We don’t hate you. We just think you’re wrong.

25. September 2011

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bereue ich, auf Rachel Lindenbaums letzten Kommentar zu meiner Papstsatire nicht doch ausführlicher geantwortet zu haben. Einerseits gab es natürlich Gründe. Ich war es einfach Leid, zum wasweißichwievielten Mal zu erklären, dass ich all diesen Kram gar nicht denke, der Atheisten so gerne untergeschoben wird, sobald sie mal den Mund aufmachen und ihre Meinung sagen. Ist ja irgendwie noch menschlich verständlich, wird aber dadurch natürlich nicht unbedingt richtig. Gerade weil Rachel in ihren Kommentaren auf geradezu beispielhafte Art einen großen Teil dieser Vorurteile gegen evangelikale Atheisten illustriert hat, wäre das eine Chance gewesen, meine wirkliche Position zu erläutern.

Glücklicherweise kann ich diese Chance ja jetzt immer noch nutzen, und eben weil die zugrundeliegenden Missverständnisse in nahezu jeder längeren Diskussion zwischen Atheisten und Christen auftauchen, habe ich mich entschieden, einen eigenen Artikel dafür zu verwenden. Ich werde dabei Rachels Kommentar zitieren und meine Antworten so formulieren, als wären sie nur an sie gerichtet, aber das heißt natürlich nicht, dass dieser Beitrag nicht auch für andere Leser interessant sein könnte, die mehr über meine Haltung gegenüber Religion und ihren Anhängern erfahren möchten.

[Tja, so, jetzt habe ich es geschrieben, und muss feststellen, dass es doch nicht so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Es ist jetzt doch mehr eine Antwort auf Rachels Kommentar als eine Auseinandersetzung mit allgemeinen Fragen. Naja. Vielleicht interessiert es ja trotzdem den einen oder anderen. Jedenfalls sehe ich gar nicht ein, warum ich das jetzt alles wieder löschen sollte, bloß weil es nicht gut geworden ist. Muss ja niemand lesen. Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.]

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Was draufsteht, und was drinsteckt

1. April 2011

Während „Atheist“ so ein Etikett ist, das viele Leute aus Harmoniebedürfnis vermeiden, obwohl es eigentlich auf sie passen würde, ist „Skeptiker“ ein Etikett, mit dem sich so ziemlich jeder identifizieren würde, in der Regel auf diejenigen, auf die es nun wirklich gar nicht passt. Und „Christ“ ist ein Etikett, mit dem man meiner Erfahrung nach wenig bis gar nichts anfangen kann, weil die Bandbreite hier von eigentlich total vernünftigen Leuten reicht, die sich einfach nur gerne vorstellen, dass nach dem Tod noch was kommt, bis hin zu denen, die jeden Tag darum beten, dass das Jüngste Gericht doch bald kommen möge, und die genau wissen, dass die Erde nur 6219 Jahre, vier Monate und elf Tage alt ist.

Deshalb macht Matt Dillahunty es auch ganz richtig mit seiner mantrahft wiederholten Frage: „Was glaubst du, und warum?“, denn die Antwort darauf ist endlos viel aufschlussreicher als ein Etikett wie „Skeptiker“, „Atheist“, „Hindu“, oder was immer einem gerade so einfällt.

Worauf ich damit hinauswill: Heute mal nicht auf Religionsbashing, das mache ich ja oft genug. Heute geht es mir darum, dass auch Atheisten und selbst ernannte Skeptiker manchmal genauso religiös und vernagelt sein können wie Christen, Muslime oder Scientologen. Nicht selten wird „Skeptizismus“ als Vorwand verwendet, um alles, was nicht ins eigene Weltbild passt, abzulehnen und alle Belege, die dafür sprechen, nicht zur Kenntnis zu nehmen, während man die von Medien und Politik gelieferte Wahrheit unkritisch akzeptiert, ohne zu hinterfragen, wie plausibel sie ist und warum man sie überhaupt glauben sollte.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Vielzahl von Menschen, die davon überzeugt ist, dass Astronauten auf dem Mond waren. Warum? Weil sie es eben so gelernt haben, und weil es überall so steht.

Aber wie überzeugend ist die Annahme eigentlich, wenn man all die Indoktrination mal weglässt, der wir diesbezüglich von Kindheit an ausgesetzt waren? Wenn wir die Annahme einfach mal ganz objektiv nur auf Basis der Beleg begutachten?

Die erste Mondlandung soll am 21. Juli 1969 stattgefunden haben. So haben wir es alle gelernt. Und kaum jemand denkt mal darüber nach, was das bedeutet. 1969! Das war, bevor es Sicherheitsgurte in Autos gab. Von Airbags hat damals noch niemand geträumt. Computer waren einfamilienhausgroße Maschinen, die Lochkarten verarbeiteten und Mobiltelefone oder das Internet wären sogar in einem SF-Roman ziemlich unglaubhaft gewesen.

