Lange nicht mehr FAZ gebasht

6. Juni 2013

Um das gleich aus dem Weg zu haben: Qualitätsmedien, Demokratieabgabe, Kostenloskultur, haha. Zur Sache:

Das Bundesverfassungsgericht ist fast am Ziel

Dam-dam-daaa, schreibt Reinhard Müller auf faz.net und konstatiert sachlich beinahe richtig, dass nun nur noch das gemeinschaftliche Adoptionsrecht zur völligen Gleichbehandlung der Lebenspartnerschaft mit der Ehe fehle.

Wer sollte etwas dagegen haben?

fragt er in einem raffinierten rhetorischen Kniff, der natürlich darauf hinleitet, dass wir alle etwas dagegen haben sollten, denn

der [Gesetzgeber] hat die völlige Gleichsetzung von Ehe und gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaft bisher mitnichten beschlossen.

Hm. Ist das noch Wahnsinn, oder hat es Methode, dass die FAZ offenbar gerne mit dem Inhalt eines Gesetzes für dessen Inhalt argumentiert? Nee, Herr Müller, wenn der Gesetzgeber die schon beschlossen hätte, müsste das Bundesverfassungsgericht sie ja nicht erzwingen. Deswegen machen die das.

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Habt ihr schon mal versucht, nicht mehr schwul zu sein?

27. Juli 2009

Was muss man eigentlich für ein Mensch sein, um heute noch ernsthaft dagegen zu sein, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen? Wie borniert und verknöchert? Wie verlogen gegen andere und wahrscheinlich auch sich selbst? Und bei der Gelegenheit: Warum ist es überhaupt so schwierig, Kinder zu adoptieren und warum muss man dafür in der Regel ein Ehepaar sein?

Meine Ansicht hierzu ist zwar von keiner eigenen Kenntnis getrübt und stützt sich ausschließlich auf Vorurteile, aber ich werde doch wohl damit richtig liegen, dass es ziemlich doof ist, in einem staatlichen Heim aufzuwachsen, und dass es weitaus mehr Kinder in staatlicher Obhut gibt als adoptionswillige Ehepaare. Solltet ihr damit selbst Erfahrungen haben oder das sonst anders sehen als ich, bin ich natürlich auch bereit, dazuzulernen. Vielleicht liegt das nur an meiner beschränkten Fantasie, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es sich in einer -auch einer unvollkommenen- Familie mit -auch nicht ganz perfekten- Eltern immer noch um Längen schöner lebt als in einem Heim.
Ich will nicht ignorieren, dass Kinder von ihren Familien manchmal misshandelt werden, und dass in Familien schlimme Dinge passieren, aber ich bin sicher, dass auch in staatlichen Heimen gelegentlich ziemlich Unschönes vor sich geht, und bloß weil zwei Menschen verheiratet sind, sind sie doch nicht automatisch auch bessere Eltern.

Natürlich sollte der Staat Kinder aus seiner Obhut nicht einfach jedem überlassen, der dafür den Finger hebt. Aber dafür sollten für jeden verständliche, nichtwillkürliche Kriterien gelten, die auch tatsächlich etwas mit der Eignung als Eltern(teil) zu tun haben und nicht die mittelalterlichen, unreflektierten Vorstellungen, die manche Leute noch von einer „normalen Familie“ mit sich herumtragen.

Was ist das also für eine verlogene Argumentation, einfach zu behaupten, eine glückliche Familie mit Vater und Mutter wäre für das Kind besser als andere Konstellationen? Sogar wenn das stimmt – was ich nicht glaube -, dann ist der Vergleich vollkommen unsinnig. Angemessen ist der Vergleich zwischen irgendeiner Art von Familie (und bestünde sie eben nur aus Mutter bzw. Vater und Kind) und einem Heim. Dort geben sicher auch viele Menschen ihr Bestes, und vielleicht erfahren dort einige Kinder sogar Liebe, es kann doch aber gewiss keine Familie ersetzen.

Wenn also jemand meint, Homosexuelle wären aufgrund ihrer Neigung ungeeignet, Kinder zu erziehen, dann soll er der Öffentlichkeit doch bitte wenigstens den Gefallen tun, das auch zu sagen, statt sich hinter diesem steindummen Geschwurbel vom Schutz der Familie und der optimalen Umgebung für Kinder zu verstecken. Er soll dann wenigstens sich selbst gegenüber eingestehen, dass er Homosexualität für abartig und verwerflich hält. Dann weiß man wenigstens, woran man ist und worüber man redet.

Oder was meint ihr?

Edit, 29. 07.: Dank an Oliver in den Kommentaren, der mich darauf hinweist, dass es offenbar viel mehr adoptionswillige Ehepaare gibt als Kinder. Trotzdem wachsen aus Gründen, die wir uns beide nicht ganz erklären können, viele Kinder in Heimen auf. Ich lasse den Rest des Artikels unverändert stehen, weil ich finde, dass er durch diese neue Information nicht insgesamt falsch wird.