Abbitte

21. August 2011

Das ist jetzt unangenehm. Da habe ich mich gerade eingedenk solcher Erfahrungen wie der mit Black Sheep eben erst abfällig über das Fantasy Filmfest geäußert, und dann fahre ich heute hin, und werde völlig weggeblasen von der schieren Freude an guten Filmen, die mir da den ganzen Tag entgegenweht. Wow.

Es begann mit Get Shorty, einer Sammlung von neun Kurzfilmen. Die waren natürlich nicht alle gleichermaßen fantastisch, aber es war nach meiner Erinnerung kein Totalausfall dabei, und schon eine solche Perle wie „La malediction terrible“ über einen Zombie, der sein Typecasting Leid ist, wäre den Eintritt und die Anreise wert gewesen. Dass es dann außerdem noch Albtraummateriel wie „Hungry Hickory“ über eine gierige kleine Schrankklappe in einem Hotelzimmer, oder Brüller wie „Rise of the Christmas Trees“ gab, ließ mich beinahe darüber hinwegsehen, dass der ver#*?&$!! Ben&Jerry’s-Tresen im Cinemaxx Hamburg Dammtor immer nur dann öffnet, wenn ich gerade woanders bin.

Auf die Shortys folgte mit Julia X 3D ein Film, der meine Erwartungen sogar dann übertroffen hätte, wenn er ausgefallen wäre, so wenig erhoffte ich mir von dem angekündigten Torture Porn, und nur wegen Kevin Sorbo konnten Elmo und ich uns überhaupt überwinden, den saftigen 3D-Ticket-Preis hinzulegen (Naja, für mich war es nicht so schwer, denn er hat bezahlt, aber es geht ja auch ums Prinzip.). Aber dann. Ich weiß auch nicht. Dieser Film über eine junge Frau, die von einem streckenweise überraschend feinsinnigen Serienmörder entführt wird, hält so viel Originalität und einfach umwerfenden Humor bereit, dass ich Seiten darüber schreiben möchte, aber das Programmheft hat schon Recht: Falls ihr mal eine Gelegenheit bekommt, ihn euch anzusehen, ist es durchaus dem Genuss zuträglich, sich überraschen zu lassen. Ich beschränke mich deshalb auf eine kurze Empfehlung: Falls ihr nicht zu empfindlich auf ein bisschen Schmerz und Blut reagiert, und Humor auch in etwas härterer Gewalt noch finden könnt, dürft ihr den nicht verpassen. Dürft ihr nicht. Echt jetzt.

Und nach dem Abendessen haben wir uns nach langem Zaudern – jetzt wieder in Begleitung Keonis und einer weiteren Freundin – Urban Explorer gegeben. Deutscher Film halt, aber da die Alternativer ein französischer Gefängnisausbruchsstreifen war, ist es dann doch der Fahrerbunker geworden, der offenbar wirklich so heißt. Man muss diese Art Horror mögen, der in dunklen, leicht klaustrophobischen Räumen spielt und viel mit Schreckeffekten und musikalischen Crescendos arbeitet. Ich mag ihn nicht und war deshalb streckenweise ein bisschen genervt, aber erstens ist der Antagonist derart gelungen und die Opfer genrerelativ so sympathisch, dass ich den Abspann trotz aller Schwächen mit einem guten Gefühl an mir vorbeirollen sah, und zweitens folgte dem Film noch ein so umwerfend sympathischer Auftritt des Regisseurs und des Produzenten, dass ich der Bitte der beiden sogar gefolgt bin und mich ihr hiermit auch anschließen möchte, die halbwegs wörtlich lautete: „Und falls uns jemand unterstützen möchte, zum Beispiel bei Facebook… Bitte tut es! Bitte! Wir haben nur 350 Likes, das ist soo peinlich, deshalb… Bitte! Bitte!“

Ich bin so begeistert, dass ich gar nicht weiß, ob ich gleich einschlafen kann. Und jetzt fürchte ich, dass der Sonntag, den ich mir eigentlich als Highlight meines diesjährigen FFF-Erlebnisses ausgemalt hatte, da auf keinen Fall mehr mithalten kann. Wir werden sehen.