Sag mal, muss das so?

27. Februar 2011

Um das ganz klar zu sagen: Ich halte überhaupt nichts davon, Beiträge mit „Um das ganz klar zu sagen“ einzuleiten. Ich mache hier aber mal eine Ausnahme. Ausnahmsweise.

Um das ganz klar zu sagen: Die BILD-Zeitung ist das Papier gewordene Böse, und ich bekomme ganz fiese stechende Kopfschmerzen nebst plötzlich aufwallender Übelkeit, wenn ich auch nur deren Titelschlagzeile versehentlich irgendwo lesen. Wer an der heuchlerischen, widerwärtigen, scheinkritischen „Ihre Meinung zu BILD“-Kampagne teilnimmt, hätte meinen Respekt vollständig verloren, wenn daran schon mal jemand teilgenommen hätte, den ich respektiere.
„Wir sind Helden“ hingegen und insbesondere ihre Sängerin Judith Holofernes fand ich immer vage sympathisch, und ihre Musik höre ich auch gerne. Ich habe sogar deren erstes Album gekauft.

(c) Megafutzi

Trotzdem gefällt mir ihre derzeit im Netz kursierende Antwort auf die Anfrage der Agentur Jung von Matt zur Teilnahme an der Kampagne nicht, und die Begeisterung, die ihr dafür allgemein entgegenschlägt, ist mindestens überzogen, um den Begriff „[Hier stand ein überflüssiger sexistischer Mistbegriff, den ich deshalb nachträglich entfernt habe.]“ zu vermeiden. Wenn Leute Sachen sagen wie: „Endlich wagt mal einer, es auszusprechen“ kann mit dem Ausgesprochenen in aller Regel schon irgendwas nicht mehr stimmen.

So auch hier.

Der Einstieg sagt mir durchaus noch zu. „Ich glaub, es hackt.“ Das hat Schwung, das hat Stil, das kann man so machen. Und auch was danach kommt, ist erst einmal humorig geschrieben und durchaus treffend. Aber dann kommt der Schluss, und den mag ich gar nicht:

„Das Pro­blem dabei: ich hab wahr­schein­lich mit der Hälf­te von euch stu­diert, und ich weiß, dass ihr im ers­ten Se­mes­ter lernt, dass das Me­di­um die Bot­schaft ist. Oder, noch mal an­ders ge­sagt, dass es kein “Gutes im Schlech­ten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.“

Für mich ist das nichts als sinnlos dahingefaselter Bullshit, in seiner verschwörungstheoriehaften Vorwurfshaltung so unsympathisch und unbescheiden, dass ich gar nicht genau weiß, ob ich einigermaßen auf den Punkt bringen kann, was genau mich daran stört.

Warum muss Frau Holofernes hier betonen, sie habe studiert, und zwar „mit der Hälfte von euch“, und dass sie weiß, was „ihr“ da lernt? Glaubt sie im Ernst, dass man irgendwas studiert haben muss, um schon mal den Spruch mit dem Medium und der Botschaft gehört zu haben? Und wie meint sie das überhaupt? Das Medium sind in diesem Fall Plakate. Was für eine Botschaft sind Plakate? Oder meint sie die BILD-Zeitung? Die ist zwar ein Medium, aber nicht in dieser Kampagne, da ist sie die Botschaft, aber das kann sie nicht meinen. Und wer ist überhaupt „euch“? Die Mitarbeiter der Agentur Jung von Matt? Die geheime Weltverschwörung der Marketingisten, die kein hehreres Ziel hat, als uns alle mit ihren subtilen manipulativen Botschaften zu versklaven? Ist Frau Holofernes wohl sehr stolz darauf, durchschaut zu haben, dass eine BILD-Werbekampagne Werbung für die BILD macht?

Ich bin nicht sicher, ob ich zu Recht so viel Blödsinn aus diesen zwei Sätzen herauslese. Kommt euch das auch so vor, oder liegt es doch an mir? Bin ich überkritisch?

Und auch ihre Beschreibung der BILD-Zeitung als „ein bös­ar­ti­ges Wesen, das Deutsch­land nicht be­schreibt, son­dern macht. Mit einer Agen­da.“ mag ich nicht. Natürlich heizt das peinliche Blatt vorhandene studipde Ressentiments und Grundstimmungen an, fährt Kampagnen, schreibt Menschen runter und rauf. Unbestritten. Aber dass es Deutschland „macht“, das zu behaupten ist die gleiche unsinnige Übertreibung und [Hier stand ein überflüssiger sexistischer Mistbegriff, den ich deshalb nachträglich entfernt habe.], der sich auch das Pressegeschwür bedient, das Frau Holofernes kritisieren will. Und der Zusatz „mit einer Agenda“ soll wohl bedeutungsschwanger böse klingen, wirkt aber einfach nur albern, denn wer macht schon was ohne „Agenda“, und was ist falsch daran, eine zu haben?

Der Schlussatz – der vom Anfang – ist dann schon wieder schön, aber das rettet auch nichts mehr. Sie hätte es bei diesem Satz belassen sollen, oder sich vielleicht einfach Christian Gottschalk anschließen, der sich auch eine klare Meinung geBILDet hat.