Restebloggen (84)

13. März 2012
  1. Aus der facebook-Werbung:
    „Play Thirst of Night
    Buid a vampire civilisation, exterminate the human vermin“
    Moment mal. Da hat doch jemand nicht zu Ende gedacht.
  2. Ich hab noch nie was gewonnen! Und dann auf einmal: Sechs Tafeln Schokolade von Lindt&Sprüngli. Unglaublich! Und weil die mich gebeten haben, meine Erfahrungen mit anderen zu teilen, mache ich das jetzt: Es waren die Sorten Weiße Schokolade Mandel, Haselnuss-Nougat und Orangen-Trüffel. Mandel schmeckt total großartig, Orangen-Trüffel so lala, und Haselnuss-Nougat eben wie weiße Schokolade mit Nougat. [Offenlegung: Ich habe diese Tafeln bei einem öffentlichen Facebook-Gewinnspiel-Dings gewonnen. Lindt&Sprüngli weiß nicht mal, dass ich ein Blog habe und hat mir außer diesen sechs Tafeln auch nichts weiter zukommen lassen. Weder ich noch einer meiner Angehörigen oder jemand, der sonst mit mir in einer Beziehung steht, arbeitet für Lindt&Sprüngli oder eine ihrer Tochtergesellschaften, soweit ich weiß. Mir wurden keinerlei Vorteile oder Vergünstigungen für diesen Beitrag in Aussicht gestellt und ich habe ihn eigenständig geschrieben. Lindt&Sprüngli hat mir keine Vorgaben gemacht und mich auch nicht um eine positive Bewertung gebeten. Ich habe keinerlei offene Verbindlichkeiten gegenüber Lindt&Sprüngli und habe auch sonst nichts mit ihnen zu tun, abgesehen davon, dass ich ihre Schokolade gern esse. Die Maître Chocolatier haben zu keiner Zeit Angehörige von mir entführt und ihr Leben, ihre Gesundheit oder sonstige Bedeutsame Rechtsgüter von Angehörigen von mir oder mir selbst bedroht, um mich zu einer positiven Beurteilung ihrer Produkte zu bewegen. Sie haben auch sonst keine Druckmittel gegen mich in der Hand. Insbesondere verfügen die Maître Chocolatier über keine vertraulichen Unterlagen von mir, haben keinen Einblick in meine Buchführung und sind auch nicht im Besitz von Nacktfotos meiner Person oder von Menschen, die mir in irgendeiner Weise nahe stehen. Ich befinde mich in diesem Moment nicht in der Gewalt der Maître Chocolatier und könnte diesen Käfig jederzeit verlassen, wenn ich wollte, und mich irgendwie von dieser riesigen Eisenkugel befreien könnte, die an meinem Knöchel angekettet ist. Hilfe.]
  3. Wer weiß, wie sehr ich Frau Käßmann schätze und verehre, wird nicht überrascht sein, dass mir dieser wenn auch kurze Beitrag von Recotard ein breites cremiges Grinsen bescherte: Ist im Angesicht der Käßmann Zuversicht und damit Leben möglich? Wie “ein junger Mann, der nach mehreren schweren Gehirnoperationen körperlich und geistig sehr beeinträchtigt ist”, für diesen Affirmationsdreck missbraucht wird, ist am 6. April um 13.05 Uhr zu sehen. Hey, wie wär’s eigentlich, wenn wir da ein Liveblog einplanen würden? Wir müssen ja nicht unbedingt über die Sendung reden.
  4. Und dass ich Game-One-Fan bin, ist gewiss auch kein Geheimnis, aber hier führt Wolf mal ein Spiel vor, das echt originell aussieht. In „I am alive“ müssen wir als einer der wenigen Überlebenden des Weltuntergangs böse Jungs mit einer nicht geladenen Waffe in Schach halten, bewaffneten Großmüttern ausweichen und mit begrenzter Ausdauer auf Trümmern herumklettern.
  5. Zu meinen vielen, vielen, vielen Guilty Pleasures gehören die Reviews von That Guy with the Glasses und Linkara. Letzterer hat den zusätzlichen Vorteil, Comics zu rezensieren, von denen ich bisher keine Ahnung habe, weil ich sie einfach nicht gern lese. So kann ich mir zumindest einreden, dass meine Zeit nicht ganz verschwendet ist, weil er mir hilft, meine Nerd Cred aufzustufen. Da blick ich sogar darüber hinweg, dass er sich gelegentlich zu seinem christlichen Glauben bekennt und darauf hinweist, dass er bestimmte Inhalte beleidigend findet. Hier spricht er zum Beispiel von dem ausgesprochen beunruhigenden Lady-Gaga-Comic, in dem eine nicht mehr ganz junge Bürodrohne ihr nicht mehr ganz gesunde liebe zu Lady Gaga, ihrer Musik und ein paar anderen Dingen entdeckt. Sehr nett ist auch diese Besprechung des PSA-Comics, in dem ein Haufen Lehrer mit Ausrüstung aus einem Büroladen die Fantastischen Vier und Spiderman retten.
  6. Ich liebe ja ganz aufrichtig so Internetreviews wie die gerade von Linkara. Aber sogar für mich hört es auf, wenn die audiokommentierte Versionen ihrer Reviews hochladen. Und ich habe wirklich keine besonders hohen Standards, was meine Unterhaltung angeht. Aber sag mal… ein Audiokommentar zu einer Rezension? Was zum…?
  7. Wichtige Lektion:
    Never Underestimate The Power Of Stupid People In Large Groups

