Eigentlich logisch

10. April 2012

Heute hörte ich im Auto den aktuellen Godless-Bitches-Podcast, und das war wie immer sehr unterhaltsam und lehrreich. Ihr solltet das auch tun. Ladet eine Episode runter. Ladet zwei. Ihr wisst schon. Eigentlich wollte ich aber auf was anderes hinaus.

Die Bitches sprachen darüber, dass eher konservative Gruppierungen irgendwo gegen die Errichtung einer Klinik für die Behandlung zeugungsunfähiger Paare protestierten und kamen von da aus auf die Frage, welche der gängigen Maßnahmen gegen Unfruchtbarkeit nach katholischem Verständnis von Moral überhaupt zulässig sind. Dass künstliche Befruchtung nicht infrage kommt, muss ich wohl nicht näher erläutern, aber vielleicht war euch bisher genauso wenig wie mir bewusst, dass schon die Untersuchung der zeugungswilligen Partner nicht ganz einfach ist.

Schließlich muss ein Mann, der in dieser Hinsicht untersucht werden will, eine Samenprobe abgeben, und das setzt – unfassbar, aber wahr – eine Ejakulation voraus, die nach dem Willen des allmächtigen Schöpfers des Universums nur an einem Ort zulässig ist, nämlich in der Vagina der Ehefrau dieses Mannes. (Unwillkürliche nächtliche Ejakulation ist übrigens okay. Die katholische Forschung ist sich offenbar noch nicht ganz sicher, was das soll, geht aber davon aus, dass es okay ist, weil man ja nun mal nichts dagegen tun kann und Jahwe sich schon was dabei gedacht haben wird.)

Erstes Problem.

Nun sind Menschen generell erfindungsreich, und Katholiken kaum weniger, und die Lösung liegt ja eigentlich auch nahe: Der Mann verwendet ein Kondom, sammelt darin seinen Samen und gibt das dann nachher in der Klinik ab. Die aufmerksamen Leser haben allerdings schon gemerkt:

Zweites Problem.

Kondome gehen natürlich gar nicht, denn der allmächtige Schöpfer des Universums findet es absolut inakzeptabel, wenn ein Mann seinen Penis mit einer undurchdringlichen Membran verdeckt, während er mit seiner Ehefrau koitiert. Aber auch hier ist die Lösung so schlicht wie eindrucksvoll: Das Kondom wird perforiert. Natürlich muss man dabei vorsichtig sein, denn es soll ja nicht ganz reißen und seinen Inhalt noch einigermaßen zuverlässig aufbewahren. Zum Glück genügt ein sehr kleines Loch, um den allmächtigen Schöpfer des Universums zufrieden zu stellen, denn damit besteht ja die Möglichkeit, dass ein paar Samen nach draußen gelangen und Kontakt mit den Schleimhäuten der Partnerin des Mannes herstellen. Die katholische Forschung hat bis heute keine Antwort auf die Frage gefunden, warum dieser Kontakt zwischen Samen und Vagina für Jahwe so wichtig ist, aber ich bin sicher, sie sind der Sache auf der Spur.

Das ganze Verfahren hat zwar (unter anderen) den Nachteil, dass ein Verunreinigung der Probe nicht ganz ausgeschlossen werden kann, aber immerhin ist es auf diese Weise tatsächlich auch Katholiken möglich, eine einigermaßen vernünftige gängigen medizinischen Standards entsprechende Untersuchung der Samen auf Dysfunktion durchzuführen. Meine Damen und Herren: die wunderbare Welt der nicht willkürlichen, ewig gültigen, absoluten Moral. Da können wir schnöden Materialisten nur staunend zusehen.

Und für alle, die so wie ich Zweifel daran hatten, dass es wirklich erwachsene Menschen gibt, die so einen Quatsch für erforderlich, sinnvoll und richtig halten: Überzeugt euch doch selbst.


Ja, ich weiß, ich könnte auch mal wieder zu einem anderen Thema schreiben. Mach ich auch bald.

24. März 2011

Aber das möchte ich gerne kurz hier festhalten:

Der Vatikan startet offenbar eine Gesprächsinitiative mit Atheisten.