Und jetzt schauen wir doch zum Vergleich mal, was es heute für einen Aufwand bedeutet, eine Sonde zum Mars zu schicken, trotz unserer heutigen Technologie. (über 40 Jahre später! In Worten: Vierzig Jahre!) Und das obwohl Mars eine viel höhere Gravitation hat und obwohl man natürlich mit einer unbemannten Sonde viel weniger vorsichtig sein muss als mit einem Raumschiff, das nicht nur Menschen transportiert, sondern außerdem nach der Landung noch einmal starten und dann zur Erde zurückkehren soll(!). Dass das damals möglich gewesen sein soll, erfordert also echt gute, überzeugende, zwingende Belege. Und nun wollen wir sehen, was wir haben:

Ein paar Bilder und Funksprüche und Videos. Und was für welche?

Bilder, auf denen keine Sterne zu sehen sind, und auf denen die Schatten zufällig genau so fallen, als würden sie von Studioscheinwerfern ausgeleuchtet. (Achtet mal drauf. Wenn die Sonne die einzige Lichtquelle wäre, müssten alle Schatten parallel sein. Sind sie aber nicht. Außerdem sind die Schatten hell genug, dass man Objekte darin noch erkennen kann. Auch das kann im Sonnenlicht ohne Atmosphäre nicht sein.) Bilder, auf denen die Landefähre auf einer ebenen Mondoberfläche steht – und wo ist der Krater, den sie bei der Landung verursacht hat?

Videos, die angeblich an verschiedenen Orten auf dem Mond aufgenommen wurden, aber genau denselben Hintergrund zeigen. Videos, die zeigen, wie das Landemodul wieder vom Mond abhebt, ohne Flammen aus dem Raketentriebwerk!

Und trotzdem wird man ausgelacht, wenn man bezweifelt, dass die Mondlandung stattgefunden hätte. Wird man verspottet, weil ja schließlich jeder weiß, dass „wir“ auf dem Mond waren.

Aber woher eigentlich? Woher wissen wir das, und warum glauben wir es? Eine Frage, die sich ein echter Skeptiker stellen sollte.

Aber es ist eben nicht jeder ein Skeptiker, der sich selbst so nennt.


Warum nicht?

29. September 2010

Drüben bei Sende-Zeit läuft gerade in lockerer Folge eine Reihe von Bekennerschreiben Leuten, die erklären, warum sie Katholiken sind. Das hielt ich für sehr interessant, weil ich persönlich (Vielleicht ist es euch aufgefallen.) einfach nicht begreife, warum jemand an einen Gott glaubt, geschweige denn einer Religion angehört. Heute erschien nun ein Bekennerschreiben von Alipius Müller mit einer besonders, naja, bemerkenswerten Begründung, die mich irgendwie… angesprochen hat:

Warum ich (immer noch) katholisch bin?

Warum sollte ich es nicht sein?

[…]

Wie kann ich nicht katholisch sein, wie kann ich nicht katholisch bleiben wollen, wenn ich jetzt schon die beruhigende Gewißheit habe, daß selbst nach dem Ableben meiner Eltern (welches der Herrgott gerne noch viele Jahre aufschieben darf) das Familienleben weitergeht? […] Warum ohne die Gnade Gottes und ohne die Hilfe des Magisteriums mein eigener Herr sein, wenn es mit ihnen schon schwer genug ist, sich einerseits selbstbewusst und selbständig und andererseits doch verantwortungsvoll und nicht ganz so aufgebläht zu geben?

Gleich vorweg mal: „Warum nicht?“ ist viel öfter, als man gemeinhin denkt, die grundfalsche Frage.

Egal. Natürlich darf Herr Müller glauben, was er will, und er darf selbst entscheiden, welcher Glaube ihm persönlich am meisten gibt. Trotzdem ist es mir ein Bedürfnis, seine Frage zu beantworten:

Weil es einfach nicht wahr ist. Weil das Leben nach dem Ableben nicht weiter geht. Weil die Gnade Gottes nicht real ist. Weil die Gewissheit falsche Gewissheit ist. Weil wir nur dieses eine Leben haben, nach dem alles vorbei ist, und weil dieses eine Leben deshalb unendlich viel wertvoller und kostbarer ist, als es wäre, wenn es quasi nur einen Fußabtreter darstellte für die Ewigkeit, die uns bevorsteht.

Weil Ihr Glaube Sie lehrt, Ihr skeptisches Denken auszuschalten, unkritisch für wahr anzunehmen, was frei erfunden ist, und weil Sie dann solche Sachen wie die da oben schreiben und sich blamieren.

Weil falsche Überzeugungen zu falschen Entscheidungen führen, und damit zu falschem Handeln. Weil wir Veantwortung für unser Handeln haben und deshalb verdammt noch mal verpflichtet sind, unser eigener Herr zu sein.

Weil – und ich weiß, dass ich mich hier weit aus dem Fenster lehne, aber dieser kleine Essay von Herrn Müller belegt es aus meiner Sich sehr schön – Religion die Gefahr in sich trägt, unsere Augen zu verschließen vor dem, was sie uns nimmt.

