Und Brecht muss es ja wissen.

18. April 2012

Ich weiß nicht, ob ich nur zynisch und paranoid bin, aber ich habe derzeit den Eindruck, dass die faz nicht nur Freude daran hat, möglichst viel gehässigen Unsinn über die Piratenpartei zu schreiben, sondern sich dabei außerdem noch eines besonders armseligen Mittels bedient: Des Konsensinterviews. Ich weiß nicht, ob es dafür schon einen anderen Begriff gibt, aber bis auf Weiteres bleibe ich bei meinem, und es gibt eigentlich kaum eine Form von Journalismus, für die ich mich als Journalist mehr schämen würde.

Während Patrick Christian Lindners Bemerkung „Nur weil die Piraten gern gratis Filme, Musik und Bücher aus dem Internet herunterladen, ist das für die Gesellschaft insgesamt nicht gut.“ noch eine dumme Gehässigkeit hätte sein können, die wir nur ihm persönlich zu verdanken haben, ist das vorgestrige Interview mit der kulturpolitischen Sprecherin der Grünen Agnes Krumwiede für mich kaum noch anders zu erklären als durch völlig Befreiung von jeglichem Anspruch und Schamgefühl seitens der verantwortlichen Mitarbeiter.

Kurzer Exkurs: Ja, Frau Krumwiede ist auch Pianistin. Ist doch klar, dass ich mich an Künstler wende, wenn ich was zum Urheberrecht wissen will. Wenn es um Jagdrecht geht, ist doch auch ein Hirsch der beste Ansprechpartner.

Konsensinterviews zeichnen sich dadurch aus, dass sie völlig auf investigative Fragen und eigentlich jede Form von Journalismus verzichten, weil es in ihnen nur darum geht, dass die Gesprächspartner einander möglichst nachdrücklich zustimmen. Wenn man noch ein kleines bisschen Respekt vor den Lesern hat, versteckt man das durch Scheinfragen wie:

Brauchen wir ein „neues“ Urheberrecht?

oder

Die Kritiker heben auf die „Verwerter“ ab und sagen, es gelte, deren Interessen auszuschalten, um für die gebeutelten Urheber einzutreten. Geht die Gleichung auf?

(Anscheinend hörte das Interview sehr früh auf, sich auf die Piratenpartei zu beziehen, und drehte sich dann stattdessen um irgendwelche diffusen „Kritiker“. Nicht, dass irgendjemand sich Mühe gegeben hätte, sicherzustellen, dass niemand auf die Idee kommt, es gehe hier um die Position der Piratenpartei.)

Aber man kann natürlich auch völlig enthemmt auf Fragen verzichten und der Interviewpartnerin nur noch Stichwörter geben:

Man kann den Eindruck haben, das Grundsätzliche gerate aus dem Blick.

(Ja, das ist die ganze Frage.) oder:

Es gibt einen erstaunlichen Gleichklang zwischen den Forderungen der Piraten und den Interessen von Internetkonzernen wie Google oder Facebook.

Und diese … naja, Frage fand ich nun schon so perfide, dass mir beinahe die Worte fehlen. The fuck, faz? Ich meine … Bin ich das, oder will Michael Hanfeld hier unterstellen, dass die Piraten in Wahrheit gekaufte Schergen finsterer Konzernbosse sind, traut sich aber nicht, das direkt zu sagen, weil diese Unterstellung sogar für ein FAZ-Interview zu blöde und zu unverschämt wäre?

Frau Krumwiede antwortet darauf jedenfalls einfach mal fröhlich frei:

Forderungen wie nach einer Verkürzung der urheberrechtlichen Schutzfristen bedienen in erster Linie die Interessen großer Internetkonzerne.

Das muss sie natürlich nicht erklären oder begründen, denn es ist ja ein Konsensinterview. So kann sie ganz ungestört weiter erzählen:

Dass Google auch in Berlin ein Institut finanziert zur „unabhängigen“ Erforschung von Internetfragen, bereitet mir Unbehagen.

Unbehagen. Ist klar. Wo kommen wir denn da hin, wenn Unternehmen Forschung betreiben?

