Projekt 52 Bücher (5)

17. Februar 2013

Na logo. Lebt Frank Zander eigentlich noch? Ich habe ihn ja mal persönlich kennengelernt. War profund gruselig.

Jeder von uns, ist klar. Nein, ich habe keine Wunschliste, und ich habe eigentlich überhaupt keine Listen, auf denen Bücher stehen, weshalb die aktuelle Aufgabe

Das Buch, das ganz oben auf einer deiner Listen steht.

für mich schwierig sein könnte, wäre ich nicht bereit, unmittelbar für diesen Zweck eine Liste aufzumachen. Nun muss ich also nur noch entscheiden, was für eine. Ich glaube, ich nenne sie aus aktuellem Anlass „Die meist überschätzten Bücher der Welt, die in Wahrheit nicht etwa nur viel weniger gut sind, als alle glauben, sondern sogar überhaupt nicht„, und – das mag jetzt einige von euch überraschen – während der Herr der Ringe sich zwar selbstverständlich auf dieser Liste befindet, ist er nicht ganz oben, denn sogar ich muss zugeben, dass der Herr der Ringe handwerklich ganz okay geschrieben ist, und dass man daran wahrscheinlich Freude haben kann, wenn einem Plot, Charaktere, Dialoge, intellektuelle sowie ethische Integrität und natürlich die eigene Lebenszeit hinreichend egal sind, aber wir wollen das nicht vertiefen, denn hier geht es nicht um ein Buch, das irgendwo auf einer meiner Listen steht, sondern um das, das ganz oben steht, und das ist in diesem Fall:

Jedes einzelne ver#*!!$§?* Buch von Isaac Asimov! (Ich würde noch mehr Ausrufezeichen setzen, mindestens sieben, aber ich habe meine Prinzipien, und Selbstbeherrschung bei der Interpunktion ist eines der wichtigsten, deshalb geht das nicht.)

Tolkien konnte wenigstens schreiben. Nicht gut. Keine Plots. Keine Dialoge. Er konnte keine Charaktere zum Leben erwecken. Aber er konnte grundsätzlich schreiben. Asimov hingegen … Nein. Was Asimov schreibt, ist keine Belletristik. Was Asimov schreibt, sind keine Geschichten. Während es bei Tolkien schlechte Charaktere gibt, und mittelmäßige Dialoge, und so, gibt es bei Asimov gar keine Charaktere, und Plot und Dialoge sind nichts weiter als extrem fadenscheinige Vorwände, um philosophische und ethische Fragen zu bearbeiten, die ihm wohl interessant und tiefsinnig und schwierig vorkamen.

Ich bin für gewöhnlich geneigt, jedem Menschen seinen Geschmack zuzugestehen, und bin mir sogar darüber im Klaren, dass meiner ein bisschen eigenartig ist, und sogar wenn das nicht so wäre, wäre er für niemanden maßgeblich außer mir selbst (und vielleicht Leute, die mir aus irgendwelchen Gründen gefallen wollen, aber ich schweife ab, wollte diese nicht ganz richtige These nur nicht ganz unkommentiert stehen lassen, bevor ich sie veröffentliche), aber bevor ich glaube, dass jemand Asimovs Alibigeschichten wirklich als Geschichten mag, ist wesentlich mehr Überzeugungsarbeit erforderlich, als irgendein vernünftiger Mensch aufzubringen bereit sein dürfte, weshalb ich wohl verdammt bin, für den Rest der mir gegebenen Zeit durch mein Leben zu gehen in dem Glauben, dass es nur einen einzigen Grund geben kann, aus dem irgendjemand Asimovs Machwerke gerne lesen könnte: Die schon erwähnten interessanten philosophischen und ethischen Fragen. Da ich aber an solche ganz allgemein nicht glaube, und insbesondere in seinem Werk auch keine finden konnte, gibt es für mich gar nichts an seinem Kram zu lesen, und bevor jemand fragt: Ich habe trotzdem seinen gesamten Foundation-Zyklus gelesen, alles von Anfang bis Ende, weil ich damals 12 war und mich aus Gründen, an die ich mich im Detail nicht erinnern kann, dazu verpflichtet fühlte. Ich glaube, es war so, dass mir die Box gefiel, ich sie kaufte, und dann den Gedanken nicht ertragen konnte, ungelesene Bücher in meinem Regal stehen zu haben. Oder so.