De Maizière findet Hekatombe für Taliban sinnvoll

3. Juni 2011

Erneut ist ein Bundeswehrsoldat bei einem Anschlag in Afghanistan getötet worden. Verteidigungsminister Thomas de Maizière zeigt sich erschüttert – und bezeichnet ein Opfer von hundert Rindern an den Gott Zeus für die radikalislamischen Taliban als „nötig und sinnvoll“.

Quelle: Campus-Zeitung caz, Dresden, Urheber: Tobias Krecht

„In unseren Gedanken und mit unseren Tieropfergaben an die Olympischen Götter sind wir bei dem Gefallenen, seiner Familie und seinen Angehörigen“, sagte de Maizière am Donnerstag bei einer Pressekonferenz auf dem Olympischen Tempeltag in Dresden. Er halte aber auch massenhafte Tieropfer für die radikalislamischen Taliban für sinnvoll: „Das Opfern hunderter Stiere, Ziegen, Lämmer und Esel an Zeus, Ares und Pallas Athene für Täter und Opfer – für Opfer gleich welcher Nation – ist gut und richtig. Insoweit ist auch eine Hekatombe im Namen des blitzeschleudernden Götterfürsten und seiner Nachkommen für die Taliban nötig und sinnvoll.“ Allerdings ersetze das Blutopfer nicht die praktische Politik. „Es kann die Basis dafür sein, es kann eine große Hilfe sein, aber es kann nicht alles sein“, so de Maizière.

Der Verteidigungsminister, der dem Tempeltagspräsidium angehört, reagierte damit auf Äußerungen der populären Theologin Margot Käßmann. Die frühere Ratsvorsitzende der Olympischen Tempelgemeinschaft in Deutschland hatte am Vormittag vor mehreren tausend Menschen eine gemeinsame Opfergabe mit den Taliban als eine „wesentlich bessere Idee als die Bombardierung von Tanklastwagen“ bezeichnet.


Zivilcourage, die Zweite

19. Februar 2011

Ich wollt’s euch eigentlich ersparen, aber nachdem Bioschokolade mich nun sogar explizit dazu aufgefordert hat, mich ausführlicher mit Frau Käßmann und ihrem europäischen Preiskulturstiftungsdings auseinanderzusetzen, gibt es natürlich kein Halten mehr. Aber keine Angst, ich fasse mich trotzdem kurz:

Ja. Frau Käßmann sollte offenbar den Preis vorrangig für ihr „Lebenswerk“ bekommen, insbesondere dafür, dass sie „Probleme, die gesellschaftlich tabu waren, mit „Klartext“ belegt [hat]. Symbolisch dafür steht ihre Aussage: „Nichts ist gut in Afghanistan“.“ Und sie selbst ist anscheinend der Meinung, sie hätte ihn dafür auch verdient.

Und wie soll ich sagen: Ich hätte es angemessener gefunden, ihn doch nur für betrunkenes Autofahren und den anschließenden Rücktritt zu verleihen.

Dass ich an einem Leben als Geistliche und Bischöfin zunächst mal grundsätzlich nichts Preiswürdiges finde, ist euch sicherlich allen klar, das muss ich wohl nicht erklären.

