Ich kann das nicht zulassen, Dave

18. Februar 2011

IBMs Schöpfung Watson hat also zwei Menschen in der Fernsehshow „Jeopardy“ besiegt, und unsere Medien haben die Gelegenheit genutzt, um eine alte Beobachtung von mir zu bestätigen:

Jedesmal, wenn ein Computer irgendwas besser macht als ein Mensch, geht anscheinend in jeder Redaktion Deutschlands jemand an einen sehr alten, eingestaubten, spinnwebverhangenen Aktenschrank und sucht den „Computer sind schneller und effizienter und so, aber wir sind kreativ und haben eine Seele!“-Artikel heraus, um Daten und Namen auszutauschen und das Ding dann zu veröffentlichen.

Warum eigentlich?

Mich regt das auf. Sind Medien dafür da, Nachrichten für uns mitzuteilen, auszuwerten und einzuordnen, oder sind sie dafür da, Nachrichten diffus anzudeuten, um uns dann umgehend ausführlich zu beschwichtigen und uns zu versichern, dass wir nach wie vor die Krone der Schöpfung sind?

Ich habe jetzt drei oder vier Artikel über Watson gelesen, und ich weiß im Prinzip nichts über diesen Computer. Ich weiß nicht, was er kann, wie er es macht oder was das Besondere an ihm ist. Ich habe nur ein paar unscharfe Semiinformationen aufgeschnappt, wie die Tatsache, dass er viele Informationen gespeichert hat und auf das Internet zugreifen kann, um Wissenslücken auszugleichen.

Dafür weiß ich jetzt jede Menge darüber, dass Jeopardy-Fragen nichts mit Intelligenz zu tun haben, was Watson nicht kann (wirklich denken, fühlen, kreativ sein) und wie einzigartig der menschliche Verstand ist und wahrscheinlich immer bleiben wird.

Super. Danke, Qualitätsmedien.