Schluss mit sanfter Therapie!

20. Februar 2017

Sie misstrauen der Schulmedizin, sind aber zu männlich, um schwuchteligen Zuckerpillen und omihaften Kräutertinkturen zu vertrauen?

Natürliche Wirkstoffe klingen Ihnen zu sehr nach hippiehaftem Bio-Blödsinn?

Sie wollen keine chemische Keule, weil Sie zeitgemäßere chemische Kampfstoffe bevorzugen?

Dann haben wir die Alternative für Sie:

BROmöopathie!

BROmöopathische Präparate auf Schwerölbasis kommen komplett ohne Verdünnung aus. Verdickung ist das Motto der BROmöopathie!

Gleiches mit Gleichem? Vergessen Sie’s! BROmöopathie heilt ALLE Krankheiten mit demselben bewährten Mittel:

Bildergebnis für handgranate

Sie sehen richtig! In der BROmöopathie schwafeln wir nicht von fader Ganzheitlichkeit! Echte Männer haben nichts zu schwafeln. Echte Männer handeln. Deshalb fragen wir Sie nicht nach Ihren Symptomen, wir geben Ihnen die Lösung, und für jedes Problem haben wir die richtige: Handgranaten in Schweröl.

Die brutal unnatürliche Alternative für echte Männer.

Sind Sie hart genug für BROmöopathie? Beweisen Sie es, und bestellen Sie JETZT!

[Nachtrag, der mir dummerweise erst Tage nach der Veröffentlich eingefallen sit, obwohl es so toll gewesen wäre:] BRObieren geht über studieren! [Nachtrag Ende.]

Risiken und Nebenwirkungen sind echten Männern egal, deshalb kommen Sie bloß nicht auf die Idee, irgendwen danach zu fragen, Sie Pisser, wenn Ihnen das hier nicht passt, gehen Sie doch woanders hin, Sie können auch gleich paar aufs Maul kriegen, müssen Sie nur sagen, Sie erbärmlicher Wichser, Sie!
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Zwei Beiträge zum Preis von einem oder das kleinste Restebloggen der Welt, oder wie ihr halt gerne wollt.

8. August 2016
  1. Football

Donald Trump sagt ja nun eine Menge schlechtes Zeug. Gerade deshalb sind die verzweifelten Versuche der Medien, ihn um jeden Preis schlecht dastehen zu lassen, manchmal ein bisschen beschämend mitanzusehen. Irgendwer hat kürzlich auf Twitter sehr treffend gesagt, dass unser ganzes System des politischen Diskurses nur auf Skandale und Lapsus ausgerichtet ist, statt auf Inhalte, aber ich finde den Tweet nicht wieder, weil Twitter halt. Aber darum soll es hier sowieso eigentlich gar nicht gehen, sondern um einen anderen Aspekt der ganzen Sache, den ich schon lange faszinierend finde, aber diesmal ganz besonders.

In den Wahlkämpfen um die US-amerikanische Präsidentschaft geht es ja des Öfteren mal explizit darum, wer wohl das Format hat, mit der enormen Verantwortung umzugehen, über den Einsatz nuklearer Waffen entscheiden zu dürfen. Der berühmte Anruf mitten in der Nacht, ihr kennt das. Diesmal war es Hilary Clinton, die meinte, damit etwas erreichen zu können:

„Stellt ihn euch im Oval Office vor, konfrontiert mit einer echten Krise“, rief Hillary Clinton vorige Woche bei ihrer Parteitagsrede. „Wir können einem Mann, den man mit einem Tweet provozieren kann, nicht unsere Nuklearwaffen anvertrauen.“

Sie hat damit unzweifelhaft recht. Aber andererseits hat sie nur einen Ausschnitt davon, denn ganz umfassend richtig müsste man doch unzweifelhaft sagen: Wir können überhaupt keiner einzelnen Person eine solche Entscheidungsbefugnis anvertrauen. Der Spiegel schildert in dem zitierten Artikel den Ablauf so:

Man kann sich das etwa so vorstellen: Der Präsident erfährt von einem Angriff […]In einem solchen Fall bleiben ihm für einen präventiven Gegenschlag mit einem oder mehreren der 925 nuklearen Sprengköpfe der USA höchstenfalls zwölf Minuten: So lange würden z.B. russische U-Boot-Atomwaffen brauchen, um amerikanisches Festland zu erreichen, heißt es. Aus Zeitgründen wurde die Entscheidungskette also dramatisch verkürzt: Der US-Kongress, der eine Kriegserklärung sonst absegnen muss, wird nicht mehr eingeschaltet.Der Präsident wird sofort mit dem Generalstab verbunden, der seine Befehle weitergibt an die Einsatzkräfte. Er berät sich mit den Militärs, allen voran dem Verteidigungsminister, doch alle sind ihm unterstellt: „Sobald der Präsident einen Angriff befohlen hat, gibt es kein Veto mehr“, sagte der Nuklearexperte Franklin Miller, der 31 Jahre lang für die US-Regierung gearbeitet hat, der „New York Times“. „Nur der Präsident hat die Autorität.“