Insbesondere finde ich aber nichts, was diesen Preis verdient hätte. Nichts ist gut in Afghanistan? Ja, Wahnsinn! Wie mutig muss man eigentlich sein, um öffentlich auf die Fehler und Probleme anderer hinzuweisen und zu sagen, dass man Krieg doof findet? Dass im Krieg Menschen sterben, traut sich hierzulande ja wirklich niemand zu sagen, außer unserer Klartext-Bischöfin Margot Käßmann. Hätte sie uns nicht darauf hingewiesen, wir hätten nie erfahren, dass Soldaten Waffen benutzen. Danke auch!

Hu. Verzeihung, lasst mich mal kurz durchatmen.

So, jetzt geht’s wieder. Hab mich gerade ein bisschen in meinen Ärger hineingesteigert. Trotzdem bleibt es dabei: Ich finde an ihren Äußerungen damals nichts Lobenswertes, und auch nichts Couragiertes. Was hat es sie gekostet, das zu sagen? Genau. Es gibt genug Menschen, die wirklich Opfer bringen und Risiken eingehen, um Gutes zu tun. Das ist Zivilcourage. Welches Opfer hat Frau Käßmann gebracht?

Der Rücktritt hat sie immerhin ihren Job gekostet. Das Gejammer darüber, wie furchtbar Krieg ist, war gratis.


Weniger reden, mehr zuhören

27. Februar 2010

Ich finde ja, dass ein guter Teil der viel zu hysterischen Diskussionen in diesem Land vermieden werden könnte, wenn man weniger versessen darauf wäre, seine Meinung zu verteidigen, und mehr versuchen würde, die der anderen zu verstehen. Oder mit den Worten von xkcd:

You don’t use science to prove you’re right. You use science to become right.

In diesem Sinne würde ich mit euch gerne über ein paar Themen sprechen, über die ich in den letzten Tagen nachgedacht habe. Zu manchem habe ich schon eine Meinung, zu manchem wirklich noch nicht. Aber bei allen will ich hier nicht rumkrakeelen und sagen, wie’s richtig ist, sondern ich würd’s gerne von euch wissen. Eure Sichtweise interessiert mich sehr, denn meine eigene kenne ich ja schon. Natürlich kann ich es dabei nicht ganz lassen, auch zu verraten, wohin ich tendiere. Ich bin ja auch nur ein Mensch. Ich bilde mir aber wirklich nicht ein, die Antworten schon zu kennen. Ehrenwort.

Versuchen wir also gemeinsam mal einen echten Dialog, statt des sonst üblichen Schreiwettbewerbs, bei denen am Ende keiner mehr weiß, worum es eigentlich ging.

  1. Muss natürlich sein: Westerwelle. Ich habe nicht den Anspruch, alles gelesen zu haben, was er so gesagt hat. Aber ich habe seinen Artikel in der Welt gelesen und ihm auch sonst schon hin und wieder zugehört. Und ich frage mich: Woher kommt der Hass? Ist es das Gesamtbild? Oder gibt es tatsächlich einzelne Zitate von ihm, die ich nicht kenne, die die atemberaubende Ablehnung begründen, die ihm zurzeit entgegenschlägt?
    (Um die Sache ein bisschen einzugrenzen: Wir wollen hier nicht darüber diskutieren, ob er mit irgendwas Recht oder Unrecht hat. Ich möchte nur darüber reden, wo er eurer Meinung nach den Bereich der Achtung der Menschenwürde verlassen hat und zum widerwärtigen Hetzer wurde.)
  2. Käßmann. Über die bin ich wirklich noch ganz unschlüssig. Muss man wegen so etwas zurücktreten? Darf man? Ist das ein Vergehen, das nichts mit ihrem Amt zu tun hat? Oder hat sie sich mit diesem Fehler so disqualifiziert, dass sie ihr Amt nicht mehr ausfüllen kann? Verdient der Rücktritt Respekt? Macht er vielleicht sogar das ursprüngliche Vergehen schon wieder wett? Oder ist er nur eine Selbstverständlichkeit und das ganze Hochachtungs-Geschwafel nur Augenwischerei?
  3. Nochmal Käßmann. Einen Schritt zurück. Ich habe so ein Gefühl, dass es unanständig ist, dass diese Verfehlung von ihr dermaßen öffentlich stattfindet. Ein Mensch sollte sowas mit sich ausmachen können. Oder muss die Öffentlichkeit es erfahren, wenn jemand in so exponierter Stellung so entgleist? Wäre es eher unanständig gewesen, die Menschen nicht darüber zu informieren, dass die höchste Repräsentantin der evanglischen Kirche in Deutschland eine… tja, kaum entschuldbare Straftat begangen hat?
  4. Brauchen wir einen öffentlich-öechtlichen Rundfunk in Deutschland? Ist es gut, dass wir einen haben? Darf der auch Sachen ins Internet stellen, oder soll er im Fernsehen bleiben? Wie finanziert man ihn am besten? Sollte es vielleicht sogar eine öffentlich-rechtliche Zeitung geben?

