Ich konnte gar nicht so viel kotzen, wie ich lesen musste.

14. August 2019

Tom Liehr ist ein deutscher Weißer Mann. Er arbeitete als Redakteur bei P.M., das ist sozusagen Bild der Wissenschaft für alle, denen Bild der Wissenschaft noch nicht populistisch genug ist, schreibt außerdem aber auch offiziell als solche deklarierte Fiktion und ist offenbar Inhaber eines Softwareentwicklungsunternehmens.

Wer wäre besser geeignet als Experte zum Thema Diskriminierung in der Literatur? Eben. Deshalb hat er im Literaturcafé einen Text veröffentlichen dürfen über „Diversität, politische Korrektheit, Empfindlichkeitslesen und die Literatur„. Einen langen Text. Einen sehr langen Text. Einen sehr sehr langen, sehr sehr schlimmen Text. Einen Text, der so exemplarisch steht für die Fassungslosigkeit Alter Weißer Männer ob des Verdachts, jemand könnte unsere dummdreiste Privilegiertheit antasten wollen, dass er vielleicht eines Tages Eingang finden wird in ein sehr sehr langes, sehr sehr schlimmes Lehrbuch zu dem Thema. Vielleicht ja sogar mit meinen Kommentaren, denn wessen Meinung dazu sollte noch relevanter sein als die eines anderen Weißen Mannes?

Unter dem Titel „Schreiben mit Kondom“, und das muss man erst mal bringen, ein Kondom als Metapher für etwas, das man für überflüssige Mode und Zeichen unverhältnismäßiger Sensibilität hält.

Das Thema wird im Teaser so zusammengefasst, dass „Künstler und Autoren“ – klar, hier regiert das angeblich generische Maskulinum noch unangefochten – immer häufiger „mit der Anforderung konfrontiert werden“, sich Diskriminierung, Rassismus, Sexismus und all die anderen Probleme unserer Gesellschaft bewusst zu machen und zu vermeiden (Er formuliert das natürlich polemisch anders.), oder das manchmal sogar „freiwillig versuchen, weil sie glauben, das zu müssen“. Naja. Freiwilligkeit ist ja traditionell ein dorniges Konzept. Halten wir uns mit diesem scheinbaren Widerspruch nicht auf, nehmen wir als das, was er ist: ein bezeichnendes Indiz für die Haltung des Autors, und stürzen wir uns voller Vorekels in Liehrs Text, denn wir wissen: Vorekel ist der schönste Ekel.

Das wird nicht schön. Ich habs trotzdem gelesen. Damit ihr es nicht müsst.

Ihr kennt das.

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Was man halt so für Tatsachen hält

7. März 2019

Leute, ich freu mich! Ich habe etwas gefunden, das ich schon lange gesucht habe, und jetzt ist es endlich da: einen alten Post von mir, der so schlecht ist, so dumm, so falsch, dass es sich lohnt, 1 neuen drüber zu schreiben.

Ich hätte mir gewünscht, dass es einer ist, in dem ich weniger 1 Arsch bin und in dem nicht ausgerechnet Max Steinbeis Recht hat (Das tut echt weh, das hätte echt nicht sein müssen, aber so ist das halt manchmal, und dann müssen wir da durch.)

Ich habe gerade festgestellt, dass ich 2011 einen ganz klassischen ahnungslosen und dadurch transfeindlichen „Frauen in Männerkörpern sind Männer“-Post geschrieben und in (sowas gab’s damals noch) zahlreichen Kommentaren verteidigt habe.

Es hätte, wie das auch halt immer so ist im Leben, noch schlimmer sein können. Ich habe damals auch schon gesagt, dass ich akzeptiere, wenn jemand sich nicht mit dem eigenen körperlichen Geschlecht identifiziert und die Person dann auch so anreden würde, wie sie will (Ich weiß, furchtbar, aber wäre doch halt noch schlimmer gewesen, wenn ich das Gegenteil geschrieben hätte, oder?).

Er hat es mir auch nicht unbedingt leicht gemacht durch die Formulierung mit dem Männerkörper, die ja wenig Sinn ergibt für die Konzepte, die er meint. (Tut mir leid, ich weiß, man soll sowas nicht auf andere schieben, aber das musste sein, der Hass in mir ist zu stark.)

