Gegenteilwoche: Restebloggen kurz nach dem Wochenende (55)

13. September 2010
  1. Bisher war ich ja total auf Sarrazins Seite, aber seit ich erfahren habe, dass er in einer Talkshow-Pilotsendung Benjamin von Stuckrad-Barre vom „Wer bin ich?“ einen Zettel mit der Aufschrift „Josef Goebbels“ auf die Stirn gepappt hat, ist er auch bei mir für alle Zeiten unten durch. Irgendwo hört der Spaß auch auf.
  2. Immer wieder gerne lese ich das Blog des Wegbegleiters. Er hat mich gebeten, nicht mehr zu kommentieren, aber lesen darf ich seine Beiträge noch, deren Inspiration und tiefe Einsicht in die Heilige Schrift und unsere Beziehung zu Gott mich jedes Mal wieder tief bewegen.
    Wir treten ein in eine neue Perspektive auf diese Welt, die eben nicht nur materiell ist, die auch nicht mehr zu trennen ist zwischen sichtbar und unsichtbar. In Christus fließen die Dimensionen zusammen und unser Gebet macht nichts anderes, als bewusst auf die Ebene des Himmels zu treten und diesen in die Sichtbarkeit zu beten.
    Wo welche sind, lohnt sich auch immer ein Blick in die Kommentare.
  3. F!xMBR schreibt unterhaltsam und dabei doch informativ und sachlich wie immer über die Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke:
    Während Kinder in diesem Land hungern, werden anderen Gruppen Milliarden zugespielt: erste Schätzungen sprechen von zusätzlichen 50 Milliarden Euro, die in die Taschen der Atomindustrie fließen.
    Und mal wieder denkt niemand auch nur einen Augenblick an die Kinder. Außer F!xMBR halt.
  4. Spreeblick hatte da diese fantastische Idee, sich eine beleuchtete Sprechblase zu kaufen, und seitdem gibt es jeden Tag einen neuen Wahnsinnsspruch darauf, wie zum Beispiel das unvergessene „Yeaah!„, von dem man buchstäblich nie genug kriegen kann, oder – auch so ein Evergreen: „Nicht wirklich„.
    Ich bereue schon richtig, die aus dem Feedreader geworfen zu haben.
  5. Völlig zustimmen kann ich darüber hinaus ausnahmsweise Spalanzani, wenn es um spekulativen Realismus geht, obwohl ich sein Blog ansonsten nur sehr ungerne lese.
    Daß man über die Wirklichkeit nicht mehr sagen könne, als die Naturwissenschaft sagt, ist offenbar falsch (es geschieht dauernd), daß man nichts sinnvolles sagen könne, ist wie alle Behauptungen dieses Typs zwar geeignet, die Debatte zu beenden, macht aber nicht klüger. Vielleicht sollte man schweigen, aber ach, wie schwach sind wir Menschen, wenn wir neugierig sind.
    Fast so schön wie beim Wegbegleiter, nur nicht so sattelfest in der Heiligen Schrift.
  6. Mit diesem letzten Gegenteilbeitrag endet die Gegenteilwoche. Ich hoffe, sie hat euch genausoviel Spaß gemacht wie mir. Vielen Dank für die Diskussionen, auch und gerade weil sie ein bisschen sonderbar waren.
  7. Ganz zum Schluss noch mal was ganz ohne Gegenteilaspekt, einfach, weil’s so schön ist:

    see more Historic LOL

Gegenteilwoche: Und der Laizist wundert sich

9. September 2010

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=christianity&iid=308745″ src=“http://view1.picapp.com/pictures.photo/image/308745/man-holding-crucifix/man-holding-crucifix.jpg?size=500&imageId=308745″ width=“234″ height=“234″ /]

Drüben bei Kraftwort diskutiert so ein Häretiker gerade mit dem Blogpastor über Laizismus oder so, und das hat mich auf die Idee gebracht, mal was zur Trennung von Kirche und Staat zu schreiben. Eines der meistüberschätzten Konzepte der Neuzeit, und letzten Endes nur verlogene Heuchelei in meinen Augen.

Wir leben in einer repräsentativen Demokratie. Und wie wählen wir unsere Repräsentanten? Genau, auf der Basis ihre Überzeugungen und ihrer Fähigkeit, unsere Interessen zu vertreten. Und warum sollte nun ein Repräsentant des Volkes seine Religion an der Tür des Bundestags abgeben müssen, ganz besonders dann, wenn dieses Volk zu weit über zwei Dritteln religiös und zu mehr als der Hälfte christlich ist?

