nicht wundervoll? Das heißt, dass Bella ganz toll mit ihm gehen kann, ohne dass es irgendwelche Probleme gibt, und sie ist dabei trotzdem total eigensinnig und anders und eine Außenseiterin und so, und er auch, und total geheimnisvoll und soooo cool!!

Besonders fabelhaft finde ich, dass die beiden so irre romantisch miteinander umgehen. Da wird nicht eklig rumgemacht, und es gibt keinen Sex – Die sind schließlich nicht verheiratet! – und stattdessen gibt es aber richtig liebevolle Blicke, die ganze Zeit, und man sieht Bella richtig an, wie sie Edward liebt, und wie sie um Atem ringt und völlig überwältigt ist, wenn die beiden sich wieder anschauen. Da muss ich immer ganz laut seufzen! Ungefähr so: Haaach!!!

Aber es ist jetzt nicht nur so’n Zeugs, es gibt auch was Spannendes. Edwards Vampirfamilie, das sind ja die guten Vampire, aber es sind nicht die einzigen. Es gibt auch die bösen Vampire, und die sind total – ähm – böse. Das erkennt man auch ganz leicht, weil die unter ihren offenen Jacken immer so Ketten mit großen Anhängern dran tragen, und weil sie immer so von Nebel umwabert werden, und das ist total unheimlich, aber auch irgendwie spannend und cool. Man weiß ja, es wird alles gut, weil Edward beschützt einen ja. Haaach…

Ich fühle mich schon ganz wohlig und wattig eingepackt, wenn ich nur an Bella und Edward und alle ihre Freunde denke, und ich kann es kaum erwarten, bis ich endlich meinen Lobotomie-Termin kriege, damit ich endlich auch alle Bücher von Stephenie Meyer lesen und alle Twilight-Filme sehen kann! Das wird bestimmt total schööööön!!!!!!