Und ich stehe heute noch zu dem Teil meiner Argumentation, in der ich finde, dass es ja durchaus sein kann, dass die gängigen Geschlechter nicht (nur) biologisch bestimmt\bestimmbar sind, dass sie aber, wenn man sie einfach durch Erklärung ändern kann, doch eh im Ausweis und Personenstandsregister nichts zu suchen haben, weil sie dann zur Identifizierung nicht nötig sind und wir sie streichen und\oder durch was Sinnvolles ersetzen sollten.

Aber das alles ändert nichts daran, dass ich den gleichen Mist geschrieben habe, für den ich heute andere verachte, und das ist doch eine gute Gelegenheit, sich daran zu erinnern, dass solche Dummheit auch in mir liegt, dass Diskussionen über sowas nicht so nutzlos sind, wie sie sich oft anfühlen und dass sogar so 1 arroganter transfeindlicher (Ist das ein angemessener Ausdruck? Mir fällt kein besserer ein.) Arsch wie ich damals in wenigen Jahren zu so 1 arroganten nicht mehr so transfeindlichen Arsch werden kann wie ich heute. Und es ist 1 Gelegenheit, sich daran zu erinnern, dass manche Dinge, die ich heute schreibe, mir in 8 Jahren womöglich genauso dumm und unsympathisch vorkommen wie jetzt dieser Post von damals.

Und natürlich ist es auch eine Gelegenheit, um Entschuldigung zu bitten, sogar bei Max Steinbeis, und zu sagen, dass es mir leid tut. Ich war 1 Arsch. Ich hätte das nicht schreiben sollen. Ich war im Unrecht.

Und jetzt bin ich nicht sicher, was der sinnvolle Umgang damit ist. Ich habe den Artikel hier nicht verlinkt und nicht zitiert, weil ich keinen Sinn drin sehe, ihn zu reproduzieren. Ich überlege, ob ich ihn lösche oder auf Privat setze. Aber vielleicht hat es auch Vorteile, wenn er zur Dokumentation verfügbar bleibt, mit der Diskussion darunter, in der Leute es mir vergeblich zu erläutern versuchen? Ich könnte das alles ins Moderationsverlies schieben, aber das kommt mir auch sehr unpraktisch vor.

War meint ihr denn? Was würdet ihr machen? Naja wenn ich schon frage, sollte ich auch 1 Link anbieten, oder? Ihr könnt das ja schlecht beantworten, ohne zu wissen, was da überhaupt steht Na gut, hier.


Von wegen dumpf!

18. Februar 2019

Jasper von Altenbockum hat was in die FAZ geschrieben, und was so beginnt, kann kein gutes Ende nehmen.

Wollt ihr trotzdem dabei sein?

Natürlich wollt ihr.

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We bring you both s-, no actually, we don’t.

13. August 2018

Spiegel.de hat ein pro&kontra veröffentlicht, immerhin nicht zur Frage, ob man ertrinkenden Menschen helfen oder es lieber lassen sollte, aber vom Niveau her ist es nicht weit weg. Vor allem das kontra natürlich, das pro hab ich wieder nicht gelesen. Vielleicht wird das jetzt mein USP, in Zukunft.

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Restebloggen (94)

7. Juni 2013
  1. Also, dass die US-Regierung das Recht beansprucht, Leute ohne Kontrollmechanismus und ohne jede Rechtfertigung beliebig lange einzusperren oder auch zu töten, wusste ich schon, aber seit ich weiß, dass die möglicherweise meinen Facebook-Status lesen, wird mir die Sache echt suspekt.
  2. Oh. Mein. Oh … Ohje … Leute von Game One, was habt ihr getan? Ich habe euch vertraut. Ich habe euch geliebt!

    Ich geh jetzt weinen.
  3. Vielleicht kann jemand mit langen Haaren mal dazu Stellung nehmen, welchen Sinn dieses Doosh-Ding von Stefan Raab haben soll. Ich versteh’s nämlich nicht.

