Und alle so: „Is‘ jetzt auch mal wieder gut!“

21. September 2009
  1. Und alle so: Yeaahh! Wahrscheinlich kennt es inzwischen schon jeder, aber ich finde es immer wieder lustig.

So wollte ich diesen Link ursprünglich in der Rubrik Restebloggen präsentieren. Aber seitdem ist ein bisschen was passiert, und jetzt passt er dort nicht mehr rein, deswegen steht er hier. Das Plakat fand ich noch sehr, sehr lustig. Aber dann gab es einen Song, und es gab einen Aufruf zum Flashmob. Na gut, dachte ich. Kann ich mir jetzt nicht so recht vorstellen, aber mal sehen.

Der Flashmob wurde während der Merkel-Rede abgehalten und sah offenbar so aus, dass die Mobber nach jedem Halbsatz laut „Yeaahh!“ geschrien haben. Hm. Natürlich verdient die Politik der CDU und auch die Rede der Kanzlerin Kritik, und die darf auch gerne humorvoll sein. Aber den Flashmob finde ich nicht lustig. Vier-, fünfmal, das wäre vielleicht lustig gewesen. Nach jedem Halbsatz ist einfach nervig, und ich mag einfach diese Tendenz nicht, dass, wenn mir nicht gefällt, was jemand sagt, ich dann hingehe und dazwischenschreie.

Dann kamen noch die Kommentare bei Spreeblick dazu, und das war der Zeitpunkt, zu dem ich das Foto von dem „Yeaahh!“-Plakat wieder von meinem Desktop-Hintergrund entfernte, weil ich es nicht mehr sehen konnte. Die Art, wie sich dort gegenseitig auf die Schulter geklopft und jede Kritik weggebissen wird, die finde ich ziemlich widerwärtig. Mann, sind wir lustig und politisch aktiv, Mann, haben wir es denen gezeigt, und wer das nicht für die Zukunft der Demokratie hält, der hat den Witz nicht verstanden.

Überhaupt möchte ich zum Thema Protest mal was Grundsätzliches sagen: Manche Leute scheinen der Meinung zu sein, sie wären politisch aktiv, wenn sie nur möglichst deutlich und laut sagen, dass sie Politik doof finden und alle Politiker doch eh lügen. Aber das reicht nicht. Wenn Protest Sinn ergeben soll, und wenn Demonstrationen etwas bewirken sollen, dann brauchen sie meiner Meinung nach nicht nur den „Dagegen“-Inhalt, sie brauchen auch was Konstruktives.
Nicht wer sagt, dass der Fluss schmutzig ist, ist ein Aktivist, sondern derjenige, der ihn sauber macht.
Damit scheidet der „Yeaahh!“-Flashmob als Beitrag zum politischen Diskurs aus, es bleibt die Funktion als Witz. Und ich fand’s nicht lustig.