Das ist eigentlich natürlich eine lobenswerte Idee. Ein Dialog ist nahezu immer gut, und ich freue mich sehr über jeden Christen, der hier oder anderswo vernünftig mit mir diskutieren möchte.

Aber andererseits ist es doch schon irgendwie putzig.
Normalerweise würde ich in meiner jugendlichen Unvernunft erwarten, dass man vor so einer total sympathischen Gesprächsinitiative zum Beispiel von der Position abrückt, die andere Seite hätte es verdient, nach ihrem Tod für alle Ewigkeit zu leiden. Dass man also sozusagen als erstes Zeichen des guten Willens zumindest infrage stellt, ob die Position der anderen Seite wirklich die grausamste aller denkbaren Strafen verdient hat, oder ob es nicht vielleicht doch noch Leute gibt, die moralisch unter denen stehen, mit denen man angeblich ein Gespräch wünscht. Hitler zum Beispiel. Auf den sollten wir uns doch einigen können, oder nicht? Der war doch echt schlimm, oder?
Ich weiß, dass viele Christen, sogar viele Katholiken das gar nicht so sehen wie der Vatikan, und ich weiß das zu schätzen. Aber das Angebot kommt nun einmal vom Vatikan, und nach meiner Lesart steht es nach wie vor so im Katechismus, und in der Bibel sowieso, und ich sehe nicht, wie sich das mit dem angeblichen Wunsch nach einem offenen Dialog unter einen großen albernen Hut bringen lässt.
Versteht mich nicht falsch: Wenn der Papst morgen anfängt, hier zu kommentieren, lösche ich seine Beiträge nicht. Und wenn er mich anruft, dann spreche ich auch gerne mit ihm. Vielleicht sogar, wenn es ein R-Gespräch ist. Aber ein bisschen inkonsistent ist die Sache doch schon, oder?


Ich sollte öfter in die Kirche gehen.

4. Dezember 2010

Herr Alipius hat drüben in seinem Blog eine Predigt veröffentlicht, die er offenbar heute gehalten hat. Er hat mir freundlicherweise erlaubt, sie hier zu veröffentlichen, wofür ich ihm danke.

Ich füge dem Text nichts weiter hinzu, weil ich denke, dass er prima für sich selbst spricht. Falls ihr mich wissen ließet, wie ihr darüber denkt, würde mich das sehr freuen.

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Im Buch des Propheten Jesaja finden wir im 40. Kapitel berühmte Sätze. Jedoch gibt es sie in zwei geringfügig sich unterscheidenden Versionen:

Einheitsübersetzung: „Eine Stimme ruft: / Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße / für unseren Gott!”

Luther-Bibel: “Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem HERRN den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott!“

Ich möchte mich heute auf die Erste Übersetzung konzentrieren. Inhaltlich sind beide Versionen richtig, denn der Rufer Johannes war ein Mann der Wüste, vertraut mit Entbehrung, gekleidet in Tierhaar, gespeist von Heuschrecken und wildem Honig. Er war der Rufer in der Wüste.

Aber sein Ruf richtet sich auch an die Wüste. Damals ebenso wie heute. Nun stehen wir heute nicht unter glühender Sonne in ödem Land und murren über Entbehrung und Wasserknappheit. Unsere Wüste präsentiert sich anders.

Was ist denn die Wüste anderes als ein Ort, der mit Lebensfeindlichkeit, Leblosigkeit und Unfruchtbarkeit assoziiert wird?

Begegnen wir heute nicht oft – zu oft – Menschen, deren Herzen und Seelen verdorrt und trocken scheinen, weil noch niemand den Weg des Herrn zu ihnen geebnet und begradigt hat?

Und sehen wir nicht ebenfalls immer und immer wieder die Früchte der Lebensfeindlichkeit, der Leblosigkeit, der Unfruchtbarkeit, die dort zu ernten sind, wo Christus die Menschen nicht in ihrem Innersten berührt hat?

Begegnen uns heute nicht in den Medien verwirrende Berichte über die diversen Möglichkeiten, welche der Mensch sich zu eigen macht, um das Leben nicht zu ermöglichen, um das Leben in seiner Entstehung abzuwürgen, um das Ende des Leben beschleunigt herbeizuführen?