Und eine kurze oberflächliche Recherche vermittelt mir den Eindruck, dass das ungefähr so stimmt. (Und, das tut hier nicht so viel zur Sache, aber findet noch jemand, dass „präventiver Gegenschlag“ ein merkwürdiges Konzept ist?)

Und jetzt mal ganz unabhängig davon, ob diese Person nun George Bush, Barack Obama, Hilary Clinton, Donald Trump oder Muriel Silberstreif heißt: Das ist doch eine evident unvernünftige Regelung. Das gehört doch dringend überarbeitet. Ich würde behaupten, dass es auch früher schon ein blödsinniges System war, als der Kalte Krieg noch der Kalte Krieg war, aber heute geht das doch nun wirklich eindeutig nicht so.

Menschen sind generell sehr fehleranfällig, und natürlich gibt es kein System, das uns zuverlässig davor schützt. Aber einer einzelnen Person, die wie wir alle jederzeit aus den verschiedensten Gründen zeitweise mal nicht in der Lage sein kann, klar zu denken, eine so gewaltige Verantwortung zuzutrauen, ist einfach schwachsinnig. Man kann sicherlich darauf hoffen, dass die ausführenden Personen von der Trägerin des Koffers über den Verteidigungsminister zu den Soldaten eventuell die Befehle eines erkennbar geistig beeinträchtigten Präsidenten verweigern würden, aber gerade wenn das unsere Hoffnung sein soll, wäre es doch fein, dafür ein System einzurichten, das diesen Leuten Richtlinien an die Hand gibt, oder Wasweißich, sowas wie einen Richtervorbehalt? Womöglich gibt es sogar eins, das aber auch irgendwie geheim ist, aber das ist dann ja aus offensichtlichen Gründen auch keine Antwort. Man müsste mehr über die (streng geheimen) Einzelheiten wissen, um einen sinnvollen konkreten Vorschlag zu machen, aber „Diese eine Person hat die Entscheidung in der Hand, ob die Welt untergeht, und niemand darf ihr da reinreden“ hielte ich nicht mal für eine gute Idee, wenn ich selbst diese Person wäre. Oder was meint ihr?

2. Homöopathie

Die FAZ hat sich mal wieder gedacht, dass Berichterstattung nicht ausgewogen sein kann, wenn man nicht beide Seiten gezeigt hat:

„Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen (effectiveness) der homöopathischen Behandlung. Die Ergebnisse zahlreicher placebokontrollierter Studien sowie Experimente aus der Grundlagenforschung sprechen darüber hinaus für eine spezifische Wirkung (efficacy) potenzierter Arzneimittel.“ Laut WissHom gebe es eine Vielzahl von positiven randomisierten klinischen Studien, die eine Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebos zeigten, „auch wenn nur die methodisch hochwertigen placebokontrollierten Studien zur individualisierten Homöopathie herausgegriffen werden, zeigt sich ein positives Ergebnis“.

Und ich will sogleich zugeben, dass ich mich zeitlich damit überfordert fühle, im Einzelnen darzulegen, wo jeweils die Probleme dieser zahlreichen Studien im Einzelnen liegen und warum sie in ihrer Gesamtheit diesen Schluss nicht zulassen. Knapp zusammengefasst findet ihr dazu hier zum Beispiel ein bisschen was, und hier ein bisschen was mehr. Aber ich finde, es reicht schon, zu wissen, was Homöopathie ist. Und ich erlebe immer wieder erstaunlich oft Leute, die das nicht wissen. Die glauben, dass homöopathische Mittel sich dadurch auszeichnen, dass sie halt sanft sind, oder natürlich, oder sowas.

Homöopathie ist aber was Anderes. Sie basiert knapp zusammengefasst auf zwei Ideen:

a) Was bei Gesunden eine Krankheit auslöst, heilt ebendiese bei Kranken.

b) Je mehr ein Wirkstoff verdünnt wird, desto wirksamer wird er.