  4. Da ihr ja bei der Vorbereitung für den Bastei-Lübbe-Academy-Kurs teilgenommen habt, sollt ihr auch wissen, wie es ausgegangen ist: War insgesamt sehr interessant und sehr nett, und zum Schluss hat einer der Dozenten sich sogar noch die Zeit genommen, mir im Einzelgespräch sein Feedback zu geben. Er findet das Ganze soweit ganz vielversprechend (Ob er nur nett sein wollte, weiß ich natürlich nicht, aber das hat er jedenfalls gesagt.) und das Exposé soweit auch gut. Insbesondere sieht er kein Problem mit dem Zitat, mit der Zielgruppenbeschreibung und der Referenz auf das Videospiel Portal, obwohl er es nicht kannt. Probleme sieht er darin, dass zu viele Figuren auftreten und dass ich mich nicht auf ein klares Genre festlege. Damit meint er, dass für die Leserinnen nicht klar erkennbar ist, was sie eigentlich erwarten sollen. Kriegen sie einen ersten, spannenden, blutigen Psychothriller, oder kriegen sie eine alberne Business-Satire? Ersteres wusste ich und wollte ich sowieso noch ändern, letzteres ahnte ich, finde ich aber sehr schade. Gerade diese Mischung aus Satire und Psychothriller gefällt mir eigentlich besonders gut an Bright Outlook. Ich werde das mal durchdenken. Besonders nett fand ich, dass er sich Discordia, Inc. sogar auch noch mal ansehen wollte. Bin gespannt. Nicht, dass ich mir Chancen einbilde, aber seine Meinung interessiert mich.
  5. Stay classy, Brot für die Welt:
    Brot für die Welt
  6. Wir befinden uns im Jahre 2013 nach Christus (einem Mann). Ganz Leipzig ist von den Feministinnen besetzt. Ganz Leipzig? Nein! Eine von unbeugsamen Männern bevölkerte Fakultät hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.
    Nobody panics

in welchem ich demonstriere, dass meine Rants nicht immer lang und mäandernd sein müssen

23. Februar 2012

„Der Deutsche Ethikrat schlägt mit überwiegender Mehrheit vor, Menschen mit dem Geschlechtseintrag „anderes“ die eingetragene Lebenspartnerschaft zu ermöglichen. Ein Teil des Ethikrates schlägt vor, ihnen darüber hinaus auch die Möglichkeit der Eheschließung zu eröffnen.“ 

Ich schäme mich so sehr, in einer Gesellschaft zu leben, in der ein „Ethikrat“ eine solche Stellungnahme abgibt, dass es schon körperliches Unwohlsein verursacht. Wir gehören alle geohrfeigt dafür, dass dieses Thema überhaupt diskutiert werden muss, und dahin getreten, wo es am meisten weh tut.

Allein schon diese erbärmliche Unterscheidung zwischen „Ehe“ und „eingetragener Lebenspartnerschaft“ sagt doch alles über uns aus, was eine außerirdische Zivilisation wissen müsste, bevor sie entscheidet, ob sie die Oberfläche dieses Planeten verglasen will.


Ich weiß auch noch nicht, worum es hier gleich gehen wird, aber wir merken das dann schon. Auf jeden Fall wird es ziemlich lang.

10. Mai 2011

madove (Schon wieder. Das muss für Unbeteiligte so aussehen, als wäre ich total dicke mit ihr, dabei sind wir in Wahrheit als fast Libertärer und Quasi-Kommunistin natürliche Feinde, und ich zumindest warte nur auf eine Chance… Naja, egal, für einen Klammereinschub ist das hier jetzt auch wirklich schon lang genug, oder?) hat mich letztens auf die Idee gebracht, mir mal den Podcast „Heiter scheitern“ anzuhören, der mir schon länger irgendwie ein Begriff ist, mit dem ich mich aber noch nie näher befasst hatte. Nach eigener Auskunft handelt es sich dabei um ein queeres Stößchen aus den Zonen der Unbewohnbarkeit.

Naja. Der Begriff „Stößchen“ macht mich krank, das war also erst mal abschreckend. Ich meine das auch nicht nur so umgangssprachlich. Dieser Ausruf verursacht mir wirklich körperliches Unwohlsein. Trotzdem beschloss ich dann nach kurzem Stöbern durch das Angebot, mal in den Cast „homophob über die Blümchenwiese“ reinzuhören, und weil ich ein bisschen manisch veranlagt bin, habe ich wenig später den zweiten Teil ebenfalls noch angehört. Es geht dort so ungefähr um die Frage, welche Medien warum wie und unter welchen Umständen für Kinder geeignet sind, natürlich mit dem Schwerpunkt auf Genderfragen und, naja, Homophobie.

Wie soll ich sagen, es hat mir gefallen. Es geht nämlich um ein Thema, über das ich auch viel nachdenke.

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