Immerhin gratis

25. November 2009

Bei T-Online kann man SMS verschicken, und dabei wird einem freundlicherweise immer gleich ein „Spruch des Tages“ angeboten, den man per Klick in die SMS einfügen kann, falls man eigentlich nichts zu sagen hat. Ich schreibe meine SMS viel lieber am PC als über die frickelige Telefontastatur, deswegen bin ich da ziemlich auf dem Laufenden. Und weil geteiltes Leid halbes Leid ist, dachte ich, ich teile ein paar dieser famosen Sprüche mit euch. Voilà.

(Warnhinweis: Chronisch Kranke, Menschen mit Herzschrittmachern, werdende oder stillende Mütter sowie generell alle mit labilem Allgemeinzustand sollten hier nicht weiter lesen. Ich übernehme keine Haftung für eventuell durch die Sprüche entstandene Schäden wie Kopfkrebs, Plaque oder stehen gebliebene Grimassen.)

  • Abenteuer werden meistens abends teuer.
  • Du bist ein BSE-Mensch: Besonders Schöner Engel!!!
  • Warum starre ich dauernd ins Leere? Warum weine ich Tränen wie…

Nein, tut mir Leid. Ich kann’s doch nicht. Ihr findet solche Sprüche bestimmt auch selbst, wenn ihr ein bisschen sucht, obwohl ich dringend abraten würde.

Aber was sind denn das für Menschen? Was sind das für Leute, die sowas sehen und denken: „Wow, cooler Spruch, das will ich meiner Freundin/meiner Mutter/meiner Frau/meinem Kumpel Kuddel schicken!“ Ich mag gar nicht drüber nachdenken.


Das alltägliche Grauen (2)

24. Juni 2009

Vor Kurzem stellte ich fest, dass in meiner Sporttasche nur noch ein einzelner linker Sportschuh steckte. Der rechte war nirgends in meiner Wohnung zu finden, und im Auto auch nicht. Ich rief also das Fitnessstudio meiner Wahl an, um zu fragen, ob jemand einen schwarzen rechte Asics-Schuh gefunden hatte.

Die freundliche junge Dame am Telefon sagte mir, es gebe in der Herrenumkleide einen Behälter mit Fundsachen. Ihr Stimme klang ein bisschen belegt, als sie das sagte. Da müsste ich aber selbst nachsehen. Sie könnte das auf keinen Fall für mich tun. Sie würde mir da zwar echt gerne helfen, aber wenn sie das so machen würde, würde sie den ganzen Tag nur zwischen dem Telefon und den Fundsachen hin und her laufen. Sie kicherte ein bisschen zu schrill. Deswegen ginge das leider nicht. Tue ihr wirklich Leid. Ich konnte die Angst in ihrer Stimme hören.

Vielleicht wollte sie mir wirklich helfen. Aber dass sie das nicht tat, hatte ganz bestimmt nichts mit der Flut von Anrufen zu tun, mit der sie sonst nicht fertig werden würde. Ich wusste das, und sie wusste es natürlich auch. Ich habe es trotzdem dabei belassen. Ich bin ja sowieso öfter dort.

Gestern war es wieder soweit. Ich betrat die Umkleide und sah so eine Art hellgrüner Plastiktonne mit blauem Deckel, die mich neben den Waschbecken bereits erwartete. Ich hatte sie schon öfter gesehen, mit ihrem kleinen laminierten Schild, auf dem „Fundsachen“ stand, und hatte mir nie viel dabei gedacht; außer, dass ich die Leute bemitleidete, die darin etwas suchen mussten. Heute war ich einer dieser Leute. 

Ich atmete tief durch. Und öffnete mit kaltem Schweiß auf der Stirn und zitternden Händen den Deckel. Ein Schwall warmer feuchter Luft erhob sich aus dem Abgrund. Ich hatte den Atem angehalten, aber das half nicht viel. Ich verfluchte mich selbst, weil ich nicht daran gedacht hatte, Handschuhe mitzubringen. Ganz oben lag eine dicke Schicht von klebrigen schmierigen Handtüchern. Ich versuchte, nicht daran zu denken, wie lange die schon da drin vor sich hin gärten. Dann kam eine zugebundenene Plastiktüte, die mit irgendetwas schwammig weichem Klumpigem gefüllt war. Es folgte eine Lage schweißnasser dreckiger Socken und schließlich die Schicht mit den Schuhen. Ich war mir in dem Moment schon nicht mehr sicher, ob ich meinen überhaupt wieder haben wollte.

Ich werde diesen Schuh in Zukunft mit völlig anderen Augen sehen. Und ich weiß jetzt, dass es wirklich versteckte Eingänge zur Hölle gibt.


Das alltägliche Grauen

12. Juni 2009

Heute morgen nahm ich ein Bad. Ich fand das sehr angenehm und entspannend, aber als ich danach aus der Wanne stieg und mich abtrocknete, kam mir etwas merkwürdig vor. Ich sah mir die Sache genauer an und entdeckte etwas Schwarzes, das sich unter dem flauschigen weißen Schaum bewegte.

Ich weiß naturgemäß nicht, ob die knapp handtellergroße Spinne die ganze Zeit über mit mir in der Wanne war, oder ob sie erst gegen Ende ins Wasser gefallen ist, aber aus meiner Sicht macht das eigentlich auch keinen großen Unterschied.

So ein Ereignis kann – zumindest für ein paar Stunden – meine Wahrnehmung der Welt ziemlich verändern.