Und beide Prinzipien verstoßen gegen so ziemlich alles, was Medizin, Chemie und Physik über das Funktionieren unserer Welt wissen. Auch Homöopathen haben kein tragfähiges Modell zu bieten, das erklärt, wie das sein könnte. Sie glauben es einfach. Ohne guten Grund. Und wenn man sie fragt, dann antworten sie sowas wie Frau Bajic auf ihrer Homepage:

Man kann sich die Wirkung von homöopathischen Heilmitteln vorstellen, als käme der Person eine Nachricht zu, die sie befähigt ihre Selbstheilungskräfte optimal einzusetzen.

Und so funktioniert Wissenschaft nun mal nicht. Ich kann mir nicht einfach irgendeinen Kokolores frei ausdenken und dann fröhlich loslaufen und Experimente an kranken Menschen ausführen. Ich brauche zunächst mal eine Grundlage, eine Basis für die Annahme, dass da sowas wie eine medizinische Wirkung sein könnte. Solange das fehlt, sind Studien Zeitverschwendung. Trotzdem haben wir sie im Fall von Homöopathie in großer Zahl durchgeführt, und wenn man die Datenlage betrachtet, zeigt sie wenig überraschend keinen Beleg für eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung. Wenn nun die FAZ trotzdem jemanden unkommentiert etwas anderes behaupten lässt, und zwar eine Person, auf deren Homepage wir den atemberaubend dreisten Hinweis finden:

Homöopathie hilft bei allen Krankheiten, die keiner chirurgischen oder intensivmedizinischen Behandlung bedürfen. Ein sorgfältig ausgewähltes homöopathisches Arzneimittel heilt schnell, sanft, sicher, nebenwirkungsfrei und dauerhaft auch schwere, akute und chronische Erkrankungen, wie Migräne, Neurodermitis, Asthma bronchiale, Colitis, Rheumatismus u.v.a., für die sonst nur Linderung, aber keine Heilung möglich ist. Dies gilt auch für akute Krankheiten bakterieller oder viraler Natur. Solange der Organismus zu einer Reaktion auf die Arznei fähig ist, kann ein homöopathisches Mittel heilen.

dann ist das in meinen Augen verantwortungslos, weil diese Sätze schon zeigen, dass Frau Bajic offenbar entweder nicht in der Lage oder nicht bereit ist, den Stand der Forschung in dieser Sache aufrichtig darzustellen. Sie ist damit eher keine geeignete Repräsentantin einer satisfaktionsfähigen Position in einer öffentlichen Debatte. Es gibt Fragen, bei denen nicht zwei Seiten mehr oder weniger gleichauf um die Wahrheit streiten, und wenn ein Medium dann aber suggeriert, es wäre doch so, dann täuscht es seine Kundinnen und Kunden. Ich stelle doch auch nicht gleichberechtigt einen Gastbeitrag von einem Staatsanwalt, der erklärt, dass Ladendiebstahl strafbar ist, neben den von einem Ladendieb, der erfreut berichtet, dass er jetzt schon fünfmal nicht erwischt wurde und die Praxis deshalb echt empfehlen kann. Oder wie seht ihr das?


von eigenen Denkrichtungen geprägt

25. Februar 2013

Sag noch mal einer, das Internet befasse sich nur mit sich selbst:

Homöopathie durch Ärzte und die Einhaltung des medizinischen Standards

heißt der Artikel von Sebastian Müller und Andreas Raschke in der Neuen Juristischen Wochenschrift (NJW) 7/2013 (S. 428-432), also auf Papier und deshalb ohne Link, und das Thema hat mich natürlich brennend interessiert, da denke ich nämlich auch oft drüber nach.

Es überrascht euch wahrscheinlich nicht, dass ich dabei zu etwas anderen Ergebnissen komme als die beiden.

In der Einleitung stellen die Autoren zunächst fest, dass Homöopathie in „weiten Kreisen der Gesellschaft“ ein hohes Maß an Akzeptanz zu genießen „scheint“, dass es aber eine Kontroverse um die Wirksamkeit gebe (ach was!) und sich deshalb die Frage stelle, wie eine homöopathische Behandlung durch einen „Schulmediziner“ (falls bis hierhin noch Zweifel an der Geisteshaltung der Verfasser bestanden) arzthaftungsrechtlich zu bewerten ist.

Zu diesem Zweck ordnen sie die Homöopathie erst einmal in die „medizinrechtliche Terminologie unterschiedlicher Behandlungsmethoden“ ein, und gleich hier wird es auch schon spannend, denn sie zitieren völlig richtig aus dem Deutschen Ärzteblatt, dass ein Patient nach „dem Stand der naturwissenschaftlichen Erkenntnis und der ärztlichen Erfahrung […]“ zu behandeln ist, und dass ein Behandlungsfehler vorliegt, wenn dieser Standard unterschritten wird. Womit eigentlich schon überraschend klar wäre, wie Homöopathie einzuordnen ist.