Alipius Müller versteht nicht, wo die Bereicherung wäre, wenn er den Glauben aus seinem Leben verdrängte. Manche Drogenabhängige verstehen nicht, wo die Bereicherung wäre, wenn sie sich von ihrer Sucht befreiten. Manche Schüler verstehen nicht, wo die Bereicherung ist, wenn sie verstehen, wie unsere Welt funktioniert und etwas über die physikalischen und logischen Gesetze lernen, die sie beherrschen.

Die Gläubigen unter euch knirschen jetzt möglicherweise mit den Zähnen und denken, dass ich es einfach nicht verstehe. Und ihr habt Recht, ich verstehe es nicht. Erklärt es mir, bitte.

Ich kann nicht ausschließen, dass Herr Müller durch seinen Glauben tatsächlich ein glücklicheres und erfüllteres Leben hat, als er es ohne hätte. Aber ich kann trotzdem nicht anders, als angesichts seines Abschlusses halb lächelnd, halb traurig mit dem Kopf zu schütteln:

Weil jemand anderes es mir sagt? Nein, danke! Mein Glaube hat mich gelehrt, für mich selbst zu denken und zu entscheiden.

Ach… Sehen Sie, Herr Müller, das meine ich. Genau deshalb.


Ich weiß auch nicht, wie ich da jetzt drauf komme, aber

6. Juli 2010

Vor einigen Tagen habe ich beim Kinderdoc mit bedingtem Vorsatz eine kleine Diskussion über Priester angefangen, in deren Verlauf der Kommentator Wolfram sagte:

„Da lob ich mir Goethe, der zwar mit den Kirchenleuten auch nix am Hut hatte, aber immerhin die Größe zuzugeben, „es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als eure Schulweisheit sich träumen läßt.““

Das ist so ein Zitat, über das ich mich jedes Mal wieder ärgern könnte, wenn ich es irgendwo höre oder lese. Weil es nämlich meistens dazu dienen soll, so genannte Parawissenschaften zu rechtfertigen, oder alternative Medizin, oder eben irgendeinen anderen kleinen Aberglauben, den der Zitierende gerade verteidigen zu müssen glaubt. Meistens wird es mit einem ziemlich selbstzufriedenen Lächeln vorgetragen, mit dem er zum Ausdruck bringt, für wie engstirnig er die anderen hält und für wie aufgeschlossen sich selbst.

Das ist natürlich Unsinn, auch wenn die Behauptung an sich schon stimmt. Es gibt unzählige Dinge – nicht nur zwischen Himmel und Erde -, die wir heute noch nicht einmal erahnen können. Wir wissen nicht, wie das Universum entstanden ist, wie es enden wird, was sich wirklich in schwarzen Löchern abspielt oder wie das menschliche Bewusstsein funktioniert. Es gibt Erklärungsversuche, aber nicht alle werden sich als wahr erweisen, alle als unvollständig, und auf der Suche werden wir neue Wahrheiten entdecken, die uns heute vielleicht unglaublich erscheinen würden. Genau das ist die fantastische Chance, die uns die wissenschaftliche Methode ermöglicht: Immer mehr und mehr dazuzulernen und immer mehr darüber zu erfahren, wie die Welt um uns herum funktioniert.

Und all diese wundervollen Dinge, von denen unsere Schulweisheit sich heute noch nichts träumen lässt, können wir entdecken. Das funktioniert aber nur durch Beobachtung der Realität, durch darauf gestützte und durch Experimente erhärtete Theorien. Es funktioniert nicht, wenn man sich einfach Zeug ausdenkt und es dann unabhängig von der Realität einfach immer weiter glaubt. Genau das tun aber die Leute meistens, die diesen Spruch mit diesem Lächeln aufsagen.

Übrigens, falls noch Besserwisser außer mir selbst zugegen sein sollten: Ja, der stammt ursprünglich natürlich aus Hamlet und nicht von Goethe.


Don’t feed the trolls

19. April 2010

Seit dem 6. April lief drüben bei B.L.O.G. eine Diskussion zwischen mir und Rayson über seine religiöse Überzeugung und Religion an sich. Heute ist nun geschehen, was keiner mehr für möglich gehalten hat: Wir haben aufgehört. Und weil es mir nicht reicht, Rayson gehörig auf die Nerven gegangen zu sein, biete ich eine Art Kondensation meiner dort liebevoll ausformulierten Argumente auch hier noch einmal für euch an. Ihr müsst mir nicht danken. Mach ich doch gerne.

Disclaimer: Die Gegenposition, die ich beschreibe, erhebt nicht den Anspruch, Raysons Position umfassend oder auch nur im Überblick wiederzugeben. Wer das möchte und sehr, sehr viel Zeit hat, muss schon die Originaldiskussion lesen. Kann ich aber wirklich nicht empfehlen.

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