Die Süddeutsche Zeitung macht Carolin Emcke zum Horst

17. Februar 2019

oder so. Weiß nicht, wie viel sie selbst dazu beigetragen hat. Ich traue ihr einiges zu. Egal. Zur Sache:

Facebook macht Moral zum netten Accessoire

titelt die Süddeutsche Zeitung, und ich muss euch gleich jetzt enttäuschen: Es geht nicht um 1 neuen Profilbildeffekt, sondern um was ganz anderes.

In beschleunigten Zeiten, in denen Ereignisse medial verbreitet und kommentiert werden, bevor sie wirklich erlebt sind, ist die Entdeckung der Langsamkeit opportun.

Ja, nee, aus dem ersten Satz des Artikels kann man das natürlich noch nicht entnehmen, denn alle Artikel über Themen, die irgendwas mit Internet zu tun haben, müssen in deutschen Tageszeitungen immer gleich schwammig-labernörgelig anfangen, so will es das Gesetz, da kann bestimmt auch Frau Emcke nichts dafür.

Nicht immer ist die erste Intuition verlässlich, und nicht immer ist die erste Erregung angemessen. Allzu häufig erweist sich das Skandalisierte beim zweiten Blick als weniger skandalös.

Für Zeitungen ist das leider schwierig, weil die halt irgendwann Redaktionsschluss haben. Aber für den Rest von uns ist das womöglich ein guter Rat. Wollen wir also gemeinsam mal gucken gehen, ob sich das Skandalisierte beim zweiten Blick als weniger skandalös erweist?

Natürlich wollen wir das!

Den Rest des Beitrags lesen »


Miriam Meckel nimmt faz.net nicht ernst.

16. Mai 2010

Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, dass sie es nicht für nötig hält, mal ein bisschen nachzudenken, bevor sie da was reinschreibt.

Ihr neuester Artikel beginnt damit, dass sie bei Facebook eine Geburtstagstorte sieht, die sie mögen möchte. Sie klickt also auf „like“ und ist sofort hoch erfreut, einen angemessen dämlichen Einstieg in ihren nächsten faz.net-Artikel gefunden zu haben völlig verunsichert und entsetzt, als sie feststellt, dass diese Funktion auf die Torte nicht anwendbar ist.

Das Mögen ist ein Ausdruck menschlichen Ermessens, und ich muss solche Zuneigung zum Ausdruck bringen können, um sie zum Thema für eine sozial anschlussfähige Kommunikation zu machen. Wenn ich mir aber durch eine Maschine und ihren Algorithmus vorschreiben lassen muss, was ich mögen darf, ob und wie ich diese Neigung zum Ausdruck bringen darf, ist mein Ermessensspielraum beschränkt.

Im weiteren Verlauf ihres Artikels geht sie dazu über, allgemeiner darüber zu schreiben, wie wichtig Zufall und Unberechenbarkeit für die Weiterentwicklung einzelner Menschen und der ganzen Menschheit ist, und dass Computer nie zufällig und immer berechenbar sind. Und deswegen schädlich für unsere Entwicklung. Okay…

Ich könnte das für Satire halten, aber dafür habe ich schon zu viel von Frau Meckel gelesen. Direkt nach dem Lesen habe ich mich gefragt, ob es vielleicht der dümmste Anti-Internet-Beitrag aller Zeiten ist, aber ich fürchte, das Dummheitsfass der Fundamentalkritiker des Internets hat keinen Boden.

Nur für den Fall, dass jemand jetzt gerade von faz.net hier herüberkommt und noch ganz aufgebracht und in Angst um unsere Zukunft schon mit dem Gedanken spielt, seinen PC sofort aus dem Fenster zu werfen, möchte ich ganz kurz auf zwei Denkfehler eingehen, die so evident sind, dass ich mich eigentlich wundere, dass Frau Meckels Rechtschreibprüfung sie nicht automatisch darauf hingewiesen hat:

  1. Es ist nicht eine Maschine, die Ihnen vorschreibt, was Sie mögen dürfen. Es sind die Menschen, die Facebook programmieren. Ihre Idee, dass unsere Freiheit durch Computer eingeschränkt wird, ist manifest unfug, wenn man sich nur kurz mal bewusst macht, dass die Computer bis auf Weiteres noch von Menschen bedient werden.
  2. Computer funktionieren tatsächlich zwar tatsächlich deterministisch – aber wissen Sie was, Frau Meckel? Da sind sie kein bisschen anders als das menschliche Gehirn. Sogar Ihres. Auch wenn das schwer vorstellbar scheint.