Warum bitte ist es in Ordnung, wenn ein Bundeskanzler ein Kapitalist ist, eine Physikerin, ein Sozialdemokrat, ein Humanist, ein Liberaler oder ein Tierschützer ist, aber dass er Christ ist, muss er für sich behalten und darf um Gottes Willen sein Verhalten nicht beeinflussen, und auch nicht seine Gesetzvorhaben? Warum dürfen unsere Schulen Evolution unterrichten, Politik, und den Urknall, aber Religion soll darin nichts zusuchen haben? Was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn sie Killerspiele, Death Metal, Splatterfilme und Glücksspiel legalisiert, aber Kruzifixe aus den Schulen verbannt?

Genau. Es sagt, dass diese Gesellschaft das rechte Maß verloren hat, und dass sie ihre Grundlagen vergessen hat. Denn was ist die Grundlage unserer Gesetze, unserer Moral und unserer Werte? Genau: Unsere gemeinsame christliche Tradition, die Zehn Gebote, die Bergpredigt, die unsterblichen Worte Jesu Christi im Evangelium. Wir können versuchen, diese Wurzeln unseres Zusammenlebens zu leugnen, aber damit belügen wir uns letzten Endes nur selbst in dem Versuch, uns selbst auf eine Stufe mit Gott zu stellen, indem wir uns selbst zum Autor und Richter unserer Moral machen. Dieser Versuch ist zum Scheitern verurteilt.

Denn was ist Moral noch, wenn jeder sie sich selbst zurechtlegen kann, wie er will? Genau: Anarchie. Moral ohne Gott ist nicht denkbar, denn Moral ist nur dann wirklich Moral, wenn sie absolut gilt und klare Regeln schafft. Das kann nur ein Gott, eine unanfechtbare oberste Instanz des Guten, die uns nicht nur unmissverständlich sagt, was richtig und falsch ist, sondern auch, welche Konsequenzen wir zu erwarten haben, wenn wir das Falsche tun.

Gott lehrt uns Demut, und er lehrt uns Liebe, und er lehrt uns, unsere eigenen Fehler zu erkennen, und das ist eine Lektion, die wir alle gebrauchen können. Wenn wir sie gut verstehen, dann schützt sie uns vor der Hybris, die uns zu solchen Fehlern verleitet, wie wir sie heute jeden Tag in der Zeitung lesen können: Klonen, Gengemüse, Ernten von Stammzellen aus Embryonen, Entweihung des Sakraments der Ehe.

Ich bin der Meinung, dass unsere Volksvertreter, unsere Beamten, unsere Polizisten und unsere Richter nicht nur ihre religiöse Überzeugung vertreten dürfen sollten. Wir sollten es von ihnen erwarten. Denn wenn Moral ohne Gott nicht existieren kann, dann fehlt den Gottlosen Moral und Anstand, und in einer Gesellschaft ohne Moral und Anstand wollen wir doch alle nicht leben, oder?


Gegenteilwoche: Love is all around

8. September 2010

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass das deutsche Glücksspiel-Monopol nicht mit europäischem Recht vereinbar ist. Der EuGH eröffnet privaten Veranstaltern damit die Möglichkeit, den Spieltrieb der Menschen zu ihrem eigenen Profit auszunutzen, ohne dass der Staat wie bisher durch sein Monopol die Möglichkeit hat, dies in geordnete Bahnen zu lenken und ein Ausufern der Geschäftemacherei zu verhindern.

Der bisher bestehende Staatsvertrag gestattete nur den staatlichen Lottogesellschaften, Wetten auf Sportereignisse anzubieten, um uns alle vor der starken Suchtgefahr zu schützen, die von Glücksspielen ausgeht. Damit war nicht nur sichergestellt, dass die Spielsucht der Kunden nicht völlig hemmungslos ausgenutzt wird und Abhängige stets über Beratungs- und Hilfemöglichkeiten informiert wurden, sondern auch, dass ein erheblicher Teil der Einnahmen wohltätigen Zwecken zu Gute kommt. Damit könnte es nun vorbei sein.