Es war schlimm. Ich habe gelitten. Ich habe geflucht. Ich habe gehasst. Und ich hasse auch heute noch. Es gibt nicht sehr viele Menschen, die ich hasse. Aber Isaac Asimov ist einer von ihnen. Und wenn er mir begegnen würde, würde ich ihm vielleicht nicht wirklich einen Kinnhaken versetzen – er ist ja auch schon lange genug tot, um das als offensichtlich völlig idiotische Idee dastehen zu lassen, aber auch unabhängig davon würde ich schon einsehen, dass es keine gute Idee wäre, und dass es so nicht geht, alleine schon, weil ich ja auch nicht will, dass jeder, der meine Geschichten hasst, mich aus den Schuhen haut, wenn er mir begegnet. Oder sie.

Aber verdient hätte er’s.


Neustart erforderlich

28. November 2009

Kennt ihr diese Männergesellschaften, die man manchmal auch in völlig anständigen Restaurants das Pech hat, irgendwo in seiner Nähe vorzufinden? Ich saß gestern Abend neben so einer. Drei reichlich… äh… bodenständig aussehende Herren um die fünfzig saßen um einen Tisch in einem sehr empfehlenswerten Thai-Restaurant und unterhielten sich in ausreichender Lautstärke, um den ganzen Laden zu belästigen, aber noch nicht laut genug, dass man sich legitimerweise hätte beschweren können.

Zunächst handelte es sich um das übliche traurige Bildzeitungsgeschwätz solcher Leute, bis dann einer von ihnen (Nennen wir ihn Smeagol.) erwähnte, gelegentlich mal online „Herr der Ringe“ zu spielen. Die anderen beiden hängten sich daran – buchstäblich – auf. Das Gespräch geriet in eine Schleife:

Mann 1: „Ey sowas kann man mit 15 machen, aber doch nicht mit 45!“
Smeagol: „Doch, das ist ganz lustig.“
Mann 3: „Aber in deinem Alter kann man sich doch mit so einer Kinderkacke nicht beschäftigen!“
Mann 1: „Frauen sind da aber gar keine dabei, oder?“
Smeagol: „Nee, nie.“
Mann 3: „Mit 15 ist sowas Okay, aber mit 45 doch nicht mehr.“
Mann 1: „Also, das kann doch nix sein, da sind ja keine Frauen dabei.“
Smeagol: „Ich find das gerade gut.“
Mann 3: „Ich würd sowas ja nur spielen, wenn da auch ’n bisschen Spasss [Nur echt mit mindestens drei S] dabei ist.“
Smeagol: „Macht ja auch Spass.“
Mann 1: „Aber wie soll denn das gehen ohne Frauen?“
Mann 3: „Das ist doch der Club der Onanisten. Lauter Handarbeiter.“
Mann 1: „Ja, lauter Handarbeiter. Der Club der Onanisten.“
Smeagol: „Ach Quatsch.“
Mann 3: „Ja, aber, hör mal, mit 15 ist sowas doch ganz okay, aber mit 45 spiel‘ ich sowas doch nicht mehr!“
Mann 1: „Und Frauen triffste da auch nicht. Lauter Handarbeiter.“
[Von hier an Wiederholung ad nauseam]

Gegen Ende versuchte Mann 1 noch mal einen völlig neuen Ansatz und bemühte sich ein paar Minunten lang, Smeagol einzureden, er würde ja sein ganzes Leben nach diesem Spiel ausrichten und die ganze Zeit an nichts anderes denken. Smeagol leugnete das vehement. Auf den Hinweis, er würde sich bestimmt jetzt schon die ganze Zeit darauf freuen, wieder zu seinem Spiel zurückzukommen, erklärte er standhaft, nein, mit den beiden anderen was zu unternehmen, das wäre natürlich viel schöner. Ja nee ist klar.
Schien den anderen aber einzuleuchten, denn die kehrten wieder zu ihrem ursprünglichen Ansatz zurück:

Mann 3: „Das ist doch was für Kiddies. Mit 15 ist das ja vielleicht ganz lustig, aber mit 45 spiel‘ ich sowas doch nicht mehr!“