Kommentar zum Altpapier vom 2. Januar, Teil 1

3. Januar 2014

Ja nee, keine Sorge, das wird jetzt keine regelmäßige Serie. Mir ist bloß kein besserer Titel eingefallen, unter dem ich mich mit den Themen des gestrigen Altpapiers auseinandersetzen könnte, was ich wollte, was klar ist, weil ersichtlich, dass ich es zu tun plane, was ja nicht der Fall wäre, wenn ich es nicht wollte, wie ihr euch sicher denken könnt, insbesondere wenn ihr mich schon ein bisschen kennt, was ich annehme, weil doll viel Fluktuation gibt es erfahrungsgemäß unter meinen Lesern nicht, was einerseits schade ist, weil ein nicht ganz rational erklärbarer Ehrgeiz mich wünschen lässt, ich hätte mehr, was echt keinen Sinn ergibt, weil man ja zugeben muss, dass meine Leser und Kommentatoren, auch wenn sie nicht so viele sind, doch größtenteils sehr angenehme Zeitgenossen sind, mit denen sich gut reden lässt, was ich sehr zu schätzen weiß, weshalb es eigentlich echt keinen Sinn ergibt, sich drüber zu ärgern, was aber eigentlich auch egal ist, weshalb wir jetzt

zur Sache kommen:

Greenwald hat in seiner Rede eine Grenze überschritten, als er ‚wir‘ sagte statt ‚ihr‘. Er hat sich mit den anwesenden Hackern gemein gemacht, mit den Aktivisten und Bürgerrechtlern. Er sieht sich als einer von ihnen.

schreiben Kai Biermann und Patrick Beuth für die Zeit über den Eröffnungsvortrag Glenn Greenwalds zum Kongress des CCC in Hamburg.

Und da sind natürlich schon so ein paar Schlüsselformulierungen drin, die mich zu ganz polemischem Widerspruch reizen. „eine Grenze überschritten“, etwa, oder „sich […] gemein gemacht“, oder „die Zeit“.

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Der Appell gegen Journalismus

30. Oktober 2013

Die Presse ist „die Vierte Gewalt“? Journalismus ist „ein Beruf wie das Bäckerhandwerk“? Journalismus wird es immer geben, denn er ist unverzichtbar für die Demokratie? Falsch. Auch die Abschaffung der Sklaverei galt vor gar nicht so langer Zeit noch als Utopie. Und auch wenn die Sklaverei aus unserer Welt keineswegs ganz verschwunden ist, so wäre es heutzutage für einen aufgeklärten, demokratischen Staat doch undenkbar, die Sklaverei zu tolerieren oder gar zu propagieren.

Doch genau das tut Deutschland mit dem Journalismus: Es toleriert, ja fördert diese moderne Sklaverei (international „write slavery“ genannt). Das neu geschaffene Leistungsschutzrecht, das angeblich den geschätzt 85.000 deutschen Journalisten nutzen sollte, trägt die Handschrift der Verleger und ihrer LobbyistInnen. Ein deutscher Sonderweg. Selbst Russland rudert zurück. Die arabischen Länder und China haben schon vor Jahren die Ächtung und Bestrafung der freien Presse eingeführt. Die USA und Grobritannien sind im Begriff, es ihnen nachzutun.

Das System Journalismus ist Ausbeutung und zugleich Fortschreibung der traditionell gewachsenen Ungleichheit zwischen Papierzeitungen und Online-Content.  Das System Journalismus degradiert Autoren zur käuflichen Berufsgruppe und verletzt die Menschenwürde von Männern und Frauen – auch die der sogenannt „freiwilligen“ Journalisten.

Darum fordern wir von Politik und Gesellschaft:

  • Eine Gesetzesänderung, die der Deregulierung von Journalismus (online wie offline) schnellstmöglich Einhalt gebietet und die Journalisten schützt.
  • Prävention in Deutschland und in den Herkunftsländern, sowie Hilfen zum Ausstieg für Frauen im Journalismus. Und Schutz vor Abschiebung von Zeuginnen sowie deren Aufenthaltsrecht.
  • Aufklärung über die Folgen von Zeitungskauf bereits in den Schulen etc.
  • Ächtung und, wenn nötig, auch Bestrafung der Leser; also der Zeitungskäufer, ohne die dieser Menschenmarkt nicht existieren würde.
  • Maßnahmen, die kurzfristig zur Eindämmung und langfristig zur Abschaffung des Systems Journalismus führen.

Ein menschenwürdiges Leben ist denkbar.