Doch glücklicherweise hat der EuGH eine Möglichkeit offen gelassen, das Monopol zu retten und weiterhin zu verhindern, dass private Unternehmen sich am Glücksspiel bereichern: Wenn es Deutschland gelingt, eine konsequente und einheitliche Regelung zum Schutz der Bürger vor allen Arten von Glücksspiel zu schaffen, dann ist das europarechtlich wiederum zulässig. Der Weg ist also klar: Schluss mit privaten Spielhallen, weg mit den privat betriebenen Spielautomaten aus Bahnhöfen, Kneipen und Autobahnraststätten, damit endlich umfassend sicher gestellt ist, dass nur vertrauenswürdige staatliche Stellen mit der verantwortungsvollen aufgabe betraut werden, uns eine Möglichkeit zu geben, unseren Spieltrieb in ungefährlicher und sozialverträglicher Weise auszuleben!

[PS: Ja, Überschriften ist ein neuer Tiefpunkt in meiner Tradition dummer Wortwitze in Überschriften, aber der Kombination aus ziemlich peinlicher Dummheit und Anspruch konnte ich einfach nicht widerstehen. Ich bitte um Entschuldigung. Und, ja, ich weiß, ursprünglich ist das Lied von den Troggs.]


Gegenteilwoche: Ampelmännchen

7. September 2010

Nachdem mein erster Gegenteilartikel so kontrovers gewählt war, dass mir von meinen eigenen Argumenten stellenweise ein bisschen übel wurde, schalte ich heute mal einen Gang zurück und berichte von der Verbraucherschutzfront.

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=traffic+light&iid=282395″ src=“http://view4.picapp.com/pictures.photo/image/282395/low-angle-view-traffic/low-angle-view-traffic.jpg?size=500&imageId=282395″ width=“234″ height=“237″ /]
(Symbolbild)

Ministerin Aigner hat versagt. Die deutsche Regierung ist vor den Partikularinteressen einer Branche eingeknickt und hat sich zum Dienstleister der Nahrungsmittelindustrie gemacht. Der Geschäftsführer von Food Watch, Thilo Bode, kritisiert, dass es der Politik am Willen fehlt, auch mal etwas gegen die Industrie zu entscheiden, und das ist auch kein Wunder, wenn die Nahrungsmittellobby eine Milliarde Euro ausgibt, um die von Food Watch gemeinsam mit Krankenkassen, Kinderärzten und Sozialverbänden geforderte Ampelkennzeichnung auf Lebensmitteln zu verhindern.

Wie einfach hätte es sein können? Auf einen Blick hätten wir alle erkannt, ob Lebensmittel viel, wenig oder eine mittlere Menge Fett, Zucker oder Salz enthalten. Ein Kinderspiel wäre es gewesen, zu erkennen, ob wir Gesundes kaufen oder uns krank futtern. Und gekostet hätte es auch niemanden was, denn die Ampelkennzeichnung hätte keinen zusätzlichen Aufwand bedeutet, da sie nur die ohnehin schon vorgeschriebenen, für die meisten Verbraucher aber völlig unverständlichen und nutzlosen Inhaltsstoffangaben veranschaulicht.

Wie wenig ist unserer Politik eigentlich der Verbraucherschutz und die gesunde Ernährung nicht zuletzt auch unserer Kinder wert, wenn sie nicht einmal so eine einfache und doch so hilfreiche Regelung gegen die mächtige Wirtschaft durchzuboxen bereit ist?

Wenn wir nicht einmal eine Kennzeichnungspflicht für übermäßig fett- oder zuckerhaltige Lebensmittel auf die Reihe bekommen, müssen wir uns wohl erst gar keine Hoffnung machen, eines Tages sicher sein zu können, dass „Schinken“ nicht nur aus Fleischresten zusammengeklebt, sondern wirklich echter Schinken ist. Wie auch, wenn die Lebensmittellobby sogar in Brüssel die Gesetze mitformuliert?

Armes Deutschland.


Gegenteilwoche: Ich fange mal vorsichtig an und steigere mich von hier, ok?

6. September 2010

Für den Anfang also leichte Kost zum Eingewöhnen. Wie wäre es mit… Hm… Eugenik?

Sarrazin hat es den Job gekostet, aber ich bin glücklicherweise kein Bundesbankvorstand, deswegen sage ich noch einmal, was er nicht sagen durfte: Wenn man die Menschen sich selbst überlässt, züchten sie uns zu Grunde. Die Basisüberlegung ist in meinen Augen nicht von der Hand zu weisen: In unserer Gesellschaft haben diejenigen die meisten Kinder, die, sagen wir mal, wirtschaftlich, kulturell und intellektuell eher zum unteren Drittel gehören. Je gebildeter und fortschrittlicher jemand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er mit Verhütungsmitteln umgehen kann und sich bewusst Gedanken macht um seine Familienplanung.