Und werden wir nicht immer und immer wieder Zeugen der seltsamen Mechanismen, mit welchen dieser Mangel an einem unbedingten „Ja“ zum Leben kompensiert werden soll, indem man sich in groteske Scheinwelten vermeintlichen Lebens flüchtet? Scheinwelten, welche der menschlichen Natur zutiefst widersprechen. Denken sie an die Verwüstungen, die Alkohol- und Drogenmissbrauch in den Familien anrichtet, an die Unsicherheit und die Angst, die sich hinter übertriebenen Schönheitsoperationen verbergen, an die Aushöhlung der menschlichen Sexualität als ein immer und überall zu habendes Privatvergnügen ohne Verantwortung und Folgen.

Johannes spricht auch heute noch zu uns, wenn er sagt: Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe!

Aber nicht nur das. Er sagt auch: Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt!

Zuerst liegt es also an uns. Wenn wir unsre Herzen öffnen und in dieser Adventszeit unsere Seelen reinigen (z.B. durch den Empfang des Bußsakraments), dann können wir auch in der Wüste unserer Welt den Weg ebenen für unsren Herrn und Gott Jesus Christus.

Natürlich ist in der heutigen Zeit eine christliche oder gar katholische Missionierung ein Störfaktor. Die Menschen wollen in ihrer Sündhaftigkeit bestätigt und nicht hinterfragt werden. Aber – liebe Brüder und Schwestern – denkt nicht daran, wie steil der Weg sein mag oder wie hoch die Hindernisse. Denkt an Jesus, auf dessen Ankunft wir uns in diesen Tagen wieder vorbereiten, und denkt an das Heil, welches er für alle Menschen bereit hält.

Wie wunderbar wäre es, wenn es uns gelingen könnte, in diesen Tagen auch nur einen Menschen dazu zu bewegen, daß er sich besinnt, daß er in sich geht, daß er sich öffnet für diese ganz andere, radikale Art des Lebens und der Liebe, die uns seit über 2000 Jahren aus einer kleinen Krippe ihre Kinderärmchen entgegenreckt.

Es sind die gleichen Arme, die selbst am Kreuz noch ausgebreitet sind, weil unser Herr ununterbrochen uns zuruft: Kommt zu mir! Ich mache Euch heil!

Möge es uns allen gelingen, in diesen Tagen den Weg des Herrn in der Wüste zu ebenen, ihm eine grade Straße zu den Herzen der Menschen zu richten.

Gelobt sei Jesus Christus


Warum nicht?

29. September 2010

Drüben bei Sende-Zeit läuft gerade in lockerer Folge eine Reihe von Bekennerschreiben Leuten, die erklären, warum sie Katholiken sind. Das hielt ich für sehr interessant, weil ich persönlich (Vielleicht ist es euch aufgefallen.) einfach nicht begreife, warum jemand an einen Gott glaubt, geschweige denn einer Religion angehört. Heute erschien nun ein Bekennerschreiben von Alipius Müller mit einer besonders, naja, bemerkenswerten Begründung, die mich irgendwie… angesprochen hat:

Warum ich (immer noch) katholisch bin?

Warum sollte ich es nicht sein?

[…]

Wie kann ich nicht katholisch sein, wie kann ich nicht katholisch bleiben wollen, wenn ich jetzt schon die beruhigende Gewißheit habe, daß selbst nach dem Ableben meiner Eltern (welches der Herrgott gerne noch viele Jahre aufschieben darf) das Familienleben weitergeht? […] Warum ohne die Gnade Gottes und ohne die Hilfe des Magisteriums mein eigener Herr sein, wenn es mit ihnen schon schwer genug ist, sich einerseits selbstbewusst und selbständig und andererseits doch verantwortungsvoll und nicht ganz so aufgebläht zu geben?

Gleich vorweg mal: „Warum nicht?“ ist viel öfter, als man gemeinhin denkt, die grundfalsche Frage.