Wir sind also gespannt, wie sie da wieder rauskommen. Aber wenn wir ein bisschen Erfahrung mit den Apologeten der Unmedizin haben, dann wissen wir eh schon, was kommt, und wir werden nicht enttäuscht:

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Restebloggen zum Wochenende (48)

18. Juli 2010
  1. Letzte Woche saß ich ungefähr zwei Stunden lang in in der Nähe von Uelzen in einem IC, der wegen eines Böschungsbrandes nicht weiterfahren konnte. Die Informationspolitik der Bahn war wie immer… naja, semiprofessionell („Sehr geehrte Damen und Herren, neben dem Gleis wartet ein Bus als Schienenersatzverkehr nach Uelzen.“ [Ende der Ansage. Keine weitere Erläuterung, kein Hinweis, für wen sich die Nutzung des Schienenersatzverkehrs lohnen könnte, kein Wort darüber, wie und ob es von Uelzen aus weitergeht, kein weiteres Wort.]), aber das kennt man ja. Sogar die Klimaanlage funktionierte die ganze Zeit über tadellos, ich habe also eigentlich keinen Grund zu klagen. Lustig war aber, was dann angefahren kam, nachdem dieser eine Bus hoffnungslos überfüllt aufgebrochen war, ohne eine merkliche Verkleinerung der am Gleis wartenden Menschenmenge bewirkt zu haben:
  2. Mein Vater hat sich gelegentlich gewünscht, dass in seiner Todesanzeige stehen sollte: „Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er mit dem Graben von unterirdischen Gängen.“ Im Nachhinein finde ich es ein bisschen schade, dass ihm niemand diesen Wunsch erfüllt hat.
  3. Abgesehen von einem durchaus gelungenen Hitler-T-Shirt fand sich in der letzten Woche bei Aufklärung 2.0 auch eine aufschlussreiche Debatte zu der Frage, ob Kinder unglücklich machen. Der Autor hat offenbar mehrere Studien zu dem Thema gelesen, die einhellig zu diesem Schluss kommen. Nur in den skandinavischen Ländern scheint das anders zu sein, was möglicherweise an deren Politik liegt. Mindestens genauso interessant wie dieses Ergebnis finde ich aber die Kritik an seinem Artikel, die selten über „Kann doch gar nicht sein, Kinder sind toll, ich kenne total viele Eltern, die irre glücklich sind!“ hinaus kam. Ich weiß wirklich nicht, ob die alle nicht wissen, was echte Argumente sind, oder ob sie nur keine Lust haben, welche zu suchen.
  4. Richtig ärgerlich fand ich diesen Beitrag von Don Dahlmann zur letztwöchigen Homöopathiedebatte und einen Teil der Diskussion darunter.
    Ob die Homöopathie nun was bringt, oder nicht, ich finde die gesamte Diskussion überflüssig.
    Man scheint sich dort generell weitgehend einig zu sein, dass Homöopathie Blödsinn ist, findet aber, dass es trotzdem weiter bezahlt werden sollte, weil es ja immerhin den Placebo-Effekt gibt, und sooo teuer ist das alles ja auch wieder nicht.
    Das verstehe ich gar nicht. Natürlich haben homöopathische Mittel einen Placebo-Effekt, wenn man dran glaubt, aber um den zu erzielen, muss die Solidargemeinschaft nicht den Betrug von Hexendoktoren unterstützen, deren Geschäft schlichtweg darin besteht, ihre Patienten zu belügen und Zuckerkugeln bzw. Leitungswasser als Medizin zu verkaufen. Dürfen Ärzte in Zukunft auch Operationen zum vollen Preis abrechnen, die sie in Wirklichkeit nur vorgetäuscht haben, oder wie?
  5. Matt D. hat beim Blog von Atheist Experience einen sehr lesenswerten Beitrag über die Beziehung zwischen Skeptizismus und Theismus geschrieben. Ich finde es auch immer wieder bemerkenswert, wie auch generell sehr rational denkende Menschen dazu neigen, sich kleine Reservate der Unvernunft zu schaffen.
    If anyone needed evidence of the pernicious, nefarious, deleterious effects of religious beliefs and their ability to protect themselves while affecting their surroundings; they need look no further than the collection of otherwise committed skeptics who not only shy away from the subject but encourage others to do the same.
  6. Ich weiß, ihr habt langelangelangelangelange darauf gewartet, aber irgendwann diese Woche kommt sie endlich zu euch nach Hause: Die Twilight-Rezension! Es wird natürlich ein Verriss, klar, aber eins will ich doch sagen: Ich habe es bis zum Ende geschafft, ohne mir selbst oder dem Buch dabei etwas anzutun. Das ist mehr, als ich zum Beispiel von Stieg Larssons Verblendung sagen kann.

