Wir sind beleidigt

15. Juli 2012

Ich schreib’s jetzt doch auch noch mal hier, nicht zuletzt, weil mich eure Meinung interessiert:

Wenn die Titanic andeutet, ich wäre möglicherweise unvorsichtig mit meiner Fanta inkontinent, warum ist das ein Grund, rechtliche Schritte einzuleiten?

Ist Inkontinenz ein Vorwurf, der mich öffentlich als schlechten Menschen dastehen lässt? Ist das ein Charaktermangel? Sollte ich mich für Inkontinenz schämen? Ist das ein Grund für andere Menschen, mich zu verachten?

Ich bin jetzt nicht so jemand, der überall Geringschätzung von Behinderten und Kranken wittert und dann lautstark Erklärung und Entschuldigung fordert, aber schon aus schierer Neugier würde mich interessieren, wie genau der Vatikan aus diesem Titanic-Cover eine Verächtlichmachung oder eine Beleidigung oder sonst irgendeine Verletzung von Rechen des Papstes herleitet.

Wäre das hier nicht für alle Beteiligten eine prima Gelegenheit gewesen, Souveränität und Reife zu beweisen und einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass eine körperliche Schwäche, die ohne guten Grund als lächerlich und peinlich und beschämend gilt, ein bisschen mehr Akzeptanz erfährt, und den Betroffenen zu zeigen, dass sie sich für ihre Probleme eben nicht schämen müssen?

Wäre das nicht genau die Reaktion, die man, wenn schon nicht von einem zunehmend bedeutungslosen und mäßig interessanten Satiremagazin, so doch zumindest von einer Organisation erwarten kann, die ihre Daseinsberechtigung aus ihrer absoluten Moral und ihrem Einsatz für das Gute und Richtige zieht?