Kann man vom Journalismus „Die Wahrheit“ erwarten?

2. Januar 2019

Ja gut, das mit dem Was-anderes-probieren hat sich nicht bewährt. Mach ich halt wieder, was ich immer mache:

Es gibt Bemerkungen, die komplett der Wahrheit entsprechen, aber trotzdem absolut nicht in Ordnung sind, etwa wegen Kontext und Formulierung, weil alles, was wir sagen, immer auch etwas impliziert, das über den reinen Wortlaut hinausgeht, zum Beispiel durch den Kontext oder die Wortwahl, oder so.

Normalerweise nehme ich dafür als Beispiel:

„Es gibt Migranten, die deutsche Frauen vergewaltigen.“

Das ist eine völlig zutreffende Bemerkung. Niemand kann das vernünftigerweise bestreiten. Aber es ist trotzdem ein Satz, der nach meinem Kenntnisstand selten von jemandem gesagt oder geschrieben wird, der kein Armleuchter ist. Das hat verschiedene Gründe. Einer der wichtigeren ist meines Erachtens, dass ich mit dem Sagen so eines Satzes nicht nur seinen nackten Inhalt zum Ausdruck bringe, sondern zum Beispiel auch, dass ich finde, es wäre wichtig, ihn zu sagen, weil er eine Information enthält, die nicht nicht genug Leuten bekannt ist, und oder weil ich will, dass bestimmte Konsequenzen daraus folgen. Wenn ich sage: „Ich habe Hunger!“, wird das üblicherweise ja auch nicht nur mit „Aha“ quittiert.

Ergibt das Sinn? Finde ich auch. Dann schauen wir uns doch jetzt mal 1 anderes Beispiel an. Stephan Hebel titelt seinen Leitartikel bei der Frankfurter Rundschau mit

Der Fall Claas Relotius – Absolute Objektivität gibt es nicht

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