Sanft zur Seele

3. März 2010

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(Symbolbild)

Man stelle sich mal vor, Chevrolet würde ein neues Auto herausbringen, unter dem üblichen Marketing-Tamtam und mit wilden Behauptungen, dass es schneller fährt und weniger verbraucht als herkömmliche Fahrzeuge. Und dann würde sich herausstellen, dass das Ding überhaupt gar nicht fährt, weil nämlich kein Motor drin ist.

Man stelle sich vor, Media Markt würde einen neuen Kühlschrank verkaufen, der angeblich viel weniger Energie benötigt und sanfter zu Lebensmitteln ist als herkömmliche Lebensmittel. Und dann würde sich herausstellen, dass der Kühlschrank einfach nicht kühlt, und auch sonst nichts macht, sondern einfach nur eine billige Sperrholzkiste ist.

Man stelle sich vor, BMW würde seine Autos in Zukunft mit einem neuartigen Airbag ausstatten, der angeblich umweltfreundlicher hergestellt wird als herkömmliche Airbags und außerdem noch jede Verletzungsgefahr durch die explosive Entfaltung ausschließt. Und dann würde herauskommen, dass die Autos einfach gar keinen Airbag enthalten.

Man stelle sich vor, Bayer würde ein neues Medikament bewerben, das angeblich Krebs heilt, und dann würde sich herausstellen, dass es nachweislich wirkungslos ist.

Da wäre ganz schön was los, oder? Die Stiftung Warentest würde ein vernichtendes Urteil veröffentlichen, das alle Medien voller Schadenfreude Pflichtbewusstsein verbreiten würden. Politiker würden sich darüber auslassen, dass hier wieder kapitalistische Gier und niederträchtige Konzerne das Vertrauen der Menschen missbraucht haben, und dass wir dringend schärfere Gesetze benötigen, und Verbraucherschützer würden sich kreischend auf den Boden werfen, ihre Kleider zerreißen und mit den Fäusten trommeln.

Man stelle sich vor, Apotheken und Ärzte würden ihren Kunden gegen alle möglichen Beschwerden Mittel empfehlen, die erwiesenermaßen nicht wirken [Korrektur: besser wirken als andere Placebos] und auch unmöglich [besser] wirken können, weil sie nämlich keinen Wirkstoff enthalten.  Müsste da nicht auch ganz schön was los sein? Warum eigentlich nicht?


Ist es Wasser? Ist es eine Zuckerpille? Nein! Es ist Homöopathie!

26. Oktober 2009

Den folgenden Beitrag habe ich vom Blog der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaften e.V. übernommen. Da ich leichten Angstschweiß bekomme bei der Vorstellung, dass Leute gegen HIV/AIDS mit homöopathischen, äh, Präparaten behandelt werden statt mit echter Medizin, unterstütze ich das Anliegen der GWUP. (Gefunden habe ich das Ganze übrigens via 49suns. Danke, Julia!)

Eigentlich eine tolle Sache: 20 soziale Initiativen, Vereine und Projekte werben noch bis zum 15. November 2009 im die Gunst der Internet-Gemeinde beim Deutschen Engagementpreis der Kampagne “GebenGibt”. Per Maus-Klick entscheidet das Web-Volk, wer den Publikumspreis bekommt – immerhin 10.000 Euro. Echt eine tolle Sache. Doch es gibt einen Haken: Der Verein “Homöopathen ohne Grenzen” (HOG) steht im Ranking kurz vor dem Sieg – ein Verein, der in Entwicklungsländern ernsthaft Homöopathie statt Medizin als Alternative gegen HIV/AIDS empfiehlt. Zitat aus einem HOG-Projekt: “Die Homöopathie ist eine sinnvolle Alternative zu den massiven Medikationen der Schulmedizin. Die eigene Lebenskraft zu stärken nützt natürlich auch den Patienten, die unter einer HIV Infektion leiden.”

Das heißt: Handlungsbedarf! Gewinnen die Homöopathen, geraten 10.000 Euro in die falschen Hände. Dagegen protestieren bereits Skeptiker und Wissenschaftler aus aller Welt in der Blogosphäre (Links siehe unten). Einzige Chance: Stimmen sammeln für einen wirklich sozialen Verein, dessen gute Platzierung das jetzt noch verhindern kann: die SOZIALHELDEN. Wir sprachen mit Raul Krauthausen, dem Initiator des Projekts.

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