Wie unabhängig ist Forschung, wenn sie von einem Internetriesen finanziert wird?

Genau, Frau Krumwiede. Forschung ist natürlich nur dann unabhängig, wenn sie … ähm … nicht finanziert wird. Ansonsten bereitet sie uns Unbehagen. Oder ist es eher so, dass Unabhängigkeit uns nur wichtig ist, wenn sie sich auf Geldgeber bezieht, die wir nicht mögen? Und was hat das jetzt noch mal mit der Politik der Piratenpartei zu tun? Hm. Vielleicht müssen wir darüber noch mal nachdenken. Aber die Hauptsache ist doch:

„Wo die wirtschaftliche Macht ist, verliert der Urheber“, hat Bertolt Brecht erkannt.

Ich schätze, damit ist die Sache klar.

Um Himmels Willen. Ich bin ja nun auch kein Anhänger der Piratenpartei, und ich habe bis auf Weiteres keine Meinung dazu, wie ein vernünftiges Urheberrecht aussehen sollte, aber wenn ich lese, was die FAZ zurzeit so dazu schreibt, bin ich immer ganz ratlos, ob ich die Leute, die dort arbeiten, verachten oder bemitleiden soll, oder ob ich vielleicht doch versuchen sollte, professionelle Hilfe zu organisieren.


Being The Onion: Google entschuldigt sich

6. März 2010

So. Wenn der Postillon das kann, dann kann er das schon lange.

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Nach Meldungen der US-amerikanischen Zeitung „The Onion“ hat Google sich bei seinen Kunden wegen der in letzter Zeit verstärkt auftauchenden datenschutzrechtlichen Bedenken entschuldigt.

CEO Eric Schmidt sagte: „Offensichtlich gab es in letzter Zeit Sorgen in Bezug auf den Datenschutz, und nach einigen aktuellen Suchbegriffen zu urteilen, gemeinsam mit den Zehntausenden E-Mails und Google Chats, die wir gründlich ausgewertet haben, scheint es, als würde es eine Weile dauern, bis wir Ihr Vertrauen zurückgewonnen haben.“

Die Entschuldigung des Internetkonzerns erschien plötzlich auf Googles Homepage, jedem Fenster des Browsers „Chrome“, YouTube und jedem einzelnen Mobiltelefon mit dem Betriebssystem „Android“, mit dem Ziel, den Kunden darzulegen, dass Google alle notwendigen Maßnahmen ergreift, um vertrauliche Informationen, von Sozialversicherungsnummern bis zu Gonorrhö-Testergebnissen, vollkommen sicher zu verwahren.

Schmidt entschuldigte sich besonders bei den 1.237.948 Google-Nutzern, die täglich Medikamente gegen Stress und Anspannung einnehmen, dafür, sie unnötig beunruhigt zu haben.

„Ich täte nichts lieber, als mich persönlich bei jedem einzelnen Nutzer zu entschuldigen, den wir enttäuscht haben“, sagte Google-Mitbegründer und Präsident Sergey Brin, „Aber wie Sie anhand dieser Street-View-Aufnahmen erkennen können, sind viele unserer Nutzer um diese Zeit nicht zu Hause.“

Google-Vertreter räumten ein, dass sie ihre Sicherheitsmaßnahmen verbessern müssen, wiesen aber gleichzeitig darauf hin, dass jeder mal Fehler macht, ob nun durch das unbegrenzte Speichern vertraulicher Daten oder, zum Beispiel, „am Abend des 23. Januar in bisschen zu viel zu trinken, betrunken nach Hause zu fahren, einen Fußgänger an der Kreuzung von Berliner Allee und Bahnhofstraße anzufahren, schnell davonzurasen und dann zu Hause verzweifelt nach Strafvorschriften zum Thema Fahrerflucht zu suchen, nicht wahr, Karin?“

In einer Geste des guten Willens wird Google in den kommenden Tagen 50 EUR zu jedem deutschen Bankkonto addieren. Auch für die Zukunft bat das Unternehmen seine Kunden um Rückmeldung über sein Verhalten. Google-Vertreter erklärten, dass Benutzer jedwede Beschwerde oder Kritik einfach in jedes offene Browserfenster eingeben können oder, wenn sie bei Google Voice eingetragen sind, „Sprechen Sie einfach jederzeit direkt in Ihre Telefone“. So oder so, erklärte das Unternehmen, „Werden wir Bescheid wissen“.


