Another long and meandering post brought to you by „What’s the harm?“

12. Juni 2012

Ich habe vor langer Zeit angefangen, diesen Beitrag zu schreiben, und ihn dann verworfen, weil er mir zu konfus und – vor allem – zu missverständlich schien. Aber jetzt war hier so lange Pause, und ich habe so wenig Zeit, und an aktuellen Themen fehlt es auch gerade ein bisschen, da dachte ich, eigentlich könnte ich ihn ja doch veröffentlichen, und wer ihn missverstehen will, soll das eben tun, und wer sich an der Konfusion stört, der darf das auch gerne, und wer aber das Thema interessant findet und Ideen dazu beisteuern will, der kann mir helfen, ein bisschen weniger konfus zu werden. (Und das nächste Kapitel Bright Outlook kommt auch schon noch. Sobald ich wieder zum Schreiben komme.) Bitte schön:

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Give war a chance

16. Juni 2010

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=war&iid=7301784″ src=“http://view1.picapp.com/pictures.photo/image/7301784/050419-5313a-414-the-rotor/050419-5313a-414-the-rotor.jpg?size=500&imageId=7301784″ width=“380″ height=“532″ /]

Heute möchte ich mit euch mal über Krieg nachdenken. Habt ihr euch wahrscheinlich schon gedacht. Im Einzelfall bin ich mir selbst nicht sicher, wo ich da stehe. Afghanistan, Kosovo, Irak, Frankreich, ich weiß einfach nicht genug über diese Länder und ihre Umstände, um fundiert darüber entscheiden zu können, ob es richtig war, dort militärisch einzugreifen, oder ob man es besser mit anderen Instrumenten versucht hätte.

Aber ich weiß, dass ich kein Pazifist bin. Ich halte Pazifismus für eine nicht ganz unsympathische, aber letzten Endes doch ausgesprochen unmoralische Einstellung. Ich glaube, dass jeder Mensch grundsätzlich eine Verpflichtung hat, anderen Menschen zu helfen, wenn er es mit vertretbarem Aufwand kann. Wenn ich nachts durch eine Stadt laufe und in einer dunklen Gasse sehe, wie jemand überfallen wird, fühle ich mich verpflichtet, ihm beizustehen. Es ist in so einer Situation nicht immer die beste Entscheidung, selbst einzugreifen. Der Täter könnte bewaffnet sein, und ich bin – für viele von euch vielleicht eine Überraschung – nicht Batman. Das sind gute Gründe, nicht selbst einzugreifen, sondern Hilfe zu rufen. Wer es aber prinzipiell für falsch hält, einen anderen Menschen vor einem Angreifer zu schützen, wenn dafür der Einsatz von Gewalt erforderlich wäre, dessen Moral ist in meinen Augen in dieser Hinsicht sehr, sehr zweifelhaft. Und genau das ist Pazifismus: Die prinzipielle Ablehnung jeglicher Gewalt, zumindest zwischen Staaten.

Und ich finde durchaus, dass die Situation zwischen Völkern und Staaten vergleichbar ist. Saddam Hussein war meines Wissens ein Diktator, dessen Volk in ständiger Furcht vor seiner Geheimpolizei und willkürlichen Gewaltakten lebte. Auch die Taliban hatten in Afghanistan ein Regime auf der Basis von Terror, Gewalt und Mord errichtet. Man kann in beiden Fällen darüber streiten, ob die USA den richtigen Weg gewählt haben, dieses Problem zu beheben. Man kann in beiden Fällen darüber streiten, ob das Resultat den Aufwand und die Anzahl der gefallenen Soldaten rechtfertig. Man meines Erachtens in beiden Fällen nicht darüber streiten, dass es moralisch richtig war, etwas dagegen zu unternehmen. Und wer ernsthaft glaubt, dass das ohne Gewalt möglich gewesen wäre, der muss eine sonderbare Vorstellung von der Offenheit fanatischer totalitärer Regime für freundliches Zureden haben.

Ich habe auch noch kein überzeugendes Argument gehört, das prinzipiell gegen solche Einsätze spräche. Noch mal: Wie genau man dabei im Einzelfall vorgeht, ist eine andere Frage. Gerade im Irak ist ohne Zweifel vieles falsch gelaufen, und der Vorwand für den Angriff war natürlich schlicht gelogen. Aber „Was geht uns Afghanistan an?“ oder „Unsere Soldaten sterben da drüben, weil die ihr Land nicht in den Griff kriegen!“ sind keine moralischen Argumente.Vielleicht kennt ihr bessere; sie würden mich interessieren.

Es ist verständlich, die Leben von Menschen, die einem nahe stehen, höher zu bewerten als die von Fremden. Aber wer ernsthaft findet, dass die Leben deutscher Soldaten grundsätzlich mehr wert sind als die Leben von Afghanen, der hat etwas ganz Entscheidendes nicht verstanden.

Krieg ist eine fürchterliche Sache. Im Krieg sterben und leiden Menschen. Soldaten, Zivilisten, Kinder, Frauen, Männer, und übrigens auch Tiere. Ich finde, dass wir trotzdem nicht die Augen vor der Tatsache verschließen dürfen, dass militärische Gewalt manchmal der beste oder sogar der einzige Weg sein kann, die Abscheulichkeiten, die Menschen anderen Menschen antun, zu verhindern.