So, ich hoffe, dass da für jeden mindestens ein Thema dabei ist, das ihn interessiert. Ich bin gespannt auf eure Gedanken.


Frisch, fromm, fröhlich, Käßmann

28. Oktober 2009

Ich wollte ein bisschen nörgeln, aber ich war mir nicht sicher, wie und worüber.

Denn einerseits ist es natürlich gerechtfertigt, dass unsere Medien heute ausführlich darüber berichten, dass eine der zwei großen Kirchen Deutschlands eine neue Vorsitzende gewählt hat. Sicher ist das irgendwie eine Meldung, und sicher ist es durchaus nicht uninteressant, wem knapp 25 Millionen Deutsche ihr Seelenheil anvertrauen und wer diese 25 Millionen Deutschen zukünftig in Glaubensfragen repräsentieren darf.

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Andererseits ärgere ich mich einfach immer wieder darüber, dass die Kirchen in Deutschland einfach kraft ihrer scheinbaren gesellschaftlichen Durchdringung in mehrerer Hinsicht über einen Einfluss verfügen, der ihnen meiner Meinung nach kein bisschen zusteht.

Die EKD ist ein Verein, dessen Mitglieder durch die abenteuerliche Annahme verbunden sind, dass die Welt von einem allmächtigen und allwissenden Wesen erschaffen wurde, das vor rund 2000 Jahren mit einer menschlichen Frau einen Sohn zeugte, um die Menschheit von ihren Sünden zu befreien, indem dieser von besagter Menschheit zuerst gefoltert und dann grausam getötet wurde, um ihnen dann hinterher vergeben zu können.

Trotzdem erhalten die Repräsentanten dieses Vereins in unschöner Regelmäßigkeit eine öffentliche Plattform, um ihre mal mehr, mal weniger abstrusen Ansichten zu diversen wichtigen Themen zu äußern, obwohl diese Ansichten sich in der Regel auf zwei Bücher gründen, die Jahrtausende alt, in sich widersprüchlich und nach allem menschlichen Ermessen von hochgradig Bekloppten geschrieben wurden. Ungeachtet dieser kleinen Indizien gegen ihre Relevanz werden die beiden Bücher von den Vereinsmitgliedern für die ewige und einzige Grundlage von Moral und Recht gehalten. Warum also dürfen die dabei sitzen, wenn sich andere Leute ernsthaft unterhalten wollen?

Sogar beim Rückhalt in der Gesellschaft kann man meiner Meinung nach durchaus an den Kirchen zweifeln. Nicht ganz die Hälfte der Deutschen glaubt überhaupt an Gott – obwohl zugegebermaßen auch nur ein Viertel sich dem Atheismus zuordnet -, und Gottesglaube ist ja nun noch lange nicht identisch mit Kirchentreue. Abgesehen davon, dass es auch noch andere Kirchen gibt als die christlichen, behaupte ich mal völlig furcht- und quellenlos, dass maximal ein Drittel der Kirchenmitglieder ihren Glauben wirklich ernst nimmt. Wir dürfen nicht vergessen, dass man dort einfach per Taufe Mitglied wird und dann austreten muss, was nach meiner Erfahrung viele nur deshalb nicht tun, weil sie keine Lust haben, sich dafür zu rechtfertigen, oder weil sie es so nett finden, sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen. Wirkliche Kenntnis und Überzeugung von der christlichen Glaubenslehre ist da zumindest unter meinen Bekannten sehr, sehr, sehr selten zu finden.

Oder um es anders zu sagen: Die Leute von 7 Tage, 7 Köpfe (Gibt es das eigentlich noch?) verdienen in meinen Augen ähnlich viel Respekt und Raum für ihre Meinung zu Gentechnik, Abtreibung, Verhütung und Ethik wie die Repräsentanten dieser anderen Comedy-Truppe, die genausowenig lustig ist, und dafür noch anmaßend, selbstgerecht und bigott.