Egal. Natürlich darf Herr Müller glauben, was er will, und er darf selbst entscheiden, welcher Glaube ihm persönlich am meisten gibt. Trotzdem ist es mir ein Bedürfnis, seine Frage zu beantworten:

Weil es einfach nicht wahr ist. Weil das Leben nach dem Ableben nicht weiter geht. Weil die Gnade Gottes nicht real ist. Weil die Gewissheit falsche Gewissheit ist. Weil wir nur dieses eine Leben haben, nach dem alles vorbei ist, und weil dieses eine Leben deshalb unendlich viel wertvoller und kostbarer ist, als es wäre, wenn es quasi nur einen Fußabtreter darstellte für die Ewigkeit, die uns bevorsteht.

Weil Ihr Glaube Sie lehrt, Ihr skeptisches Denken auszuschalten, unkritisch für wahr anzunehmen, was frei erfunden ist, und weil Sie dann solche Sachen wie die da oben schreiben und sich blamieren.

Weil falsche Überzeugungen zu falschen Entscheidungen führen, und damit zu falschem Handeln. Weil wir Veantwortung für unser Handeln haben und deshalb verdammt noch mal verpflichtet sind, unser eigener Herr zu sein.

Weil – und ich weiß, dass ich mich hier weit aus dem Fenster lehne, aber dieser kleine Essay von Herrn Müller belegt es aus meiner Sich sehr schön – Religion die Gefahr in sich trägt, unsere Augen zu verschließen vor dem, was sie uns nimmt.

Alipius Müller versteht nicht, wo die Bereicherung wäre, wenn er den Glauben aus seinem Leben verdrängte. Manche Drogenabhängige verstehen nicht, wo die Bereicherung wäre, wenn sie sich von ihrer Sucht befreiten. Manche Schüler verstehen nicht, wo die Bereicherung ist, wenn sie verstehen, wie unsere Welt funktioniert und etwas über die physikalischen und logischen Gesetze lernen, die sie beherrschen.

Die Gläubigen unter euch knirschen jetzt möglicherweise mit den Zähnen und denken, dass ich es einfach nicht verstehe. Und ihr habt Recht, ich verstehe es nicht. Erklärt es mir, bitte.

Ich kann nicht ausschließen, dass Herr Müller durch seinen Glauben tatsächlich ein glücklicheres und erfüllteres Leben hat, als er es ohne hätte. Aber ich kann trotzdem nicht anders, als angesichts seines Abschlusses halb lächelnd, halb traurig mit dem Kopf zu schütteln:

Weil jemand anderes es mir sagt? Nein, danke! Mein Glaube hat mich gelehrt, für mich selbst zu denken und zu entscheiden.

Ach… Sehen Sie, Herr Müller, das meine ich. Genau deshalb.


Zu vorsichtig

8. Februar 2010

Kürzlich habe ich in einem Artikel zu den Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg geschrieben:

„Ich denke nicht, dass Geistliche generell schlechte Menschen sind. Ich halte sie für intellektuell unehrlich, entweder gegenüber sich selbst oder gegenüber anderen. Aber ich bin nicht der Ansicht, dass sie schlechte Menschen sind. Es gibt bestimmt sehr viele sehr sympathische Geistliche, die sicher viel Gutes tun.“

Ich habe das getan, um deutlich zu machen, dass ich keinesfalls der Meinung bin, jeder Geistliche wäre zwangsläufig ein krimineller Menschenfeind oder zumindest ein potentieller Kinderschänder. Bin ich nämlich wirklich nicht. Trotzdem wurmt mich dieser Absatz, seit er da steht, weil er ein bisschen so klingt, als fände ich es gut, dass es Geistliche und Kirchen gibt.  Finde ich nämlich überhaupt nicht. Organisierte Religion baut darauf auf, Menschen durch gezieltes Verbreiten der Unwahrheit zur Unmündigkeit zu erziehen und dafür Geld von ihnen zu verlangen. 

