Go vegan?

21. Juli 2010

Das beschäftigt mich schon sehr lange, und ich komme einfach nicht so richtig zu einem Schluss. Deswegen hoffe ich auf euer Verständnis, wenn ich euch mal meinen ungeordneten Gedankensalat hier hinschütte und hoffe, dass ihr mir helfen könnt, ein bisschen was draus zu machen. Los geht’s:

Ich bin kein Vegetarier. Ich esse fast alles. Thunfisch, Milchprodukte, Bärentatze, Kalbsleber, Gänsebraten, Rotkohl, Spinat, Schokolade, Sauerkraut, Steak, Eier, Käse, Brot, Müsli, Seelachs, Royal mit Käse, Paprika, Zwiebeln, Chili, Erbsensuppe, Brokkoli und Cabanossi, manchmal sogar Sellerie.

Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich damit ethisch besonders sicher stehe. Früher habe ich Vegetarier einfach ausgelacht, und Veganer erst recht, komischer Quatsch, was macht man sich das so schwer, wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch?

Aber komischer Quatsch ist natürlich eher meine Begründung, nicht die der Vegetarier. Wenn ich das Ganze mal konsequent durchdenke, sieht es aus meiner Sicht eigentlich so aus: Ich billige vielen Tieren zu, dass sie ein Bewusstsein haben und in einem bedeutungsvollen Sinne Schmerz empfinden können. Das Leben mancher Tiere hat aus meiner Sicht einen schwer bezifferbaren, aber jedenfalls nicht unerheblichen Wert.

Ich würde ein Kaninchen nicht einfach so töten, wenn es nicht nötig ist. Und es ist nicht nötig, dass ich Kaninchen esse. Es gibt genug andere Sachen, die ich essen kann, und die es ziemlich sicher nicht stört, wenn sie für mich sterben müssen. Werde ich deshalb also doch Veganer?

Noch nicht. Und sicher auch nicht ganz, denn ich denke, dass man da differenzieren muss. Über den Stand der Wissenschaft bin ich mir nicht ganz im Klaren, aber wie ich es einschätze, sind zum Beispiel die meisten wirbellosen Tiere nach keiner sinnvollen Definition bei Bewusstsein. Fliegen und Spinnen sind, soweit ich weiß, nicht viel mehr als biologische Automaten, und ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich aus Versehen auf eine trete. Bei Kühen, Hunden und Elefanten sieht das zum Beispiel ganz anders aus. Und für Elche würde ich auch bremsen. Tierische Produkte wie Käse oder Eier machen mir wiederum nicht so viel Kummer. Milchkühe haben vielleicht kein perfektes Leben, aber dass es ihnen auf einem anständig geführten Bauernhof wesentlich schlechter geht als in freier Wildbahn – sowieso eine merkwürdige Vorstellung, oder? – bezweifle ich doch.

Intuitiv würde ich sagen, dass man Fische auch essen kann, ohne sich Gedanken zu machen. Die wirken auf mich auch nicht, als würden bei ihnen höhere geistige Prozesse ablaufen. Aber da bin ich mir schon gar nicht mehr sicher, ob das vielleicht auch nur daran liegt, dass sie so fremdartig und überhaupt nicht knuddelig sind.

Um es kurz zu machen: Es gibt wohl unbezweifelbar Tiere, denen ich ein Bewusstsein und sowas wie Rechte zugestehe, und die ich trotzdem esse. Kühe, Hasen, und Schweine zum Beispiel. Tintenfische sollen auch sehr klug sein, und die esse ich auch. Ich tue das, weil ich es immer schon getan habe, und weil es die meisten anderen Menschen auch tun, aber es fiele mir schwer, eine ethisch saubere Begründung anzugeben. Was meint ihr? Seid ihr Vegetarier? Seid ihr begeisterte Fleischesser? Seid ihr Bewusstseinsforscher und könnt Erkenntnisse über die mentalen Funktionen verschiedener Tierrassen mit mir teilen? Seid ihr Stubenfliegen und furchtbar sauer auf mich, aber unfähig, eine Tastatur zu bedienen? Lasst es mich bitte wissen!