Restebloggen zum Wochenende (13)

25. Oktober 2009
  1. Ausgewählte Google-Suchbegriffe für mein Blog in dieser Woche:
    Sachen, die ich gut finde – Dass man die finden will, kann ich verstehen, aber ob das auf diesem Wege was wird?
    Wie wird man nicht mehr schwul – Leute, das ist nicht euer Ernst, oder?
    eine Gottes anbetarin – Kuckst du hier. Ich empfehle aber auch dringend einen Blick hier rein.
    What the hell is wrong – So einiges. Glaubt mir. So einiges.
    kinderpornographie versehen – Ja, nee, ist klar.
    Was ich noch nie wissen wollte – würde ich eher nicht bei Google suchen.
    Winter – Wie kann es angehen, dass das seit einigen Tagen der Spitzenreiter meiner Suchbegriffe ist, bloß, weil ich mal kurz diese Enya-CD erwähnt habe?
  2. Der Fragmentjunkie findet, dass Quelle es nicht besser verdient hat.
  3. Ich weiß, wir können ihn alle nicht leiden, aber Sascha Lobos Standardabmahnartikel gefällt mir doch ganz gut.
  4. ix hat Recht. Das ist wirklich witzig: Die SPD war gegen die Einführung des Privatfernsehens, und Helmut Schmidt schätzte die Gefahren der Reizüberflutung höher ein als die der Kernenergie. [Und ix hat es bei stackenblochen gefunden.]
  5. Zimmer frei mit Martin Sonneborn war mein erstes Zimmer frei überhaupt. Mir wäre gar nicht aufgefallen, dass da was Außergewöhnliches passiert ist.
  6. Rewe Feine Welt Früchtewunder ist trotz der hübschen Aufmachung ein Müsli, von dem ich abraten muss. Der Name ist durchaus treffend, ich habe mich wirklich sehr über die Früchte gewundert: 48% Rosinen (gefühlte 72%) ist eindeutig zu viel des Guten.

Es fällt mir wie Schuppen von den Augen

8. Oktober 2009

Plötzlich wird mir klar: Diese Leute, die in meiner Blogstatistik permanent die Google-Suchergebnisse anführen, sind in Wirklichkeit gar nicht auf der Suche nach merkwürdigen Sexualpraktiken. Die suchen Kontodaten! Oder um es mit Udo Vetter zu sagen: Ich sollte eilends meinen Fisting-Schutz aktivieren.


Kontaktanzeige

20. August 2009

Liebe Leser,

vorgestern ist hier eine Suchanfrage eingegangen, die mich sehr neugierig und frustriert zurückgelassen hat. Sie lautete: „hallo muriel, hier eine weitere suche vo“. Leider schneidet WordPress an dieser Stelle die Anfrage ab, und auch sonst kann ich nicht erkennen, wem ich diese nette Botschaft zu verdanken habe, denn eine Botschaft sollte es doch wohl sein.

Ich würde mich riesig freuen, wenn der- oder diejenige es noch einmal versuchen würde, entweder mit einer kürzeren Suchanfrage, oder auf einem konventionelleren Weg.


Wichtige Durchsage

13. Juli 2009

Ich bitte um Aufmerksamkeit! In diesem Blog scheint sich ein Besucher aufzuhalten, der sehr bizarre Schwierigkeiten hat und dringend Hilfe braucht. Wer auch immer die Person findet, die über die Google-Suche „parallelwelten, lieber gott hilf mir“ auf diese Seite gelangt ist, möge sie bitte zu einer berufenen Stelle weiterleiten. Ich fühle mich mit dieser Anfrage nämlich definitiv überfordert.