Dieser Vorwurf ist nun ziemlich generalisiert und kann unmöglich im selben Umfang auf jede einzelne religiöse Organisation dieser Welt zu treffen. Bei Scientology ist es sehr offensichtlich, beim Buddhismus vielleicht ein bisschen weniger. Um es mir und euch ein bisschen leichter zu machen, wähle ich ein konkretes Beispiel, und zwar die römisch-katholische Kirche, die hier in Deutschland meines Wissens noch immer die meisten Mitglieder hat. Diese Organisation behauptet, die Lehren Jesu Christi verbreiten zu wollen. Sie wird geleitet von jemandem, der sich als Statthalter Gottes auf Erden sieht und gelegentlich gerne mal was mit dem Anspruch verkündet, unfehlbar zu sein. Sie ist die reichste Privatorganisation der Welt. Sie verfügt über ihren eigenen theokratisch organisieren Staat. Ihre Repräsentanten leben in Palästen. Ein Erzbischof verdient monatlich rund 10.000 EUR, und er wird ausschließlich aus Steuergeldern bezahlt. Was wohl Jesus davon gehalten hätte? Die Frage ist gar nicht so schwierig, er hat es uns nämlich gesagt:

  • Lukas 3,11: Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, der tue auch also. [Ich weiß jetzt nicht, wie viele Röcke der Papst hat. Aber wir können uns wohl darauf einigen, dass er Speise hat, und dass es reichlich Leute auf der Welt gibt, die keine haben.]
  • Lukas 14, 33: So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein. [Kennt jemand einen Christen, der sich von allem losgesagt hat, was er hat?]

Und noch mal zum Thema, wieviel Selbstbetrug eigentlich dazugehört, noch an die Bibel und das Wort Jesu Christi zu glauben, wenn man sie wirklich gelesen hat:

  • Markus 11, 24: Darum sage ich euch: Alles, worum ihr betet und bittet – glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil. [Hervorhebung von mir.]

Ich weiß schon ungefähr, was ein Geistlicher dazu zu sagen hätte: Jesus hat das nicht so gemeint. Er meinte das im übertragenen Sinne. Nicht wörtlich. Er meinte… (und dann kommt eben das, was der befragte Geistliche für richtig hält, zum Beispiel, dass Homosexuelle nicht heiraten dürfen).

Soweit Jesus. Reden wir doch auch mal über das Alte Testament. Ist euch mal aufgefallen, wie viele Kinder, Tiere und sonst wie Unbeteiligte Unschuldige Gott dort auf teilweise grausamste Art tötet? Man muss dafür nicht einmal auf irgendwelche obskuren Sachen zurückgreifen, von denen noch keiner gehört hat. Schon die bekannte Geschichte von Moses und dem Pharao ist ein Dokument atemberaubender Grausamkeit und sinnlosen Mordens des biblischen Gottes, der die Quelle unserer moralischen Werte und der Schöpfer unseres Universums sein soll.

Weil sich sogar im religionsfreien faktenorientieren Teil der Bevölkerung hartnäckig die Überzeugung hält, die Bibel wäre prinzipiell schon eine ganz brauchbare Quelle moralischer Orientierung, und weil wohl sogar der größere Teil der christlichen Bevölkerung dieses unerträgliche Machwerk nicht gelesen hat, biete ich noch ein paar andere, weniger bekannte Zitate aus der Heiligen Schrift:

2. Mose 21: 20 Wer seinen Sklaven oder seine Sklavin schlägt mit einem Stock, dass sie unter seinen Händen sterben, der soll dafür bestraft werden.21 Bleiben sie aber einen oder zwei Tage am Leben, so soll er nicht dafür bestraft werden; denn es ist sein Geld. [Ja, das steht da wirklich so. Denn es ist sein Geld. Deswegen darf man seine Sklaven nach Herzenslust verprügeln, solange sie danach noch ein paar tage lang überleben.]

2. Petrus 2, 18: Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter, nicht allein den gütigen und freundlichen, sondern auch den wunderlichen. [Ja, das ist sogar Neues Testament! Mein Geschichtslehrer hat mir früher mal gesagt, Sklaverei hätte der HERR nur im Alten noch gut gefunden.]