Das führt dazu, dass die Gene der Unterschicht langsam aber sicher unseren Genpool übernehmen, während die High Potentials und Leistungsträger aussterben oder zumindest weniger werden.

Darüber hinaus: Erbkrankheiten. Sicher, manche sind eher harmlos wie Farbenblindheit, aber es gibt auch ernste, und in meinen Augen begehen zwei Menschen, die wissen, dass ihre Kinder mit Lupus geboren werden, und trotzdem welche zeugen, genauso Kindesmissbrauch als würden sie gesunde Kinder mit einer furchtbaren Krankheit infizieren. Oder seht ihr da etwa einen Unterschied?

Die Antwort wäre einfach: Genauso, wie man einen Führerschein braucht, um ein Auto zu fahren, oder wie man ein Gewerbe anmelden muss, oder wie man eine Konzession für eine Kneipe braucht, sollte man auch für Kinder getestet werden und eine Konzession beantragen müssen. Auf diese Weise könnte sichergestellt werden, dass keine Kinder mehr HIV-positiv geboren werden, oder mit Spina Bifida. Könnt ihr euch vorstellen, wie viel Leid der Welt dadurch erspart bliebe?

Es soll auch keiner sagen, so etwas wäre in einem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat nicht möglich. Was ist denn das Inzest-Verbot in § 173 StGB, wenn nicht eine Eugenikvorschrift? Was sonst könnte rechtfertigen, dass Bruder und Schwester sich strafbar machen, wenn sie Sex haben, Schwester und Schwester aber nicht? Sogar in der jünsten Entscheidung des BVerfG hierzu werden mögliche Geburtsschäden der Nachkommen als Argument für das Verbot anerkannt. Der Begriff Eugenik taucht dabei übrigens auch explizit auf.

Warum bleiben wir auf halbem Wege stehen? Wenn Geschwister miteinander ein Kind zeugen, besteht die Gefahr, dass dieses Kind Erbschäden trägt. Wenn zwei Menschen mit einer Veranlagung für Chorea Huntington ein Kind zeugen, besteht nicht nur die Gefahr, es ist sicher. Können wir als Gesellschaft so etwas zulassen?

Ich will nicht leugnen, dass das eine Umstellung wäre und auf den ersten Blick unmenschlich scheint. Es widerstrebt unserer Intuition, dass ein natürlicher Akt wie das Zeugen eines Kindes einer behördlichen Genehmigung bedürfen soll. Aber das liegt nur daran, dass wir es nicht anders kennen. Wenn man sich von obsoleten Traditionen trennen und die Lage sachlich betrachten kann, kann man nur zu einem Ergebnis kommen: Die Gesundheit unserer Kinder muss uns diesen Preis wert sein.


Aktion: Gegenteilwoche bei überschaubare Relevanz

6. September 2010

Andere Leute mögen schon mit einem Gegenteiltag zufrieden sein, aber mir reicht das natürlich bei Weitem nicht, nein, für mich muss es gleich eine ganze Gegenteilwoche sein. Hier ist der Plan:

Ich werde von jetzt an für ungefähr eine Woche hier jeden Tag einen Artikel veröffentlichen, der nicht meine Meinung wiedergibt, sondern eine andere, die meiner möglichst diametral entgegengesetzt ist. Sozusagen als geistige Lockerungsübung. Dabei plane ich, die gegenteilige Meinung trotz allem so gut zu vertreten, wie ich eben kann. Ich würde mich freuen, wenn ihr in den Kommentaren mitspielen und möglichst ernsthaft mit mir diskutieren könntet, statt einfach nur schmunzelnd mit den Schultern zu zucken und euch zu denken, dass ich das ja eh alles nicht ernst meine.

Ausgenommen von dieser Aktion ist auf jeden Fall schon mal der Freitag, denn ein Gegenteilkapitel unseres aktuellen Fortsetzungsromans möchte ich uns allen lieber ersparen. Obwohl… Irgendwie doch auch ein interessanter Gedanke, oder? Aber wie mach ich das dann? Mal sehen. Wahrscheinlich eher nicht.

Unsicher bin ich auch noch, ob ich jeden einzelnen Beitrag noch mal prominent als Gegenteilartikel kennzeichne, oder ob ich das bleiben lasse, mit welchen Hintergedanken auch immer.

Was meint ihr?