Niemand hat die Absicht, einen Vergleich zu errichten.

29. April 2017

Ich war seit Jahren nicht mehr bei MediaMarkt. Deshalb müsstet ihr mir sagen, ob auf den Geräten dort immer noch diese blödsinnigen Beschriftungen kleben, die ein bisschen so aussehen, als würden sie informieren wollen und uns ermöglichen, die vielen verschiedenen Produkte miteinander zu vergleichen, die aber in Wahrheit genau dies nicht tun. Auf dem einen Kühlschrank steht „Fassungsvermögen 230 Liter, Türöffnungsalarm, Stromverbrauch maximal 120 Watt“, auf dem anderen steht „Stromverbrauch pro Jahr 164kWh, 28 Liter Gefrierfach, Biofresh-Zone“, und auf dem dritten meinetwegen noch „Luftschallemission maximal 40dB, freistehend, 37kg Gewicht“.

Ich fand das immer doppelt ärgerlich, weil es erstens rein sachlich so doof ist, und zweitens weil ich auch den Verdacht habe, dass es nicht nur der Unfähigkeit der verantwortlichen Personen geschuldet ist, sondern dass ich in irgendeiner Weise auch verschaukelt werde. Mag sein, dass ich der MediaMarkt-Führung da zu viel zutraue, aber so wars jedenfalls immer.

Daran musste ich gerade denken, als ich James Kirchiks Text über Donald Trump auf faz.net las. „Der Gelegenheitsfaschist“ heißt das gute Stück, und es enthält neben viel anderem Schmarrn und einigen sicherlich zutreffenden Beobachtungen den folgenden eigenartigen Absatz:

Natürlich will ich Eisenhower und Trump nicht miteinander vergleichen.

Und ihr könnt euch sicher vorstellen, was Herr Kirchik unmittelbar danach, also wirklich direkt, ohne was dazwischen, schreibt:

Eisenhower half, die westliche Zivilisation vor der Barbarei zu retten, und war Präsident einer erstklassigen Bildungseinrichtung (der Columbia University), bevor er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, während Trump nur ein ordinärer Egomane ist, der sich einst vor dem Militärdienst drückte.

Und ich verstehe natürlich, wie er das meint, deswegen will es auch natürlich nicht weiter kommentieren. Es ist halt extrem albern, erst ausdrücklich zu schreiben, dass man etwas nicht tun will, und dann direkt im Anschluss doch genau das zu tun. Aber es kann auch großen Geistern mal passieren, hab ich gehört.

Was mich eigentlich stört, ist der Inhalt des Vergleichs, denn er ist völlig unsachlich und unfair.

Eisenhower hält er zugute, dass er Präsident einer Universität war (Ein guter? Ein schlechter? Wer weiß. Egal. Wir wollen ja eh nichts vergleichen.), während der Umstand, dass Trump ein großes privates Unternehmen geführt hat, völlig unter den Tisch fallen darf. Warum? Trump ist „nur ein ordinärer Egomane“. Hätte Herr Kirchik mehr Respekt für einen extraordinären Egomanen? Ist er qualifiziert, krankhafte Persönlichkeitsstörungen fernzudiagnostizieren?

Eisenhower „half, die westliche Zivilisation vor der Barbarei zu retten“. Hätten wirs noch ein bisschen großspuriger gehabt? Er war halt Soldat, und zu Endes des zweiten Weltkrieges General of the Army. Das kann man durchaus ambivalent bewerten, und es ist ja nun nicht so, dass es uns in dieser Welt an schwachsinniger Heldenverehrung für Leute mangelt, die die Tötung anderer Leute in mehr oder weniger großem Stil durchführen und oder organisieren, deswegen muss ich zwar zugeben, dass der Vergleich zu Trump, der „sich vor dem Militärdienst drückte“, zwar inhaltlich immerhin ein bisschen mehr Sinn ergibt als der andere, darf aber erklären, warum ich ihn trotzdem ganz und gar nicht in Ordnung finde: Erstens scheint das mit dem „drücken“ nicht ganz klar zu sein. Er wurde, wie ich das verstehe, wegen eines Fersensporns ausgemustert, auch wenn die Geschichte Trump-typisch ein bisschen … schwer zu konkretisieren scheint. Aber zweitens, jetzt mal ehrlich, wollen wir wirklich in eine Gesellschaft, in der wir den charakterlichen Wert von Leuten davon abhängig machen, dass sie mal für Geld auf andere geschossen haben?

Es gäbe doch so vieles, was man an Trumps Charakter bemängeln kann. Vieles davon zählt Herr Kirchik doch sogar auf. Warum muss dann da dieser unfaire Quatsch stehen, der nicht nur keinen Sinn ergibt, sondern auch ganz klar ein Menschen- und Gesellschaftsbild verrät, das aus meiner Warte gar nicht so viel weniger bekloppt und „ordinär“ sein dürfte als das, worüber er sich erheben will. Und falls ihr euch jetzt fragt: Soweit ich das erkennen kann, hat Herr Kirchik auch nie eine Uniform getragen, oder überhaupt irgendwas anderes gemacht als für Geld zu schreiben. Aber dafür kämpft er ja jetzt in der FAZ für die westliche Zivilisation gegen die Barbarei. Macht ihn das nun besser als einen durchschnittlichen Universitätspräsidenten, oder schlechter, und welche Rolle spielt das alles überhaupt?

Weiß ich auch nicht. Müsstet ihr James Kirchik fragen. Und falls ihr eine Idee habt: Ihr wisst ja, wo die hingehört.

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