5. Mose 22,5: Eine Frau soll nicht Männersachen tragen und ein Mann soll nicht Frauenkleider anziehen; denn wer das tut, der ist dem HERRN, deinem Gott, ein Gräuel. [Und wir wissen alle, was mit Leuten passiert, die dem HERRN ein Gräuel sind, nicht wahr? Es tut einem fast ein bisschen Leid um all die Schotten.]

4. Mose 31: 17 So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind;18 aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben. [Da steht nicht ausdrücklich, zu welchem Zweck man die unberührten Mädchen leben lassen soll. Aber ich denke nicht, dass viel kranke Phantasie dazu gehört, sich vorzustellen, wie das gemeint ist. Oder?]

Sehr gerne zitiere ich auch

Exodus 22: 18 Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen. 19 Wer bei einem Vieh liegt, der soll des Todes sterben. 20 Wer den Göttern opfert und nicht dem HERRN allein, der sei verbannt.

Auch hier bin ich sicher, dass die Apologeten der Kirche zahlreiche alternative Deutungen und Erklärungen bereithalten, um uns vorzuspiegeln, das wäre ja alles gar nicht so zu verstehen, wie es da steht. Aber wenn ich mir immer von Fall zu Fall aussuchen darf, ob die Worte der Bibel so oder anders gemeint sind, wie sie da stehen, oder ob sie vielleicht auch mal das Gegenteil bedeuten, wofür brauche ich dann noch eine Heilige Schrift?

Das meine ich, wenn ich sage, dass jemand, der die Bibel gelesen hat, sie sogar jahrelang studiert hat, und trotzdem auf eine Kanzel klettert und Leuten erzählt, sie wäre das Wort Gottes und die Wahrheit und die Grundlage seines Glaubens, in höchstem Maße unehrlich sein muss. Es geht nicht anders.

Trotzdem sind die Repräsentanten dieser Kirche sich nicht zu schade, allen, die nicht an ihren unsinnigen Hokuspokus glauben, die wildesten Vorwürfe zu machen:

Von atheistischen Positionen geht keinerlei orientierende, zukunftsweisende Kraft aus. Die Nichtglaubenden essen die Früchte von dem Baum, den sie vorher mit Begeisterung gefällt haben. Der Atheismus ist nur erdacht worden, um die Menschen zur Verantwortungslosigkeit zu erziehen und so leichter ideologisch manipulieren zu können – so könnten wir der flachen Religionskritik entgegenhalten. Es gibt keine atheistisch begründete Ethik.
Gerhard Ludwig Müller, Bischof von Regensburg [via Astrodicticum Simplex]

Ist klar. Ideologische Manipulation. Damit muss man sich als Bischof wohl auskennen, schätze ich. Und wir wissen alle, dass kaum etwas so gut zu Bewusstsein für die eigene Verantwortung erzieht wie das Wissen, dass ein allmächtiges, allwissendes Spaghettimonster Wesen uns über alles liebt und uns alle unsere Sünden vergibt, solange wir uns nur zu ihm bekennen, uns aber ewiger Qual und enlosem Leiden überlässt, wenn wir das nicht tun, egal, wie vorbildlich wir ansonsten gelebt haben.

Und wer auf der Grundlage solcher offenkundigen Unwahrheiten, so schreiend offensichtlicher Heuchelei, so unfassbar dreister Unehrlichkeit noch immer versucht, Menschen in die Kirche zu locken, der ist, wenn ich noch einmal darüber nachdenke, eigentlich doch – ein schlechter Mensch.


noch viel zu lernen

6. Februar 2010

Ich will diesen Beitrag hier vorsichtig schreiben, denn ich will nicht, dass meine Abneigung gegen jede Art von Religion und insbesondere gegen ihre organisierten Träger, die Kirchen, mich zu einer Polemik verleitet, die manchmal ganz lustig ist, in diesem Zusammenhang aber nicht angebracht wäre.

Martin Lohmann, der Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken (AEK) in der CDU und Vorsitzender der Bundesverbandes Lebensrecht (BVL) hat in der FAZ einen Artikel zu den kürzlich bekannt gewordenen Fällen von Kindesmissbrauch am Canisius-Kolleg in Berlin veröffentlicht, der den aufschlussreichen Titel trägt: „Schuld ist nicht ‚das System'“.

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